Donnerstag, 19 Februar 2015 12:06

Vanhelga LPT

geschrieben von Ghostwriter
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(9 Stimmen)
LPT LPT Vanhelga

Der Streit um Trueness im Black Metal ist praktisch so alt wie der BM selber. Angefeuert wird die Debatte mit dem bunten Blumenstrauß der Sub-Sub-Sub Genre, die inflationär rund um die Musik sprießen wie faules Gemüse und Bands, die sich selbst hochtrabende Genreschimären andichten und diese dann ohne echte Ideen aber nur mangelhaft ausfüllen können.

Depressive Suicidal Black Metal ist eines dieser Genre und selbst hier tobt der Kampf der Ideale rund um diese Spielart des Black Metal. „Es geht um die Impfung der Hörer mit selbstzerstörerischen Gedanken und um deren Zerstörung“ sagen die einen, oder „Es geht um die Bewältigung des eigenen Seelenschmerzes und der eigenen Selbstzerstörung über die Musik“ sagen die anderen. Und wieder andere sagen was ganz anderes. Ich sage, dass ich aufgehört habe mir über derlei Kleingeistigkeit Gedanken zu machen und höre mir einfach die Musik an, die mir präsentiert wird. Wenn das für mich echt genug klingt, wird es als gut befunden, der Rest darf sowieso scheissen gehen.


Langes Intro für eine kurze EP, aber diese hat es in sich! Das neue Prä-Album Werk von Vanhelga namens "LPT" hat eine recht kurz zu fassende Entstehungsgeschichte. Junger Schwede wird in die Geschlossene eingeliefert da er sich bis zur Sepsis selbst zerschnitten hat und schreibt während der Genesung/Inhaftierung fünf atmosphärisch extrem dichte Songs. Dass Vanhelga sich selbst nicht einordnet sondern vorgibt, „Positive music for positive people“ zu machen, täuscht jeden versierten Fan des Genres nicht darüber hinweg, es mit DSBM zu tun zu haben.


Also Licht aus, Drogen rein, wir starten mit „Dag 1“. Tag1 beginnt mit einem Overload an melancholischen Gefühlen die diese Art von sphärischer Gitarrenarbeit immer bei mir auslösen. Gewürzt mit Seufzen und Stöhnen geht es dann recht schnell in das bereits von anderen Vanhelga Releases bekannten Strukturen von halbmelodischen Gitarren, Soundeffekten und dem sehr im Hintergrund agierenden mehr gesprochenem Gesangsparts. Tag 2 bzw. „Dag 2“ beginnt mit einem sehr an Eisregen erinnernden Intro und ist insgesamt durchsetzt mit härteren Gitarrenklängen, allerdings ohne (sofort) erkennbare Melodie und mit mehr Betonung auf dem lamentierenden echoartigen Sermon des Sängers bzw. eher "Sprechers".


„Dag 3“ erinnert mich brutal an die ehemalige Undergrounded Band Leichenbrand, ohne dass ich jetzt einen konkreten Song greifen und in den Vergleich ziehen könnte. Experimentell, an Wahnsinn grenzend, mit den verschiedenen Stilelementen spielend – Kurzum, ein akustischer Tag in der Klapse. Trist und verstörend auch Titelsong „LPT“, ein musikalisch interpretiertes „Silent Hill“, das man mit 28 Days und 28 Weeks Later gekoppelt hat. Nur wer genauer hinhört merkt, dass es nur den Anschein hat, dass die „Vanhelgas“ voneinander losgelöst jeder für sich spielen. Die Komposition folgt definitiv einer nicht sofort greifbaren Regel und es braucht definitiv mehr als einen Durchlauf um das zu erkennen. „Descending Into Darkness“, das als Outro zu verstehen wartet mit einem langen Klavierpart auf, der einem nochmal die Tristesse und den Wahnsinn vor Augen führt, die mit der Erschaffung der EP einhergeht. Hier ist der Wahnsinn Programm und das hört man auch!


Vanhelga ist nicht sehr weit vom letzten Longplayer „Längtan“ entfernt, steigert sich gefühlt aber nochmals, was auch Interesse am neuen Album weckt. Trotzdem braucht es Fans dieser Spielart um es zu mögen und viele werden sich mit der Art der Schweden schwertun - Aber die sind wohl auch nicht Zielgruppe.


Trackliste:

1. Dag 1

2. Dag 2

3. Dag 3

4. LPT

5. Descending into Darkness


Bewertung:

8 von 10 Punkten


Weitere Informationen

  • Band: Vanhelga
  • Album Titel: LPT
  • Erscheinungsdatum: 25.07.2014
  • Fazit: Man glaubt Vanhelga, wenn Sie von Ihrem Projekt sprechen, man glaubt der Musik wenn man Sie hört und es wirkt nicht gekünstelt auf verstörend und extravagant getrimmt, schlicht weil es todernst IST und statt Kunstblut und Corpsepaint der echte Saft literweise läuft - Happy Music For Happy People!
Gelesen 2300 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 19 Februar 2015 12:14

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