Montag, 05 August 2013 13:23

25.-27.07.2013 Eisenwahn, Obersinn + Iced Earth + Annihilator + Exhumed + Illdisposed + Excrementroy Grindfuckers +++

geschrieben von Florian Schreyeck
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Flyer - Eisenwahn 2013 Flyer - Eisenwahn 2013

Zurück aus Unterfranken gibt es nun auch mein erstes Festival Review vom letzten EISENWAHN in Obersinn. Bereits am Mittwochabend machten wir uns auf, um dem letzten Eisenwahn beizuwohnen. Nach dem alt bekannten Auto-Tetris und den üblichen Problemen auf der Autobahn („Ich hab kein Bier mehr“, „Ich muss mein Bier wieder loswerden“, „Scheiß, ich hab mein Ticket vergessen“,…)

...schlugen wir in der Abenddämmung dann endlich auf. Nach einem kurzen Glas-Check der freundlichen Security und dem Erhalt der Müllbeutel konnten wir dann auch das Camp betreten und unsere Zelte errichten. Etwas überraschend war, dass bereits das Camp B sehr gut gefüllt war. Den Anreisenden, die ab Donnerstagmorgen kamen blieb nichts anderes übrig, als eins der hinteren Camps zu nehmen, die doch ein Stück vom Festivalgelände weg lagen. Vor allem den Rückweg stelle ich mir doch etwas schwierig vor, da es ziemlich bergauf ging.


Ansonsten war das Campen von der organisatorischen Seite her (zumindest im unteren Bereich) durchaus positiv. Die Laufwege waren sehr kurz, Dixis vorhanden (Am Samstagmorgen wurden sogar drei neue geliefert um die alten zu entlasten). Dazu kam ein kleiner Frühstückstand, der alle mit gutem und billigem Kaffee und Kuchen von Freitag bis Samstag versorgte. Zu meiner Überraschung fuhr mehrmals am Tag ein mobiler Obst- und Gemüsehändler über den Campingplatz und bot seine Waren feil. Eine sehr gute Sache, denn wem ging es denn nicht schon so, dass er seine 10 kg-Kartoffelsack daheim vergessen hat? Spaß beiseite, vor allem die Melonen und Bananen fanden guten Anklang, auch wenn die Preise eher gesalzen waren.


Leider gab es auch hier, wie mittlerweile leider fast überall, gewisse… ich nenne sie einmal Personengruppen, die es für sehr lustig halten, die komplette Nachbarschaft mit Schlager, Hip-Hop oder ähnlichem zu beschallen. Da hierfür aber die Veranstalter nichts können, es eben auch mittlerweile schon fast normal ist, möchte ich auch nicht weiter darauf eingehen. Donnerstags um die Mittagszeit konnten dann die Bändchen abgeholt werden und das Festivalgelände das erste Mal betreten werden. Durch die ideale Hanglage konnte man wirklich von jedem Fleck des Geländes auf die Bühne sehen, egal wie viele Leute sich gerade davor tummelten. Die Versorgung mit allem was das Herz begehrt übernahmen zwei Bierwägen sowie ein Schnaps-Zelt und diverse Stände mit Handfestem. Einzig der „Metal-Wok“ sollte sich überlegen, ob es wirklich Sinn macht, die ganze Zeit ihren eigenen Jingle laufen zu lassen. Es war spätestens am Freitag jeder davon genervt und auch einige Leute hat genau das eher zu den anderen Ständen getrieben. Bezahlt wurde größten Teils mit Wertmarken welchen den Geldbeutel doch ziemlich anschwellen ließen, dafür gab’s aber bezahlbares Bier (3€ für 0,4l) und Essen (der Hamburger auch für 3€).


