Mittwoch, 26 Dezember 2018 16:13

10.11.2018 - RITES OF DESTRUCTION, BASEL SOMMERCASINO +++ DESASTER + BONEHUNTER + TOTAL ANNIHILATION + EVIL + MNEMONICIDE

geschrieben von Blood Kountess

Nach gut drei Stunden Anreise aus der Stuttgarter Gegend schlugen wir schließlich in Basel am Hauptbahnhof auf. Im Eilschritt ging es nun durch die Innenstadt gen Sommercasino. Etwas durchnässt dank Nieselregen fanden wir schließlich auch den Club. Gut eine halbe Stunde vor Einlass waren bereits einige Vereinsmitglieder und Besucher vor Ort. Es wurde draußen noch gemütlich das eine oder andere Bier getrunken, um sich auf das Konzert und die Schweizer Bierpreise einzustellen – für Grenzgänger und Schwaben immer eine heikle Sache. Allerdings vergisst man die immensen Bierpreise auch schnell wieder bei ausgiebigem Konsum...

Der Veranstalter des Abends hatte mit dem Sommercasino definitiv eine super Location gefunden, wir sind zum ersten Mal hier. Der Club ist am Rand eines kleinen Parks gelegen und gut erreichbar. Im Außenbereich gibt es mehrere Sitzgelegenheiten und viel Platz, eine entspannte Atmosphäre ist garantiert. Im Inneren kam man zunächst durch einen Vorraum mit Garderobe. Die meisten Besucher hatten bereits im Vorverkauf zu einem sehr humanen Preis von 33,-- Franken ihr Ticket erworben. Für die fünf Bands ein durchaus angemessener Preis, wenn man den Status bedenkt, den Desaster in der Metal-Szene innehaben umso mehr. Die Band spielt regelmäßig Konzerte, zu Hauf gibt es sie allerdings nicht mehr zu sehen. Desaster sind aber auch keine Band, die langweilig wird – bei ihren Auftritten sorgt die Band immer noch problemlos für eine äußerst energiegeladene Atmosphäre und viel Bewegung im Moshpit; „Metalized Blood“ oder die Desaster-Hymne „In A Winter Battle“ begeistern das Publikum stets. Somit haben sich nun auch die Mitglieder der lokalen Thräshgäng Total Annihilation einen persönlichen Traum erfüllt, Sänger Dani ist ein regelrechter Maniac wenn es um Desaster geht. Mit ihnen die Bühne zu teilen bedeutet den Jungs viel, einige sind direkt in die Veranstaltung und den Verein involviert, die Buchung von Desaster geht mit auf ihre Kappe – wir verneigen uns vor den Deströyers für dieses Lineup, die Zusammenstellung stimmt uns freudig erwartungsvoll - der Titel Rites of Destruction könnte nicht passender sein.

Die erste Band Mnemocide eröffnet den Abend pünktlich zur angegebenen Zeit um 18:30 Uhr, der Saal ist bereits gut gefüllt. An den Seiten reihen sich seitlich links und im hinteren Bereich die Merchstände, bei fünf Bands kommt da ganz gut was zusammen. Mehrere Bands haben außerdem Tapes am Start, für die richtigen Old School Thrasher ein gefundenes Fressen neben dem obligatorischen Vinyl. Die Bar befindet sich ebenfalls im hinteren Saalbereich und rechts verlaufend, Mischpult und Lichtanlage sind mittig stationiert. Es ist insgesamt genügend Platz, keiner muss drängeln und solange man nicht ausgerechnet hinter einer der Säulen steht, hat man uneingeschränkte Sicht auf die Bühne. Nach ein paar Bierchen und großem Hallo mit vielen bekannten Gesichtern begeben auch wir uns hinunter, um die Schweizer Band anzuhören. In vorderster Reihe sind bereits mehrere Fotografen fleißig am knipsen, wir halten uns noch bedeckt und konzentrieren uns auf die stampfenden Klänge der fünfköpfigen Band, die ebenfalls aus Basel stammt. Die Debüt-EP wird heute auf den Titel Debris getauft. Alle Bands haben eine Spielzeit von 45 Minuten. Geliefert wird solider Death Metal der groovigen Sorte, der Sänger stampft rhythmisch, die noch relativ junge Band feuert ihr Set souverän durch.

