Donnerstag, 23 Mai 2019 12:25

18.05.2019 - K19, KASSEL - HOLE IN THE SVN-IM ZWIELICHT DES MONDES +++ UNLIGHT + TIMOR ET TREMOR + HÄXENZIJRKELL + INTO COFFIN

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Unlight, Timor et Tremor, Häxenzijrkell, Into Coffin Unlight, Timor et Tremor, Häxenzijrkell, Into Coffin Hole in the Svn / Im Zwielicht des Mondes

Von Stuttgart nach Kassel sind es im Tiefflug knapp vier Stunden und man hat eine Menge Zeit, sich auf einen Gig vorzubereiten. So stand vor der nächsten Edition der "Hole In The Svn"-Veranstaltungsreihe mit dem Titel "Im Zwielicht Des Mondes" viel Musikstudium und tiefgehende Gespräche über aktuelle Entwicklungen der Szene. Unser Ziel, das K19 in Kassel… Termin: 18.05.2019. Diesmal mit von der Partie: Unlight, Timor et Tremor, Häxenzijrkell und Into Coffin.

Das K19 selbst ist ein Anfang 1900 erbautes Kulturzentrum, das in der Endphase des zweiten Weltkriegs Teil einer KFZ-Garage und Bahnverladestation war. Dieser geschichtsträchtige Ort wird nur noch bis August als Kulturzentrum dienen, da er dann einer langen Restauration und einer unklaren Zukunft entgegen geht. Die Location ist ein roter Industrie-Klinkerbau und versprüht genau den Charme, der einem Black Metal-Konzert die richtige Atmosphäre einhaucht.

Nach der Ankunft und dem Setup der Technik war es Zeit für die erste Band. Viel gibt es über den Opener (noch) nicht zu berichten. Das Duo aus Essen namens Häxenzijrkell hatte in der Vergangenheit nach der Gründung 2016 neben einer Demo und zwei EPs auch eine Split mit den berühmt-berüchtigten LVTHN geschaffen. Die präsentierte Genreschublade ist sehr nischig und wird von manchen Musikverständigen (nicht zwingend von der Band) liebevoll „Witchploitation“ genannt. Schnell versteht man, dass es im Grunde aber genau darum geht: Die Bühne will, wenn man nur mit Gitarre, Drumset und Stimme bewaffnet ist, mit Leben gefüllt werden und so passiert das (neben dem imposanten, druckvollen Songstrukturen) über Sampler, die vor, während und nach den Songs, aus alten (Hexen)-Horrorfilmen entlehnt wurden. Das monoton-treibende Drumming, das von eingängigem und repetitiven Riffing, sowie der keifenden Stimme von Sänger MK getragen wird, lud die ersten Gäste zu entrücktem Kopfnicken ein und zum Genießen der vier ausufernd langen Songs namens "Von Glut und Wirbelrauch", "Des Teufels schwarze Hand", "Blutsabbat" und einem nicht näher benannten Outro. Ein würdiger und sehr atmosphärischer Opener.

 

  

Into Coffin aus Maburg, die nach einer präzise eingehaltenen Umbauphase die Bühne betraten, bliesen innerhalb weniger Minuten so viel Rauch in das K19, dass man als Filmer und Fotograf der Verzweiflung anheim fallen mochte. Dies förderte allerdings die Szenerie, die sich der Crowd bot. Wie vom Veitstanz befallen, wüteten die drei Bandmember über die Bühne und erschütterten die Grundfesten des Gebäudes. Tief dröhnende Gitarrenklänge und Growls durchbrachen geisterhaft den Rauch und schufen eine Atmosphäre, die sich mit dem Messer schneiden ließ. Das einleitende "Crawling in Chaos" mit seinem sich stetig steigernden Aufbau begeisterte die vor der Bühne versammelte Meute schnell und zog geradezu hypnotisch in den Bann. Rein instrumentale Parts wechselten sich mit wilden, tief grunzenden Vocal-Elementen ab und fanden auch bei "Proclamation of Astral Sovereignty" und "Black Ascension" kein Ende der Begeisterung. Letzterer ergoss sich in einer nicht enden wollenden beklemmenden Kakophonie aus Drone-Infused-Black Metal über die Bühne und in die Herzen der Zuhörer. Die letzten zwei bis drei Minuten bestanden gefühlt nur noch aus Dissonanzen und atonale Tonfolgen und trieben uns die Haare zu Berge.

