Samstag, 26 August 2017 12:02

Unter dem Radar: Nachtschatten (Melodic Death Metal)

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Nachdem wir euch mit „Picturing A Sense Of Loss" bei „Unter dem Radar" das Undergrounded-Album des Jahres 2014 vorgestellt haben, gehen wir in der heutigen Ausgabe ein Jahr weiter. Als würdige Nachfolger von Deadwood wurden Nachtschatten und ihr Debütalbum „Prolog" damals von euch gewählt.

Gegründet wurde Nachtschatten 2010 in Karlsruhe und verbreitet seitdem düsteren Death Metal in der Welt. Nach zwei Demos, die man 2011 aufnahm und veröffentlichte, dauerte es noch vier Jahre, ehe man mit „Prolog" das Debütalbum fertig hatte. Dies kam nicht nur bei unserem Reviewer sehr gut an (10 von 10 Punkten), auch unsere Leser waren mehr als begeistert. So wurde „Prolog" nicht nur zum Album des Jahres 2015 gekürt, Nachtschatten gewann auch das Voting für einen der beiden Opener-Plätze für das Ground Force II im darauffolgenden Jahr.


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Aktuelle Besetzung

Daniel - Gesang & Bass

Denis - Gitarre

Andreas - Gitarre

Pascal - Schlagzeug


Diskographie

2011 Demo

2011 Sommer 2011 (Demo)

2015 Prolog (full-length)


Review zu „Prolog"


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Nachtschatten aus Karlsruhe haben sich 2010 gegründet und dem melodischen Death Metal mit deutschem Gesang verschrieben. Nach zwei Demos liegt nun das starke Debutalbum vor. Doch was unterscheidet Nachtschatten vom Gros der Melodic Death Bands? Formal nichts, d.h. auch hier wird in der klassischen Besetzung (Gesang/Bass, zwei Gitarren und Schlagzeug) gespielt, es wird munter drauf los geknüppelt, man arbeitet durchgehend mit gutturalem Gesang, lässt keine anderen Stilrichtungen einfließen - woran liegt es dann, dass ich das zufriedene Grinsen nicht mehr aus meinem Gesicht bekomme?


Liegt es an der Eingängigkeit der Songs, den stets gut verständlichen Growls, der tollen Lead-Gitarrenarbeit, an den einfallsreichen Zwischenpassagen oder den wirklich guten deutschen Texten? Es ist wohl am ehesten die Kombination aus allem: Nachtschatten machen genau das, was man von einer Melodic Death Metal Band erwartet und schaffen es doch, den Hörer bestens zu unterhalten und zu überraschen, ohne jemals ihr Genre zu verlassen.


Wie klingt die CD denn nun? Man nehme Scar Symmetry (allerdings ohne den Klargesang), würze es mit etwas Children Of Bodom, verwurste das Ganze und füge wilde Breaks, beeindruckende Gitarrensoli und schöne Gesangsmelodien ein, ergänze in Gedanken deutsche Texte und was man nun als druckvolle Produktion serviert bekommt, ist Nachtschatten. Ich bin eigentlich kein Freund deutschen Gesangs, höre bis auf ganz wenige Ausnahmen (WIZO und Broilers) auch praktisch keinen Deutschrock, aber was auf diesem Album zu hören ist, muss einfach jeden Melodic Death Metal Fan begeistern. Es ist auch interessant, wie man komplett ohne Reime auskommen und doch Songs schreiben kann, die sofort ins Ohr gehen. Die Texte werden dabei perfekt von der Instrumentalabteilung unterstützt: Bei „Takt der Maschinen" hat man tatsächlich das Gefühl, in einer ölverschmierten Fabrikhalle zu stehen, in der die Maschinen unablässig auf Hochtouren laufen und tonnenschwere Metallteile immer wieder mit voller Wucht auf den Betonboden knallen.


Die Musiker spielen auf internationalem Niveau und können sich problemlos mit der etablierten Konkurrenz messen. Auch die Produktion sticht positiv aus der Masse heraus: Klar, das Album ist modern und professionell aufgenommen, das Schlagzeug macht mächtig Druck, der Gesang ist aggressiv und doch stets gut verständlich, aber vor allem fällt auf, dass auch beim Mix ein Könner am Werk war und seinen Teil dazu beigetragen hat, dass das Hören so viel Spaß macht - endlich mal wieder eine CD, bei der man auf linkem und rechtem Kanal unterschiedliche akustische Ereignisse geboten bekommt. Wenn die beiden Gitarren unterschiedliche Parts spielen, dann ist jede Gitarre konsequent auf einen Kanal gemischt, was bedeutet, dass man ein wirklich tolles Hörerlebnis hat, weil nicht einfach nur alles aus der „Phantommitte" zwischen den Boxen ertönt. Noch ein Wort zu den Keyboards: Die sind sozusagen die pechschwarzen „Farbtupfer" in einem schwarzen, düsteren Soundgewand und Textpassagen wie „Nur Dein Leid, Dein Schmerz, Dein Feuersturm" (aus „Feuersturm") zeigen schon recht gut, dass es im Prinzip eine vertonte Endzeitstimmung ist. Man sollte also keine Keyboards erwarten, die gleichberechtigt mit der Leadgitarre verwendet werden, wie sie beispielsweise Children of Bodom auf ihrer „Follow the Reaper"-Platte einsetzen, sondern eher solche, die als kleine, fiese Akzente die Stimmung noch dunkler gestalten und die Atmosphäre der Songs unterstützen.


Wer auf schnörkellosen, aber hochkarätigen Melodic Death Metal steht, sich deutschem Gesang nicht gänzlich verschließt und sich einfach nur mal zurücklehnen und ganz entspannt die vertonte Apokalypse genießen möchte, wird mit diesem Album seine dunkle Freude haben, denn besser und innerhalb des Genres abwechslungsreicher habe ich schon lange kein Album mehr gehört - bei der schier unendlichen Anzahl an Neuveröffentlichungen soll das schon was heißen. Ganz großes Kino, das mächtig Spaß macht!

(geschrieben vom metalwolf für undergrounded.de)

 

Tracklist

1. Feuersturm

2. Blitzschlag

3. Morgendämmerung

4. Dunkle Sonne

5. Takt der Maschinen

6. Lauft!

7. Zeichen des Untergangs

8. Letzte Schlacht

9. Goldene Schlösser

10. Trauerweide

11. Weltschmerz

12. Rum im Grog (Bonustrack)

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Blitzschlag (official video) - Nachtschatten Nachtschatten

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