Sonntag, 06 September 2015 13:32

28.-29.08.2015 NOAF Festival, Wörrstadt (Mainz) + Majesty + Napalm Death + Accuser+++

geschrieben von Oliver Schlenczek
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Oliver Schlenczek hat für uns das Neuborn Open Air besucht und verschafft euch hier einen Überblick über das Schmuckstück bei Worms.

Am Freitag ist es vor Festivalbeginn noch regnerisch, aber nicht kalt. Nachdem ich bei nachlassendem Regen mein Zelt aufgebaut habe, ging es schon mit der ersten Band los. Das Quartett AußHoltz sorgt erst mal für den Hallo-Wach-Effekt. Es folgt nach dem Umbau die Hardrock-Formation '77. Der Name lässt vielleicht bei einigen schon vermuten, dass ihr Stil sehr nahe an dem von AC/DC liegt. Sowohl die Instrumentalfraktion als auch der Sänger konnten mich überzeugen. Teilweise spielen die Gitarristen sehr ausschweifende Soli, die gut beim Publikum ankommen. Die nächste Band ist To The Rats And Wolves - und der Name lässt schon vermuten, wo es hin geht. Einige Songs bekomme ich noch mit, da ich vorher noch mein fehlendes Inventar ins Zelt gebracht habe. Für heute ist das Kapitel Core damit zum Glück auch abgeschlossen.

 

Eines meiner persönlichen Highlights sollte direkt danach kommen: Die Doomer Hamferd von den Färöer-Inseln liefern wahrhaft schwere Musik und man sollte jetzt nicht an eine Wall of Death oder einen Circlepit denken. Sie liefern schon einen Vorgeschmack auf den Headliner Candlemass. Stilistisch haben sie mit Ahab einiges gemeinsam und ihr Outfit unterstreicht die Musik noch einmal mehr - man könnte meinen, sie kämen gerade von einer Beerdigung. Glücklicherweise scheint auch keine Sonne, sondern zäher Hochnebel liegt über dem Gelände. Vor der Bühne war allerdings sehr viel Platz, denn viele Besucher können mit diesem Genre nicht so viel anfangen. Das hat aber auch etwas Gutes, denn (Funeral) Doom Metal wird sicherlich niemals Mainstream werden.

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So, jetzt ist Schluss mit dem andächtigen Zuhören, jetzt gibts voll auf die Zwölf! Ektomorf brettern schon gleich beim ersten Song volle Kanne los und es dauert nicht lange, bis sich der mit Abstand größte und langlebigste Moshpit des Festivals etabliert. Sie sind zwar mit ihrem Set um die fünf Minuten in Verzug geraten, aber das ist schnell vergessen. Vor der Bühne ist alterstechnisch die komplette Bandbreite vertreten, von Oldschool-Metallern bis zu den Core-Kids. Ektomorf nehmen den beiden noch verbleibenden Bands klar die Butter vom Brot und sind für mich die Headliner des ersten Festivaltags.

 

Weiter geht es nun mit Primal Fear, wo die Action klar in den Hintergrund tritt und melodischer Metal im Vordergrund steht. Aus dem Heavy- und Power-Metal-Sektor sind sie die einzige Band am Freitag. Sie schaffen einen guten Spagat zwischen eher schnellen Songs und einigen Balladen. Mit der Hymne "Metal is forever" setzen sie kurz vor Schluss noch einmal ein passendes Statement. Für die nötige Bettschwere sorgen Candlemass, die als Headliner ein 75-minütiges Set spielen. Die Stimmung ist durchweg sehr düster, allerdings ist wie zu erwarten wenig Action vor der Bühne zu sehen. In Sachen Heaviness und Langsamkeit kommen sie nicht ganz an Hamferd heran. Insgesamt hat mir die Show gefallen.

 

Am Samstagmorgen ist der komplette Campground in dichten Nebel gehüllt. Wäre er bloß mal geblieben, denn ab dem frühen Nachmittag war es vor der Bühne bei über 30°C kaum noch auszuhalten. Viele sind um die Mittagszeit ins nahe gelegene Neubornbad gegangen (mit dem Bändchen kommt man dort kostenlos rein). Die Crew hat allerdings mitgedacht und eine große Zahl an Sonnenschirmen aufgestellt (das ist schon mal deutlich besser als vor zwei bzw. drei Jahren auf dem Eisenwahn, wo man bei 40°C Schatten vergeblich gesucht hat - ein erster Vorgeschmack für die Hölle).