Einzig am Stand mit Speiseeis wurde noch mit Barem gezahlt. Jetzt werden viele sich fragen, was ein Stand mit Eis auf einem Festival verloren hat, und wieso ich diesen auch noch so explizit erwähne, aber dieser war vermutlich einer der Stände mit dem besten Umsatz. Das zu erklären ist nicht wirklich schwer und führt mich auch direkt zum (leider) alles überragenden Ereignis auf dem Festival: Es war einfach nur Schweine-heiß! Von Donnerstag bis Sonntagmorgen stach der gelbe Planet einfach nur vom Himmel. Spätestens am Samstag war eine gekühlte Flasche Wasser mehr wert als ein gekühltes Bier. Aber, hier möchte ich den Veranstaltern und auch der Feuerwehr aus Obersinn ein riesen Kompliment aussprechen. Es gab die ganze Zeit über Wasserbehälter auf dem Campingplatz welche regelmäßig wieder aufgefüllt wurden, und die Feuerwehr kühle die schwitzende Festivalgemeinde teils auf dem Camp, teils auf dem Festivalgelände direkt mit einer erfrischenden Dusche ab.


So, nun ist aber auch genug vom Drum-herum geredet, kommen wir zum Grund wieso sich ca. 2.500 Verrückte auf der Wiese dort eingefunden haben, nämlich zu den Bands.


Am Donnerstag verkündigte die Running Order, dass der Opener gleich drei Mal in Folge auf die Bretter darf. Bei einem so großen Namen wie „Bier“ ist dies aber auch sehr erfreulich. Dieser Aufforderung kamen alle Gäste natürlich sehr gerne nach und man freute sich auf die wirklich erste Band Defuse my Hate. Die Jungs konnten das Voting bei einem kleinen Contest für sich entscheiden und durften aus diesem Grund das letzte Eisenwahn dann auch offiziell eröffnen. Eine kleine Menge von Feierwütigen versammelte sich vor der Bühne, um die Band auch in der Gluthitze zu unterstützen. Dies wurde mit einer guten Show und vor allem auch mit einem sehr guten Sound belohnt. Hier muss aber auf jeden Fall das Festival an sich gelobt werden. Egal ob beim Opener oder beim Headliner, der Sound war durchweg wirklich hervorragend, es ist schade, dass das nicht alle Festivals so gut hinbekommen.


Als die Temperaturen dann endlich halbwegs angenehm wurden, heizten Hatred den Fans noch einmal richtig ein. Sänger Matthias „Bachus“ ließ es sich nicht nehmen, von der Bühne zu klettern und noch singender Weise zum FOH zu laufen, um auch die dort Sitzenden persönlich nach Vorne zu locken, was leider nur von mäßigem Erfolg gekrönt war. Aber egal, die Leute direkt vor der Bühne hatten sichtlich Spaß und feierten zusammen mit der Band ihr „Moshpit Ritual“.
Die Headliner des ersten Abends waren für mich gleichzeitig auch die absoluten Abräumer des ganzen Festivals. Man merkt einfach jedem Mitglied von Exhumed an, wie viel Spaß sie auf der Bühne haben, und diese Energie hat sich auch absolut auf die Fans übertragen. Offensichtlich war einer der Gitarristen auch schon vor dem Auftritt in Feierlaune, was dazu führte, dass er irgendwann in einer kurzen Pause sich sein letztes Bier noch einmal durch den Kopf gehen lassen musste. Zum Glück war zu diesem Zeitpunkt der Fotograben bereits leer. Aufgehalten hat das die Band aber nicht und neben den eigenen Klassikern gaben sie noch ein Metallica-Medley und ein Cover von Judas Priest zum Besten. Man konnte fast den Eindruck gewinnen, dass die Jungs die Bühne gar nicht mehr verlassen wollten, denn nach dem Auftritt und einigem Hand-Shake mit der ersten Reihe wurde kurzerhand noch eine Playback-Show zur eingespielten Hard Luck Women von Kiss dargeboten.


Auch der Freitag wurde wieder von einer Gewinnerband des von den Veranstaltern des Eisenwahns organisierten Contests eröffnet. Darkest Horzion läuteten den Tag mit sauber gespieltem Melodic Death ein. Leider gab es aber auch gleich zu Beginn des Tages eine schlechte Nachricht. Onslaught mussten ihren Auftritt leider kurzfristig absagen. Gerüchten zufolge versuchte der Busfahrer mit einem zu hohen Bus unter einer zu niedrigen Brücke durchzufahren, was dann doch schwerer als gedacht war. Wie groß der Wahrheitsgehalt dieser Nachricht ist, kann ich aber nicht beurteilen. Da die Absage wirklich sehr kurzfristig war, konnte natürlich kein adäquater Ersatz besorgt werden, und so erhielten einige der anderen Bands einfach mehr Spielzeit. Unter anderem profitierten hiervon die Kult-Thrash Metaller von Gama Bomb. Auch wenn die Hose von Sänger Philly Byrne etwas gewöhnungsbedürftig war, ließen er und seine Bandkollegen jedes Thrasher-Herz höher schlagen. Gepaart mit den witzigen Ansagen war der Auftritt absolut gelungen.