 

Nun sind Evil nach kurzer Pause an der Reihe. Die Japaner sind zusammen mit Bonehunter aus Finnland auf Europatour – das Logo der Band hat man in den letzten Monaten bereits häufig auf Flyern gesehen, nicht sofort zu entziffern aber definitiv mit einem starken Wiedererkennungswert. Die meisten Artworks kleinerer Thrashbands sind nicht direkt der Oberkiller was Ästhetik oder das Design angeht, viele Bands im NWOBHM und reudigen Thrashsektor mit krachendem Old School Sound sind aber gut dabei, den 80er Old School Stil auch hier wiederzubeleben – der eine oder andere kauft ja Shirts oder Tonträger auch gerne mal wenn das Design stimmt. Hier punkten Evil auch beim Merch und im Gesamtauftritt. Die Jungs haben allesamt dick schwarz untermalte Augen im Punkstil. Lederjacken, Patronengurte und schwere Metallketten anstelle von Gitarrengurten runden das Bild ab. Die Jungs erinnern mit ihrem rohen Stil an Bands wie Aura Noir oder Archgoat – auch wenn der Gesang nicht ganz so röchelnd ist kommt er dem doch nahe. Die Gitarren hallen schön und man hat den vielgeliebten Sound gefunden, der auch im Black Metal so romantisch brachial viel eher nach heimischer Rumpelkammer statt totgemixtem Studiosound klingt. Texte und Songtitel sind auf japanisch geschrieben, aber wen juckt das schon wenn die Musik passt. Evil sind definitiv ein Highlight mit ihrer Show. Wer punkig angehauchten Old School Thrash mit schwarzem Einschlag liebt, sollte definitiv reinhören; im Netz findet sich Material der Band auf Soundcloud und Bandcamp.

Mit Total Annihilation geht nun erst richtig das Moshen los. Da die Band in Basel zuhause und gut bekannt ist sieht man nicht wenige, die lautstark mitgröhlen und den Sänger zu Höchstleistungen anspornen – die Welt ist klein, die Schweiz erst Recht. Man kennt sich seit Jahren und so sind wir auch an vorderster Front mit dabei. Nach einer langjähriger freundschaftlichen Beziehung mit unzähligen Bierduschen, gemeinsamen Moshpit-Eskalationen, blauen Flecken und unerschütterlicher Liebe zum guten Dosenbier ist man trotzdem immer wieder auf die Setlist gespannt. Heute gibt es zwar mit Day Z, dem Bastard-Song, Solace of the Weak und War, Death, Suffering die üblichen Kracher zu hören – wir werden aber zumindest in einer Hinsicht bitter enttäuscht, Thrash Metal und Dosenbier wird nicht gespielt. Skandal!

Setlist Total Annihilation: Intro / Brainless Pigs / Falling Feast / Panic / Day Z / Big, Fat, Lying Bastards / Abyss / Solace of the Weak / War, Death, Suffering

Bonehunter aus Finnland entern die Bühne mit Devil Metal Punk, einer Mischung aus schnellem Geknüppel, relativ sauberen Gitarren und klassischem Black Metal Gesang im Stile von Quorthon. Auch hier gibt man sich ebenfalls ganz im Geiste der 80er, wir werden nicht enttäuscht. Das Tempo macht nach der Pause müde Geister wieder wach, Headbangen ist ein Muss und das Set ist viel zu schnell zu Ende. Hier hat die italienische Booking-Agentur Etrurian Legion Promotion mit Evil und Bonehunter zwei totale Hammerbands auf Europatour geschickt, ein Glück dass die Basilisk Deströyers immer hochkarätige Shows buchen mit Bands, die man (leider) nicht alle Tage zu Gesicht bekommt – purer Underground eben.

