Samstag, 17 Oktober 2015 07:41

Unter dem Radar: Nechochwen (Black Metal/American Folk Metal)

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Nechochwen, das ist amerikanischer Black Metal. Zumindest, wenn man so oberflächlich sein möchte, wie die heutige Chartmusik. Ähnlich wie Panopticon stehen amerikanische Folk-Einflüsse bei dem Duo aus West Virigina ganz weit oben auf der musikalischen Liste. Thematisch geht es in ihrer Musik vor allem um die Konflikte zwischen den amerikanischen Ureinwohnern und den Siedlern, vor allem zu einer Zeit, als die Indianer schon längst in Reservate gesteckt worden waren.

Diese Thematisierung spiegelt sich auch unweigerlich in der Musik wieder und obwohl eine solche Mischung häufig große Fettnäpfchen für Klischee und Kitsch bieten, erschaffen Nechochwen seit vier Alben eine wundervolle Symbiose aus Black Metal und amerikanischem Folk, der neben wenigen Bands (u.a. die genannten Panopticon) in Amerika und in der gesamten Metal-Szene seinesgleichen sucht. Gegründet wurde die Band 2005 und bezeichnet sich selbst als Apalači Folk Metal. In Amerika stehen sie bei Bindrune Recordings unter Vertrag, in Europa vertreibt Nordvis seit kurzem ihre CDs und Merch.

Live sieht man die Band eher selten, trotz Live-Lineup. Das liegt vor allem an den vielen musikalischen Einflüssen, die es schwer machen, auf der Bühne umgesetzt zu werden.

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Aktuelle Besetzung:

Nechochwen – Vocals, Electric and acoustic guitars, Native American flute, Lalawas, Floor Tom
Pohonasin – Drums, Bass, Backing vocals
Pandel Collaros – Electric and acoustic guitars (live Lineup)
Amanda McCoy – Electric and acoustic guitars (Live Lineup)

Diskographie:

2008: Algonkian Mythos
2010: Azimuths to the Otherworld
2012: Oto
2015: Heart of Akamon



Review zu "Heart of Akamon"

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Akamon – in einer indianischen Stammessprache der Begriff für “original land”, also Nordamerika. Mit diesem Vorwissen wird es schnell ersichtlich, dass sich Nechochwens viertes Werk, “Heart of Akamon”, thematisch um die Geschichte der nordamerikanischen Ureinwohner handelt. Die Texte der acht Lieder behandeln einzelne Traditionen, Ideen und Geschehnisse, die für das kulturelle Konzept und die historische Auffassung dieser Menschen wichtig ist oder war. Musikalisch bietet es hingegen eine grandiose Symbiose aus Black Metal und amerikanischem Folk Metal, der vor Kreativität nur so überfließt.

Zwischen ruhigem Instrumental und hartem Black Metal haben Nechochwen die ganze Palette zu bieten. Abwechslung und Atmosphäre – diese beiden alliterativen Punkte sind die beiden Grundpfeiler von „Heart of Akamon“. Das Duo aus West Virigina schafft eine wundersame Gratwanderung: Zwar klingt kaum eine Sekunde der rund 44 Minuten wie die andere, gleichzeitig zieht sich durch das gesamte Album jedoch eine nostalgische Atmosphäre, die – je nach Song – mit wütenden oder traurigen Elementen verfeinert wird.

Das Booklet ist simpel gehalten und trotzdem sehr empfehlenswert. Auf der Außenseite des ausklappbaren Vierteilers finden sich die Lyrics zu den Songs, auf der Innenseite eine Erklärung, was hinter dem jeweiligen Titel steckt – so beschreibt „The Serpent Tradition“ beispielsweise eine alte Prophezeiung, nach der eine Schlange den Untergang bringen wird. Die Schiffsköpfe der ankommenden Pilger ähneln nur zu sehr einer Schlangenzunge.

Auch innerhalb eines Songs ändern sich Härte und Grundstimmung häufiger – problemlos. Denn sowohl die Clean Vocals wie auch die Growls und Screams sind einwandfrei, Unterstützung gibt es auf „Lost on the Trail of the Setting Sun“ von Tanner Anderson (Obsequiae, Celestiial).

Gerade zu Beginn ist das Album deutlich eine Spur härter, mit „October 6, 1813“, in dem der indianische Held und Anführer Tecumseh beklagt wird, nimmt das Album eine etwas sanftere Gangart ein, jedoch nicht abschließend, immer wieder tritt harter Black Metal kurz in den Vordergrund. Es wird jedoch deutlich weniger auf Vocals gesetzt, dafür viel die Musik sprechen gelassen. Und die hat etwas zu sagen: „Skyhook“ weißt nach rund 44 Sekunden eines der besten Riffs auf, die ich seit langem gehört habe und welches im Verlauf des Songs noch grandios ausgebaut wird. Das Riffing in „Kišelamakong” klingt indianisch, als würde ein friedenspfeiferauchender Winnetou die Gitarre bearbeiten.

Zwei Jahre brauchte das Schreiben und Aufnehmen des Albums, herausgekommen ist ein Album, das viele Bands wohl in zehn Jahren so nicht zustande bringen würden. Ich weiß nicht, ob es an dem Bier liegt, dass Austin Lund (Panopticon) in seiner HammerHeart Brewery braut, aber die nordamerikanischen Bands wissen, wie man in kürzester Zeit ein grandioses Album auf den Markt wirft.

Das Fazit ist schnell gezogen: Nechochwen liefern mit „Heart of Akamon“ ein tolles Album ab; für mich bisher eines der besten Alben des Jahres. Härte, Ruhe, Atmosphäre, gute Vocals, gutes Riffing – das Gesamtpaket stimmt einfach. Klare Empfehlung! 

Bewertung: 9,5/10

Tracklist:

01. The Serpent Tradition
02. The Impeding Winter
03. Lost on the Trail of the Setting Sun
04. October 6, 1813
05. Traversing the Shades of Death
06. Škimota
07. Skyhook
08. Kišelamakong

Nechochwen, das ist amerikanischer Black Metal. Zumindest, wenn man so oberflächlich sein möchte, wie die heutige Chartmusik. Ähnlich wie Panopticon stehen amerikanische Folk-Einflüsse bei dem Duo aus West Virigina ganz weit oben auf der musikalischen Liste. Thematisch geht es in ihrer Musik vor allem um die Konflikte zwischen den amerikanischen Ureinwohnern und den Siedlern, vor allem zu einer Zeit, als die Indianer schon längst in Reservate gesteckt wurden. Diese Thematisierung spiegelt sich auch unweigerlich in der Musik wieder und obwohl eine solche Mischung häufig große Fettnäpfchen für Klischee und Kitsch bieten, erschaffen Nechochwen seit vier Alben eine wundervolle Symbiose aus Black Metal und amerikanischem Folk, der neben wenigen Bands (u.a. die genannten Panopticon) in Amerika und in der gesamten Metal-Szene seinesgleichen sucht. Gegründet wurde die Band 2005 und bezeichnet sich selbst als Apalači Folk Metal.

Weitere Informationen

  • Band: Nechochwen
  • Album Titel: Heart of Akamon
  • Erscheinungsdatum: 04. September 2015
Gelesen 4085 mal Letzte Änderung am Samstag, 17 Oktober 2015 22:16
Asgrimur

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Heart of Akamon (Official Teaser) Nechochwen

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