Samstag, 18 Juni 2016 14:20

18.06.2016, Doom and Gloom, Jazzkeller Hofheim + Chariot Throne + Hexer + Witchfucker + Ad Cinerem + Hessaja

geschrieben von Inlé, Ares
Doom and Gloom 2016 Doom and Gloom 2016 Schwarze Loge Ritus

Schwarze Loge Ritus präsentierte uns im Februar 2016 bereits die Zeremonie der Schatten und brachte uns nun, mit ihrer zweiten Veranstaltung, den Doom nach Hessen. Das Line-Up versprach eine gute Mischung aus verschiedenen Spielarten des Doom Metal zu sein und der Jazzkeller passte als Location einfach super zu so einem Event. So zogen wir zu zweit los und freuten uns auf einen doomigen Abend.

Mit ein wenig Verspätung betraten Chariot Throne gegen 19:30 Uhr die Bühne. Die junge Band aus Michelstadt ist kurzfristig für Cross Vault eingesprungen, die krankheitsbedingt absagen mussten. Sie präsentierten einige Songs aus ihrem Erstling „The unholy Design“ und starteten mit der Nummer „Descent“. Sofort überkam uns das Gefühl, dass dieser Sound ungewöhnlich, aber doch vertraut klingt. Der drückende Doom-Sound wurde durch Elemente des Alternative Rock ergänzt und hatte dadurch eine Art 90´s Sound. Die zweite Nummer „Ritual“ und der dritte Song „Far from the Sun“ ließen aber immer mehr an die alten Haudegen von „Alice in Chains erinnern, was uns persönlich zuerst gefiel. Diese Mischung aus Doom und alternativem Rock hört man leider nicht oft und die Kombination ist ziemlich ungewöhnlich. Es folgten „Piling up the Trash“ und „Solar Fires“. Die Band hat absolut Potenzial, dennoch sollten die Hessen an Feinheiten feilen. Was uns leider negativ auffiel war, dass Sänger Dennis zu selten die Töne traf. Die Stimme klingt recht angenehm, aber vor allem in den höheren Tonlagen klappte es nicht ganz. Seine Art zu singen erinnert im Ansatz an Layne Staley, was auch bei „The Spirit´s Sanctuary“ und „Crown“ deutlich zu hören war. Nur funktionierte das mit der Phrasierung und den Tönen nicht so, wie es gedacht war. Das schadete ein wenig dem Hörerlebnis. Entweder sollte man ein wenig am Gesang arbeiten oder die Songs so performen, dass man nicht die Grenze der eigenen Stimme überschreitet. Die Band hatte aber eine gewisse Leidenschaft auf der Bühne und zeigte eine große Spielfreude. Zudem war auch spieltechnisch nichts zu bemängeln. Zum Abschluss gab es den Titelsong „The unholy Design“ und „Sunny“ und wir müssenzugeben, dass die Truppe ihr Publikum schon bewegte. Applaus gab es sehr großzügig für jede Nummer. Wir würden sehr gerne mehr von dieser Band hören und hoffen, dass sie noch ein wenig an ihrem Sound arbeiten.


                                                               13502625 514514468739406 1142964437690179454 o


Setlist:

Descent

Ritual

Far from the Sun

Piling up the Trash

Solar Fires

The Spirit´s Sanctuary

Crown

The unholy Design

Sunny

 

 

