Montag, 16 Juni 2014 10:03

Rock'n'Roll Weekender Walldorf 2014

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Die Rock'n'Roll-Geschichtsschreibung und damit auch die des Heavy Metal beginnt der allgemeinen Meinung nach mit „Rock around the Clock" aus dem Jahre 1954 von Billy Haley & His Comets. Grund genug für ein Außenteam von Undergrounded, sich zurück zu den Wurzeln der besten Musik der Welt zu begeben und für euch den „Walldorf Weekender 2014" zu besuchen.

Vom 07. bis 09.06.2014 fand des größten Rock'n'Roll und Rockabilly-Festival auf deutschem Boden bereits zum 15. Mal statt. Ort des Geschehens war die Astoria-Halle in Walldorf.  Walldorf bei Heidelberg sollte man ergänzen, denn auch der Veranstalter weist auf seiner Webseite daraufhin, dass nicht Mörfelden-Walldorf bei Frankfurt gemeint ist.

 

Achtung: Hier sind zwei Metaller auf einem Rock'n'Roll-Festival unterwegs. Für uns ein artverwandter, aber dennoch völlig fremder Planet.


Pre-Party

Seinen Auftakt nimmt das Festival jedoch nicht erst am Pfingstsamstag, sondern schon bei der Pre-Party am Freitagabend. Die Pre-Party ist charakteristisch für das, was den Besucher die kommenden drei Tage erwartet. Mit Pomade in den Haaren und Tinte auf der Haut haben wir versucht, uns dem Stil der Szene zu nähern. Für den Metaller ungewohnt reiht sich nicht Bandauftritt an Bandauftritt, sondern namhafte Szene-DJs sorgen zwischen den Liveacts dafür, dass die Music niemals verstummt. So reicht auch eine Bühne aus, um in vier Tagen ganz entspannt 18 Bands auftreten zu lassen. Gespielt wird hier nicht moderner Psychobilly sondern „Roots Rock'n'Roll", also Musik aus und inspiriert von der Gründerzeit des Rock.

 

Auch ein wenig ungewohnt für uns: Das Bargeld wird in Weekendergeld umgetauscht. Das sind hübsche Scheinchen mit dem gleichen Wert wie Euronen. Der Sinn hat sich uns nicht ganz erschlossen.

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Bei der Pre-Party gaben sich drei Bands die Ehre: Die „Blue Ribbon Four", „Tony Diavolo's Snakebone", die für die wegen Krankheit ausgefallen „Voola And the Jayhawks" eingesprungen waren und „The Caezars". Von Pausen zwischen den Bands zu sprechen, wäre wohl falsch, den die auftrittserprobten DJs Spy und Heidi gönnten in ihren 45 Minuten-Sets dem Publikum auch keine Pause.

 

Das Publikum setzt sich aus mehr oder weniger tätowierten und gestylten Männern und Frauen im gesunden (für Metalheads leider eher ungewohntem) Fifty-Fifty Verhältnis zusammen.

 

Neben der Bühne im großen Saal gab es auch noch ein weiteres DJ Pult im kleinen Foyer. Eine Fläche, die vor allem von Tanzbegeisterten eifrig besucht wurde, die sich hier bei Rock'n'Roll, Jive und Lindy Hop verausgaben konnten. Für Erfrischung sorgte eine kleine aber feine Bierauswahl (Wulle, Dinkelacker...) und die wirklich großartige Aloha Limonade.


Samstag

Am Pfingstsamstag startet der Weekender ganz offiziell in der Astoria-Halle um 16.00 Uhr mit Musik, zunächst mit zwei DJ-Sets, bevor um 18.00 Uhr die „Red Lights Gang" die Bühne übernahm. Zuvor jedoch steigt bereits ab 13.00 Uhr im Leonardo-Hotel, welches am Weekender fest in Rockabilly-Hand ist, die legendäre Poolparty. Bei über 30 Grad genau das Richtige. Das im Durchschnitt zu den meisten Metalfestivals etwas ältere Publikum lässt es sich hier richtig gut gehen. Cocktailschlürfend und bei Livemusik stimmt man sich auf den ersten Festivalabend ein.

 

Der szenefremde Betrachter kann sich des Eindrucks nicht erwehren, bei den verschiedenen Bands doch immer Variationen des gleichen Themas gezeigt zu bekommen. Die meisten Bands erzeugen ihre tiefen Töne mit dem Kontrabass, was wirklich ein unglaublich cooles Instrument ist. Manche zeigen sich entertainerhaft im weißen Anzug („The Fires", CH) andere in uniformähnlichen Outfits, wie die „Megatones" aus Frankreich, welche die Bühne in Astronautenjacken mit ihrem „wild desperate Rock'n'Roll" rockten. Jimmy Lee Maslon und die „Slapbacks" machten das Freitags-Lineup komplett.

