Montag, 07 November 2016 15:25

22.10.2016 Sell Your Soul Fest, Bad Neustadt/Saale (Franken) + Deadwood + Seeds in Barren Fields + Depravation + Dawn Ray'd + Sovereign + Hans Gruber

geschrieben von Ghostwriter

Labelfeste sind eigentlich eine ganz interessante Geschichte, zeigen sie doch einen guten Überblick in diverse Genres bzw. das Spektrum in dem sich das Label bewegt. Im Falle von Sell Your Soul Records bewegt man sich ausschließlich im Doom/Sludge und Black Metal Sektor und zeigt damit ebenso eine gewisse Affinität zu Schmelztiegeln der besonderen Art. Geladen wurde in das beschauliche fränkische Bad Neustadt an der Saale, genauer gesagt in das frisch in Eigenregie renovierte Juze, das äußerst Komfortabel und zugänglich wirkte. Die Getränkekarte war in Ordnung und Parkplätze ausreichend vorhanden, so dass man nicht noch groß in der Steppe herumwandern musste, um Einlass gewährt zu bekommen. Der eigentliche Start von 19:30 konnte nicht ganz gehalten werden, aber ca. 30 min. später, legten Hans Gruber aus dem hessischen Kassel los.

Ohne lange Einleitung und nur mit spärlichem Licht ging das Quintett direkt in die vollen und präsentierte eine Mischung aus Hardcore, Punk und leichten Sludge Einlagen, die beim Publikum durchaus zum mitgehen anregte. Der Sänger, ein unaufhaltsam agierender Derwisch hielt es nicht auf der Bühne aus und verlagerte sein Bewegungsabläufe direkt in Interaktion mit dem Publikum. Die Gitarristen „rotzten“ die Riffs nur so herunter und agierten im Zusammenspiel recht harmonisch. Viele Breaks abgelöst von kurzen aber prägnanten Blast- ähnlichen Pattern mit einem abgerundeten Bassspiel erhöhte gleich die Betriebstemperatur und die Truppe erntete den verdienten Applaus, als nach 25 Minuten das Set beschlossen wurde und die Bühne den Italienern von Sovereign übergeben wurde.

Setlist Hans Gruber: Abyss / To Kill a Cop / Code Red / Human Waste / The Swarm / IV / Lost / Suffer / TV Sucks / V / Cause Of Cancer / 100 Forks, 1000 Ropes / You’re right

 

Das aus Trento stammende Trio verhüllte in ihrem 35 minütigem Set die Bühne sowie Halle komplett in kalten Nebel. Keine Bühnenbeleuchtung in Form von Spots, die die Band anstrahlt oder ähnliches – lediglich 3 LED Strahler mit Stroboskopfunktion boten dem Publikum eine Orientierung, die durch die Band selbst mittels Fußtaster an den passenden Stellen an/aus geschaltet wurden. Der Sound, welchen das Trio heraufbeschwor, hätte nicht schwerer ausfallen können. Tiefe Gitarren, eine bleierne Schwere, eigentlich eine graue, schwarze Wand an Ton, bildeten eine perfekte Symbiose aus Optik und Akustik. Die Wurzeln der Schwärze herausgerissen und mit Ausbrüchen versehen, die man nicht allzu oft erlebt. Bass und Gitarre schwebten ab und zu in gewollter Disharmonie und bereicherten jetzt schon den Abend und wurden ebenso von den anwesenden Beiwohnern mit Applaus bedacht. Kaum waren die letzen Töne verstummt, machte man Platz für das aus Gießen stammende Abrisskommando von Depravation.

Setlist Sovereign: Untitled 1 / Untitled 2 / Colourless / Untitled 3 / Pale

 

Depravation kills! So und nicht anders muss man das beschreiben was die Jungs da einem auf die Ohren drücken. Laut, Lauter, Depravation! Aber die Kombination aus etwas langsameren Teilstücken und der puren Energie die man in Einigkeit nebeneinander setzt, ist so überzeugend, dass man diese Energie körperlich spürbar erlebt. Sehr agil und souverän zeigt sich die Band, die vor kurzem erst eine 4-Track EP mit Namen „Feast With The Rats“ veröffentlichte und damit ein schweren Brocken abgeliefert hat. Das Zusammenspiel der Rhythmusfraktion war aus der Position des Zuhörers eine wuchtige Angelegenheit und die Gitarren sangen bzw. stampften sich durch die bisherigen Veröffentlichungen. Wer Depravation noch nicht gesehen hat, sollte sich diese Mischung aus Blackend Hardcore, Death Metal und Sludge nicht entgehen lassen. Nach ca. 35 Minuten entließ man die Zuhörer in die langsam einsetzende Dunkelheit und überließ es den aus England stammenden Dawn Ray’d hier anzuknüpfen.