 

Mit Stoner Rock geht das Programm los. Rogue Result aus Mainz haben dieses Jahr bei einem Bandcontest überzeugen können und sich so den Opener-Slot auf dem NOAF gesichert. Es ist interessanterweise mehr los als am Vortag um dieselbe Zeit, obwohl sicherlich noch einige im Schwimmbad sind. Die Thrasher von Accu§er machen uns direkt danach im wahrsten Sinne des Wortes die Hölle heiß. Die Hitze ist kaum auszuhalten, trotzdem kriegen wir im letzten Drittel des Sets noch einen Moshpit zusammen. Etwas kühleres Wetter wäre von Vorteil gewesen, denn bei der von Aggressivität strotzenden Musik einfach nur rumstehen ist Perlen vor die Säue geworfen. Für mich definitiv ein Highlight des Festivals. Letztes Jahr konnten Zodiac nicht spielen, dieses Jahr hat es endlich geklappt. Sie überzeugen mit weitgehend instrumentalem Classic Rock. Generell ist der erste Teil des Samstagsprogramms vor allem etwas für die Oldschool-Fraktion. Was aber nicht heißt, dass es nichts für die jüngeren Festivalbesucher ist...

 

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Majesty knüpfen an und haben bei ihrem Opener noch guten Sound. Allerdings klingt es etwa ab der Mitte von "Fields of War" plötzlich sehr seltsam. Es hört sich an, als ob Sänger Tarek durch ein schnurloses Telefon spricht, das sich am äußersten Ende der Funkreichweite befindet. Es dauert eine ganze Weile, bis die Soundmenschen die Fehlerquelle finden - nein, keine leeren Batterien im Funkmikro, sondern ein Fehler in der Verschaltung des bandeigenen Monitorsystems. Kurz darauf ist Tareks Gesang wieder glockenklar, nur fehlt dann eine Gitarre. Aber nach insgesamt gut 10 Minuten läuft alles wieder wie am Schnürchen und sie können den Gig ohne weitere Pannen zu Ende spielen. Zwei Songs mussten dafür von der Setlist fliegen. Man kann sich bei einer technischen Extrawurst also gehörig selbst Steine in den Weg legen, wie wir gesehen haben. Das war es jetzt erst einmal mit Oldschool-Sachen. We Butter The Bread With Butter legen los und dank sinkender Temperaturen ist vor der Bühne auch wieder was los. Nach einem sehr unterhaltsamen Auftritt geht es wieder zurück in der Zeit. Es gibt Progressive Metal aus Großbritannien, allerdings nicht von irgendwem, sondern von den Vorreitern dieses Genres persönlich! Threshold überzeugen mich auf ganzer Linie sowohl soundtechnisch als auch vom Gesamtkonzept ihres Auftritts. Sänger Damian erlaubt sich einen kleinen Scherz und ruft zu einer Wall of Death auf - allerdings ist das bei der Musik sicher nicht ernst gemeint. Er wollte nur ein bisschen Platz vor der Bühne schaffen um im Publikum zu singen.

 

Das Finale steht an und ein weiteres Urgestein stürmt die Bühne. Die Rede ist von Napalm Death. Sie bringen die Menge vor der Bühne regelrecht zum Explodieren. Sänger Barney hüpft auf der Bühne in einer ähnlichen Manier herum wie Freddy von Madball. Klar, dass sie den wahrscheinlich kürzesten Song der Welt "You Suffer" auch im Set haben. Insgesamt ist der Gig nicht der beste, aber auch kein wirklich schlechter - und die Headliner-Position haben sie auf jeden Fall verdient.

 

Insgesamt ein sehr geiles Festival mit guter Versorgung an Essen und Getränken zu nicht überteuerten Preisen. Dieses Jahr muss ich mal den Sicherheitsdienst lobend erwähnen, der wirklich sehr gute Arbeit gemacht hat. Einzig die Leerung der Dixis am Sonntag ist noch ein Kapitel, das definitiv einer Verbesserung bedarf...

Weitere Informationen

  • Band(s): Majesty + Napalm Death + Accuser +++
  • Wann: 28.08.2015
  • Wo: Wörrstadt
Gelesen 5810 mal Letzte Änderung am Sonntag, 06 September 2015 13:58