 

Zwischen den Auftritten wurde das Halbfinale und Finale des „Dynamite Pin-Up Contests" auf der Mainstage durchgeführt. Fünf Fräuleins wagten zuerst im Kleid und in der zweiten Runde im Badeoutfit PinUp-Posen, welche das Publikum mit Gejohle und Beifall bejubelte. Den Titel „Dynamite Pin-Up 2014" holte sich schließlich Veli Vanilla aus dem Ruhrpott.

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Ab Samstagnachmittag öffnete auch der 50-er Markt in der Astoria-Halle seine Pforten für die Besucher. Der kleine Markt, der etwa eine halbe Sporthalle für sich einnahm, bot dem Besucher alles, was das Rock'n'Roller-Herz begehrt. Neben Kleidung und Accessoires konnte man bei Benny einen standesgerechten Haarschnitt bekommen, sich von Miss Mint frisieren lassen, nebendran feine Cupcakes naschen, sich über die richtige Pomade für seine Tolle beraten lassen, in Plattenkästen stöbern oder sich bei Andy tätowieren lassen. Der Markt ist Sonntag und Montag bis 16.00 Uhr übrigens eintrittsfrei besuchbar. Lohnt sich.

 

Sonntag

Der Weekender-Sonntag beginnt da, wo der Samstag aufhört. Für alle Rockabilly-Neulinge boten die Tanz-Urgesteine Nellia und Dietmar mittags einen zweistündigen Workshop im Rockabilly Jive. Kurz entschlossen nahm auch unser Außenteam aktiv an dem Workshop teil und stellte verschwitzte zwei Stunden später fest, wie viel Spaß der Rock'n'Roll bringt, wenn man sich dazu passend bewegt.

 

Wir lassen uns zwischenzeitlich auf der Autofahrt mal die Ohren von ein wenig Death Metal freispülen um Platz zu schaffen für neue Eindrücke. Die neu erworbenen Fähigkeiten vom Nachmittag wurden sodann abends bei den Adels, Deke Dickerson & His Ecco-Fonics und Billie And The Kids ausprobiert. Sich zu Live-Music zu bewegen macht definitiv nicht nur im Moshpit Spaß. An diesem Abend besonders aufgefallen sind Deke Dickerson, der nicht nur ein energiegeladenes Set spielte, sondern das Publikum auch mit diversen Einlagen unterhielt: Er filmte das Publikum mit seinem Smartphone von der Bühne, reichte das Gerät dann ins Publikum, um sich und seine Band filmen zu lassen, spielte einen ganzen Song im Publikum stehend und ließ sich von einem Gummi-Truthahn assistieren. Billie And The Kids mit ihrer sympathischen zierlichen Sängerin mit der großartigen Stimme ließen dem tanzbegeisterten Publikum danach keine Pause zum durchschnaufen.


Montag

Tag drei und bisher ist unsere Tarnung noch nicht weiter aufgefallen. Die Rockabillys feiern munter weiter - nach drei Tagen brauch hier keiner Pause, denn auch am Pfingstmontag bietet der Weekender Musikprogramm vom 16.00 bis 24.00 Uhr. Ab 10.00 Uhr wird auf dem rund 5 km von der Astoria Halle entfernten Gelände des MSC Walldorf-Astoria doch schon ein anderer Leckerbissen aus den 50er und 60er Jahren serviert: die Rust'n'Chrome Autoshow. Hier zeigen die Besitzer amerikanischer Automobilklassiker ihre chromeblitzenden oder stilvoll verrosteten Straßenkreuzer und Hot Rods. Direkt vom glühend heißen Acker ging es wieder zurück in die Halle, Rock'n'Roll-Workshop Nummer 2 absolvieren, da wir am Vortag ordentlich Blut geleckt hatten. Nach weiteren zwei verschwitzten, drehungsreichen Stunden verließ Undergrounded mit einem Sack voller Eindrücke den Walldorf Weekender 2014.

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Fazit

Das waren vollgepackte vier Tage Rock'n'Roll. Wir haben unglaublich viele sympathische Menschen getroffen, eine lebendige, quirlige Szene erlebt, die sich gediegen, ja fast schon dekadent, zu feiern weiß. Für das Eintrittsgeld wird eine Menge geboten und bei moderaten Getränkepreisen ließ es sich in der klimatisierten Astoria Halle sehr gut aushalten.

 

Wer jetzt Lust bekommen hat, sich das selber anzuschauen: Der Rock'n'Roll Weekender 2015 findet vom 23.-25.05. statt.

 

Weitere Informationen: http://www.walldorf-weekender.de/

Weitere Informationen

  • Wann: 07.06.2017
  • Wo: Astoria Halle Walldorf
Gelesen 2708 mal Letzte Änderung am Dienstag, 17 Juni 2014 16:10
Lawbringer

Unter Waffen schweigen die Gesetze.


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