Montag, 30 März 2015 13:39

Silent Call – Truth’s Redemption

geschrieben von Soundchaser
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Truth’s Redemption Truth’s Redemption Silent Call

Wenn ich das Album einer mir bisher unbekannten Band höre, freue ich mich auf neue, frische Ideen. Gerne – muss es nicht – darf es aber auch mal etwas dreckiger zur Sache gehen: Dunkle, feuchte Verliese, wo hinter jeder Ecke Fallen, Monster, Blutlachen oder Gekröse lauern oder räudige Straßenhunde zähnefletschend geifern.

Das aktuelle Album der Schweden Silent Call hingegen ist ein satter Edelkläffer mit perfekt gepflegtem Fell, der, wenn wir bei dem Bild bleiben eher verhalten bellt und in einer noblen Villa residiert. Vier Jahre haben sich Silent Call nach dem letzten Album Zeit „Greed“ Zeit gelassen, um das aktuelle Album „Truth’s Redemption“ einzuspielen. Die Band selbst beschreibt es als „dramatisches Konzeptalbum, härter, (in sich) geschlossener und wütender als jemals zuvor“ und vermittelt den Eindruck, dass die lange Produktionsdauer ein außerordentliches Album hervorgebracht hat – dieser Einschätzung kann ich mich leider nicht anschließen.

 

Nach dem „Intro“, das sphärisch-symphonisch in das Album hineinführt, kommt mit „Nightmare“ der erste Song, der mit einem schönen, knackigen Riff beginnt, dann aber dem Songtitel in keiner Weise gerecht wird. Dafür ist er viel zu „nett“. So ging es mir – auch nach mehrmaligem Hören – auch mit den folgenden Tracks. Da fehlen mir eben die überraschenden Wendungen, Fallgruben, die sich plötzlich vor mir auftun, das böse Knurren, bei dem sich einem die Nackenhaare aufstellen. Immer wieder gibt es Riffs und Licks, die Hoffnung auf mehr machen, doch dann versinkt alles wieder in sehr melodischen und eher von Midtempo dominierten Melodien, die vorbeirauschen wie eine S-Bahn an einem trüben Morgen. Nun ja – wem’s gefällt.


Die Songs sind handwerklich gut gemacht, die Produktion ist professionell, die Synthesizer schön füllend, ohne aufdringlich zu wirken, und auch der eine oder andere Pianopart ist durchaus nicht ohne Reiz. Selbst die eher hochfrequente Stimme von Sänger Göran Nyström wurde durch mehrstimmige Passagen und Stimmdoppelungen gut aufbereitet, wenngleich sie nicht jedem gefallen wird.


Trackliste:

01: Intro
02: Nightmare
03: Evermore
04: First To Know
05: Erasing The Sky
06: These Four Walls
07: The Knife
08: Alive
09: All Of Us
10: A Better Life
11: The Kingdom's Fall
12: World On Fire
13: Our Last Goodbye


Bewertung:

5,5 von 10 Punkten

Weitere Informationen

  • Band: Silent Call
  • Album Titel: Truth’s Redemption
  • Erscheinungsdatum: 19.09.2014
  • Fazit: Meine Herren, wo sind die Refrains, die sich mit kleinen, fiesen Widerhaken so ins Hirn krallen, dass man sie nicht mehr loswird? Oder anders gesagt: Warum ist der Edelkläffer in eurer noblen Villa so zahnlos? Vielleicht ist er zu sehr mit seiner Fellpflege und dem Lutschen teurer Leckerlis beschäftigt? „Truth’s Redemption“ kann leider nicht mit den Werken der Konkurrenz im (Melodic) Progressiv Metal Sektor mithalten, dafür fehlt diesem Werk einfach das, was einen packt und nicht mehr loslässt. Alles klingt irgendwie wie schon mal gehört, allzu bekannt, allzu gewöhnlich und so, wie es in einer nobeln Villa eben zugeht, wenn man als Hund dort lebt: es ist warm, es ist behaglich, es ist sicher und die Tage plätschern so vor sich hin. Ein Leben ohne große Höhepunkte. So wie dieses Album in knapp 60 Minuten Spielzeit.
Gelesen 2179 mal Letzte Änderung am Montag, 30 März 2015 13:44

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Truth's Redemption promo trailer Silent Call