Samstag, 18 November 2017 01:06

Langenu - Need, kes näevad imesid

geschrieben von Haimaxia
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Nicht viele Bands aus Estland haben es geschafft, sich einen Namen in Sachen Black Metal zu machen – dass die dortige Szene aber dennoch ungemein interessant und vielversprechend ist, haben wir in unserer Dokumentation „Tallinn Under The Horns“ gezeigt. Ob das auch für die junge Truppe Langenu aus dem inländischen Tartu gilt, haben wir anhand des bereits 2016 veröffentlichten Debüt-Albums „Need, kes näevad imesid“ genauer unter die Lupe genommen. Soviel sei vorweg gesagt: Die Jungs können sich international durchaus sehen lassen, und das obwohl sie Musik in ihrer Heimatzunge machen, welche nur von knapp über einer Million Menschen gesprochen wird.

Die Platte startet mit „Suäme man“ und „Kui kaljud kutsuvad“ gleich mit zwei halsbrecherischen Stücken, die man gemeinsam mit dem vorab als Musikvideo veröffentlichten „1000 akent“ als stärkste Stücke des Albums bezeichnen kann. Gesprochene, akzentuierte Gesangspassagen passen zum sonst zügellosen, keine Atempause gewährenden Black Metal-Pogo, der von Langenu hier veranstaltet wird. Genau so und nicht anders kann man den Style der Esten umschreiben, deren Lieder martialisch, schmutzig, Punk-gestriegelt daherkommen; ganz und gar atypischer Black Metal. Dabei wissen die Stücke zu unterhalten, gerade weil sie variantenreich und in derber Raserei heruntergespielt werden.

 

Was man Langenu durchaus vorwerfen kann, ist der qualitativ doch eher wenig überzeugende Klang der Drums, welcher ständig zwischen dem Eindruck eines schlechten Drum-Computings oder einer schäbigen Einspiel-Aufnahme pendelt. Tatsächlich liegt es lediglich an den schlechten Schlagzeug-Elementen, dass man der dreckig-räudigen Attitüde der Songs von „Need, kes näevad imesid“ eben keine hohen Punktzahlen einräumen kann. Dafür ist der Hörgenuss leider zu stark beeinträchtigt. Dabei macht die Kombination aus rasantem Punk, geschwärztem Speed Metal und melancholischer, trauerdurchtränkter Atmosphäre eigentlich richtigen Spaß und kommt stellenweise mit experimentellen Gimmicks daher: Ein „Sina raamat“ wuchtet sich erst schweißtreibend und schnell durch das Gehör, klingt dann aber beinahe ironisch in scheinbarer Ruhe mit Akkordeon-Klängen aus. „Ma pole haige“ dagegen mischt düstere, beklemmende Ambient-Sounds in den Hintergrund des reißenden Black Metals, bevor die Keyboard-Sounds viel zu dominant und kitschig den starken Anfang übertünchen und das Ungetüm in schwachen Symphonic Metal münden lassen. Dabei sind die starken Vocals, die sich die beiden Gitarristen 1695 und Arütmia, sowie Keyboarder Arhitekt teilen, aber positiv hervorzuheben.

 

Leider versalzen die Drums dem Hörer ordentlich den Spaß an „Need, kes näevad imesid“ – ansonsten gibt es diverse vielversprechende, starke Elemente auf der Platte. Die Songs werden vor allem Fans eines kaputten, unsauber dahingespuckten Punk- und Speed Metal-Naturells in ihrem Black Metal-Menü bevorzugen. Bessere Aufnahmen, etwas zurückgeschraubter Keyboard-Einsatz und auf komplexere, längere Stücke aufbauendes Songwriting stünden den Esten allerdings sehr gut. Auch wenn Langenu jetzt nicht die Speerspitze der estnischen Szene bildet -der Platz gehört wohl Combos wie Loits und den anderen Projekten von Kaido Haavandi, alias Draconic-, darf man gespannt sein, wohin es die Band noch treiben wird!

 

Trackliste:

1

- Suäme man

2

- Kui kaljud kutsuvad

3

- Kiirgav ja särav

4

- Tormide tipus

5

- Tulevik

6

- 1000 akent

7

- Sina raamat

8

- Ma pole haige

 

Bewertung:

6 von 10 Punkten

Weitere Informationen

  • Band: Langenu
  • Album Titel: Need, kes näevad imesid
  • Erscheinungsdatum: 18.11.2016
  • Fazit: Leider versalzen die Drums dem Hörer ordentlich den Spaß an der Platte - dennoch überraschen die Esten mit ihrem furiosen und räudigen Black Metal/Speed Metal-Mix mit Punk-Attitüde, der sich aber zunächst noch finden muss. Starke Vocals von gleich drei Sängern sind da, gute Ideen ebenso. Auch wenn Langenu jetzt nicht die Speerspitze der estnischen Szene bildet, darf man gespannt sein, wohin es die Band noch treiben wird!
Gelesen 168 mal Letzte Änderung am Samstag, 18 November 2017 01:44

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1000 akent Need, kes näevad imesid
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