Freitag, 09 März 2018 17:24

Jörmungand - Zwischenwelten

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Die Kölner Pagan Metaller Jörmungand haben sich wieder ins Studio begeben und ihr zweites Album eingespielt. Zwischenwelten, so der Titel, hatte in den 4 Jahren seit dem Debüt Von Wind und Schatten genug Zeit zu reifen und präsentiert sich in einem musikalisch neuen Gewand - härtere und dunklere Klänge hallen aus den Lautsprechern.

Das Album startet mit einer ruhigen Melodie, die mehr an den Legend of Zelda Soundtrack erinnert als an typischen Pagan Metal. Doch bevor man sich wundern muss, ob man die richtige CD im Laufwerk hat, rücken starke Gitarrenriffs den Metal wieder in den Fokus. Die Melodie ist in ihrer Einfachheit geschickt gewählt, denn so wirkt sie jedes Mal auf eine andere Weise wenn sie in unterschiedlicher Instrumentierung in mehreren Songs wieder aufgegriffen wird. Bald setzen nun auch die an Equilibrium und Durothar erinnernden Growlgesänge ein, immer wieder ergänzt durch Sprech- und Klargesang. Während die Melodien in diesem wie in den nächsten Songs ansprechend und abwechslungsreich sind, fällt schon bald ein Manko auf, das sich durch das gesamte Album zieht:

Die Songs sind immer wieder unheimlich langatmig und verlieren schnell an Spannung. Der Versuch, durch virtuose Riffs atmosphärische Tiefe zu schaffen, will einfach nicht ganz gelingen. Was das Album vor der Totalflaute rettet, sind die zwar meist zu spät, aber insgesamt passend platzierten Melodie- und Tempowechsel und der abwechslungsreiche Gesang. Mal schallen aggressive Growls aus den Lautsprechern, mal hört man nur ein Flüstern, an anderen Stellen kommt Klargesang zum Einsatz. Was mich wiederum zum zweiten Manko bringt - dem männlichen Klargesang. Vor allem bei „Von hohen Himmeln“ möchte man schnell zum nächsten Song weiterschalten, da die Kombination aus weiblichem und männlichem Klargesang überhaupt nicht funktioniert - für sich genommen klingt der weibliche Part von Keyboarderin Nelli gut und passend, doch Frontmann Stefan hat sich hier deutlich übernommen. Während die Growls kraftvoll klingen, fehlen für diesen Part wohl noch ein paar Stunden Gesangsunterricht. Insgesamt wollen die beiden Stimmen auch nicht ganz zusammenpassen und entsprechend dissonant klingt das Ganze. Gut, dass im nächsten Song, „Werdegänger“, wieder auf die vertrauten Growls zurückgegriffen wird, auch wenn aus mir kein Freund deutscher Texte werden wird. Zwar sind alle Texte auf Deutsch, doch bei „Werdegänger“ heben sich die Worte deutlicher ab als in den bisherigen und folgenden Songs. Interessant sind die Texte jedoch, denn sie behandeln zur Abwechslung mal nicht die typischen Pagan Metal Themen, sondern kleiden Michael Endes Unendliche Geschichte in ein neues Gewand. Passend dazu ist das Coverbild ein Aquarell in hellen, pastelligen Rosa- und Orangetönen - dass diese Beschreibung jemals auf ein Metal Album zutreffen würde, hätte ich auch nie erwartet.  

Wirkliche Favoriten unter den Songs zu benennen, fällt nicht ganz einfach, da oft schöne und spannende Elemente vorhanden sind, die dann jedoch so stark ausgereizt werden, dass sie einen schalen Beigeschmack bekommen. Lässt man dies unbeachtet, gehören für mich „Morgenrot“, „Dämmerung“ und „Neumond“ zu den Höhepunkten des Albums. Vor allem „Neumond“ mit der schrittweisen Steigerung der Instrumentenzahl und der einfachen Melodie, die durch die unterschiedlichen Instrumente und Interpretationen immer wieder neue Facetten zeigt, lässt das Potential der Band erkennen. Auch soundtechnisch kann man Zwischenwelten durchaus solide nennen. Zwar klingen manche Passagen teils etwas dünn und arg glatt, alles in allem wurde hier aber ordentliche Arbeit geleistet, das Zusammenspiel der Instrumente ist ausgewogen und auch der Gesang findet seinen rechten Platz. Das Einzige, was die Geduld des Hörers wirklich strapaziert, ist die Länge von Zwischenwelten: 9 Songs mit einer Laufzeit von insgesamt über einer Stunde sind einfach zu viel des Guten.

Tracklist:

1. …und es wird Tag

2. Morgenrot

3. Ruf der Vergängnis

4. Zu hohen Himmeln

5. Werdegänger

6. In Hallen stummer Worte

7. Dämmerung

8. Neumond

9. Requiem

 

Bewertung:

6 von 10 Punkten

Weitere Informationen

  • Band: Jörmungand
  • Album Titel: Zwischenwelten
  • Erscheinungsdatum: 16.03.2018
  • Fazit: Zwischenwelten besticht durch schöne und abwechslungsreiche Melodien und emotionsgeladene Growls, was das Potential von Jörmungand deutlich macht. Dass diese positiven Aspekte mehr als ausgereizt und die Songs damit unnötig aufgeplustert werden, wird beim nächsten Album hoffentlich nicht mehr der Fall sein. Wer also die nötige Geduld mitbringt, die Songs in ihrer Gesamtheit durchzuhören - und den ein oder anderen schiefen Ton verzeiht - wird mit einem Album belohnt, das mal nicht die typischen Pagan Metal Klischeethemen bedient (okay, abgesehen davon, dass man zum Album noch ein gebrandetes Kondom mitgeschickt bekommt - because always protect your Midgardschlange!).
Gelesen 285 mal Letzte Änderung am Freitag, 09 März 2018 17:34