Setlist Depravation: wrath / gift / feast with the rats / with dead eyes to see / submerge / ruins

 

 dawn rayd

 

Dawn Ray’d sind mitunter die ungewöhnlichste Band an diesem Abend. Lediglich Gitarrist, Schlagzeuger und Sänger/Violinist wurden benötigt um sämtliche Münder aufklappen zu lassen und diese auch nicht mehr bis zum Ende des Sets schließen zu lassen. Der eigenwillig präsentierte Black Metal verortet sich im Gesamtsound erstmal im Stil der 90er Jahre, wartet aber durch Laut-Leise Spielereien auf, der den Stil insgesamt deutlich breiter darstellt, auch ohne Bass und 2. Gitarre. Die Violine hingegen hat sich als überaus wunderbares Element in den ureigensten Stil der jungen Band aus Liverpool geschlichen und ist beileibe nicht mehr daraus hinweg zu denken. Nur mit Banner in der Mitte und hellem Licht, fügte sich der tiefe, melancholisch- wütende Gesang fügte in Harmonie zu dem restlichen akustischen Leckerbissen ein und bescherte eine kurzweilige Show, die leider nach knapp 35 Minuten schon zu Ende war und den aus Schweden angereisten Seeds in Barren Fields Platz bot.

Setlist Dawn Ray’d: black cloth / fire sermon / cauldron of rebirth / at the still point / colony of fevers

 

Das aus Göteborg stammende Quintett spielt eine Mixtur aus Black Metal, Doom, Sludge und einer ganz gehörig leckerer Prise Crust und bot eine auffällig energetische Live Performance, die sehr ansteckend wirkte, so dass man wie elektrisiert den Schweden zuschaute und sich trotzdem irgendwie mittendrin empfand. Gerade die nach vorne in der Geschwindigkeit gehenden Songs bzw. Parts muteten sehr euphorisch an und gerade wenn man glaubte, es wird eine Schippe draufgelegt, wurde man aufs Eis geführt und erfuhr das Gegenteil. Hier überzeugte dieses ausloten der Extreme restlos und passte somit wunderbar in diesen Abend. Auffällig war, dass Sänger und Gitarrist nicht auf der Bühne standen, sondern eine Reaktion mit dem Publikum einging. Die Performance der kompletten Formation bot wenig bis überhaupt kein Grund zum meckern und nach ca. 50 Minuten räumten diese hier das Feld und man wartete gespannt auf Deadwood.

Setlist Seeds in Barren Fields: Communion / Echoes of a Forgotten Rhythm / Epitaph of the Vain and the Forgotten / I am the Antichrist / I Mörkrets Timme / Headless/Heartless (cover originally by His Hero is Gone) / Tomorow Black Birds Fly

 

Deadwood

 

Sehr atmosphärisch, riesige Soundwände und ein wild wirbelnder Sänger, so könnte man das Quintett aus Frankfurt beschreiben, deren Bühnen- Setting lediglich aus 3 Baustrahlern bestand, die in den Farben Blau und Rot schimmerten, sowie eine Menge an brennenden Räucherstäbchen, die auf der ganzen Bühne verteilt waren. Musikalisch pendelte man grob im Black Metal, vertont ihn aber sehr modern, so dass sich ruhige, beinahe Ambientartige Flächen mit purer Aggressivität abwechselten. Die ausschließlich sehr langen Songs folgten charmant dem Laut-Leise Prinzip, ohne jedoch in Kitsch zu verfallen. Die Black Metal Anteile waren deutlich in der Überhand und die sanften Klänge wiegen den Zuschauer in eine sanfte Melancholie, die aber mit einsetzen der Soundwände wieder in Wut und Trauer umschlug. Der Sänger der Hessen schrie, flüsterte und „sprach“. Er lebte die Musik auf der Bühne aus und dem Publikum schien dies ebenso zu gefallen. Nach 55 Minuten beendeten Deadwood zusammen mit den Räucherstäbchen ihr Set und entließ die Zuschauer in die Nacht.

Setlist Deadwood: Burden of Rememberance / Soiled / NA1.7 / Ending Circles / White Tears Gently Touching The Earth


Alles in allem war es ein gelungener Abend, der die verschiedensten Stile innerhalb einer bestimmten Richtung präsentierte und es zugleich lohnenswert machte, seine 10 Euro in den lokalen Bereich zu investieren. Selbstverständlich auch mehr, denn das Detailreichtum an Merch war nicht gerade wenig und ein jeder konnte sich daran beteiligen. Es bleibt zu hoffen, dass es nicht die letzte Label Nacht von „Sell Your Soul“ sein wird, dann aber würde ich mir wünschen, die Anzahl der partizipierenden Bands um wenigstens 2 zu verringern, bleibt doch so eine bessere Aufmerksamkeitsspanne erhalten. Eine letzte Anekdote: Zu Beginn begab es sich, dass ein älteres Paar sich auf den Bänken nahe des Lichtpults bequem gemacht hat um einen schönen Abend zu verbringen…doch nach Genuss von mehren Minuten verließen diese fluchtartig das Juze und man vernahm im vorbeigehen die Frage, warum hier kein „Soul“ gespielt wird, schließlich ist das doch so auf dem Flyer vermerkt…Soul hatte die Veranstaltung und ein jeder der dort mitgewirkt hat, dass der Abend ein ganz besonderer war…bis nächtes Jahr, Juze…


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Gelesen 2083 mal Letzte Änderung am Montag, 07 November 2016 15:59

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