Sonntag, 21 Januar 2018 18:20

Fleurety - The White Death

geschrieben von Haimaxia
Artikel bewerten
(1 Stimme)

Fleurety gehörten mit ihren Demos und EPs der frühen 90er sowie ihrem 1995er Debütalbum „Min tid skal komme“ zu den großen Norweger-Bands, die den Black Metal von klein auf mitgestalteten – nach ihrem zweiten Album „Department of Apocalyptic Affairs“ verschwand das Duo um Svein Egil Hatlevik und Alexander Nordgaren allerdings erstmal lange von der Bildfläche. Nach mehreren weiteren EPs erschien Ende 2017 nun endlich das lang erwartete Comeback der Jungs aus Ytre Enebakk unweit der norwegischen Hauptstadt Oslo: „The White Death“. Ob es sich lohnt, dem neuen Output der Veteranen Gehör zu schenken?

Man kann gleich am Titelsong und dem folgenden „The Ballad of Copernicus“ festmachen, dass die beiden Musiker keineswegs vergessen haben, was für Musik sie vor mehr als 25 Jahren geschmiedet haben, erinnern doch gerade Gitarren und Drums besonders an alte Zeiten der Black Metal Geburtsstunden und dessen erste Jahre. Das ist aber auch schon fast das einzig Positive, dss man den neuen Liedern zugestehen kann und muss.

Zur gleichen Zeit wird auch eine Menge Experimentierfreude gezeigt - für sich erstmal nichts Schlechtes:  Mal erinnern die Songs an Satyricon-Klassiker und man packt eher Rock’n’Roll-Elemente aus, mal zwängt man die Atmosphäre in ein avantgardistisches Gothic-Korsett, mal gibt es Flöten und andere Folk-Klänge zu hören und man fühlt sich prompt an Blood Ceremony und Konsorten erinnert. Songs wie die stark psychedelic-angehauchten „Trauma“ oder „Ambitions of the Dead“ kommen sogar mit den Vocals einer Gastsängerin (Linn Nystadnes, Deathcrush) daher, die aber eher dafür sorgen, dass die Songs entweder deplatziert wirken oder die Kerben eines ganz anderen Genres tragen. Wo wir gerade bei Gastbeiträgen sind: Auch Carl-Michael Eide (Ved Buens Ende, Aura Noir) ist mit von der Partie, doch „The Science of Normality“ bröckelt konfus und alles andere als durchdacht vor sich hin. Gesangsstil und die oftmals überhaupt nicht richtig dazu passen wollende musikalische Untermalung sind dazu noch ab und an diffus und befremdlich, vor allem im finalen Stück „Ritual of Light and Taxidermy“.

Wo es bei anderen Bands ein Vorteil ist, wenn kein Song wie der andere klingt, zerfällt „The White Death“ fast wie eine Sandburg, wenn man versucht, irgendwo Fuß zu fassen und eine klare Linie zu entdecken. Liebhaber eines genau so gearteten chaotischen Sounds werden vermutlich jubeln, wenn sie die Platte hören – aber man muss es in aller Deutlichkeit sagen: Von all den Bands, die zur Jahreswende 2017/2018 mit neuem Material aus der Versenkung hätten hervorkommen können, hätte man es wohl kaum von Fleurety erwartet. Und das hier ist leider nicht das Bizarr, das man genießen kann, sondern ein solches, das man abstellen will.

Was hier geschaffen wurde, kann man bestenfalls als vielseitige, stellenweise durchaus interessante, aber irgendwie nicht richtig zünden wollende Taschenspielerei bezeichnen. Obwohl gerade die kühle Instrumentierung hervorragend gelungen ist, wirkt die Platte wie ein zerbrochenes Kaleidoskop und nichts scheint richtig ineinander zu greifen – man versucht sich an geisterhafter Atmosphäre, der Stimmung eines kaputten, verrückten Verstands, doch scheitert an sich selbst. So könnte man meinen, dass jeder Song für sich genommen nicht nur von unterschiedlichen Bands, sogar aus unterschiedlichen Genre-Verästelungen stammt. Enttäuschend, leider!


Tracklist

1. The White Death

2. The Ballad Of Copernicus

3. Lament Of The Optimist

4. Trauma

5. The Science Of Normality

6. Future Day

7. Ambitions Of The Dead

8. Ritual Of Light And Taxidermy

Bewertung

3 von 10 Punkten

Weitere Informationen

  • Band: Fleurety
  • Album Titel: The White Death
  • Erscheinungsdatum: 27.10.2017
  • Fazit: Leider bestenfalls als vielseitige, stellenweise durchaus interessante, aber irgendwie nicht richtig zünden wollende Taschenspielerei zu bezeichnen. "The White Death" versucht sich in heilloser Komplexität, scheitert aber leider an seinen Ambitionen. Nichts greift ineinander, leider enttäuscht die neue Platte der Norweger-Garde von einst sehr!
Gelesen 594 mal Letzte Änderung am Montag, 29 Januar 2018 21:07

Medien

The Ballad Of Copernicus The White Death