Donnerstag, 20 März 2014 13:46

Thoughts Factory - Lost

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Lost Lost Thoughts Factory

Fünf professionelle Musiker, mehr braucht es nicht, um ein sehr starkes Debütalbum zu veröffentlichen. Zumindest wenn man über “Lost” der Frankfurter Neo-Progger Thoughts Factory spricht. Komplexe Songstrukturen, starke Vocals, Atmosphäre – schon lange ist mir kein Debüt mit solcher Qualität mehr begegnet.

Wer in letzter Zeit bei Auftritten eines gewissen deutsch-türkischen Comedians mit langen Haaren (aka Bülent Ceylan war) wird sich womöglich gefragt haben: Was läuft da für gute Musik vor der Show und in den Pausen?

Die Antwort ist relativ einfach: Etwas noch Kleines, das Potenzial hat, etwas Großes zu werden. Oder verständlicher ausgedrückt: Wir reden über das Debütalbum „Lost“ der hessischen Neo-Progger Thoughts Factory. Nach dem Traumtheater nun also die Gedankenfabrik? So in etwa. Denn obwohl mit „Lost“ das Debütalbum der Frankfurter auf dem Seziertisch liegt, strotzen die fünf Bandmitglieder nur so von Erfahrung und Können. Das fängt an mit Sven Schornstein, zuständig für das Keyboard. Zwar ist er der Jüngling der Band, neben der Showmusik für Mario Barth ist er auch zuständig für das Songwriting der Band. Die beiden Herren an Bass und Gitarre verfügen über jede Menge Erfahrung aus anderen Bands und langjährigen Musikkarrieren, gleiches gilt für Chris Maldener an den Drums. Zudem können wohl nur wenige Bands einen Sänger vorweisen, der wie Marcus Becker Gesangslehrer und Musicaldarsteller ist.

Das liest sich alles schon sehr beeindruckend. Wenn man jedoch nach dem ersten Durchlauf des Albums verblüfft auf Replay drückt, dann ist man richtig beeindruckt.

Denn was Thoughts Factory abliefert, braucht sich nicht zu verstecken. Dichte, atmosphärische Klänge, eine Wand aus teils sanften, teils harten Klängen, die jede Menge Emotionalität mit sich tragen. Dazu kommt die helle, angenehme Stimme Beckers, die auch in tieferen Lagen zu überzeugen weiß. Die Produktion (übernommen von Kristian Kohlmannslehner [u.a. Powerwolf]) ist makellos, der Sound druckvoll. Dass das Quintett mit nur einer Gitarre auskommt, fällt gar nicht auf. Fast schon auf Knopfdruck wird ein starkes Riff nach dem anderen abgespult, die Melodie wird abwechselnd von den Vocals oder der Gitarre getragen.

Teilweise haben die Songs einen starken Hauch von Power Metal an sich, jedoch zeichnet sich fast jeder Song durch eine große Komplexität aus. Wechsel der Tempi, Brüche in den Songs, progressives Gitarrenspiel, dazu die angenehme Stimme Beckers. Klasse!

Schon „Awakening“ hat einen heroischen Unterton, der auf das Kommende vorbereitet. Das Keyboard spielt zwar eine wichtige Rolle, schafft es jedoch die meiste Zeit über mit den restlichen Instrumenten zu harmonieren, ist nur selten aufdringlich und wirkt eigentlich nie deplaziert, nervig oder überflüssig.

Wie die Vocals selbst, hat die Musik meist einen sehr hellen,  frohen Charakter. Das Album macht sofort Spaß. Auch wenn das Album seinen Grundton beibehält, weiß es auch durch Abwechslung zu überzeugen. Die drei Monstertracks „The Deep Forest“ (12:20 Minuten), „Voice of Heaven“ (13:26 Minuten) und „Death of Dream“ (16:00 Minuten) sind hier zu nennen. Diese vergehen wie im Flug, sind voller Abwechslungsreichtum, verlieren sich aber nicht vollkommen, sondern behalten eine gewisse Linie bei.

Zwar fehlt es den Songs nicht unbedingt an Eingängigkeit, aber man merkt ihnen ihre Mehrdimensionalität, ihre Komplexität an. Einen wirklichen Ohrwurm gibt es nicht, jeder Song sollte sich mehrfach zu Gemüte geführt werden.

So gut „Lost“ auch ist, es gibt auch Kritikpunkte. Einerseits wären da die Growls zu nennen. Abgesehen von dem unerwarteten Einsetzen dieser in „Desperation“, sind sie einfach nicht gut. Sie bringen keine Kraft mit, keine Härte und klingen eher, als würde jemand mit stark gereiztem Hals ins Mikrofon reden. Verbessern oder drauf verzichten, bitte!
Außerdem fehlt mir persönlich über weite Strecken noch ein Schuss Härte. Klar, die Riffs sind super, die Songs sind komplex, die Vocals klasse. Die Riffs könnten teilweise aber durchaus brachialer, härter sein. Auch die Drums könnten teilweise ein wenig mehr Druck aufbauen, gerade bei Abschnitten, in denen die Band ein schnelleres Tempo an den Tag legt.

Das sind jedoch beides nur kleinere Makel, die dem starken Gesamtwerk keinen nachhaltigen Schaden zufügen. Ich kann mich nur wiederholen: Es ist zwar kein Blitzstart à la „von 0 auf 100“, dennoch ist es ein richtig starkes Debütalbum, das Thoughts Factory uns da servieren. Die Frankfurter zeigen, dass sie jede Menge Talent besitzen und durchaus die Möglichkeiten haben, die Neo-Prog-Szene schön aufzumischen. Absolute Hör – und Kaufempfehlung!


Bewertung:

8,5 / 10 Punkten


Tracklist:

01 Awakening
02 The Deep Forest
03 Desperation
04 Light
05 Voices from Heaven
06 No Way Out
07 The Mire
08 Death of a Dream

Weitere Informationen

  • Band: Thoughts Factory
  • Album Titel: Lost
  • Erscheinungsdatum: 14.02.2014
  • Fazit: Ich kann mich nur wiederholen: Es ist zwar kein Blitzstart à la „von 0 auf 100“, dennoch ist es ein richtig starkes Debütalbum, das Thoughts Factory uns da servieren. Die Frankfurter zeigen, dass sie jede Menge Talent besitzen und durchaus die Möglichkeiten haben, die Neo-Prog-Szene schön aufzumischen. Absolute Hör – und Kaufempfehlung!
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Lost (Trailer) Thoughts Factory

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