Donnerstag, 19 Mai 2016 20:39

12.-13.05.2016 - Post Valley, Jokus Gießen + Mantar + The Vintage Caravan + The Hirsch Effekt + Implore + The Loranes + Emily's Giant + Yanos + The Giant's Vault + Joakim Hansson

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2013 versuchte Flo Häuser mit dem Post Valley und der Post Valley Black Edition eine Konzertreihe in Gießen zu etablieren, die außergewöhnlichen Bands einen Rahmen geben sollte, sich zu präsentieren. Es blieb aber vorerst bei diesen zwei Ausgaben und einer darauf folgenden längeren Pause. Drei Jahre später sollte nun das Post Valley wieder belebt werden und es wurde zu einem zwei Tage dauernden Festival geladen, dessen Line Up schon im Vorfeld einige einzigartige Bands und Konzerte versprach.

Als Veranstaltungort wurde, wie bei den ersten beiden Ausgaben, das Jokus in Gießen gewählt. Das Jugend- und Kulturzentrum "Jokus" liegt zentral und gut erreichbar und verfügt über einen Konzertsaal mit einer ausreichend großen Bühne, auf der das Post Valley von statten gehen sollte. Der Konzertraum wurde noch mit einer Getränketheke, einem Merchbereich für die Bands und einer kleinen Tribüne als Sitzgelegenheit ausgestattet, während im Vorraum der Stand von veganatural leckeres veganes Essen (Chili und Burger) anbot und auch wir von Undergrounded zu finden waren. Alles in allem war der Veranstaltungsbereich klein und übersichtlich gehalten und nichts lenkte einen von der wichtigsten Sache, der Musik, unnötig ab. Ein Manko war aber, dass sich das alles im obersten Stockwerk des Gebäudes befand, was den Sauerstoffreserven und der Frische der Luft nicht sehr dienlich war. Im Saal war es teilweise so stickig, dass man sich lieber in den Vorraum verzog, um dort bei etwas besserer Luft weiter der spielenden Band zu zu hören. Für angenehmes Hören sorgte ein durch alle Bands hinweg sehr guter Sound, bei dem man jederzeit alle Instrumente heraushören konnte, selbst bei basslastigeren Bands ging nichts in Brei über und unter. Die Rahmenbedingungen waren also schon mal nicht schlecht, jetzt mussten nur noch die Bands überzeugen.


Donnerstag, der 12.05.2016 (Tag 1)


Da mich meine Arbeit bis kurz vor knapp gefangen hielt, kam ich erst auf den letzten Drücker im Jokus an. Bis zur ersten Band waren es noch ein paar Minuten, die ich damit verbrachte, mir ein Bier zu holen, mein Stresslevel herunter zu fahren und innerlich von Arbeit auf Konzert umzuschalten.


THE GIANT'S VAULT waren mir dabei eine große Hilfe, denn der psychedelisch angehauchte und mit Stonerelementen versehene Hard Rock war genau das richtige, um in den Konzertabend zu starten. Mit dem Instrumental „The Giant", welches mit der Kombi aus starkem Gitarrenspiel und einer lässig groovenden Rhythmusfraktion glänzte, zog das Trio aus Fulda das anwesende Publikum schnell in seinen Bann. Dies hielt zwar noch etwas Abstand zur Bühne, aber überall war leichtes Kopfnicken oder andächtiges Lauschen zu beobachten. Als sich die Vocals bei „4 am" nahezu perfekt in das instrumentale Gefüge einfügten, zeigten The Giant's Vault ihre ganze Stärke. Es war wirklich eine Freude zu hören, wie die Osthessen dem klassischem Hard Rock ein modernes Gewand gaben, ohne das man sich zu stark vom Ursprung entfernte. Immer wieder wehte ein Hauch von Hard Rock-Legenden der 70er Jahre wie Deep Purple durch das Jokus, zumindest gab es da einige Passagen, bei „4 am" und „The Tables Have Turned", die mich stark daran erinnerten. Und dann gab es aber noch Songs wie „Won't Accept Defeat", welches mit leichter Spielart zum Träumen und sich treiben lassen einlud. Das sich The Giant's Vault erst dieses Jahr gegründet hatten und zum dritten Mal überhaupt auf einer Bühne standen, merkte man kaum. Man versank einfach in der Musik des Trios und genoß diesen musikalischen Leckerbissen, den man direkt zu Beginn des Festivals serviert bekommen hatte.


