Freitag, 28 Juni 2019 14:00

27.06.-29.06.2019 - UNDER THE BLACK SUN FESTIVAL 2019 - FREILICHTBÜHNE, FRIESACK - TAG 1

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Under The Black Sun Festival Under The Black Sun Festival Flyer

Tag 1 des diesjährigen Under The Black Sun Festivals begrüßte die Besucher mit unerbittlichem Sonnenschein, wie es zurzeit in Deutschland nahezu überall der Fall ist. Etwas ausgelaugt von der langen Anreise (unser Team kam dieses Mal komplett aus Nordrhein-Westfalen und verbrachte um die 5 Stunden auf der Autobahn) begutachteten wir zunächst das Gelände und man musste feststellen, dass größtenteils am bewährten Aufbau festgehalten wurde. Dieses Mal gab es sogar auf dem Campground einen Bierstand, neben dem auch für Frühstück gesorgt wurde, mehrere Wasserstationen und (haltet euch fest!) provisorisch zusammengeschusterte Duschanlagen auf dem Festivalground! Leider bemängelten manche Besucher, dass das Bier am Donnerstagnachmittag alles andere als kalt serviert wurde, was man aber zügig in den Griff bekam.

In der Nachmittagshitze eröffneten Frantic Aggressor das Event. Die Berliner Folter Records-Neuzugänge haben dabei direkt ihr Debüt-Album „Land Mine Logic“ mitgebracht und ihren angeschwärzten Thrash-Sound dem noch müden UTBS-Publikum kredenzt. Viele strömten erst während des Gigs der Truppe aufs Gelände und holten sich ihre Bändchen ab, Andere suchten noch Schutz vor der Sonne unter dem großen Zelt inmitten des Geländes, vor der Bühne tummelten sich lediglich ein paar Hartgesottene. Kühl und bedrohlich waren die kriegs- und militärinspirierten Stücke, immer wieder unterbrochen durch Einspieler wie etwa einer Dokumentation zur Erklärung der Funktionsweise von Landminen erklärt. Als es auf ihren Song „Manifesto“ zuging, skandierte Frontmann und Gitarrist Discrimination „Black Metal is not for everyone, this is the end of this hipster vegan Bullshit“ und fügte am Ende noch ein „fuck social justice“ hinzu. Das Rad haben die Jungs zwar nicht neu erfunden, aber einen kompromisslosen und soliden Start geliefert.

Nashmeh konnten die Besucher im Folgenden besonders in den Bann ziehen: Das deutsch-persische Projekt um die gebürtigen Iraner Çaruk Revan und Lord Faustoos spielte seinen orientalisch beeinflussten Black Metal und wäre zu späterer Stunde bestimmt noch intensiver gewesen. Schon im Jahr 2018 sprach unser Team mit dem Gitarristen und entlockte ihm einige hochinteressante Informationen zum anti-islamischen Black Metal, der in Europa neben anti-christlichem Black Metal den gleichen religionskritischen und –ablehnenden Charakter hat, in den arabischen Staaten aber mitunter zu Enteignung, sozialer Ächtung, Inhaftierung oder gar zur Todesstrafe führt (wir berichteten). Noch nie gingen weibliche Growls mehr unter die Haut als bei der Frau am Mikro, welche zwischen ihren Songs immer wieder vom Akkordeon zur persischen Daf-Rahmentrommel wechselte und von Lord Faustoos' Stimme begleitet wurde (u.a. aktiv bei Mogh, Beaten Victoriouses). Beeindruckend waren vor allem Stücke vom Album „Khonyagaran e Pars“, wie das von den persischen Dichtern Rumi und Attar beeinflusste, deutsch betitelte Lied „Greifenaufstieg“ oder „Hotti“. Es sollte sich herausstellen, dass der Donnerstag auch an Atmosphäre und Tiefgang nichts Besseres zu bieten hatte – Bands mit mehr ungestümen, rasanten Black Metal-Kaskaden allerdings schon.

Die Spanier Pestkraft und die Holländer Sammath folgten im Programm und lieferten ihre jeweils ganz eigene Interpretation düsterer Klanggefilde. Der Name ersterer Gruppe war auch Programm: Vor einer Kanzel präsentierte Sängerin Blodig etwas teilnahmslos die Vocals. Auch der Rest der aus Valencia angereisten Band, deren Gesichter komplett mit typischen Schnabelmasken der Pestdoktoren verdeckt waren, wirkte etwas lustlos. Ihr Debüt „Litanies of the Plague“ erschien 2018 zunächst noch als Independent Release, mittlerweile sind sie unter den Fittichen des Kleinst-Labels Nigredo Records aus Schweden (u.a. Fördärv, Nachtlieder). Insgesamt war die Optik aber ansprechender als die Musik, so unser einhelliged Urteil.

