Mittwoch, 02 Mai 2018 19:39

Narbeleth - Indomitvs

geschrieben von Torn
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Sonne, Strand, Cocktails und Zigarren. Dies sind wohl die ersten Assoziationen, die von „Kuba“ oder „Havanna“ hervorgerufen werden. Woran man in erster Linie allerdings nicht denkt ist Black Metal. Bereits seit 2008 existiert das Ein-Mann-Projekt Narbeleth im Herzen der mittelamerikanischen Hauptstadt Havanna und liefert das nunmehr vierte Album „Indomitvs“ ab.

Soloprojekte sind im Black Metal mittlerweile keine Seltenheit mehr, übernehmen doch viele Musiker die Instrumente und den Gesang ihrer Projekte am liebsten komplett selbst und leben so ihre – teilweise sehr kranken– Fantasien aus. Dass die mittel- und südamerikanische Szene obendrein noch sehr extrem und okkult unterwegs ist, dürfte Luis Hernandez alias Dakkar gut in den Kram passen, denn so befindet sich Narbeleth in guter Gesellschaft. Die Qualität der ersten drei Alben war konsequent auf gutem Niveau, die Produktion wird seit 2014 durch das renommierte Label Folter Records durchgeführt und gab den beiden Vorgängern der aktuellen Scheibe schon den letzten Schliff.

Indomitvs“ startet Narbeleth-typisch hohem Tempo und mit der gewohnten Aggressivität. Trotz der Schnelligkeit geht allerdings kein Stück der grundlegenden Melodik unter, die sich schon im Opener „The Distortionof Life“ gut neben dem rhythmischen Wechselspiel eingliedert. Auch der zweite Titel „Whenthe Sun HasDied“ geht in gleicher Härte vor. Das Zusammenspiel der Instrumente wirkt hier deutlich runder als auf dem letzten Album und auch der zweite Titel lässt keinerlei Verschnaufpausen zu. Mit „The Lower Point ofthe Star“ findet das Album seinen ersten Höhepunkt, was vor allem an den einschneidenden Riffs liegt. In diesem Titel wird ebenfalls deutlich, was sich schon vorher abzeichnete: das meistbenutzte Wort in den Lyrics der Scheibe scheint „Lucifer“ zu sein. Ja, der Gesang sticht ebenfalls heraus und geht in den Gitarrenwalzen nicht unter. Vielmehr bildet er eine gute Ergänzung zum gesamten Bollwerk, das auf den Hörer zu rauscht.

Denn auch die Mitte des Albums geht geradlinig im bisherigen Tempo an die Fronten und zermalmt auf dem Weg dorthin sämtliche Barrikaden. Dabei kommt das Songwriting aufgrund der präzise gesetzten Rhythmuswechsel und der starken Instrumentalparts deutlich „reifer“ daher als die Vorgänger. Narbeleth ist im Laufe der Jahre immer besser geworden. An dieser Stelle möchte ich kurz einwerfen, dass ich 2015 die Gelegenheit hatte, Narbeleth live zu erleben. Mein Eindruck war schon damals gut und „Indomitvs“ lässt die Vorfreude auf ein baldiges Wiedersehen in die Höhe schnellen. „The FIrst to Rise“ startet langsamer, sodass die Gedanken abschweifen...

...aber glücklicherweise setzt die kubanische Zerstörungswut kurz darauf wieder ein und vergrößert die bereits vorhandenen Nackenschmerzen noch erheblich. Für die letzte Viertelstunde von „Indomitvs“ sind somit Schmerzmittel angebracht, denn langsamer wird es tendenziell nicht mehr. Der folgende Titel „Via Profane Crafts“ stellt den kürzesten des Albums dar und bestätigt die vorher erwähnte Tendenz. Gut auch, dass mich das Anfangsriff direkt mitzieht. Fairerweise muss man anmerken, dass sich die Abwechslung auf die oben genannten Rhythmuswechsel beschränkt. Wenngleich „Sinister Laberynths (sic!) ofHuman Soul“ den zweiten Höhepunkt darstellt, gibt es zum konsequenten Geknüppel leider wenig Aspekte, die aufhorchen lassen und für einen „Aha“-Effekt sorgen.

Dennoch schließt die Scheibe solide ab und füllt die 35 Minuten mit explosivem, teils sehr klassischem Black Metal. Auch, wenn Narbeleth mit jedem Jahr und jedem Album besser wird, ist hier der Zenit noch nicht in Gänze erreicht. Hoffen wir, dass das Projekt noch einige Jahre besteht und die progressive Verbesserungskurve in dieser Zeit gegen Perfektion konvergiert. Zu viel Mathe? Auf deutsch: bitte mehr!

Trackliste:

1. The Distortion of Life
2. When the Sun has Died
3. The Lower Point of the Star
4. Herald of the Dawn
5. The First to Rise
6. Via Profane Crafts
7. Sinister Laberynths of Human Soul
8. Daudmellin

Bewertung:

8 / 10

Weitere Informationen

  • Band: Narbeleth
  • Album Titel: Indomitvs
  • Erscheinungsdatum: 07.07.2017
  • Fazit: „Indomitvs“ ist brachial, aggressiv, aber dabei auch eben reif und griffig. Die Verbesserungen zu den ersten Alben von Narbeleth sind spürbar, machen das Album aber noch nicht zu einem Meisterwerk. Final kann man aber von einem guten Stück Black Metal sprechen und wird der Leistung des Musikers damit auf jeden Fall gerecht.
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Narbeleth - Herald of the Dawn (official) Narbeleth