Dienstag, 23 Juni 2015 22:26

Northland - Downfall and Rebirth

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Downfall and Rebirth Downfall and Rebirth Northland

Northland waren vor rund fünf Jahren eine meine allerersten Metal-Bands, bei einigen Songs aus dem Debütalbum ist Nostalgie vorprogrammiert. Nach dem dem gleichnamigen Debüt wurde es jedoch leise um die Band, jetzt, nach besagten fünf Jahren ist endlich das Zweitwerk da. Es hört auf den Namen „Downfall and Rebirth“, könnte also gut von der scheins nicht sonderlich einfachen Bandhistorie sprechen. Gleichzeitig ist es aber auch in gewisser Weise eine Reflektion meiner letzten fünf Jahre, inwieweit ich mich musikalisch verändert habe.


Kurz zu den Fakten: Das Sextett aus Barcelona liefert elf Songs mit einer Gesamtspielzeit von rund 55 Minuten ab – ordentlich. Einzuordnen ist die Musik ganz klar im Folk Metal, der auf ihrer Facebookseite angegebene Death Metal ist minimal als hauchdünner Einschlag zu spüren.
Northland hatte ich aufgrund der langen Sendepause von meinem Radar verloren, mich gleichzeitig musikalisch zwar weiterentwickelt, aber trotzdem bedauert, da ich immer das Gefühl hatte, die Band besitzt jede Menge Potenzial, der vielgenannte Rohdiamant eben.

Nach dem ersten Hören war ich – das muss ich so offen zugeben – enttäuscht. Fünf Jahre und scheinbar wenig bis kaum Entwicklung, qualitativ große Unterschiede in den Songs. Mittlerweile sind jedoch ein paar mehr Hördurchgänge vergangen, die Enttäuschung ist noch nicht zu hundert Prozent weg, mischt sich jedoch mit vielen positiven Gefühlen ob dieses unbeständigen, jedoch sicherlich nicht schlechten Albums. Aber von vorne.
Northland starten mit „When Nature Awakes“ unheimlich gut in dieses Album, bereits das wirklich kurze Intro ist wunderschön gehalten, ehe es dann nahtlos in Metal übergeht. „When Nature Awakes“ verkörpert eigentlich so ziemlich alles, was Northland so gut macht: es ist melodiös, eine gute Mischung aus folkig und hart, die Screams sind druckvoll, der Refrain passend und eingängig – zweifellos ein gelungener Einstieg. Gleichzeitig ist es aber Fluch und Segen zugleich, wenn man bereits zu Beginn das (zumindest in meinen Augen) beste Lied verballert hat, die Erwartungen sind hoch und man hat noch fünfzig Minuten vor sich, die möglicherweise nicht mehr an das bereits Gezeigte heranreichen. Ganz so düster ist die Situation auf „Downfall and Rebirth“ aber nicht, denn den Katalanen geht die Puste nicht aus und auch die beiden folgenden Songs können mit den gleichen Zutaten überzeugen. Auch mit dem simplen, aber schönen Instrumental „The Rite“ macht das Sextett noch alles richtig.

Danach jedoch habe ich langsam, aber stetig das Gefühl, dass es an irgendwas fehlt. Qualitativ ist „Fury’s Unleashed“ nicht unbedingt sehr viel schlechter als seine vier Vorgänger, jedoch leidet er ebenso wie die drei darauffolgenden Songs an einer Sache: Abwechslung. Versteht mich nicht falsch, Northland wissen, wie man schöne Melodien kreiert und auch die Screams lassen nicht zu wünschen übrig, der Aufbau der Songs ist mir jedoch einfach zu ähnlich, nach einer Weile gilt das auch für die Folk-Instrumentalisierung.
Erst der Titeltrack „Downfall and Rebirth“ schafft es, eine neue, melancholischere Atmosphäre zu schaffen und so aus dem eingetretenen Trott auszubrechen, bevor dann mit „Moonlight Spell“ nochmal ein klasse Song folgt – denn endlich gibt es Abwechslung: ruhige Instrumentalisierung, untermalt von der wundervollen Stimme von Lady Morte (Trobar de Morte) und später im Duo weiblich/männlich. Davon bitte mehr!


Nun, ein Fazit fällt mir auch nach einer Woche gedanklichem Hin-und-Her nicht leicht. Einerseits haben Northland ihr Songwriting verbessert, gerade Songs wie „When Nature Awakes“, der Titeltrack oder „Moonlight Spell“ beweisen ihr Potenzial, ihre Eingängigkeit. Die Band weiß, wie man schöne, packende Musik produziert und tut dies hier auch – leider nur stellenweise. Die Cleanvocals, auf dem Debütalbum noch ein einziges Fiasko, sind mittlerweile deutlich verbessert, werden mir jedoch zu häufig eingesetzt.
Gleichzeitig hat „Downfall and Rebirth“ aber auch gezeigt, dass die Katalanen ihr Repertoire noch ein wenig aufstocken müssen, sich kreativer zeigen müssen, um in einem fast einstündigen Album den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten und nicht mittendrin wegzusacken – ein wenig mehr Härte könnte dabei hilfreich sein.
Alles in allem ist Northlands zweiter Langspieler kein einfaches Album – zumindest nicht für mich. Einer Reise in meine eigene Vergangenheit gleichkommend, einiges an Nostalgie, Enttäuschung und letzten Endes doch Zufriedenheit – „Downfall and Rebirth“ ist in mehreren Hördurchgängen gewachsen; etwas, das ich von einem Folk-Album eher nicht erwartet hätte. Dementsprechend würde ich auch zu mehrmaligem Hören raten. Northland leben noch, Northland schaffen es aber auch nicht, ihr gesamtes Potenzial in eine Stunde CD zu bannen. Die Zukunft wird zeigen, ob sie das können. Sie müssen es, wenn sie mehr als nur ein kleiner Fisch im Teich von mittelmäßigen Metal-Bands sein wollen.

Bewertung:
7,5/10 Punkten

Tracklist:

01. When Nature Awakes
02. Bloodred Sunrise
03. Together We Die
04. The Rite
05. Fury’s Unleashed
06. Duskriders
07. Spirit in Darkness
08. Whispers in the Wind
09. Downfall and Rebirth
10. Moonlight Spell
11. Newborn Star

Weitere Informationen

  • Band: Northland
  • Album Titel: Downfall and Rebirth
  • Erscheinungsdatum: Januar 2015
  • Fazit: „Downfall and Rebirth“ ist in mehreren Hördurchgängen gewachsen; etwas, das ich von einem Folk-Album eher nicht erwartet hätte. Dementsprechend würde ich auch zu mehrmaligem Hören raten. Northland leben noch, Northland schaffen es aber auch nicht, ihr gesamtes Potenzial in eine Stunde CD zu bannen. Die Zukunft wird zeigen, ob sie das können. Sie müssen es, wenn sie mehr als nur ein kleiner Fisch im Teich von mittelmäßigen Metal-Bands sein wollen.
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