Donnerstag, 09 April 2015 16:20

Noctiferia - Gaga People

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Noctiferia - Gaga People Noctiferia - Gaga People Noctiferia

Seit mehr als 18 Jahren sind Noctiferia aus Ljubljana eine der treibenden Kräfte der slowenischen Metalszene und können inzwischen auf 5 Album-Veröffentlichungen zurückblicken. Die Band wurde von Igor Nardin (Gitarre) und Uros Lipovec (Bass) gegründet und hat bereits einige musikalische Wandlungen durchlebt. So hat die Band 1996 mit Pagan Black Metal begonnen, schwenkte dann zu technischem Death Black Metal um und landete nach Experimenten im Extrem Metal nun bei Industrial Metal.

Die Band ist also nichts für Fans, die immer neue Reinkarnationen ihres Lieblingsalbums erwarten und der Band keine Gestaltungsspielräume zugestehen. Uns liegt hier die bereits 2014 erschienene Single „Gaga People“ mit drei Tracks vor. Die Band kann in Slowenien bereits Charterfolge vorweisen, so war ihre Single „Fond Of Lies“ vom 2003er Album Per Aspera geschlagene acht Wochen auf Platz 1, was ihnen dann auch die Aufmerksamkeit von Peter Tägtgren bescherte, der mehrfach mit der Band gearbeitet hat: sowohl als Toursupport als auch als Produzent. Damit zeigen Noctiferia, dass sie es schaffen eingängige Songs zu komponieren ohne dabei an Härte einzubüßen.


Musikalisch kann man die Band ungefähr als eine Mischung aus Ministry, Fear Factory und Modern Metal-Bands der 90er Jahre mit einem Schuss Industrial-Synthesizern. Die Songs sind aggressive riffbetonte Brocken, die teils martialische Rhythmen haben und mit einem Industrial typischen Synthesizer etwas entschärft werden. Eingängig sind alle Songs, technisch ist es gut gemacht und wer sich die alten Alben anhört erkennt auch gleich welch versierten Metalheads hier gemeinsam musizieren, gleichwohl ist der aktuelle Release für meinen Geschmack etwas schwach, da die Lieder zwar eingängig sind, aber einem die großen Melodien/Refrains fehlen. Somit gibt es keinen Song der wirklich weh tut, aber auch keinen der einen vom Hocker reißt.


Die Single „Gaga People“ beginnt mit fast schon poppigem Keyboard, nach 9 Sekunden setzen dann die Stakkato-Gitarren à la Rammstein ein und der gesellschaftskritische Text über den Konsumwahn und den Trend sich statt mit realen Leuten zu treffen lieber mit virtuellen Freunden zu schmücken ist durchaus ansprechend. Im Song Gaga People heißt es: „Consuming Bullshit – Braindead Maggots Feeling Free – Bow To Your Freak Show – It's The Only Thing You Know – Fuck Fictional Friends...“. Einzelne etwas vertrackte Versatzstücke lassen den Song nie so eintönig wie die von Rammstein werden, aber trotzdem ist der Refrain eher durchschnittlich.


„Sleeper Is Awake“ ist dann leider noch ein Song der Sorte „braucht kein Mensch und würde ich meinen Feind nicht mit foltern“: die drei Worte des Titels werden innerhalb des Songs gefühlt mindestens tausend mal wiederholt, die monotone Gitarre trägt ihr Scherflein dazu bei, dass man spätestens ab der Mitte des Songs seine Anlage anzünden möchte, nur um endlich erlöst zu werden.

The Falsifier ist dann wieder ein kleiner Lichtblick: was hier wirklich ungewöhnlich ist, ist dass im Refrain eine schöne Melodie gesungen wird und man währenddessen disharmonische Keyboards als Untermalung verwendet hat. Beim ersten Hören klingt es noch etwas schräg, aber spätestens beim zweiten Mal wächst der Song und es hat was.


Was bleibt: der Band sollte man auf jeden Fall eine Chance geben, wenn auch nicht gerade wegen ihrer aktuellen Veröffentlichung. Hört Euch die älteren Alben an und entscheidet dann. Die Songs dieser Single, die auch auf dem Album „Pax“ zu finden sind, gehen einem wegen der Monotonie, den schwachen Refrains und dem Fehlen eines Stücks, das den Hörer so in den Bann zieht dass er mehr hören möchte, recht zügig auf den Wecker. Schade drum, denn sie haben bereits bewiesen, dass sie es deutlich besser können.


Tracklist:
1. Gaga People
2. Sleeper Is Awake
3. The Falsifier


Bewertung:
3 von 10 Punkten

Weitere Informationen

  • Band: Noctiferia
  • Album Titel: Gaga People
  • Erscheinungsdatum: 01.09.2014
  • Fazit: Was bleibt: der Band sollte man auf jeden Fall eine Chance geben, wenn auch nicht gerade wegen ihrer aktuellen Veröffentlichung. Hört Euch die älteren Alben an und entscheidet dann. Die Songs dieser Single, die auch auf dem Album „Pax“ zu finden sind, gehen einem wegen der Monotonie, den schwachen Refrains und dem Fehlen eines Stücks, das den Hörer so in den Bann zieht dass er mehr hören möchte, recht zügig auf den Wecker. Schade drum, denn sie haben bereits bewiesen, dass sie es deutlich besser können.
Gelesen 1222 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 09 April 2015 16:29

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