Freitag, 24 November 2017 17:55

Arkhon Infaustus - Passing the Nekromanteion Empfehlung

geschrieben von Torn
Artikel bewerten
(1 Stimme)

Einige Jahre lang galten Arkhon Infaustus als verschollen. Nun melden sich die beiden Franzosen mit neuem Material aus der Versenkung zurück und versuchen, an die glorreichen Frühzweitausender anzuknüpfen. Moment mal, schon wieder Franzosen? Ja, der Nachbar im Südwesten hat in letzter Zeit einiges zu bieten und produziert munter Scheibe um Scheibe. Ob die Masse auch Qualität mit sich bringt, klärt dieses Review, hoffentlich.

In der Tat präsentieren sich "Les Acteurs de l'Ombre" in den letzten Jahren als aufstrebendes Label und haben 2017 ihren bisherigen konjunkturellen Höhepunkt gefunden. So sprudelt es geradezu an atmosphärischen, düsteren und harten Klängen aus Frankreich. Nach Time Lurker , Heir und wie sie alle heißen, stehen nun die Jungs von Arkhon Infaustus vor der Tür und liefern - nach langer Abstinenz - ihre neue EP "Passing the Nekromanteion". Und es wird sehr schnell deutlich, dass das Duo nichts von seinem okkulten Charme verloren hat. " Amphessatamine Nexion" beginnt erst langsam und schleppend mündet aber bereits kurz darauf in ein Klangmeer aus choralem Gesang und leiernden Gitarren. So gemächlich wie die Scheibe startet, so aggressiv macht sie nach wenigen Minuten weiter. Dabei wird der Hörer im Opener vor allem durch die zahlreichen Tempowechsel gefordert, die sich mit der komplexen Instrumentalisierung die Klinke in die Hand geben.

Nach diesem guten Einklang sind die Erwartungen an den zweiten Titel "The Precipice Where Souls Slither" entsprechend hoch - und werden auch definitiv erfüllt. Der knapp neun-minütige Titel kommt gleichermaßen ungemütlich daher wie sein Vorgänger, ist in der Melodik allerdings deutlich konstanter. Arkhon Infaustus zeigen, dass sie im Kader ihres Labels absolut richtig und angekommen sind. Doch trotz der Ähnlichkeit zu anderen französischen Kapellen erkennt man, dass die beiden Pariser schon seit 20 Jahren im Geschäft sind. Das Klangbild ist dichter, die Technik runder und das ganze Konzept wirkt vollständiger als bei vergleichbaren Scheiben aus 2017.

Mit "Yesh Li El Yadi" zeigt sich allerdings ein erster Kontrast zu den ersten Titeln, ist dieser Song doch eingängiger und treibender als zuvor. Wer bis dahin noch nicht wenigstens leicht mitgewippt hat, wird spätestens bei diesem Track dazu gezwungen. Hier entladen Arkhon Infaustus alles, was sich in den ersten 15 Minuten der Scheibe aufgestaut hat. Wie passend, dass nach der ganzen Anspannung "Corrupted Epignosis" kommt und für die notwendige Entspannung sorgt. Nachdem die EP bisher von einer Flut an krachenden Instrumenten und ebenso brutalem Gesang dominiert war, verzichtet der Ausklang in seinen gesamten zehn Minuten auf jegliche Vocals. Ebenfalls interessant ist, dass die instrumentale Bandbreite in großen Teilen lediglich aus Bass und Gitarre besteht und somit auch das Schlagzeug pausiert. Die Melodie gleicht sich an die langsame Gangart und den meditativen Stil dieses Stücks an und vollendet somit das Kontrastprogramm zum ersten Dreiviertel von "Passing the Nekromanteion".

Klar, Arkhon Infaustus hatten ihre Tiefen. Doch gerade die letzten Scheiben "Annunciation" und "Orthodoxyn" aus 2007 zeigten, dass die Band schon vor zehn Jahren Qualität liefern konnte und wollten. Die lange Pause bis 2016 haben die Musiker gut genutzt um uns auch in anderen Projekten mit einigen starken Platten zu überzeugen. Gibt es dennoch nach all den guten Worten auch Kritik? Zugegeben nicht viel.  Die erste Hälfte von "Passing the Nekromanteion" wirkt aufgrund der Komplexität und Fülle an instrumenteller Abwechslung ein wenig überladen und ist daher für "nebenbei" sicherlich nicht zu empfehlen.  Der zweite Teil zeigt sich gnädiger und bietet folglich einen wirklich starken Ausklang, mit dem die Platte nach guten 30 Minuten schließlich ihr Ende findet. Mit "Passing the Nekromanteion" zeigen Arkhon Infaustus, dass man auch nach einer Dekade ohne musikalischen Output problemlos in alte Schemata verfallen kann. Die EP bringt die letzten Monate der französischen Black Metal-Szene kompakt auf den Punkt und überzeugt an fast allen Ecken und Kanten. Willkommen zurück, Arkhon Infaustus!

 

Trackliste:

1. Amphessatamine Nexion
2. The Precipice Where Souls Slither
3. Yesh Li El Yadi
4. Corrupted Epignosis

Bewertung:

9 von 10 Punkten

Weitere Informationen

  • Band: Arkhon Infaustus
  • Album Titel: Passing the Nekromanteion
  • Erscheinungsdatum: 06.10.2017
  • Fazit: Mit "Passing the Nekromanteion" zeigen Arkhon Infaustus, dass man auch nach einer Dekade ohne musikalischen Output problemlos in alte Schemata verfallen kann. Die EP bringt die letzten Monate der französischen Black Metal-Szene kompakt auf den Punkt und überzeugt an fast allen Ecken und Kanten. Willkommen zurück, Arkhon Infaustus!
Gelesen 148 mal Letzte Änderung am Freitag, 24 November 2017 18:07

Medien

The Precipice Where Souls Slither Arkhon Infaustus