Montag, 07 Dezember 2015 08:26

Nachtschatten – Prolog - Undergrounded Top1 Album 2015! Empfehlung

geschrieben von
Artikel bewerten
(29 Stimmen)
Nachtschatten – Prolog Nachtschatten – Prolog Nachtschatten

Per Leservoting habt ihr Prolog zum Top1 Album 2015 gekürt - Wir gratulieren!

Nachtschatten aus Karlsruhe haben sich 2010 gegründet und sich dem melodischen Death Metal mit deutschem Gesang verschrieben. Nach zwei Demos liegt nun das starke Debutalbum vor. Was unterscheidet Nachtschatten vom Gros der Melodic Death-Bands? Formal nichts, d.h. auch hier wird in der klassischen Besetzung (Gesang/Bass, zwei Gitarren und Schlagzeug) gespielt, es wird munter drauf los geknüppelt, man arbeitet durchgehend mit gutturalem Gesang, lässt keine anderen Stilrichtungen einfließen und woran liegt es nun, dass ich das zufriedene Grinsen nicht mehr aus meinem Gesicht bekomme?

 

Liegt es an der Eingängigkeit der Songs, den stets gut verständlichen Growls, der tollen Lead-Gitarrenarbeit, an den einfallsreichen immer wieder eingestreuten Zwischenpassagen oder den wirklich guten deutschen Texten? Es ist wohl die Kombination aus allem: sie machen genau das was man von einer melodischen Death Metal-Band erwartet und schaffen es doch den Hörer bestens zu unterhalten und zu überraschen, ohne jemals ihr Genre zu verlassen.


Wie klingt die CD denn nun? Man nehme Scar Symmetry (allerdings ohne den Klargesang), würze es dann mit etwas Children Of Bodom, verwurste das Ganze dann, füge wilde Breaks, beeindruckende Gitarrensoli und schöne Gesangsmelodien ein, ergänze in Gedanken dann noch deutschen Text und was man nun als druckvolle Produktion serviert bekommt ist Nachtschatten. Ich bin eigentlich kein Freund deutschen Gesangs, höre bis auf ganz wenige Ausnahmen (WIZO und Broilers) auch praktisch keinen Deutschrock, aber was auf diesem Album zu hören ist muss einfach jeden begeistern, der auf melodischen Death Metal steht. Es ist auch interessant wie man komplett ohne Reime auskommen und doch Songs schreiben kann, die sofort ins Ohr gehen. Die Texte werden auch perfekt von der Instrumentalabteilung unterstützt: beim „Takt der Maschinen“ hat man tatsächlich das Gefühl in einer ölverschmierten Fabrikhalle zu stehen, bei dem die Maschinen unablässig auf Hochtouren laufen und tonnenschwere Metallteile immer wieder mit voller Wucht auf den Betonboden knallen.

 

Die Musiker spielen auf internationalem Niveau und können sich problemlos mit der etablierten Konkurrenz messen. Auch die Produktion sticht positiv aus der Masse heraus: klar, das Album ist modern und professionell aufgenommen, das Schlagzeug macht mächtig Druck, der Gesang ist aggressiv und doch stets gut verständlich, aber vor allem fällt auf, dass auch beim Mix ein Könner am Werk war und seinen Teil dazu beiträgt, dass das Hören so viel Spaß macht: Endlich mal wieder eine CD, bei der man auf linkem und rechtem Kanal unterschiedliche akustische Ereignisse geboten bekommt. Wenn die beiden Gitarren unterschiedliche Parts spielen, dann ist jede Gitarre konsequent auf einen Kanal gemischt, das bedeutet, dass man ein wirklich tolles Hörerlebnis hat, weil auf linkem und rechtem Lautsprecher wirklich was unterschiedliches passiert und nicht einfach nur alles aus der „Phantommitte“ zwischen den Boxen ertönt. Noch ein Wort zu den Keyboards: diese sind sozusagen die pechschwarzen „Farbtupfer“ in einem schwarzen, düsteren Soundgewand und Textpassagen wie „Nur Dein Leid, Dein Schmerz, Dein Feuersturm“ (aus „Feuersturm“) zeigen schon recht gut, dass es im Prinzip eine vertonte Endzeitstimmung ist. Man sollte also keine Keyboards erwarten die gleichberechtigt mit der Leadgitarre verwendet werden, wie sie sie beispielsweise Children of Bodom auf ihrer „Follow the reaper“-Platte einsetzen, sondern eher als kleine, fiese Akzente, die die Stimmung noch dunkler gestalten und die Atmosphäre der Songs unterstützen.

 

Was bleibt hängen: wer auf schnörkellosen, aber hochkarätigen Melodic Death-Metal steht, sich deutschem Gesang nicht gänzlich verschließt und sich einfach nur mal zurücklehnen und ganz entspannt die vertonte Apokalypse genießen möchte wird mit diesem Album seine dunkle Freude haben, denn besser und innerhalb des Genres abwechslungsreicher habe ich schon lange kein vergleichbares Album mehr gehört und bei der schier unendlichen Anzahl an Neuveröffentlichungen soll das schon was heißen. Ganz großes Kino, das mächtig Spaß macht!

 

Tracklist:

01. Feuersturm
02. Blitzschlag
03. Morgendämmerung
04. Dunkle Sonne
05. Takt der Maschinen
06. Lauft!
07. Zeichen des Untergangs
08. Letzte Schlacht
09. Goldene Schlösser
10:Trauerweide
11:Weltschmerz
12:Rum im Grog (Bonustrack)

  

Bewertung
10 von 10 Punkten

 

Weitere Informationen

  • Band: Nachtschatten
  • Album Titel: Prolog
  • Erscheinungsdatum: 20.02.2015
  • Fazit: Was bleibt hängen: wer auf schnörkellosen, aber hochkarätigen Melodic Death-Metal steht, sich deutschem Gesang nicht gänzlich verschließt und sich einfach nur mal zurücklehnen und ganz entspannt die vertonte Apokalypse genießen möchte wird mit diesem Album seine dunkle Freude haben, denn besser und innerhalb des Genres abwechslungsreicher habe ich schon lange kein vergleichbares Album mehr gehört und bei der schier unendlichen Anzahl an Neuveröffentlichungen soll das schon was heißen. Ganz großes Kino, das mächtig Spaß macht!
Gelesen 3480 mal Letzte Änderung am Montag, 07 Dezember 2015 08:57

Medien

Nachtschatten - Feuersturm Nachtschatten