Dienstag, 30 September 2014 19:08

Crimson Death Studioreport Teil 2: Von Drumaufnahmen und dem Boltthrower-Effekt

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Crimson Death Crimson Death Crimson Death

Es ist Mittwochabend, 19 Uhr. Draußen ist es noch hell, davon bekommen die vier Kerle in dem kleinen, mit Bierflaschen übersäten Proberaum aber gar nichts mit. Einer der vier bin ich, auf wichtiger Mission: Ich begleite Sebastian, Drummer des Waiblinger Death Metal-Quartetts Crimson Death, bei den Drumaufnahmen zum neuen Album. Teil zwei des Studioreports

Der kleine Raum im Keller eines großen Gebäude mit Bäckerei und Wohnungen ist abgeschottet von der Außenwelt – und das nicht nur durch die Polsterung an den Wänden, welche die Aufnahmen des Schlagzeugs unterstützen sollen. Die Drums sind es auch, die – aufgestellt auf einem kleinen Podest – den Großteil des Raums einnehmen. Nachdem man sich an zwei kleinen Stehtischen und einer Unmenge von Bierflaschen und McDonalds-Tüten vorbeigekämpft hat, steht man vor einer Couch. Dort sitzen Patrick, der Frontmann der Band, Sebastian und Felix, ein Freund der Band und Gitarrist der Band Dargolf Metzgore. Felix hat seinen Kumpels den Proberaum seiner eigenen Band zur Verfügung gestellt und nimmt die Drums auf. Während Sebastian und Patrick entspannt in metalgerechten Klamotten da sitzen, ist Felix noch im Hemd, er ist grade erst direkt von der Arbeit gekommen – jede Minute muss genutzt werden, da steckt Herzblut und viel Arbeit drin.

„Social Born Killer“ wird das neue Werk von Crimson Death heißen, in Anlehnung an den Film „Natural Born Killers“. Erschienen ist es am 26.September, am 20. September gab es die Release-Party im Club Zentral in Stuttgart. Die Jungs sind aufgeregt und freuen sich darüber, dass das Album endlich im Handel erhältlich ist, das ist verständlich. Die bisherigen Songschnipsel auf Facebook kamen zwar gut an, jedoch will sich die Band darauf noch nicht zu viel einbilden. Es gilt das Motto: Abgerechnet wird nach dem Release. Doch die positiven Rückmeldungen live wie im Internet stimmen die Jungs zuversichtlich.

Zurück im Proberaum in Winnenden, einige Monate vorher. Die Musikstücke sind noch weit davon entfernt, um selbst als Schnipsel auf Facebook zu kursieren. Sebastian hat sich die Schuhe ausgezogen und sitzt sockig an den Drums, das Schlagzeug ist umzingelt von Mikrofonen. Um ihn herum schwirren Felix und Patrick, sie sind auf der Suche nach dem bestmöglichen Platz, um Sebastians Fußarbeit zu filmen. Mit Tesa, einem Handy und einer Türklinke entsteht so eine „Foot-Cam“. Zwar hat die mit den Aufnahmen an sich nichts zu tun, aber man muss für alle Möglichkeiten planen – vielleicht wird das Material ja für ein Video Verwendung finden. Dann folgt eine kurze Abstimmung mit Felix und Sebastian hämmert drauf los.

Die Drums klingen gut, treibend, die drei Anwesenden wirken zufrieden. "Die Drums werden dieses Mal eine Spur fetter", meint Sebastian - man hörts. Und trotz eines kleines Missverständnisses beim Speichern und Aufnehmen der Spuren mit Patrick ist die Atmosphäre im Proberaum entspannt, locker. Als sich dann nach gut einer Stunde Bassist Max dazu gesellt, wird erstmal für gesundes Studio-Abendessen gesorgt: Er und Patrick machen sich auf dem Weg zum nahegelegenen McDonalds.

Das Bandklima ist herrvoragend bei Crimson Death. Das merkt man nicht nur hier im Proberaum, sondern jedes Mal, wenn man die vier Jungs trifft. Auf der Bühne, im Pub oder sonst wo. DIe vier sind eben auch außerhalb der Band Freunde, das macht es einfacher. Auch bei der Zusammenarbeit fürs neue Album. Die Riffs der Songs entstanden nicht mehr nur von einer Person. Sie erzählen nicht ganz ohne Stolz, dass dieses mal mehr abgesprochen wurde, die Abstimmung aufeinander besser war. Das ein oder andere Mal wurden Riffs auch in den Songs verschoben.

