Montag, 30 Juni 2014 16:18

Die Gesellschaft der grauen Herren - Imagines Itineris

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Imagines Itineris Imagines Itineris Die Gesellschaft der grauen Herren

Die Gesellschaft der grauen Herren – klingt nach Extravaganz, jedoch mit einer Prise Spannung. Extravaganter Name, extravagantes Album? Nun, ganz so leicht ist die Gleichung bei „Imagines Itineris“, dem Albumdebüt der deutschen Blackened-Progressive Metal-Band nicht. Adjektive wie ungewöhnlich, interessant und tiefgründig treffen eher zu. Also nichts wie los, lasst uns „Imagines Itineris“ besprechen.

Das Quintett aus Marburg bietet auf seinem Debüt sieben Songs, die sie selbst sehr treffend als Blackened Progressive Metal einordnen. So weit, so gut. Wie das kleine Wörtchen „Progressive“ schon andeutet, ist „Imagines Itineris“ keine leichte Kost bzw. kein Album, das man sich mal kurz nebenbei reinziehen kann. Das heißt jedoch nicht, dass man es sich nicht reinziehen sollte.


Trotz anfänglicher Schwächen im ersten Song nimmt „Imagines Itineris“ schnell Fahrt auf.  Lob gebührt zweifellos der starken Gitarrenarbeit auf dem Album. Es werden schöne Melodiebögen gespannt, die auch Wiedererkennungswert haben – wie beispielsweise auf „Ascheregen“ oder „Mondenkindens Klagelied“ hören kann. Sie haben etwas verträumtes, verspieltes an sich, was wirklich Spaß macht. Auch die Soli sind tadellos. Gleiches gilt für die Lyrics (siehe beispielsweise „Sommernachtstraum“) als auch für das Songwriting allgemein. Gerade das ist bei einem Album, das sich als „Progressive“ verkaufen möchte, ohnehin unter besonders feiner Betrachtung und „Imagines Itineris“ dient hier als deutliches Exempel für das Können des Quintetts. Wechsel der Tempi, die bereits angesprochene Melodiebögen, ruhigere Parts, härtere Parts, die Band deckt vieles gekonnt ab.


Wohl die größte Schwachstelle des Albums sind die Vocals. Glücklicherweise kommt die Band oftmals über weite Strecken ohne sie aus. Zwar wird hier schön gemischt zwischen Mann und Frau, vor allem aber der weibliche Part fällt qualitativ stark ab - Zudem ist er oft sehr leise. Der männliche Gesang – meist clean – ist ungewöhnlich, jedoch von besserer Qualität. Wenn man sich an sie gewöhnt hat, passen sie sogar sehr gut. Über die Screams gibt es nicht viel zu meckern, diese sind – wenn auch spärlich und eher leise im Einsatz – ohne Tadel. Positiv anrechnen muss man der Band auch, dass trotz der meist langen Songs nie Langeweile entsteht – für ein Progressive-Album das A und O.


Das Debüt der Gesellschaft der grauen Herren macht es mir nicht einfach. Nein, es ist sicherlich kein schlechtes Album. Es ist in der Tat ein gutes Album. Starke Gitarrenarbeit, gute, wenn auch nicht übermäßig überraschende Ideen – die Band lässt ihr Potenzial mehr als nur aufblitzen. Wenn man über die stimmlichen und teilweise auch qualitativen Absacker hinwegschaut, sollte man dem Album auf jeden Fall einen Durchlauf bieten. Besser wären zwei oder drei. Wer weiß, vielleicht entdeckt man beim sechsten oder zehnten Mal noch was Neues. Jedenfalls bin ich gespannt, was uns das Quintett in Zukunft zu bieten hat.


Tracklist:

01. An die Ufer der schwarzen See
02. Ascheregen
03. For the Masses
04. Mondenkindens Klagelied
05. Pale Red Halo
06. Sommernachtstraum
07. Tribut in Cis-Moll


Bewertung:

8,5 von 10 Punkten


Weitere Informationen

  • Band: Die Gesellschaft der grauen Herren
  • Album Titel: Imagines Itineris
  • Erscheinungsdatum: Mai 2014
  • Fazit: Ich bin gespannt, was uns das Quintett in Zukunft zu bieten hat, „Imagines Itineris“ ist vielversprechend und handwerklich stark.
Gelesen 2462 mal Letzte Änderung am Montag, 30 Juni 2014 16:42

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Imagines Itineris (Album Trailer) Die Gesellschaft der grauen Herren

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