Vor dem Auftritt der Dänen Illdisposed hatte der Wettergott endlich ein Einsehen und kühlte die Luft durch einen kleinen Schauer etwas ab. Wo anderenorts die Menschen schnell einen Unterstand suchen, war hier jeder froh darüber, dass es zumindest etwas Abkühlung gab. Pünktlich zu Beginn des Auftritts hörte der Regen dann aber auch wieder auf und die Menge feierte gebührlich Old School Death Metal der dänischen Band. Bo Summer machte seine Ansagen auf bekannt freundlichen Art in deutscher Sprache und ließ dabei keine Möglichkeit aus sich selbst, seine Bandmitglieder oder auch das Publikum als „Nutten“, „Schwule“ oder auch „schwule Nutten“ zu bezeichnen. Böse war ihm hierfür aber selbstverständlich keiner, im Gegenteil, dies verbesserte die gute Stimmung nur noch weiter. Anschließend war es dann Zeit für das deutsche Urgestein Tankard. Ich denke hierzu muss ich nicht wirklich viel tippen, da jeder die Band um Gerre eh jeder schon unzählige Male gesehen hat. Kurz: Bier, Bier, alte Klassiker, mehr Bier. So wünscht man sich Tankard!
Ein überaus würdiger Abschluss für den Freitag bescherten dann Overkill dann zahlreich erschienen Fans. Da sie bereits als zweites Lied den Mitsingklassiker „Rotten to the Core“ raushauten, hatte Sänger Bobby Blitz die Fans auf seiner Seite. Leider lichteten sich während des Auftritts vor allem etwas weiter hinten doch merklich die Reihen, was vermutlich dem langen Programm und den sehr heißen Temperaturen geschuldet war. Einziger kleiner Kritikpunkt an der Show kann sein, dass die Band nach dem viel gefeierten „Fuck You“ die Bühne recht schnell wieder verlassen haben, ohne sich (meiner Meinung nach) ausreichend von den Fans zu verabschieden. Hier hätten sie sich an den oben beschriebenen Exhumed ein Beispiel nehmen können.


Der Samstag begann nicht erst mit der offiziellen ersten Band, denn eine kleine Truppe organisierte bereits zur Mittagszeit ein Privatkonzert auf dem Campinggelände. Auf einer kleinen improvisierten Bühne holten zwei Bands die letzten Leute aus den Schlafsäcken, auch wenn es bei dem Wetter eh fast unmöglich war, es um diese Uhrzeit noch im Zelt auszuhalten. Vermutlich auf Grund des versprochenen Freibiers pilgerten immerhin einige Dutzend Unerschrockene vor die kleine Bühne, um den lieblichen Klängen zu lauschen und an der ersten „Wall of Beer“ teilzunehmen. Im Endeffekt war diese aber auch nichts anderes als eine kleine Wall of Death, bei der es davor noch eine kleine Bierdusche gab. Da die Bands aber wohl eher nicht den musikalischen Nerv der Anwesend trafen („Lumpen“ Metal und Technical Death Metal) pilgerten die Meisten recht bald wieder zu ihren Pavillons zurück, um noch etwas im Schatten zu sein bevor es dann wieder richtig weiter ging.


Kurz nach 15:00 begrüßten die norddeutschen Dew-Scented die schwitzende Meute. Mit ihrem eindringenden Thrash der mit Death-Anleihen konnte sie schnell die Temperaturen vergessen machen. Sehr warm konnte es auf der Bühne auch nicht sein, da die ersten Reihen am Wellenbrecher die Köpfe kreisen ließen und somit für sicherlich frischen Wind auf der Bühne sorgten. Die Band dankte es ihnen mit einem starken Set.