Crimson Death machen kompromisslosen Death Metal. Trotzdem komme man manchmal ins Grübeln, ob man nicht auch was anderes machen könne, so Sänger Patrick. Das betreffe aber nur die Einzelpersonen. Als Band will man auf jeden Fall Crimson Death bleiben, so wie die Fans die Band lieben. Denn gerade live läuft es mit dem eingeschlagenen Stil einfach gut. Das Groovige macht live Spaß und reißt die Leute mit, "wenn's rollt, dann rollts", so Patrick. Er nennt das den "Boltthrower-Effekt".

Mittlerweile haben die Jungs den im ersten Teil angesprochenen Auslandsgig in Österreich hinter sich - und sind begeistert. "Wir hätten vorher jedenfalls nicht gedacht, dass wir die Leute bei unserem ersten Gig in Österreich gleich so mitreißen können", schwärmt Kevin. Das Sick Midsummer Festival können die Jungs dementsprechend nur empfehlen.

Im Aufnahmestudio wird währenddessen penibel darauf geachtet, dass jeder Drumpart ein Zufriedenheitsgefühl auslöst - insbesondere natürlich bei Sebastian selbst. Da es bereits der zweite Einspieltag ist, sind heute nur noch die Feinheiten dran. Doch der Drummer ist kritisch, wiederholt bei Unzufriedenheit immer wieder, obwohl sich die Session zieht und sich Müdigkeit breit macht. Es ist ein hartes Stück Arbeit, so ein Album.

Die Korrektur der Drums wird nicht in Winnenden oder Waiblingen und auch nicht in Tübingen erledigt, sondern in den Foultrail Studios im finnischen Alajärvi. Auch das Mixing und das Mastering wird nicht von der Band erledigt. Hierfür wird sich professionelle Hilfe von Roland Boeffgen von den HD Sounds in Stuttgart geholt.

"Tighter kannst dus nicht spielen", meint Felix zu Sebastian, als die Drums mal wieder für kurze Zeit still sind. Sebastian kommt rüber zur Couch, setzt sich neben Felix, beide hantieren am mitgebrachten Laptop rum. Währenddessen steht Max auf, macht sich auf den Nachhauseweg. Zu „Chicken Nuggets und Midget Porn“, wie er lachend meint. „Den Dingen, die das Leben lebenswert machen“. Das Leben eines Rockstars eben.

Es ist schon weit nach 22 Uhr, als endlich die letzten Drumparts eingespielt sind. Rund 24 Stunden Arbeit gingen für Aufbau und Einspielen drauf, das Abbauen schon grob einkalkuliert.  Sebastian wirkt zufrieden. Dann meint er: Ich hab kein Bock nachher die Drums abzubauen“. „Ich auch nicht“, meint Patrick, „aber ich muss ja auch nicht“, fügt er lachend hinzu. Auch nach einem langen Tag vergeht ihnen nicht der Spaß. Und Patrick hat noch Lust zu reden, übers Label, über die Bandanfänge, über Auftritte, über positives Adrenalin, wenn man die Bühne besteigt, über grottenschlechte Techniker. Wenn man ihm zuhört, merkt man, wie wichtig die Band für ihn, für alle vier ist. Selbst finanzielle Verluste würden wohl in Kauf genommen werden. Das müssen die vier Jungs aber glücklicherweise nicht, vor allem die Shirts helfen dabei, das Geld wieder reinzubringen. Die CDs dagegen verkaufen sich als Hardware besser als Downloads, zumindest soweit die Jungs das überblicken können. Sie selbst bringen nämlich nur die Hardware an den geneigten Mann oder die geneigte Frau, um Downloads kümmert sich das Label.

Um 23 Uhr mache ich mich dann auf den Heimweg, auf der Couch sitzen drei zufriedene Kerle, sie haben Kopfhörer auf, den Kopf nickend im Takt zu den Drumaufnahmen.


