Sonntag, 30 Dezember 2018 15:05

Путь - Песни смерти

geschrieben von
Artikel bewerten
(6 Stimmen)

Wenn meine Kyrillisch-Kenntnisse doch nicht nur so nicht-existent wären! Dieser Gedanke kommt mir bei meinen Streifzügen durch die Metal-, Rock- und Punkwelt der russischen Föderation in letzter Zeit häufiger. Mit „Path – Death Songs“ bzw. Путь - Песни смерти habe ich, mehr durch Zufall (oder vielleicht durch die Nähe zu Estland) ein weiteres Kleinod entdeckt und man muss wohl irgendeinem Algorithmus danken, der mir den Link untergejubelt hat. Meine Recherche vor dem Review hat mir allerdings nicht viel geholfen etwas über die Band herauszufinden.

Es gibt es zwar eine Metal Archives Page, Twitter und Bandcamp, sowie Streamingmöglichkeiten auf jeder größeren Plattform, aber keine „echte“ FB oder andere Präsenz mit mehr Informationen (außer der Künstlernamen, woher die Band stammt und dass zwei Splits vor dem Debüt produziert wurden). So sind die fünf Russen zumindest laut MA noch nicht anderweitig in Erscheinung getreten, haben aber mit „Death Songs“ ein wirklich bombastisches Post-Black Debüt geliefert, das nicht nur in seiner Länge, sondern auch in seiner Qualität beeindruckt. Das Cover-Artwork ist recht einfach gehalten, liefert aber dennoch einen sehr passenden ersten Eindruck, was zu erwarten ist: Eine atmosphärische Lautmalerei der tristen und kalten Einöde aus winterlicher Hoffnungslosig- und Einsamkeit. Dabei springt die Band gekonnt zwischen klassischen Anleihen des Black Metal -mit seinen starken Soundwänden, Double Bass-Getrümmer und minimalistischem Riffing- auch immer wieder in sphärische Klänge, in denen ein Akkordeon (für baltische und russische Verhältnisse durchaus nicht unüblich) einen zentralen und integralen Bestandteil bildet. Die Band hat sich dazu entschieden, sobald das Instrument in Erscheinung tritt, dieses nicht im Hintergrund zu verstecken, sondern gerade den Fokus darauf zu richten. Der gezogene, tragende und fast schon jammernde Ton-Output des Akkordeons ist dabei zuerst gewöhnungsbedürftig, fügt sich aber, gerade in den ruhigeren Passagen zusammen mit den Soundeffekten in Form von blasendem Wind, perfekt in das Gesamtszenario.

Dies ist wohl der größte Überraschungsfaktor, aber auch eine geniale Art und Weise den Songs eine gewisse Dynamik einzuhauchen und immer wieder Pausen zum Verschnaufen zu lassen, bevor die Blastbeats, Growls und harten Riffs den gefrorenen Boden aufreißen. Diesen Effekt aber nur dem Akkordeon zuzusprechen, wäre zu kurz gesprungen und auch in Songs wie "Волос твоих пепел, Рахиль" (zu Deutsch etwa: Deine Haare sind Asche, Rachel), zeigt sich im direkten Vergleich, dass auch die Gitarrenarbeit von Mark Shamchinskiy einen ähnlichen Effekt erwirken kann. Die Wandlungsfähigkeit von Path, wie auch der kompositorische Einfallsreichtum zeigen sich hier auch wunderbar durch den Einsatz einer sirenenhaften Frauenstimme, die dem Song zum Outro hin eine weitere verträumte Komponente schenkt. Auch nach mehrfachem Hören der Scheibe fällt mir momentan keine Band ein, die ich hier als Vergleich heranziehen könnte, außer vielleicht Wolves In The Throne Room, aber wiederum mit mehr Abwechslung und mehr Biss. Dass das Album, das Anfang/Mitte Dezember 2018 auf den Markt kam, jetzt schon knapp 50.000 Aufrufe und über 3500 Likes eingeheimst hat, ist einerseits verständlich und andererseits wirklich beachtlich - und wieder stellt sich mir die Frage, ob hier nicht nicht andere Projekte hinter den Musikern stehen, die mir nicht geläufig oder entgangen sind. Gerne freue ich mich über Kommentare/mehr Infos zur Band, sollte einer der treuen Leser mehr wissen.

So bleibt mir als Fazit nur eine hohe Punktzahl und die Empfehlung, die Band weiterhin im Blick zu behalten um auch den nächsten Output einem kritischen Blick zu unterwerfen.

Tracklist:

01 Эпитафия

02 Так пела метель

03 Кости первых

04 Прометей

05 Над гробом ветхим

06 Цветы зла

07 В чертоге белом

08 Волос твоих пепел, рахиль

09 Культ 1 - огни далёких холмов

10 Культ 2 - сатурн

Translation:

1. Epitaph

2. So sang a Blizzard

3. Bones First

4. Prometheus

5. Above the Old Coffin

6. Flowers of Evil

7. In the White Hall

8. Your Hair Is  Ashes, Rachel

9. Cult 1: Fires of the Far Hills

10. Cult 2: Saturn


Bewertung:

9,5 von 10 Punkten

Weitere Informationen

  • Band: Путь
  • Album Titel: Песни смерти
  • Erscheinungsdatum: 12.12.2018
  • Fazit: So bleibt mir als Fazit nur eine hohe Punktzahl und die Empfehlung, die Band weiterhin im Blick zu behalten, um auch den nächsten Output einem kritischen Blick zu unterwerfen.
Gelesen 1759 mal Letzte Änderung am Montag, 31 Dezember 2018 16:29

Medien

Песни смерти Путь