Montag, 02 November 2015 15:49

Sojus3000 - Atlas (vinyl)

geschrieben von Ghostwriter
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(11 Stimmen)
Atlas Atlas Sojus3000

Praktisch ohne Gesang und ohne Schnörkel präsentiert sich die Vinyl „Atlas“ der Stoner-Postrock Gruppe „Sojus3000“ aus dem mittleren Teil unserer Republik und bringt mich als Reviewer schwer ins Rotieren. Wenn man klare Strukturen – Intro, Aufbau, Solos, Gesangspart, Chorus - oder einfach irgendwas erwartet, an dem man sich festhalten kann, wird man hier aufs Schwerste enttäuscht.

Warum das in diesem Fall der Sache keinen Abbruch tut, ist schnell gesagt. Es ist gar nicht geplant irgendwelchen Plänen oder Schemata zu folgen, was wohl auch die wenigsten Fans des grünen Bewusstseinskraut beim Hören von Musik haben wollen. So trifft Atlas den Nerv den von Fans von Ufomammut oder späten Tiamat und es wechselt zwischen psychodelischen Klängen durch elektronischen Synthie Ausflüge und interessantem Gitarrenspiel hin und her.


Wer etwas mit dem Begriff Wendelstein 7X anfangen kann, dem verspreche ich einen Nerdeargasm, denn mit dem ersten Song haben Sojus3000 eine kleine Hommage an den gleichnamigen Versuchsaufbau der Fusionsanlage am Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik kreiert, der sich zum Intro der Scheibe mehr als eignet. Anders als der Forschungsreaktor ist der erste Track aber kein Milliardengrab sondern gelungener Auftakt für die entrückte Reise in den Atlas-Kosmos. Track Nr. 2 „Sojus“ beginnt mit „spacig“ mit einem elektronischen Signal das sich weit durch den Songs hinzieht, bevor mehr und mehr Gewicht auf das Gitarrenspiel gelegt wird und (wiedermal) der „Große Diktator“ Charlie Chaplin zu Wort kommen darf. Was mich bei zu vielen Outputs inzwischen mehr als nervt, wird hier allerdings schön in den Song integriert und dient als Hinleitung zu einem furios mit Gitarren und Effekten „überladenen“ letzten Drittel des Songs.


Track „Elara“ zeigt auf, dass die Band aber nicht nur fähig ist sphärische Klänge zu erzeugen, sondern auch durchaus härter ans Regal fassen kann und der Mix das Gesamtbild formt. Metallisch härtere Klänge am Anfang und Ende Rahmen den sehr beschaulich vor sich hindümpelnden melodischen Gitarrenpart ein, während vor allem das Ende mit Agonie-trächtigen Screams und harten Riffs aufwartet. Song Nr. 6 „Redshift“ ist ein wildes Potpourri aus doomigen Passagen, depressiven langsamen Parts, die schon fast ins Post-BM Gefilde abrutschen und wiederrum Synthieklängen die mich entrückt zurücklassen. Dies ist nicht nur der längste, sondern definitiv auch mein Lieblingstrack der Scheibe.


Insgesamt ist es schwer die sechs Tracks mit normalen Worten zu Beschreiben und ich würde noch am ehesten Vergleiche mit dem zweiteiligen Space-Epos der Band „Vyre“ ziehen wollen - auch wenn Sojus3000 zugegebenermaßen zu keinem Zeitpunkt die Härte der Jungs aus dem Hause SCR erreicht. Die Scheibe braucht definitiv seine Zeit zur Entwicklung und wird nicht jeden überzeugen, für Fans von besagten Elementen aber definitiv ein Muss – Abflug!


Trackliste:

01 Wendelstein 7X

02 Sojus

03 Elara

04 Barophobia

05 Signals and Systems

06 Redshift


Bewertung:

8 von 10 Punkten


Weitere Informationen

  • Band: Sojus3000
  • Album Titel: Atlas
  • Erscheinungsdatum: 23.11.2014
  • Fazit: Insgesamt ist es schwer die sechs Tracks mit normalen Worten zu Beschreiben und ich würde noch am ehesten Vergleiche mit dem zweiteiligen Space-Epos der Band „Vyre“ ziehen wollen - auch wenn Sojus3000 zugegebenermaßen zu keinem Zeitpunkt die Härte der Jungs aus dem Hause SCR erreicht. Die Scheibe braucht definitiv seine Zeit zur Entwicklung und wird nicht jeden überzeugen, für Fans von besagten Elementen aber definitiv ein Muss – Abflug!
Gelesen 1135 mal Letzte Änderung am Montag, 02 November 2015 16:09

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Teaser Sojus3000