Donnerstag, 17 September 2015 20:39

Gemini Berserk – Anthropogenic

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Gemini Berserk – Anthropogenic Gemini Berserk – Anthropogenic Gemini Berserk

Die Band hat auf ihrer Facebook-Seite eine so schöne Eigendefinition ihrer Musik veröffentlicht, dass ich sie Euch nicht vorenthalten möchte: „Man nehme 3 Teile Death Metal, 1 Teil Rock´n´Roll, dazu verpasse man dem Gesang 2 Esslöffel Neue Deutsche Härte und 1 Prise Elektro, gebe das in die Crowd , lässt sie die Köpfe schütteln und bringt den Club zum Kochen. Gemeni Berserk präsentiert ihren Postapokalyptischen Melodic Death Metal. Dabei bewegen sich die 5 Dresdner stets am Limit und erschaffen mit Ihren Gesellschaftsparodien und apokalyptischen Horror-Trips eine ganz eigene Ästhetik, die man live erlebt haben muss.“

Der melodische Death-Metal hat eine räudige Oldschool-Produktion, die die Postapokalypse auch gleich noch in das passende Soundgewand hüllt. Nach ihrer Gründung 2010 folgte nur ein Jahr später auch schon ein Demo und nun ist das neue Album mit neun Tracks 2015 erschienen. Man merkt dem Album an, dass die Band schon eingespielt ist und es sich nicht um absolute Newcomer handelt. Die Songs folgen einer Dramaturgie, kein Song wird einfach nur durchgeknüppelt, es gibt immer wieder Zwischenparts, die den Zuhörer bei Laune halten sollen. Es wirkt wie ein vertontes Horror-Theaterstück, die Band versteht es Stimmungen aufzubauen, auf den Zuhörer zu übertragen und ihn dann im nächsten Moment mit etwas unerwartetem zu Überraschen. Show ist auch ein essenzieller Bestandteil des Gesamtkonzepts und wenn man sich die Fotos bzw. Live-Videos ansieht merkt man auch, dass sowohl Band als auch Publikum sichtlich Spaß haben an Schminke, Kunstblut und Gasmasken.


Was live bestimmt super funktioniert hat allerdings auf CD offensichtlich einen entscheidenden Nachteil: der Show-Aspekt fehlt. Im ersten Moment schafft es die Band ab dem zweiten Song (der erste ist nur ein Instrumentalstück) die rohe Kraft und ungezügelte Energie auf den Zuhörer zu übertragen. Die Produktion könnte aber mehr Druck vertragen und auch die Abmischung wirkt an einigen Stellen noch nicht ganz stimmig. Es klingt mir zu sehr nach postapokalyptischem Rumpelsound und die Energie der Musik könnte durch eine druckvollere Produktion noch viel mächtiger aus den Boxen knallen. Was mich aber am meisten stört ist die Lead-Gitarre: hier wird auf spielerisch eher unterem bis mittelmäßigem Niveau recht einfallslos vor sich hin geschrabbelt. Das mag nicht unbedingt an spielerischem Unvermögen liegen sondern gewollt sein, aber hier bin ich einfach oldschool: ein Gitarrensolo muss nach meiner Erwartungshaltung interessant und abwechslungsreich sein, den Songs voranbringen und da es eigentlich den Platz des Sängers in dem Moment einnimmt, muss es den Hörer auch irgendwie packen. Wenn hier aber nur recht monotone Tonfolgen abgefeuert werden geht einem das doch irgendwann auf den Wecker.


Rauer und purer Death Metal muss nicht mit genialen Soli glänzen und nach meinem Empfinden würden die Songs stärker wirken, wenn man sie etwas knapper gehalten hätte. Der gänzliche Verzicht auf Soli würde die Songs in diesem Fall deutlich aufwerten. Es sind aber nicht nur die Soli: natürlich ist es abwechslungsreicher, wenn auch mal langsame Parts kommen und es nicht immer nur voll auf die Zwölf gibt, aber gerade bei einem Song wie „Time's up“ tue ich mich unheimlich schwer damit das Gelaber des Pseudo-Nachrichtensprechers über einen längeren Zeitraum anzuhören und nicht einfach vorzuspulen...


Die Band hat auf jeden Fall Potenzial, das Showkonzept ist originell und sie hat die Fähigkeit im Death Metal Stimmungen zu erzeugen. All das zusammen lässt sie aus der Masse der ständig neuen Bands herausstechen und rechtfertigt ihren Platz im Metal-Universum, das nächste Album wird auch bestimmt nochmal einen Sprung nach vorne bringen, aber bei der aktuellen Veröffentlichung ist noch Luft nach oben.



Tracklist:
1. Clock's Ticking
2. Death Row
3. Laila's Dreaming
4. Eaten
5. Post Humanity
6. Laila's Awakening
7. God Is Calling
8. Unleashed
9. Time's Up


Bewertung:
5 von 10 Punkten

Weitere Informationen

  • Band: Gemini Berserk
  • Album Titel: Anthropogenic
  • Erscheinungsdatum: 15.08.2015
  • Fazit: Die Band hat auf jeden Fall Potenzial, das Showkonzept ist originell und sie hat die Fähigkeit im Death Metal Stimmungen zu erzeugen. All das zusammen lässt sie aus der Masse der ständig neuen Bands herausstechen und rechtfertigt ihren Platz im Metal-Universum, das nächste Album wird auch bestimmt nochmal einen Sprung nach vorne bringen, aber bei der aktuellen Veröffentlichung ist noch Luft nach oben.
Gelesen 1984 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 17 September 2015 20:43

Medien

Gemini Berserk - Wall of death Gemini Berserk