Freitag, 07 September 2018 15:20

Hyems - 1997

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Deutscher Black Metal, wo gehst du nur hin? Gefühlt werden in diesem Genre seit ein paar Jahren genau zwei Klangrichtungen produziert: Oldschool Fressbretter und ein übermelodischer, ja fast weinerlicher Sound, der schnell in die überquellende Schublade „Post BM“ gestopft wird. Hier freue ich mich immer, wenn es eine Band schafft, sich zwischen den Dimensionen zu bewegen, und einen Tanz auf der Schneide nicht nur wagt, sondern auch schafft. Hyems aus Marburg ist so ein Kandidat.

Die Band, die das 20-jährige bestehen bereits geknackt und bisher in regelmäßigen Abständen Outputs auf den Markt geworfen hat, kerbt drei Jahre nach dem großartigen „Devianz – Dem Menschen Ein Wolf“ mit dem schlichten Titel „1997“ eine neue EP ins Holz. Hyems bewegt sich damit stringent an einer klaren Linie aus melodischem BM, ohne in eins der besagten „Extreme“ abzurutschen. Zugegeben, weltbewegend Neues wird hier nicht erschaffen (was aber auch nie Absicht gewesen ist) und so könnte bei manchem Track mehr als eine Parallele zu anderen bestehenden Bands gezogen werden („Das Messer Ist Offen“ mutet gar "Fäulniseresque" an, oder "Ich" an einen Darkthrone/Satyricon Output). Auch der Aufbau kennt kein echtes Novum: Blastbeats, Gitarrenwände, Screams und Growls und trotzdem – trotzdem schaffen es die Marburger einen ganz eigenen Twist in die Songs zu packen. So spielt die Band wie kaum eine andere einen Wechsel zwischen monotonen Passagen und unvermittelt einsetzendem Dauerfeuer, nicht selten mit abrupten Brüchen zwischen den Songs, die ekstatische Momente mit Lethargie verknüpfen und dem Hörer keine Pause gönnen.

Erneut schafft es die Band, dass jeder Track auch einzeln für sich stehen könnte und – mehr noch als bei „Devianz“ – fast ausnahmslos „Hymnencharakter“ aufweist. War dort der Titeltrack meine Hybris, ist jetzt „Mein Betlehem“ der Song, der rauf und runter läuft. Während dem Lied ist Mitshouten und die wohlgesetzten Breaks mit wütend gereckter Faust kommentieren absolut notwendig. Wird die gebetsmühlenartige Distanzierung von extremen politischen Richtungen seit knapp einer Dekade immer wieder gefordert, um zumindest im autonomen Zentrum Klein-Braunhausen spielen zu dürfen, ist dies bei Hyems schon Programm „bevor es cool war“. So setzt die Band mit dem letzen Song „Nazi Black Metal Fuck Off“ ein Statement, das so schon seit Jahren immer wieder an Live-Gigs gesetzt und keines Kommentars bedürfen wird.

Trackliste:

01 Das Messer Ist Offen

02 Mein Betlehem

03 Ohne Gott

04 Ich

05 Nazi Black Metal Fuck Off

Bewertung:

9,0 von 10 Punkten

Weitere Informationen

  • Band: Hyems
  • Album Titel: 1997
  • Erscheinungsdatum: 07.09.2018
  • Fazit: Mit der EP „1997“ setzt sich Hyems erneut ein kleines Monument. Man darf sich definitiv auf die Live-Performance dieser Scheibe freuen!
Gelesen 630 mal Letzte Änderung am Freitag, 07 September 2018 15:46

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