Setlist:

1. The GiantDSC 9342

2. 4 am

3. Won't Accept Defeat

4. The Tables Have Turned

5. Never follow









Was danach folgte, konnte nicht stärker im Gegensatz zu dem entspannten Sound von The Giant's Vault stehen. Denn als zweite Band des Abend enterten IMPLORE die Bühne und rollten direkt mit dem Opener „Sentenced" wie eine Dampfwalze über alles hinweg. Brachial, düster und mit mächtig Druck durch einen überpräsenten Bass, dazu bellende Vocals von Fronter Gabriel Dubko, so präsentierte die Band ihre Mischung aus Grindcore, Death Metal und Crust dem Publikum. Dies hielt zu Beginn der Show auch einen gehörigen Sicherheitsabstand zur Bühne, der sich im weiteren Verlauf nur zögerlich minimierte. Auch für mich war der Stilwechsel zu heftig und ich konnte im Sound von Implore auf Dauer nicht viel abgewinnen. Auf die Länge des Sets gesehen, war mir die Band zu eintönig und ohne Abwechslung, wodurch sich schnell etwas Ermüdung bei mir einstellte und ich mich nach der Hälfte des Sets an Implore satt gehört hatte.


Setlist:

1. SentencedDSC 9385

2. Thousand Generations

3. Homo Consumens

4. Hegelian Dialectic

5. Cadavers On Parade

6. Self Worship Monolith

7. La peste negra

8. Segregate

9. Two Legged Damnation

10. Grieved Mankind

11. Neo Luddite

12. Bohemian Grove

13. Routine As Escapism

14. Ancient Superstitions

15. Iscariote

16. Thorns Of Devotion

17. Inexorable Malignancy



War schon Implore sicher nichts für jedermann, folgte mit THE HIRSCH EFFEKT die nächste Band, die man ruhigen Gewissens und ohne bösartig zu sein, als speziell bezeichnen kann. Mit einem Strobo-Gewitter brach der Wahnsinn los und das Trio zeigte von Anfang an, was es auszeichnet. Wie Speed Stackern gleich nahmen die Hannoveraner die Elemente Gitarre, Bass und Drums und bauten daraus rasend schnell ein Klanggebilde, nur um es kurz darauf in Sekundenschnelle wieder einzureißen und aus den Trümmern ein neues Monstrum an Musik zu erschaffen. Ruhige, mit Klargesang versehene Parts wechselten sich ungeheuer schnell mit arhythmischen, abgehackten und chaotisch lärmenden Melodien ab, Mathematik traf auf Musik und hohes technisches Können an den Instrumenten und alles zusammen wurde durch eine passende Lichtshow abgerundet. In Vorbereitung auf das Post Valley suchte ich einige Infos zu The Hirsch Effekt und dabei fand ich in den Tiefen dieses Internets die Genrebezeichnung Art Core, wusste damit aber nichts anzufangen, bis...ja, bis ich The Hirsch Effekt live gesehen hatte! Es ist das Gesamtpaket aus Musik, Licht und Show, was man durchaus als Kunst bezeichnen kann. Und diese kam hier in Gießen gut an, denn das Publikum stand in Sachen Engagement der Band in nichts nach. Endlich wurde auch die erste Reihe vor der Bühne gefüllt und dort legte man sich mächtig in Zeug, schüttelte die Köpfe und feierte die Band lautstark. Bei mir machten sich aber nach einem langen Arbeitstag wieder Ermüdungserscheinungen bemerkbar und die Kombination aus der Hitze im Jokus und der schnell wechselnden Beleuchtung tat ihr übriges. So blieb mir nichts anderes übrig, als mich wieder zurück zu ziehen und für mich den Entschluss zu fassen, dass ich mir The Hirsch Effekt noch mal in einem ausgeruhteren Zustand live anschauen muss.


Setlist:

1. IRADSC 9498

2. Emphysema

3. Fixum

4. Agnosie

5. Bezoar

6. Athesie

7. Arcanum Reprise

8. LIMERENT

9. Jayus

10. Lentevelt

11. Mara








Mit THE VINTAGE CARAVAN folgte noch der Headliner vom Donnerstag und wer die Band kennt, weiß, dass ihn eine energiegeladene Show erwartet. Auch diesmal war es nicht anders, die Isländer, allen voran Bassist Alexander Örn Númason, spielten, als ob es kein Morgen gäbe und rissen das Publikum schnell mit ihrer Bühnenshow mit. Mich selber sprach genau diese aber nicht mehr so stark an, denn sie wirkte mir etwas zu routiniert. Das darf man nicht falsch verstehen, denn es immer wieder toll zu sehen, mit welcher Spielfreude die drei Bandmitglieder auf der Bühne stehen und agieren, aber es packte mich einfach nicht mehr. Als ich vor zwei Jahren The Vintage Caravan das erste Mal live gesehen, da waren die Jungs noch voller Adrenalin auf der Bühne und vieles passierte spontan und aus dem Bauch heraus. Zusammen mit dem organischen Spiel der Instrumente hatte mich das damals umgehauen, doch nun wirkt vieles von dem, was auf der Bühne passierte, für mich etwas zu kalkuliert und es passierte, weil es passieren soll. Musikalisch gab es aber wieder mal nichts zu meckern, der psychedelische Blues Rock der drei Jungs ging wieder gut ins Ohr. Das ein jeder der Band sein Instrument mehr als gut beherrscht, davon zeugten wieder etliche Soli und Improvisationen in den Mittelteilen der Songs, bei denen jeder der Band mal zeigen durfte, was er konnte.


