Donnerstag, 20 März 2014 23:13

14./15.03.2014 Speyer Grey Mass, Speyer (Rheinland Pfalz) + MGLA + Archerontas + Archgoat + Funeral Winds + uvm.

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Wieder zurückgekehrt von einem Wochenendausflug in die Essenz der schwarzen Künste, wirken immer noch die gewonnenen Eindrücke auf mich, die das Speyer Grey Mass , auch für die von weit her angereisten Zuschauer, bereit gehalten hat. Ein wirklich gelungenes Veranstaltungshighlight dieses Jahr, das nur wenig Grund für Kritik bot, dafür aber ein um so exklusiveres Rahmenprogramm.

Schon am frühen Nachmittag zog es mich Richtung Speyer, denn ich wollte keine Minute, der angekündigten Bands verpassen. So wie mir ging es anscheinlich vielen, denn schon bei meiner Ankunft war ein beachtliches Aufgebot an angereisten Metalheads zu sehen. So bot sich gleich die Chance, den ein oder anderen Bekannten zu treffen. Bandtechnisch wurde pünktlich mit dem Opener Nawaharjan begonnen, der die Messlatte für die folgenden Kapellen sehr hoch ansetzte!

Für mich schon eines der Highlights des Tages und zurecht schon im Vorfeld als Geheimtipp gehandelt, entpuppten sich die Berliner als echter Reißer im Billing. Unter anderem bewaffnet mit Material ihrer 2011 veröffentlichten EP “Into the Void“ zeigten Nawaharjan eindrucksvoll, wie man Black Metal auf hohem Niveau präsentieren sollte. Ein zusätzlicher Blickfang bot dabei auch noch der eingesetzte Kontrabass. Und auch die Menge war höchst begeistert und konnte die ersten Kopfkreiser ansetzen. Weiter gings mit Irkallian Oracle, einer seit 2012 bestehenden Band aus Schweden. Mit Songs ihrer ersten Full-Length Scheibe “Grave Ekstasis“ im Gepäck konnten auch sie Akzente setzen, wobei wie gesagt, die Messlatte sehr hoch angesetzt worden war. Nachfolgend enterten die Athener Ravencult die Bühne und brannten ein wahres Feuerwerk an oldschool-lastigem Black Metal ab. Ein wirklich grandioser Auftakt mit kleinen Schwächen beim Sound, an denen aber mit Hochdruck immer wieder gearbeitet wurde. Langsam machte sich auch der Hunger bemerkbar und während Ofermod für die musikalische Untermalung sorgte, machte sich das größte Manko des Festivals bemerkbar - die Preise des Essensstandes. Ein großer Imbisswagen war für die Verpflegung im Außenbereich der Halle aufgebaut. Die Auswahl an angebotenen Leckereien war im Großen und Ganzen auch nicht gerade schlecht, nur die Preise waren wirklich saftig. Ein Schälchen Kartoffelecken für 3,50 und das Steakbrötchen für glatte 5 Euro war für meine Begriffe ziemlich heftig. Da es aber die einzige Möglichkeit war, an etwas essbares innerhalb der Veranstaltung zu kommen, blieb den Meisten auch nichts anderes übrig. Dafür muss man sagen, dass die Getränkepreise vollkommen in Ordnung waren. Der speziell für das Festival angebotene Grey Mass Cocktail (Absinth,Bitterlemon und Grenadine) war sogar für 5 Tacken ein echtes Schnäppchen; Und lecker obendrein!

Nach der kleinen Pause ging es postwendend weiter mit Diabolicum, die den Zuschauern Industrial Black Metal zu bieten hatten. Veröffentlichungstechnisch war es die letzten Jahre sehr ruhig um die Schweden geworden, als letztes gab es eine Split-Scheibe im Jahr 2005. Neues Material ist aber bereits in Arbeit und wird bald für neuen Wind sorgen. Dann sollte für mich der Höhepunkt des Abends folgen. Acherontas betraten die Bühne und ich wurde nicht enttäuscht. Musikalisch betrachtet einfach ausgereift, gewaltig, ausdrucksstark und auf der Bühne eine Macht! So könnte man die Griechen am Besten beschreiben. Die mit Weihrauch geschwängerte Luft kochte förmlich über und man merkte das erste Mal, dass bei der für Speyer etwas typischen “kühlen“ Atmosphäre doch etwas Stimmung hochzukommen schien. Leider gab es auch hier Soundprobleme und sogar einen Ausfall der Technik, der kurz einen Moment beanspruchte (Anmerk. d. Red. : Ein Besucher hat Bier über die Technik gekippt). Aber wie gesagt die Anstrengungen waren deutlich zu spüren, die unternommen wurden, um doch noch einen gelungenen Sound präsentieren zu können, was ich schon sehr löblich finde.

Die darauf folgenden Archgoat konnten bei mir leider nicht mehr wirklich landen. Für die angereisten Fans, die mehr auf deathlastige Klänge gewartet hatten, war es wohl die Sternstunde des Abends, für mich musikalisch nach Acherontas leider einfach zu stumpf. Daher verlegten wir die Aftershowparty auf den Parkplatz und vertieften uns lieber in Fachsimpeleien mit anschließendem Umtrunk.

