Samstag, 11 Januar 2020 17:00

Unter dem Radar - Darkmoon Warrior (Black Metal)

geschrieben von Grave & Haimaxia
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"Wenn Metal Hammer es scheiße findet, muss es gut sein."

Der lang ersehnte neue Output von Darkmoon Warrior wurde von besagtem Magazin noch vor der ersten Rotation der Scheibe im heimischen Player derart geadelt, und so blieb uns vom Undergrounded-Team schon im Vorfeld nur nackte, pure, ehrliche Vorfreude. Höchste Zeit, dass wir dem räudigen, stinkigen Mittelfinger der deutschen Black Metal-Szene um Sänger und Bassist Atom Krieg einen vorstellenden Artikel spendieren möchten.

Darkmoon Warrior wurden offiziell bereits im Jahr 1996 aus der Taufe gehoben. Der Band lag von Anfang an nicht viel daran im Rampenlicht zu stehen. Die Musik stand daher viele Jahre im Vordergrund und die Entscheidung nicht live spielen zu wollen, führte dazu, dass man sich lange ungestört im Schatten ausbreiten konnte. Viele limitierte Rehearsal-Tapes, eine Full-Tape und eine Split später wurde die erste EP „In Fundis Inferiorum“ erst 2006 auf die breite Masse losgelassen. Im Laufe der Jahre erschienen auch viele Demos und erst im Jahr 2009 hustete das Trio sein Debüt „Crown of Snakes“ bei W.T.C. in die Welt. Aber niemand sollte den Musikern hinter der Band Untätigkeit oder Faulheit vorwerfen, wenn man sich mal anschaut, in wie viele andere Projekte die Mitglieder so involviert sind: So greift A. Krieg auch bei Eternity in die Saiten, war beim kontroversen Projekt Hellfucked am Start und spendiert auch Anti und Lugubre seine Reibeisen-Vocals. Darkmoon Warrior entstand also in einer Ära, in der die Metal-Welt noch in Ordnung war, und der Black Metal, wie man ihn heute kennt, seit einiger Zeit mit aller in Bann ziehender Macht aus Norwegen hinüberschwappte, um sich als festes Genre in Deutschland zu etablieren. Darf man aber auch Anno 2020 noch behaupten, die Band flöge weit „Unter dem Radar“?

Dass sich die Band inzwischen umgeformt hatte („Anti“ (Gitarre) verließ nach nur einem Jahr 2003 die Band und „Basilisk“ (Drums) setzte sich 2007 nach „nur“ sechs Jahren Dienstzeit zur Ruhe), war auch nur den härtesten Fans bewusst. Auch erst mit dem eigentlichen Debüt 2009 entschied man sich auch für erste Live-Gigs, auch wenn die Mitglieder mit Sicherheit keine Neulinge auf der Bühne waren. Spätestens mit dem 2013er "Nuke’em All" und der scheußlich-schönen Hymne „Fuck Off“ gerieten Darkmoon Warrior in den Fokus der Liebhaber des verrohten, ungeschönten Black Metal-Stacheldrahts. Für Metal-Maßstäbe gehört die Hausnummer aber eben nach wie vor zu den Bands, die im Unterholz ihre Krebsgeschwüre weben.

Zwei Male stand uns Atom Krieg bereits für Interviews zum Status Quo der Band Rede und Antwort – zuletzt unterhielten wir uns mit dem kompromisslosen Musiker im Sommer 2019 zum Release des aktuellen Albums "Angels of Dirt – Beasts of Rebellion", welches bei Folter Records erschien (erstes Interview von 2015 hier). Ohne Zweifel gehört die Band zu den wahren Bestien, die in Tradition der großen, namhaften Combos des Black Metal-Genres aus Skandinavien gehören – keine politischen Safe Space-Zugeständnisse, keine Schonfrist für solche, denen der schwarze Metal zu hart ist, kein glattgebügelter, träumerischer oder anspruchsvoll-pseudointellektueller Bullshit. Der Dunkelmondkrieger überfährt ohne zu bremsen.

Aktuelle Besetzung

Atom Krieg - Vocals, Bass

Greifenor - Guitars, Vocals (Additional)

L.V.X. - Drums

 

Diskographie

1996 - After The Final Armageddon (Demo)

1999 - After The Final Holocaust (Demo)

2001 - Son Of Loki (Demo)

2003 - We Walk The Infernal Path (Split /w Luror, Eternity, Shadows Toward My Sky CD)

2006 - Hic Gaudet Mors (Demo)

2006 - In Fundis Inferiorium (EP)

2008 - Finnish–German–Alliance (Vinyl Sampler)

2009 - Crown Of Snakes (Album)

2013 - Nuke 'em all (Album)

2019 - Destroy The Planet! (EP)

2019 - Angels of Dirt-Beasts of Rebellion (Album)