Einige Zeit später versuchten dann die Excrementroy Grindfuckers das Publikum mit ihrem Fun-Grind zu unterhalten, was aber nicht wirklich gelingen wollte. Ich weiß nicht woran es liegt, vielleicht weil ich die Band schon zu oft gesehen hab, ich zu alt werde, das Wetter für die Musik einfach zu warm war oder weil nach A.O.K. zwei „Blödel-Bands“ hintereinander gespielt haben, aber es kam einfach keine richtige Stimmung auf. Sicherlich lag es nicht am stellvertretenden Sänger, der den sich in der Babypause befindenden Mao vertreten hat, denn er machte seine Sache wirklich gut. Man merkte leider auch der Band an, dass sie die nicht vorhandene Stimmung vermisste, was sich in einigen Aussagen von Rob erkennen ließ. „Unterstützt“ wurden die Grindfuckers noch einige Zeit von zwei Flitzern, die sich im Adamskostüm auf die Bühne begeben haben um mit der Band zusammen zu tanzen. Erst als kurz vor Schluss der EAV-Hit „Fata Morgana“ gespielt wurde sprang auch der Funke auf das restliche Publikum über.


Besser machten es danach Debauchery, deren Auftritt zwar keine wirkliche Überraschung bot, aber alles, was man von ihnen erwartet. Viel Blut, aufgespießte Frauenkörper und stumpfen Death Metal. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Insgesamt ein überzeugender Auftritt. Bevor der Co-Headliner Annihilator die Bühne betraten, gab es leider eine längere Verzögerung, da ein Unglückspilz sich auf dem Campingplatz schwer verletzt hatte und von einem Hubschrauber in ein nahe gelegenes Krankenhaus gebracht werden musste. Aus diesem Grund verzögerte sich das Programm um eine halbe Stunde. Das Warten hat sich aber auf alle Fälle gelohnt, denn Annihilator boten eine sehr gute Show. Spätestens, als ohne großes Verlassen der Bühne als letzter Song der Hit „Alice in Hell“ gespielt wurde schallte der Refrain aus allen Kehlen.


Nach dem Auftritt gab es dann noch eine Überraschung. Auf der Bühne wurde ein Heiratsantrag gestellt. Offensichtlich war der Bräutigam aber davon so überrascht, dass er den Weg aus dem „Ficken“-Stand erst nach einigen Minuten fand, während seine Braut (welche den Antrag stellte) auf der Bühne auf ihn wartete. Zuerst war seine Antwort nicht zu hören, aber als der anschließende Kuss mit der Frage unterbrochen wurde, was er denn geantwortet hat, gab er nur ein kurzes, romantisches „Ich hab doch schon lang Ja gesagt, du Arschloch“ zurück. Den krönenden Abschluss stellten dann Iced Earth dar. Von den einheitlichen Hosen aus Jeans und Leder und Kutten, welche nur mit einem Iced Earth-Bachpatch bestickt, kann zwar jeder halten was er will, aber zu dem Auftritt kann es eigentlich nur eine mögliche Meinung geben. Die Herren um Band-Oberhaupt Jon Schaffer zeigten eine herrliche Spielfreude und mit Klassikern wie „Watching Over Me“ oder „I Died For You“ kann ja auch eigentlich nichts schief gehen. Dazu kommt, dass Stu Block für mich ein absolut würdiger Ersatz für Matt Barlow ist.


Anschließend versammelte sich die Crew des Eisenwahns auf der Bühne, um sich mit einem großen Feuerwerk von den Fans zu verabschieden, denn leider hat die ehrenamtliche Orga entschieden, dass es ab dem nächsten Jahr kein Eisenwahn mehr geben wird. Das ist wirklich sehr schade, da das Festival mit der sehr guten Organisation, den tollen Bands und der (im Großen und Ganzen) sehr familiären Stimmung ein absolutes Highlight dieses Jahr war.

Weitere Informationen

  • Band(s): Iced Earth, Tankard, Illdisposed, Annihilator, Debauchery
  • Wann: 25.07.2013
  • Wo: Obersinn
Gelesen 4088 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 08 August 2013 16:20

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