Freitag, 03 November 2017 16:48

Heir - Au Peuple de l’Abîme

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Aus dem französischen Toulouse erreichte uns „Au Peuple de l’Abîme“. Nach einer EP und einer Split mit In Cauda Venenum und Spectrale, ist es das erste Full-length Album der Black Metal Band Heir.

Ohne Zeit für ein langes Vorspiel zu verschwenden, startet der erste Track „Au Siècle des Siècles“ mit einem harten Stahlgewitter aus Gitarren und Drums, zu welchem sich nach knapp einer Minute raue Growls gesellen. Nachdem das erste Feuer verschossen ist, geht der Song in einen langsameren, düsteren Part über, in welchem Sprechgesang die Growls ersetzt. Nach einem letzten Aufbäumen weichen die harten Klänge einem düsteren, doomlastigen Instrumentalpart aus gezupfter Gitarre und schwerfälligen Drums, der gegen Ende noch einmal von Growls begleitet wird. Das nachfolgende „L’Heure d’Helios“ gibt sich dagegen insgesamt melodischer und leichter als der Opener. Einprägsame Riffs wechseln sich mit längeren Growlpassagen ab und machen den Song durch seine atmosphärische Dichte mit zu einem meiner Lieblingssongs des Albums. Insgesamt bilden die Intros einen interessanten Kontrast, gerade das zu Song Nummer drei, „Meltem“, das mit einem Zitat aus einem Interview mit Hannah Arendt aufwartet. „Cendres“ markiert den Abschluss des Albums, zu dem noch einmal alle Geschütze aufgefahren werden. Hart und gleichzeitig melodisch, mit einem fast schon zart zu nennenden, gezupften Gitarreninterlude, fasst dieser Song die vorhergehenden noch einmal zusammen und entlässt den Hörer mit einem langgezogenen Ton, der dem der Flatline auf einem Herzmonitor gleicht.

Soundtechnisch ist das Album ein Glanzstück - weder klingt es zu glattgeschliffen und eben, noch drängen sich Höhen oder Bässe so sehr in den Vordergrund, dass es stört. Die dichten Klangstrukturen verbinden Instrumente und Gesang zu einer festen Einheit, deren Wechselspiel einen regelrechten Sog entwickelt und stellenweise mehr nach Doom als nach Black Metal klingt. Zusätzlich sorgen Tempo- und Melodiewechsel dafür, dass dem Hörer trotz einer Länge von sieben bis neun Minuten pro Song nicht langweilig wird. Ungewöhnlich ist die starke Konzentration auf Instrumentalparts, Growls und Sprechgesang werden meist nur abschnittsweise und in kleinen Dosen eingestreut und wirken dadurch umso stärker.

Insgesamt ist „Au Peuple de l’Abîme“ für ein Debütalbum eine ziemliche Meisterleistung: Ordentlicher Sound, abwechslungsreiche Songstrukturen und vergleichsweise wenig Gesang, heben Heir - neben der sehr guten Arbeit an den Instrumenten, Gesang mit eingeschlossen - schon jetzt von der 0815 Black Metal Band aus Nachbars Keller ab. Absolute Kaufempfehlung!

 

Tracklist:

  1. Au Siècle des Siècles
  2. L'Heure d'Helios
  3. Meltem
  4. L'Âme des foules
  5. Cendres

 

Bewertung:

9 von 10 Punkten

Weitere Informationen

  • Band: Heir
  • Album Titel: Au Peuple de l'Abîme
  • Erscheinungsdatum: 20.10.2017
  • Fazit: Insgesamt ist „Au Peuple de l’Abîme“ für ein Debütalbum eine ziemliche Meisterleistung. Das Album besticht mit ordentlichem Sound, abwechslungsreichen Songstrukturen und vergleichsweise wenig Gesang.
Gelesen 213 mal Letzte Änderung am Freitag, 03 November 2017 16:56

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Cendres Au Peuple de l'Abîme