Zur Review des Albums gelangt ihr hier. Hier gehts zum ersten Teil des Studioreports. Und hier könnt ihr das Album bestellen.

Es ist Mittwochabend, 19 Uhr. Draußen ist es noch hell, davon bekommen die vier Kerle in dem kleinen, mit Bierflaschen übersäten Proberaum aber gar nichts mit. Einer der vier bin ich, auf wichtiger Mission: Ich begleite Sebastian, Drummer des Waiblinger Death Metal-Quartetts Crimson Death, bei den Drumaufnahmen zum neuen Album. Teil zwei des Studioreports

Der kleine Raum im Keller eines großen Gebäude mit Bäckerei und Wohnungen ist abgeschottet von der Außenwelt – und das nicht nur durch die Polsterung an den Wänden, welche die Aufnahmen des Schlagzeugs unterstützen sollen. Die Drums sind es auch, die – aufgestellt auf einem kleinen Podest – den Großteil des Raums einnehmen. Nachdem man sich an zwei kleinen Stehtischen und einer Unmenge von Bierflaschen und McDonalds-Tüten vorbeigekämpft hat, steht man vor einer Couch. Dort sitzen Patrick, der Frontmann der Band, Sebastian und Felix, ein Freund der Band
und Gitarrist der Band Dargolf Metzgore. Felix hat seinen Kumpels den Proberaum seiner eigenen Band zur Verfügung gestellt und nimmt die Drums auf. Während Sebastian und Patrick entspannt in metalgerechten Klamotten da sitzen, ist Felix noch im Hemd, er ist grade erst direkt von der Arbeit gekommen – jede Minute muss genutzt werden, da steckt Herzblut und viel Arbeit drin.

„Social Born Killer“ wird das neue Werk von Crimson Death heißen, in Anlehnung an den Film „Natural Born Killer
s“. Erscheinen wird es am 26.September, am letzten Samstag (20. September) gab es die Release-Party im Club Zentral in Stuttgart. Die Jungs sind aufgeregt und freuen sich darauf, dass das Album endlich im Handel erhältlich ist, das ist verständlich. Die bisherigen Songschnipsel auf Facebook kamen zwar gut an, jedoch will sich die Band darauf noch nicht zu viel einbilden. Es gilt das Motto: Abgerechnet wird nach dem Release. Doch die positiven Rückmeldungen live wie im Internet stimmen die Jungs zuversichtlich.

Zurück im Proberaum in Winnenden, einige Monate vorher. Die Musikstücke sind noch weit davon entfernt, um selbst als Schnipsel auf Facebook zu kursieren. Sebastian hat sich die Schuhe ausgezogen und sitzt sockig an den Drums, das Schlagzeug ist umzingelt von Mikrofonen. Um ihn herum schwirren Felix und Patrick, sie sind auf der Suche nach dem bestmöglichen Platz, um Sebastians Fußarbeit zu filmen. Mit Tesa, einem Handy und einer Türklinke entsteht so eine „Foot-Cam“. Zwar hat die mit den Aufnahmen an sich nichts zu tun, aber man muss für alle Möglichkeiten planen – vielleicht wird das Material ja für ein Video Verwendung finden. Dann folgt eine kurze Abstimmung mit Felix und Sebastian hämmert drauf los.

Die Drums klingen gut, treibend, die drei Anwesenden wirken zufrieden. "Die Drums werden dieses Mal eine Spur fetter", meint Sebastian - man hörts. Und trotz eines kleines Missverständnisses beim Speichern und Aufnehmen der Spuren mit Patrick ist die Atmosphäre im Proberaum entspannt, locker. Als sich dann nach gut einer Stunde Bassist Max dazu gesellt, wird erstmal für gesundes Studio-Abendessen gesorgt: Er und Patrick machen sich auf dem Weg zum nahegelegenen McDonalds.

Das Bandklima ist herrvoragend bei Crimson Death. Das merkt man nicht nur hier im Proberaum, sondern jedes Mal, wenn man die vier Jungs trifft. Auf der Bühne, im Pub oder sonst wo. DIe vier sind eben auch außerhalb der Band Freunde, das macht es einfacher. Auch bei der Zusammenarbeit fürs neue Album. Die Riffs der Songs entstanden nicht mehr nur von einer Person. Sie erzählen nicht ganz ohne Stolz, dass dieses mal mehr abgesprochen wurde, die Abstimmung aufeinander besser war. Das ein oder andere Mal wurden Riffs auch in den Songs verschoben.