Hexer kamen auf die Bühne und wirkten zuerst wie Kumpel aus dem Steinbruch. Die Gesichter Ruß geschwärzt, sahen sie aus, als ob sie gerade Kohle geschaufelt hätten. Räucherstäbchen sorgten für ein gewisse okkulte Stimmung und die Mikrofonständer waren mit Schwarzlichtröhren bestückt. Als die Bühnenbeleuchtung schließlich ausging, wurde direkt klar warum. Auf den geschwärzten Gesichtern war auf einmal eine Art Corpsepaint zu sehen und die Instrumente leuchteten stimmungsvoll. Ansonsten war die Bühne komplett verdunkelt und nach einem Synthesizer-Intro ging man ohne Übergang in den ersten Titel über. „I/I“ lautete der Titel des ersten Songs und ging eine totale Symbiose mit dem Bühnenbild ein. Natürlich schaute man zur Bühne, aber die Musiker traten durch die stimmige Beleuchtung ziemlich in den Hintergrund. Der dröhnende, doomige Klang wurde durch sehr lange, instrumentale Parts wunderbar ergänzt. Die Musik von Hexer hat etwas Eigenständiges, denn der Sound ist schwer einzuordnen. Doomig, atmosphärisch und sogar progressiv kommt sie daher - eine gewaltige Klangkulisse. Die Growls wurden ziemlich sparsam eingesetzt und der Fokus lag demnach auf der Musik, was uns sehr gefiel. Ein Song ging in den Nächsten über ohne das es auffiel, so ging der erste Song von einem Synthesizer-Interlude ohne hörbare Unterbrechung direkt in den Titel „Pearl Snake“ über. Die Songs haben eine beträchtliche Länge und greifen wie Zahnräder in einem Uhrwerk fulminant ineinander. Hexer ist als eine Art Gesamtkunstwerk zu verstehen, denn alles passt perfekt zusammen. Der dröhnende Sound, die minimalistische Bühnenbeleuchtung, Räucherstäbchen en Masse, die Hexer als etwas übernatürliches erscheinen lässt. Was ist Hexer? Sludge, Doom, Ambient, Post-Metal oder Ambient? Nein! Diese junge Gruppierung ist schwer in irgend eine Schublade zu stecken und das ist gut so. Von jedem zwar ein bisschen, aber als etwas ziemlich Neues zusammengefügt. Das Publikum war beeindruckt, aber verunsichert. Man will applaudieren, aber wenn die Songs kein offensichtliches Ende hatten, so musste man doch bis zum Abschluss des Sets warten, um der eigenen Begeisterung Ausdruck zu verleihen. Die Crowd war hin und weg von der Wirkung der Dortmunder Truppe und völlig im Bann der Musik. Der letzte, unbetitelte Song ging zu Ende und man hatte das Gefühl, dass es jede nachfolgende Band schwer haben würde. Ganz großes Kino und Entertainment. Gerne wieder.


                                                              13495606 514516425405877 5362905364075737117 o


Setlist:

Synth Intro

I/I

Interlude

Pearl Snake

Untitled


Nach der intensiven, fiebrigen und irgendwie magischen Bühnenpräsenz von Hexer und einer gefühlt sehr langen Umbauphase kam die Karlsruher Formation Witchfucker zum Zuge, die sich dem Motto "Üntrve Bläck Metäl" verschrieben hat. Als Trio agierend fröhnte man den tieftönenden Vibrationen und die Lautstärke wurde entsprechend leicht nach oben korrigiert. Zugegeben, die ersten Minuten von „Doomhammer" waren leichten Timingschwankungen unterlegen, doch im Laufe des Sets waren diese dann verschwunden. Eingehüllt im grünen Licht, konnte man dem Trio einen winzigen Hauch Psychedelic attestieren, die mit Black Metal und Stoner Elementen einen guten Eindruck hinterließen. Mit „Steinzeitmän“ und „Verlust“ wurde es immer brodelnder und besonders dann, wenn Schlagwerker Tom mit seinen Schreien das Publikum befeuerte, konnte man sehen, was aus der Truppe werden kann. Schnellere Stoner Parts wurden vom Publikum mit Haareschütteln und Fäuste in die Luft recken quittiert. Nach ca. 1 Stunde wurde das Set mit „I am who I am“ abeschlossen.

