Sonntag, 21 Februar 2016 19:06

Wintarnaht - Tôdhên Uoþal

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Wintarnaht – kein Schreibfehler, sondern eine Huldigung an die althochdeutsche Sprache durch zwei Musiker, die mit verschiedenen Instrumenten den Pagan-Black-Metal zu bereichern suchen.

Schon 1997 in Baden-Württemberg als Winternight von Grimwald gegründet, gab es einige Anlaufschwierigkeiten. Erst 2007 entstand eine erste Demo, ein Album erst 2010. Seit 2012 wird der neue Name Wintarnaht verwendet, unter dem dann im Folgejahr auch das zweite Album 'Tôdhên Uoþal' veröffentlicht wurde.

 

Laut Band besteht der eigentliche Zweck dieses Albums darin, die Erinnerung an die althochdeutsche Sprache zu fördern. Das wird dann auch bei der Namensgebung deutlich: Wintarnaht ist die althochdeutsche Übersetzung von Winternight, 'Tôdhên Uoþal' bedeutet in etwa 'sterbende Heimat'. Auch wurden die Texte in eben dieser Sprache und ohne historische thematische Vorlage verfasst, was sich auch bei kommenden Alben nicht ändern soll.
Wer jetzt sofort an Menhir und das Hildebrandslied denkt, liegt richtig: Dieses ist ebenfalls in althochdeutsch verfasst.

 

Es stehen also die Texte zwecks Beschäftigung mit dem Althochdeutschen im Mittelpunkt. Und da liegt das (kleine) Hauptproblem des Albums: Die Texte in einer (fast) vergessenen Sprache zu verfassen mag innovativ sein, leider fehlt eine Übersetzung. Entsprechend lässt sich der Inhalt allenfalls erahnen. Gerade bei der Mühe, die das Texten in einer ausgestorbenen Sprache macht, hätte eine verständliche Veröffentlichung den Zugang erleichtert und dem Ziel der Erinnerung an die Sprache wirklich gedient sowie den interessierten Hörern eine hilfreiche Stütze geboten.
Ein intensiverer Blick auf die Texte lässt die Thematik allenfalls grob erahnen: Es scheint um Jehovas Schlechtigkeit zu gehen, um Ahnen, Blut und Schwertzeit. Oder kurz: (Pagan) Black Metal. Dafür braucht es dann eigentlich auch die Texte nicht.

 

Überaus interessant ist das gesprochene Intro (Titel 1): Es stammt aus den Werken des (leider 2014 verstorbenen) Kirchenkritikers Karlheinz Deschner und dürfte einige der Empfindungen vieler Schwarzmetaller gut auf den Punkt bringen.

 

Musikalisch begegnen uns häufiger gut eingebaute Akustik- sowie cleane Passagen, z.B. als Outro (Titel 3) oder Intro (Titel 7). Gleichzeitig gibt es aber auch komplette Akustik-Titel wie Nr. 6, oder die pianolastige (instrumental-) Nr. 11. Erwähnenswert ist auch Titel 8, der besonders durch den starken Einsatz der Maultrommel und einen entsprechend eigenwilligen Klang besticht.
Ebenso vielfältig ist der Gesang: So begegnen wir Screams, tiefen Growls, Klargesang oder auch nur leidvollem Stöhnen. Die Kombination ist aber durchweg gelungen.
Neben Titel 11 lockert noch ein weiterer instrumental-Titel (Nr. 4) das Album auf, ohne zu große Lücken in das Gesamtwerk zu reißen.

 

Gegen Ende erfreut mit Titel 10 dann noch ein Cover des Falkenbach-Liedes 'Winternight' (vom Album '...En their medh ríki fara...') die Ohren, welches zwar um einiges schneller gespielt daherkommt, sich aber sonst nah am Original bewegt.

 

Besonders beeindruckt, dass sämtliche Instrumente – vom Schlagzeug abgesehen – von Grimwald gespielt werden, was auch an Falkenbach erinnert.


Wer noch skeptisch ist und die Scheibe nicht sofort kaufen will, kann auch erst einmal die neueste EP der Band von ihrer Bandcamp-Seite (Link unten) kostenlos laden. So geht Anti-Kommerz!

 


Tracklist:

1.     Siohhên þiufal                             00:55
2.     Zi uualþan                                  03:58
3.     Bluoþ Buohha                              11:04
4.     Sedhalgang (instrumental)             01:55      
5.     Tôdhên Uoþal                              10:26
6.     Ânagift þer uuintar I                     05:35
7.     Eisenthal                                    09:43     
8.     Alamana Lioþ                               03:48
9.     Got þer Mana Nîdh                        06:59
10.     uuintarnaht (Falkenbach Cover)     05:03
11.     Âfaro Innan Nebul (instrumental)    02:55      
                                                    01:02:21

 

Mitglieder:

Grimwald - Gesang, E-Gitarren, Akustische Gitarren, E-Bass, Keyboard, germanische Leier, Maultrommel
Goatruler - Schlagzeug


Bewertung:

8 von 10 Punkten


Weitere Informationen

  • Band: Wintarnaht
  • Album Titel: Tôdhên Uoþal
  • Erscheinungsdatum: 29.05.2013
  • Fazit: Gutes Album einer authentischen Band, einzig die fehlende Übersetzung der althochdeutschen Texte fällt schmerzlich auf. Kaufempfehlung!
Gelesen 2238 mal Letzte Änderung am Sonntag, 21 Februar 2016 19:49

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