Review zu „Angels of Dirt-Beasts of Rebellion

Natürlich erfindet auch "Angels of Dirt - Beasts of Rebellion" in der erstarkten deutschen BM Szene das Rad nicht neu, aber der eingangs erwähnte Verriss seitens verschiedener Mainstream-Metalseiten wird dem Werk definitiv nicht gerecht. Gerne darf der Vorwurf der Darkthronisierung des Sounds von Darkmoon Warrior gelten, allerdings nicht auf die Art „Fenriz himself hat das aber besser gemacht und daher erwarte ich von jedem Klon ein ebenbürtiges Album, sonst sind meine Gefühle verletzt und ich muss zur Entspannung Myrkur hören“. Nein, eher haben Darkmoon Warrior den Underground-Touch ins Album gepackt, den DT schon eine Weile eingebüßt haben.

„Coraçaõ Sinistro“ oder „Into Thy Crimson Realm“ zum Beispiel sind Werke, wie man sie sich durchaus von den Norwegern gewünscht haben könnte. Vor allem bei ersterem Song startet man ohne jegliche Vorbereitung und knüppelt sich mit Riffgewitter und Doublebass in die Schlacht, während Sänger Atom Krieg mit scharfen Growls den Rahmen vorgibt. Die kurzen Verschnaufpausen im Song zeigen eine kleine Schwäche der Produktion, die sich durch einige der Songs ziehen, so wirken die einzelnen Instrumente zu sehr voneinander abgekoppelt. Gesang und die Riffs sind zu sehr klar abgegrenzt und laufen parallel ohne sich wirklich mit Bass und Drums zu verbinden. Hier fehlt einem vielleicht die gewisse Räude, die man von Undergroundproduktionen und vor allem den Vorgängerwerken eigentlich gewohnt ist.

Die Stärken von „Angels of Dirt - Beasts of Rebellion“ sind allerdings, dass man weit mehr geboten bekommt: So sind die Songs durchsetzt mit allem Guten, was die Szene gerade vorzuzeigen hat.  Klar, ein bisschen Ironie steckt mit Sicherheit auch in dem Schaffen von Darkmoon Warrior, wenn man sich mit dem Albumtitel ein wenig pathetisch und sarkastisch einen Black’n’Roll-Anstrich geben will, beim bereits Spanisch betitelten „Coraçaõ Sinistro“ englische und deutsche Texte gemischt werden oder die Band im Musikvideo zu „Thermonuclear Predator“ einen Abgesang auf die Menschheit abfeiert, während sie mit Gasmasken in einem Lost Place performen. Aber wo andere Gruppen ähnliche Dinge versuchen, um ihren Black Metal möglichst hart, skandalös und böse zu vermarkten, ist es das „Wir scheißen auf alles und dich“-Image von Darkmoon Warrior, welches dazu führt, dass man Atom Krieg und seinen Mannen einfach abkauft, dass die Band hier keine Möchtegern-Ergüsse raushaut. Hier ist alles weder peinlich noch ironisch gemeint, maximal mit einer bedrohlichen Ironie garniert, aber im Kern beklemmend und finster. Und ja, die unsaubere Spielart, die hier präsentiert wird, hat natürlich auch etwas Punk-Attitüde in sich. Aber es ist der durchschwärzte, chaotische und wenig freudige Punk-Anstrich, der hier zelebriert wird.

Vor allem Stücke wie „Svjatogor“ oder der Titelsong sind brachial und auf hohem Niveau. Das ist natürlich alles ein bisschen Reminiszenz an die 90er, das ist aber auch eine Erinnerung daran, was die bekannten Bands vor 25 Jahren hätten schaffen können, wenn sie dieselben technischen Möglichkeiten gehabt hätten, die wir heute haben. Ein kleiner Black Metal-Anachronismus also. Aber ist die Platte echt bloße Akustikprügelei im Gewand alter Ideen? Dafür sind die Stücke dann doch wieder zu eigenständig und zu mitreißend. So ist die Platte mit Sicherheit keine aberwitzige Überraschung, aber ein bitterböser, starker Vertreter des Jahres 2019, und Darkmoon Warrior sind mit Sicherheit nicht als einfallslose Anarchos oder finstere Clowns abzutun, sondern liefern mit "Angels of Dirt – Beasts of Rebellion" ein Destillat aus 25 Jahren Black Metal-Expertise ab.

Trackliste:

01. Thermonuclear Predator

02. Coração Sinistro

03. XX.XV.XX

04. Into Thy Crimson Realms

05. Blackmetal Anarchy

06. Svjatogor

07. Brenne für mich

08. Angels of Dirt-Beasts of Rebellion

Weitere Informationen

Gelesen 2312 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 12 Februar 2020 01:05

Medien

Thermonuclear Predator Darkmoon Warrior / Angels of Dirt-Beasts of Rebellion / Folter Records

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