Nach einer nicht minder perfekten Umbauphase wurde es Zeit für die Lokalmatadore Timor Et Tremor die Bühne zu betreten und an die beiden grandiosen Auftritte der Vorbands anzuknüpfen. Nach insgesamt drei Alben, einer EP und 14 Jahren Bandgeschichte hat sich die Kasseler Pagan Black Metal-Formation schon durchaus einen Namen gemacht - und das auch außerhalb ihrer Heimat. Sah man doch bereits in den ersten Minuten die ersten Headbanger vor der Bühne, welche zu den düster-melodischen Gitarren ihre Köpfe schüttelten, ist dieser Ruf gerechtfertigt. Die kraftvoll keifenden und betont abwechslungsreichen Vocals von Hendrik unterstützen perfekt die hämmernden Drums, auch mitunter durch selten so genial passenden Klargesang, welcher zuweilen kurz träumerisch abschweifen ließ. Es steht außer Frage, dass diese Band genug Individualität hat, um immer wieder herauszustechen und im Kontext eines solchen Abends nachhaltig im Kopf bleibt.

Setlist Timor et Tremor:

1. Yearning 

2. Voices from the coffin

3. Oath Of Life

4. Solstice

5. King of the lost

6. Soaring grudge

7. Hundred Days of rain

8. Pale Faces

 

Gefühlt viel zu früh begann bereits die Aufbaupause für die letzte Band Unlight, die mit ihrer Black/Thrash-Blasphemie die Perfektion des Abends vervollständigen sollen. Gnadenlos hämmernd von der ersten Sekunde an ist die Richtung der Band klar – totale Zerstörung. Mehr als zwanzig Jahre Bandgeschichte, sieben Alben, eine Demo und eine Split mit Nordafrost sind im Portfolio der Band zu finden, deren Erfahrungen daraus live zu spüren sind. Etwas Rauch, keifende Schreie, ein exzellentes Gitarrenspiel aus Riffgewitter und Soloparts – das ist das Rezept mit dem eine alles zerstörende Energie auch die letzten Reserven der Besucher vor der Bühne einfordert und leere Hüllen zurücklässt. Das Set lässt auch ein ein neues Album hoffen - schließlich liegt "Antihelion" von 2016 auch schon wieder drei Jahre zurück.


Nach einem sound- und orgatechnisch an Perfektion grenzenden Abend fällt es allzu schwer, erneut den Panzer zu besteigen und die gut vier Stunden zurück Richtung Schwabenland anzutreten. Das "Hole in the Svn" hat auch dieses Mal zweifellos seinen Zweck erfüllt. Wir freuen uns jedenfalls, dass die Metal-Szene, nicht nur in Kassel sondern auch im Umland, weiterhin von dieser Reihe profitieren kann. Wir warten bereits mit Freude auf das nächste Event, einem Tourstopp von unter anderem Bölzer und Dødheimsgard namens Void Dancers MMXIX im Dezember. Wir halten euch auf dem Laufenden!

Photos by Lars Rubarth / RubArt Photography

Kulturzentrum K19

Moritzstr. 19, 34127 Kassel

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Weitere Informationen

  • Band(s): Unlight, Timor Et Tremor, Häxenzjirkell, Into Coffin
  • Wann: 18.05.2019
  • Wo: Kulturzentrum K19, Moritzstr. 19, 34127 Kassel
Gelesen 1104 mal Letzte Änderung am Montag, 26 August 2019 12:14
Crimson

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