 

Der Samstag begann schon recht früh, denn 13:30Uhr öffneten sich die Gittertore der Halle 101 und leider hatte man schon zu Beginn schlechte Nachrichten. Die schon im Vorfeld recht sympathischen Damen und Herren vom Security Dienst teilten uns mit, dass wohl der Opener des heutigen Tages absagen musste (Anmerk. d. Red.: Drummer der Band hatte sich einen Abend zu vorher am Bein verletzt). Verbum Verus waren für mich auch mit ein hochangesiedelter Act, den ich auf keinen Fall verpassen wollte. Da war der Frust natürlich sofort groß. So ging dann noch einige Zeit ins Land bis ,etwas früher als geplant, Fides Inversa die Bühne betraten. Die Italiener hoben dann meine Laune wieder und boten eine richtig gute Show, in der sie Songs ihres Erstlingswerks “Hanc Aciem Sola Retundit Virtus“ zum Besten gaben. Besonders auffällig waren aber die ärmellosen Mönchskutten, die ich so auch noch nie gesehen hatte. Musikalisch auf jeden Fall ein gelungener Auftakt, trotz Absage. Das anschließende Programm wurde dann wieder pünktlich nach Spielplan fortgesetzt. Temple of Baal konnten für mich persönlich nicht ganz an die Vorgänger anschließen, waren dennoch die ein oder andere Hörprobe wert. Soundtechnisch klappte es heute bis zu diesem Zeitpunkt etwas besser und die anschließende Band Svartidaudi sollte hier auch profitieren. Nahezu perfekt abgemischt, starteten die Jungs ihr Set und konnten, wie von mir schon erwartet, voll punkten. Auch das stark angewachsene Publikum teilte diesen Eindruck und belohnte die Performance mit Lob und Beifall. Und auch Funeral Winds konnte mich persönlich überzeugen. Traditioneller Schwarzmetall mit viel Erfahrung steckt hinter der niederländischen Institution. Schon seit 1991 besteht die Band um Frontmann Hellchrist Xum und ist auch heute noch ein Gern gehörter Gast!

Nun ging es ans Eingemachte, denn die Zeit war reif für One Tail, One Head. Und die entpuppten sich als echte Stimmungskanonen. Ich glaube während der ganzen zwei Tage hatte das Grey Mass nicht so eine Stimmung in der Bude. Vor allem Frontmann Luctus sorgte für die nötigen Aufforderungen, die das Publikum sichtlich belebten. Das wurde auch allmählich Zeit, denn jetzt sollten Sargeist folgen und die hatten einiges im Gepäck. Schon mittags vor Einlass hörten wir vor verschlossenen Toren den Soundcheck der Band und das klang von draußen doch sehr vielversprechend. Leider ging am Anfang doch einiges in die Hose, was die Technik betraf und es wurde wieder viel gewerkelt und eingestellt. Letztendlich war der Sound zur Mitte der Show dann doch recht akzeptabel und Songs wie “Black fucking Murder“ oder “Black Treasures of Melancholy“ wurden zu echten Perlen. Ich muss ehrlich sagen, dass die Gitarrenarbeit der Finnen einfach auf einem ganz anderen Level stattfindet. Auch bei anderen Bands aus diesen Gefilden fällt dies auf. Die Riffs sind einfach der Wahnsinn!!! Aber auch die amerikanische Fraktion zeigte beim Grey Mass, was sie zu bieten hat. Nightbringer reisten aus dem entfernten Colorado an, um in Speyer zu beweisen, dass auch die USA mithalten können. Und sie begeisterten ebenso wie die vorangegangenen Bands, was im Gesamtbild für den Tag wieder für Qualität spricht.

Die Kirsche auf dem Sahnehäubchen sollte, aber noch mit der polnischen Band Mgla kommen. Lange wurde im Vorfeld schon beim Umbauen am Sound getüftelt, aber das zahlte sich dann letztendlich auch aus, denn Mgla hatten ein richtig fettes Klanggewand ,als sie die Bühne enterten . Das war wirklich der Höhepunkt des Samstages muss ich sagen. „Mindblowing“ ist der treffende Ausdruck, um den Auftritt in Worte zu fassen. Energiegeladen und elektrisierend verbreitete sich die Atmosphäre und schwappte sofort auf das Publikum über, dass nun ausgelassen die Haare fliegen ließ. Für mich war dies ein gelungener Abschluss und ich räumte das Feld mit einem zufriedenen Grinsen.

Die 2 Tage waren wirklich enorm stark. Kritikpunkte gab es, wie gesagt recht wenige. Zum einen wäre da der Sound, der vielen etwas die Stimmung verhagelte, doch die Anstrengungen muss man der Veranstaltung trotzdem positiv anrechnen. An dem Essensangebot sollte allerdings fürs nächste Jahr noch etwas gebastelt werden. Vor allem im preislichem Sektor, denn der passte leider ganz und gar nicht zum Rest der Veranstaltung. Ansonsten bleiben mir wirklich nur lobende Worte: Ein immens gutes Gesamtpaket an Bands, dass musikalisch auf höchstem Niveau stand und einfach was Besonderes war! Danke Dafür!!!

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Gelesen 2544 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 20 März 2014 23:28
Silent_Moon

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