 

                                                                               13483327 514517428739110 4536096473176023278 o

 

Setlist:

Doomhammer

Steinzeitmän

Verlust

After Death + Fligender Teppich

Hangover

I am who I am

 

Ad Cinerem aus Dresden überraschten als nächstes deutlich und hoben sich nochmalig von all den anderen Doomspielarten ab und präsentierten eine Mischung aus schwerfälligem - beinahe der Atmosphäre des Funeral Doom am ähnlichsten – Stil und klassischem Doom Metal. So schwelgten die Mannen um Hekjal und Val in einer musikalischen Lethargie, die ca. 60 min umfasste und Songs von der auf 100 Sück limitierten Demo und dem neuen Langspieler beinhaltete. Unterlegt mit tiefen Growls und den ab und an auftauchenden harschen Gesangslinien, sowie den tief verhallten Gitarren wurde eine einzigartige Kombination erschaffen. Gerade die immer wieder auftauchenden cleanen Gitarrenparts zogen einen immer tiefer in den Abgrund, nur um dann wieder aus dem Nichts heraus auf Kommando Abriss umzuschalten. Drums und Bass wurden sehr wuchtig in Szene gesetzt und bescherten ein bekanntes Gefühl in der Magengegend – genauso muss es sich anfühlen. Uns hat es gut gefallen, dass Ad Cinerem mit überwiegend kaltem Blau als Bühnenlicht bestrahlt wurden, so passte Musik und Optik tatsächlich einmal mehr zusammen. Das war großes Kino.


                                                                 13502531 514513302072856 381478295262302702 o


Setlist:

To revise downward

Foliage Burial

Pulse of an End

Untitled

Untitled

Untitled

 

 

Als Hessja um ca 00:30 die Bühne betraten, war für uns klar, dass wir maximal noch 1-3 Songs anschauen konnten, denn der ÖNV machte uns einen klaren Strich durch die Rechnung. Der Sänger, in einem weißen Hemd wirkte wie ein wilder Stier, lief unentwegt hin und her, kreuz und quer über die Bühne, schrie, keifte sich um seine Seele. Unterstützt von 2 Gitarren, die man durchaus als Wand bezeichnen konnte. Wilde Raserei, gepaart mit sludgigen Riffs und langsamen Post Rockigen Parts ergaben ein stimmiges Bild und leider mussten wir zu Planet Sedam: Ison unsere Kadaver wegschleppen. Aber versprochen: wir schauen Euch gerne noch mal in voller Länge an.


                                                               13482886 514515628739290 8472718214732962607 o


Setlist:

Dom

Asistent

Planet Sedan : ISON

Inside these Walls

Na kraju je uvijek rat

Nista


Fazit:

Die schwarze Loge hat ein tolles Event auf die Beine gestellt und hat dem Publikum wirklich etwas geboten. Keine Band war wie die andere und trotzdem passte es alles sehr gut zusammen und ergab ein starkes Gesamtbild. Ob Funeral Doom, Sludge, Ambient, Drone oder psychedlic Rock. Es war definitiv für jeden etwas dabei und die Veranstalter waren sehr bemüht, dass Publikum und Bands rundum versorgt waren. Der Sound im Jazzkeller war um Längen besser als erwartet und der Sound ließ die Wände wackeln. Leider fehlte dem Abend ein starker und bekannter Headliner, was wohl auch ein Grund war, warum die Veranstaltung nur mäßig besucht war. Zudem war das Konzert für eine abendliche Veranstaltung viel zu lang. Für so einen Abend wären 2 Supporter und ein starker Headliner ideal gewesen und da Hessaja weit nach Mitternacht spielten, leerte sich der Jazzkeller gegen Ende noch ein wenig. Überraschung des Abends waren für uns persönlich Hexer und Ad Cinerem. Absolut großartig und unsere Highlights des Doom and Gloom. Schwarze Loge Ritus hatte sich hier 2 sehr starke Bands ins Boot geholt und wir hoffen, dass wir von diesen Musikern noch viel hören werden. Wir freuen uns auf das nächste Doom and Gloom, denn für die erste Veranstaltung dieser Art wurde eine weite Stilistik aufgeboten, dem ein jeder etwas abgewinnen konnte.

Weitere Informationen

  • Band(s): Chariot Throne, Hexer, Witchfucker, Ad Cinerem, Hessaja
  • Wann: 18.06.2016
  • Wo: Jazzkeller, Hofheim am Taunus
Gelesen 2373 mal

Medien

Hessaja - Planet Sedam:ISON Hessaja

 Undergrounded 2017 -  ImpressumDatenschutzerklärung