Sonntag, 05 November 2017 16:44

Arroganz - Primitiv

geschrieben von Haimaxia
Artikel bewerten
(3 Stimmen)

Die Cottbusser Black-/Death-Metal-Combo Arroganz veröffentlichte Ende September mit „Primitiv“ ihr nunmehr viertes Studioalbum. Nach dem 2014er „Tod & Teufel“ ist das der zweite Release, bei dem die Band mit dem Wriezener Label F.D.A. Rekotz zusammengearbeitet hat, die für ihre auserlesene Liebhaber-Musik für Extremophile bekannt ist.

 

Untätig waren die Jungs in den vergangenen Jahren keineswegs: So steht nur die Frage im Raum, ob neben einer vierfachen Split-EP mit u.a. Obscure Infinity, die 2015 veröffentlicht wurde, Arroganz ihren gleichsam überrollenden und beklemmenden Hochgeschwindigkeits-Sound auf der neuen Scheibe noch verfeinert haben. Die Antwort: Absolut. Das Motto lautet „Gnadenlosigkeit“ von der ersten Sekunde an, doch bergen die Stücke immer auch Überraschungen: Wird mit „Pilgrim“ und „Obliviate“ beispielsweise gleich in den ersten Minuten richtig in die Vollen gehauen, ist es aber vor allem das Finale des zweiten Stücks, bei dem Arroganz eindringlich und mit Leichtigkeit eine drückende Atmosphäre kreieren. Interessant auch, dass die Band genauso gut ein sich erstmal aufbauendes und komplexes Stück wie „Strait Paths & Grave Walls“ von rund 8 Minuten Länge einem kleinen Brecher wie „Another God, Dead“ voranstellt, welches in einem kurzen 3 Minuten-Reißfluss alles niedermäht.

 

Überhaupt klingt hier kein Song wie der andere, und das macht die Platte extrem interessant. Als wäre der Titel ironisch gewählt worden, um auf eine falsche Fährte zu locken, präsentieren Arroganz ihre Death Metal-Vision hier ganz und gar nicht „primitiv“, sondern verpacken den vordergründig brachialen Zerstörungsdrang in ein stimmiges und verstörendes Kleid. Dazu passen auch die starken Vocals mit Halleffekt von Frontmann und Bassist -K-, welche dem Ganzen die nötige Prise Wahnsinn schenken, damit die Lieder volle Wirkung zeigen. Das macht den Anspruch des Ganzen aus, gerade weil Death Metal doch gut und gerne mal den Stempel des Schlichten, Urzuständlichen aufgedrückt bekommt. Und dann wäre da noch der finale Song des Albums zu erwähnen, „Sepulchral Cold“, der als Mühlstein für jeden vernünftigen Geist einer der besten Songs des bisherigen Arroganz-Outputs geworden sein dürfte.

 

Klar mästen Arroganz ihre heftig daherkommenden Songs auch mit viel Althergebrachtem, aber wenn jeder einzelne Song in seinen Peaks eine beeindruckende, eigenständige Natur entfaltet, seien es markante Tempowechsel, dissonante Black Metal-Passagen, klagende Vocals aus dem Off oder eben die ständig Unbehagen auslösende Klangkulisse, dann kann man nur sagen: Well done. Definitiv kein 08/15-Death Metal und bestimmt kein Hörvergnügen für „mal eben so zwischendurch“.  

 

Trackliste:

1

- Pilgrim

2

- Obliviate

3

- Strait Paths & Grave Walls

4

- Another God, Dead

5

- Cortege

6

- Sepulchral Cold

 

Bewertung:

9 von 10 Punkten

Weitere Informationen

  • Band: Arroganz
  • Album Titel: Primitiv
  • Erscheinungsdatum: 29.09.2017
  • Fazit: Ein gelungener Mix aus Althergebrachtem und meisterlichem Genre-Weiterdenken. Jeder einzelne Song hat in seinen Peaks eine beeindruckende, eigenständige Natur, sodass man eben nur sagen kann: Well done. Definitiv kein 08/15-Death Metal und bestimmt kein Hörvergnügen für „mal eben so zwischendurch“.
Gelesen 275 mal Letzte Änderung am Sonntag, 05 November 2017 17:00

Medien

Pilgrim Primitiv