Während der Umbaupause sehen wir uns das Merch nochmal genauer an. Total Annihilation haben mittlerweile einige neue Items am Start, auch Kassetten. Bei Desaster nebenan finden sich Shirts, einige Vinyls und CDs, außerdem eine Gürtelschnalle, Patch und Schweißband. Gitarrist Infernal hat außerdem etwas Merch von seiner Zweitband Moontowers dabei. Und schließlich zieht es die Herren endlich auf die Bühne. Mitunter ein Faktor der beim Publikum immer gut ankommt ist, dass die Band sich recht bodenständig und Fan nah gibt. Wer am Merchstand steht, trifft meist mehrere Bandmitglieder, die ebenfalls gemütlich ein Bier abseits des Backstage schlürfen und sich die Vorbands ansehen.

Aber nun ist Zeit für etwas Blasphemie. Und so wird das Set auch mit Divine Blasphemies passend eröffnet, das gut gefüllte Sommercasino bängt was das Zeug hält. Die Stimmung ist ausgelassen, Sänger Sataniac macht seinem Namen alle Ehre, der Gesang ist wahrlich teuflisch. Wenn er sein Gelächter zum besten gibt, meint man Luzifer höchst persönlich würde aus dem Fegefeuer heraufgeifern. Mit seiner markanten Stimme führt er uns kraftvoll und treibend durch die ersten Songs. Das erste absolute Highlight wird an sechster Stelle auf der Setlist mit Teutonic Steel geliefert, wer diesen Song nicht kennt, hat schon verloren. Allein der Titel selbst hat unzählige Songs anderer junger Bands inspiriert und beeinflusst, kurz darauf folgen Hellbangers und Satan's Soldier Syndicate. Hier prügelt sich der neue Drummer durch die Songs, als hätte er nie etwas anderes getan. Seit März ist der Mann mit voller Power hinter dem Drumset zunächst als Ersatzmann tätig gewesen, seit Tormentors endgültigem Weggang Anfang Oktober ist er nun festes Bandmitglied und wertet die Band live unglaublich auf wenn man das so sagen darf. Im Idealfall hat jede Besetzungsumstellung innerhalb einer Band ihre Vorteile, in jedem Fall kommt etwas Neues hinzu. Das Set wird nach beinah anderthalb Stunden mit Black Magic geschlossen. Sataniac ist wahrscheinlich der größte Slayer Fan den ich kenne, selbst Desaster-Sänger huldigen eben noch ihren alten Meistern. Was wären wir auch ohne Slayer? Und welcher Track wäre wohl besser geeignet für den Abschluss eines Desaster Sets? Genau, nur Hell Awaits.


Setlist Desaster: Divine Blasphemies - Sacrilege / The Cleric's Arcanum / Damnatio Ad Bestias / Devil's Sword / Teutonic Steel / Profanation - Hellbangers / Necropolis Karthago / Satan's Soldiers Syndicate / Metalized Blood / In A Winter Battle / Black Magic

Copyright für die Bilder: Blood Kountess / undergrounded.de

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Die Hölle erwartet euch aber erst wieder zum Meh Suff Winterfest am 12. und 13. Januar in Zürich, wenn Desaster die Tore zur Hölle erneut aus den Angeln krachen lassen. Auch hier werden wir berichten. Stay metalized, Maniacs!

Weitere Informationen

  • Band(s): Desaster, Bonehunter, Total Annhiliation, Evil, Mnemocide
  • Wann: 10.11.2018
  • Wo: Sommercasino, Basel (Schweiz)
Gelesen 1030 mal Letzte Änderung am Freitag, 28 Dezember 2018 11:52

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