Sammath hingegen galten manchen Besuchern als erster richtiger Headliner, obwohl sie noch früh am Abend auftraten – die Band um Frontmann Jan Kruitwagen, das kreative Hirn hinter Sammath, schaffte es auf Anhieb, mit ihrem wilden Naturell ein großes Publikum vor der Bühne zu versammeln und machte den Platz zum reinsten Headbanger-Konvent. Seit 1994 im Geschäft blickt die Band auf fünf Alben und mehrere Demos und Compilations zurück. Vor allem „Strijd“, ihr 1999er Debüt, genießt großen Kultstatus unter den Anhängern der Black Metal-Szene. Und was kann man anderes sagen, als dass die Niederländer, die ihr Schaffenszentrum mittlerweile nach Deutschland verlegt haben, eine ordentliche Tracht Prügel-Black Metal abgeliefert haben? Wer die 2018 erschienene Live-Platte „Live Arrogance“ kennt, wird wissen, was die Jungs bei einem Konzert draufhaben.

Ars Veneficium aus Belgien folgten pünktlich zum Sonnenuntergang und legten nicht minder kraftvoll nach. Ihr Debüt von 2016 „The Reign of the Infernal King“ konnte ordentlich Aufsehen erregen und die neue Split-EP „In Death’s Cold Embrace“ mit den Sankt Petersburgern Ulvdalir erschien pünktlich eine Woche vor dem UTBS. Sänger Surtur hatte zwar eine enorme Bühnenpräsenz und gab alles, tatsächlich muss man aber sagen, dass vor allem in den längeren, atmosphärisch-dissonanten Instrumentalpassagen Ars Veneficium besonders glänzen konnte. Leider war auch der Song „Night Preacher“ von ihrer 2014er EP „The Abyss“ der beste Song, der dargeboten wurde, vor allem dadurch, dass sie sich mit Revenant von Sarkrista einen Gastsänger dazuholten, dessen Vocals gerade im Duett mit Surtur den Sound ordentlich aufwerteten. Das spricht leider nicht für die Belgier, aber wir sind wirklich gespannt auf zukünftige Releases. Denn schlecht war das ganz und gar nicht!

Der offizielle Headliner des Auftaktabends war Lord Sabathans namenseigene Band. Seines Zeichens früherer Sänger der ebenso aus Belgien stammenden, 90s-Black Metal-Veteranen Enthroned. Tatsächlich bekamen die Fans auch genau das geliefert: Messerscharfer Black Metal alter Schule mit Klassikern der Enthroned-Alben „Prophecies of Pagan Fire“ und „Towards The Skullthrone Of Satan“. Dass Lord Sabathan mit seiner Band dabei auf einen reichen Schatz an Expertise zurückgreifen kann, merkt man schon an der langen Liste an Bands, in denen er mitwirkt oder mitgewirkt hat (u.a. Slaughter Messiah, Horacle). Seine schrillen Ansagen, in denen er Gott und das Christentum herausfordert und für das Ende der Religion und insbesondere der christlichen Kirche plädiert (das ist noch schön ausgedrückt), gingen durch Mark und Bein des UTBS-Volks, während man sich entweder vor der unbändigen Wucht der alten Enthroned-Songs verneigte oder aus dem Headbangen nicht mehr herauskam.

Natürlich muss man sagen, dass gerade Bands wie Sammath, Ars Veneficium und Sabathan/Enthroned A.D. etwas den Anspruch im Black Metal vermissen lassen. Da ist aber die Frage, wonach man sucht: Ist man auf der Pirsch nach heftigen Black Metal-Sintfluten und Auf-Die-Fresse-Musik, oder horcht man eher auf, wenn man intensive Klangwelten besucht, bei denen man das eine oder andere Experiment, den einen oder anderen Exoten oder den ein oder anderen philosophisch-weltanschaulichen Leckerbissen findet? Tag 1 des diesjährigen UTBS hatte dahingehend nur Nashmeh zu bieten und somit mehr für die Fraktion derer in petto, die die schnörkellose Härte im Black Metal verehren. Wir fiebern auf alle Fälle bereits Tag 2 entgegen!

Fotos by Anna Apostata Arts.

Hier lest ihr unseren Bericht von Tag 2.

Weitere Informationen

  • Band(s): Frantic Aggressor, Nashmeh, Pestkraft, Sammath, Ars Veneficium, Sabathan
  • Wann: 27.06.2019
  • Wo: Freilichtbühne Friesack
Gelesen 2422 mal Letzte Änderung am Montag, 21 Oktober 2019 02:51
Haimaxia

Impavidi progrediamur - sic itur ad astra.


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