Crimson Death machen kompromisslosen Death Metal. Trotzdem komme man manchmal ins Grübeln, ob man nicht auch was anderes machen könne, so Sänger Patrick. Das betreffe aber nur die Einzelpersonen. Als Band will man auf jeden Fall Crimson Death bleiben, so wie die Fans die Band lieben. Denn gerade live läuft es mit dem eingeschlagenen Stil einfach gut. Das Groovige macht live Spaß und reißt die Leute mit, "wenn's rollt, dann rollts", so Patrick. Er nennt das den "Boltthrower-Effekt".

Mittlerweile haben die Jungs den im ersten Teil angesprochenen Auslandsgig in Österreich hinter sich - und sind begeistert. "
Wir hätten vorher jedenfalls nicht gedacht, dass wir die Leute bei unserem ersten Gig in Österreich gleich so mitreißen können", schwärmt Kevin. Das Sick Midsummer Festival können die Jungs dementsprechend nur empfehlen.

Im Aufnahmestudio wird währenddessen penibel darauf geachtet, dass jeder Drumpart ein Zufriedenheitsgefühl auslöst - insbesondere natürlich bei Sebastian selbst. Da es bereits der zweite Einspieltag ist, sind heute nur noch die Feinheiten dran. Doch der Drummer ist kritisch, wiederholt bei Unzufriedenheit immer wieder,
obwohl sich die Session zieht und sich Müdigkeit breit macht. Es ist ein hartes Stück Arbeit, so ein Album.

Die Korrektur der Drums wird nicht in Winnenden oder Waiblingen und auch nicht in Tübingen erledigt, sondern in den Foultrail Studios im finnischen
Alajärvi. Auch das Mixing und das Mastering wird nicht von der Band erledigt. Hierfür wird sich professionelle Hilfe von Roland Boeffgen von den HD Sounds in Stuttgart geholt.

"Tighter kannst dus nicht spielen", meint Felix zu Sebastian, als die Drums mal wieder für kurze Zeit still sind. Sebastian kommt rüber zur Couch, setzt sich neben Felix, beide hantieren am mitgebrachten Laptop rum. Währenddessen steht Max auf, macht sich auf den Nachhauseweg. Zu „Chicken Nuggets und Midget Porn“, wie er lachend meint. „Den Dingen, die das Leben lebenswert machen“. Das Leben eines Rockstars eben.

Es ist schon weit nach 22 Uhr, als endlich die letzten Drumparts eingespielt sind. Rund 24 Stunden Arbeit gingen für Aufbau und Einspielen drauf, das Abbauen schon grob einkalkuliert. Sebastian wirkt zufrieden. Dann meint er: Ich hab kein Bock nachher die Drums abzubauen“. „Ich auch nicht“, meint Patrick, „aber ich muss ja auch nicht“, fügt er lachend hinzu. Auch nach einem langen Tag vergeht ihnen nicht der Spaß. Und Patrick hat noch Lust zu reden, übers Label, über die Bandanfänge, über Auftritte, über positives Adrenalin, wenn man die Bühne besteigt, über grottenschlechte Techniker. Wenn man ihm zuhört, merkt man, wie wichtig die Band für ihn, für alle vier ist. Selbst finanzielle Verluste würden wohl in Kauf genommen werden. Das müssen die vier Jungs aber glücklicherweise nicht, vor allem die Shirts helfen dabei, das Geld wieder reinzubringen. Die CDs dagegen verkaufen sich als Hardware besser als Downloads, zumindest soweit die Jungs das überblicken können. Sie selbst bringen nämlich nur die Hardware an den geneigten Mann oder die geneigte Frau, um Downloads kümmert sich das Label.

Um 23 Uhr mache ich mich dann auf den Heimweg, auf der Couch sitzen drei zufriedene Kerle, sie haben Kopfhörer auf, den Kopf nickend im Takt zu den Drumaufnahmen.

Gelesen 2639 mal Letzte Änderung am Dienstag, 30 September 2014 19:17
Asgrimur

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