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Freitag, der 13.05.2016 (Tag 2)

Pünktlich zur Öffnung der Türen stand ich wieder im Jokus, um den zweiten Tag vom Post Valley miterleben zu können. Das Line Up für den heutigen Tag versprach großartige Konzerte und mit Yanos, Emily's Giant und Mantar gab es drei Bands, auf die ich besonders gespannt war.


Es sollte aber erst einmal mit eher leisen Tönen los gehen. Der schwedische Songwriter JOAKIM HANSSON schaffte es nur mit seiner Stimme und einer E-Gitarre, den Zuhörern einen Gänsehautmoment nach dem anderen zu bescheren. Überall sah man die Zuhörer andächtig lauschend stehen oder sitzen und ein jeder war in einer anderen Welt und hatte seine eigenen Bilder zu den Songs von Joakim im Kopf. Solche Musik ist schwer in Worte zu fassen, aber einen gefühlvolleren und wunderbareren Einstieg in den Abend hätte man nicht wählen können.


Setlist:

1. Deep Dark WoodDSC 9586

2. Enough Of It

3. Box Of Wood

4. Pinch Me

5. Where This Led

6. Oregon Coast

7. Black Day / Bright Night







War der Stilwechsel zwischen erster und zweiter Band tags zuvor doch sehr heftig gewesen, fand der Übergang heute harmonischer statt. Das Duo EMILY'S GIANT führte den Stil von Hansson weiter, brachte aber noch ein Schlagzeug mit in die Songs ein. Heraus kommen gefühlvolle und folkige Rocksongs, die im Zusammenspiel von Robert Groos Stimme und Gitarrenspiel und dem kräftigen Schlagzeugspiel von Nico Viehl erst ihre intensive Wirkung entfalteten. Auch hier konnte man das Publikum beim gebannten Zuhören beobachten, aber auch leichtes Kopfnicken war zu beobachten. Doch Emily's Giant schafften es nicht nur, die Zuschauer mit ihren Songs in den Bann zu ziehen, auch der Unterhaltungswert an sich war auf der Bühne groß. Schlagzeuger Viehl hatte beim Spielen ein Mimikrepertoire auf Lager, dass alleine schon ausreichte, einem immer wieder ein Grinsen ins Gesicht zu zaubern. Doch auch das ständige Abwehren der Rufe nach einem Drumsolo nahm im Laufe des Konzerts eine Dynamik an, die das Publikum immer wieder zum Lachen brachte und großes Entertainment war.


Setlist:

1. Not MineDSC 9592

2. Heartfelt Sympathies

3. Choices

4. Funny How

5. Lilly Hands

6. Tired But Good

7. What About You

8. Amen

9. Druglaw Blues





Zu den kalten und minimalistischen Gitarrenklängen von „Isolation" begannen dann kurz darauf YANOS ihr Set. Der Fünfer aus Marburg hat auf seinem ersten Album „Omega" sich der Trauerphasen nach Elisabeth Kübler-Ross angenommen und zu jeder dieser Phasen einen Song geschrieben (mehr darüber auch bei „Unter dem Radar"). Unter dem künstlerischen Deckmantel des Post Metals sind dabei fünf düstere Songs (plus das Intro „Isolation") entstanden, die sehr gut die Gefühlswelt innerhalb der verschiedenen Phasen wiedergeben. Yanos spielten live das Album in seiner vollen Länge und auch wenn sich zu Beginn des Sets kleine Probleme bei einer der beiden Gitarren bemerkbar machten, schafften es die Marburger den Sound von der Platte auch auf die Bühne zu transportieren. Da es bei Yanos für mich eher auf das Hören ankommt, anstatt sich vor der Bühne zu verausgaben, nahm ich auf der kleinen Tribüne in der Ecke des Saales Platz und genoß in aller Ruhe die einzelnen Songs.


Setlist:

1. IsolationDSC 9708

2. I. Anger

3. II. Denial

4. III. Bargaining

5. IV. Depression

6. V. Acceptance













Danach wurde es Zeit für Rock'n'Roll, es wurde Zeit für THE LORANES! In deren Reihen spielt auch Mammut, seines Zeichen Ex-Bassist von Kadavar. Doch das ist die einzige Gemeinsamkeit zwischen den beiden Bands, denn musikalisch gehen The Loranes einen ganz anderen Weg. Der Bass knarzte mächtig in den Boxen, die Gitarre klang räudig und sägend und es roch nach Roadtrip und Straßenstaub. Eigentlich genau mein Ding, doch war bei mir nach den ersten drei Songs leider die Luft raus und ich hing duch! Schade, denn das, was ich bis dahin gehört hatte, wußte mir zu gefallen. The Loranes reihten sich definitiv in die hohe musikalische Qualität mit ein, die während des gesamten Festivals geliefert wurde, aber es sollte an diesem Tag nicht sein, dass ich es zu würdigen wusste. Also blieb nur der Entschluss, mir The Loranes bei der nächsten Gelegenheit noch einmal live anzuschauen und damit gönnte ich mir eine Pause.


Setlist:

1. Black Cat White CatDSC 9814

2. Servant Of Fear

3. Easy

4. Dead End Road

5. Suicide Leaders

6. Lonely Girl

7. Hey (You Said!)

8. Breath In

9. Bore Me To Death

10. She Ain't You









Nach der dringend benötigten Pause zum Luftholen und Frischluft tanken und einer etwas längeren Umbaupause auf der Bühne sollte nun der Höhepunkt des Abends bzw. des ganzen Festivals folgen: MANTAR! Das Duo aus Bremen fackelte nicht lange und begann mit „Praise The Plague" den kompromisslosen Abriss des Jokus. Es ist erstaunlich, wie man so einen düsteren und drückenden Sound ohne Bass hinbekommt, aber eine extrem tief gestimmte Gitarre und das Ausleiten dieser über zwei Verstärker macht es möglich. Von einer unbestimmten Energie und Kraft geleitet, brachten die beiden Songs wie „Astral Kannibal", „Cross The Cross" und „The Huntsmen" mit einer Wucht ins Publikum, dass dieses nicht anders konnte, als mitzugehen. Die Köpfe wurden in heftige Nickbewegungen versetzt und es wurde gebangt, was die Reserven hergaben. Und wen es nicht gleich packte, der wurde spätestens bei „Era Borealis" mitgerissen. Man konnte sich dem Sog des doomigen, mit Black Metal- und Punkelementen versehenen Sounds von Mantar nicht entziehen und das Duo gab auch alles, um die Aufmerksamkeit des Publikums bei sich zu behalten. Am Ende der Show waren sowohl das Publikum als auch die Band nass geschwitzt, aber beide Parteien waren zufrieden und glücklich darüber, Teil dieses Konzertes gewesen zu sein.


Setlist:

1. Praise The PlagueDSC 9891

2. Spit

3. Cult Witness

4. Astral Kannibal

5. Cross The Cross

6. Era Borealis

7. Into The Golden Abyss

8. (Swinging The Eclipse)

9. The Huntsmen

10. Sundowning

11. (Schwanenstein)

12. White Nights


Fazit:

Der Neustart des Post Valleys ist aus meiner Sicht durchaus geglückt. Das Line Up war mit einzigartigen Bands bestückt, die musikalisch einfach nur vom feinsten waren und die man in dieser Kombination sicher nicht so schnell wieder zusammen zu sehen bekommt. Der oben schon erwähnte gute Sound veredelte noch die Performances der Bands und sorgte dafür, dass man wirklich Spaß beim Hören dieser hatte. Einzig das Gießener Publikum hätte etwas zahlreicher erscheinen können. War der Saal zu The Vintage Caravan am Donnerstag recht gut gefüllt, gingen die Besucherzahlen am Freitag dann wieder runter. Hoffen wir, dass der Zuspruch gereicht hat und sich das Post Valley mit seinem speziellem Konzept hier etablieren kann. Warten wir es ab und wenn sich was tut, erfahrt ihr hier bei Undergrounded die neusten Informationen.

Weitere Informationen

  • Band(s): Mantar, The Vintage Caravan, The Hirsch Effekt, Implore, The Giant's Vault, Emily's Giant, The Loranes, Joakim Hansson, Yanos
  • Wann: 12.-13.05.2016
  • Wo: Gießen
Gelesen 2932 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 19 Mai 2016 22:19
eviloli

Just when I know all of life's answers, they changed all the questions!


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