Samstag, 12 August 2017 00:00

Unter dem Radar: Todgeweiht (Black Metal)

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Sich in Deutschlands Gebirgen umzuschauen, um die eine oder andere gute Band kennenzulernen, die es ungerechtfertigterweise noch nicht aus der lokalen Fangemeinde hinausgeschafft hat, war schon immer eine gute Idee. Todgeweiht aus dem Erzgebirge ist eine dieser Gruppierungen, die es nicht nur im deutschen, sondern auch im tschechischen Untergrund geschafft haben, sich einen Namen zu machen und eindeutig in unsere „Unter dem Radar" Kategorie passen.

Wenn man, wie ich, im Erzgebirge aufgewachsen ist und sich ein wenig mit der lokalen Szene beschäftigt hat, kommt man nicht an Lee - respektive Nebelschrei - und den zahlreichen musikalischen Projekten, in denen er involviert ist oder war, herum. Manch einem dürften wohl Wotanzorn, Blutrausch und Fafnir ein Begriff sein, wenn auch eine überregionale Bekanntheit weniger erreicht werden konnte. Dafür dürften Eminenz schon eher ein Begriff in der Black Metal Szene sein, wo sich Ileies an den Drums musikalisch einen Namen gemacht hat, sowie Krig, bei denen „The Horned Black" und ebenso Ileies zu hören waren.


Die Wurzeln aller Musiker sind mit Sicherheit auch einer der Gründe, wieso man sich gegen zu verspielte und unnötig moderne Auslegungen des Black Metal entschied und sich bewusst auf die alte Schule konzentrierte. Dies merkt man sowohl in der Produktion, die keinesfalls als glattpoliert bezeichnet werden kann und den Silberlingen einen angenehmen Charme verleiht, sowie an den Texten, welche von anti-human bis hin zu heidnischen Themen variieren.


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Aktuelle Besetzung

The Horned Black – Bass

Ileies - Drums

Nebelschrei - Vocals/Guitar


Diskographie

2012  Der alte Wald (Demo)

2013  Live 2012 (Live Album)

2013  Promo 2013

2013  Live Blasphemy (Live Video CD)

2014  The Fall of Christ (Split)

2015  Der Krieg gegen das Kreuz (Album)


Review zu „Der Krieg gegen das Kreuz"


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Auch wenn das Album aus dem Jahre 2015 nicht mehr ganz taufrisch ist, verkörpert es in vielerlei Hinsicht auch heute noch den rauen Black Metal, den man sich für das Erzgebirge vorstellt. Die skandinavischen Wurzeln der Musik sind unverkennbar und lassen einen kleinen Hauch der 80er Jahre mitwehen, was das Gesamtbild besonders ansprechend macht. Doch nicht nur das grenzt das Album vom üblichen Schema-F ab und lässt diese Band meiner Meinung nach zu einer der hörenswertesten aus dem Raum Annaberg-Buchholz aufsteigen.


Nach der „Einleitung", welche mit stürmischen Streicherklängen auf die bevorstehenden dreiunddreißig Minuten vorbereitet, beginnt direkt der Titeltrack des Albums mit polarisierenden Schreien in gewohnt treibender Manier, die fortfolgend öfter kurz von langsameren Parts abgelöst werden. Lyrisch wie musikalisch ist unverkennbar Hass die Motivation und Inspiration, um grenzenlose Musik zu kreieren, die nur das innere des Künstlers darstellt und sich in keine Schubladen zwängen lässt. Kurze Songs wie „Rabenflug" untermauern dieses Bild zusätzlich und der Hörer setzt die Reise fort durch urigsten Black Metal, der keinerlei Anpassung an die heutige Gesellschaft nötig hat und erbarmungslos aus den Boxen dröhnt. Mit ihrem self-titled Track „Todgeweiht" macht die Band ebenfalls alles richtig und dreht das Tempo nochmal richtig auf - die melodischen Riffs und dien markerschütternden Schreie des Bassisten überzeugen auf ganzer Linie. Absolute Hörempfehlung!


Als herausragend stellt sich im weiteren Verlauf noch der Track „Selbstmord" dar, welcher ungewohnt tragend daherkommt und lediglich mit eben genannten diabolischen Schreien als Vocals auskommt. Absolut düster, zermürbend und destruktiv, wie der Titel es schon benennt, zieht sich dieser Suizid auf gute vier Minuten und leitet den zweiten Teil des Albums ein. Der ist gezeichnet von schnelleren, klassischen Black Metal Tracks wie „Inquisition", wie auch von langsameren Tracks wie „Herbstregen" – hier wird feinste alte Schule am Stück dargeboten, die das Herz erfreut.


Todgeweiht beweisen eindrucksvoll, dass man im Erzgebirge den richtigen Spirit hat und auch jenseits von modernen Einflüssen der alten Schule etwas abgewinnen kann. Sicherlich ist noch Platz nach oben, was eine gewisse Abwechslung anbelangt, außerdem könnte man sich noch eine Nische einfallen lassen um noch unverkennbarer zu werden - für ein erstes Werk ist „Der Krieg gegen das Kreuz" jedoch beeindruckend und Todgeweiht haben genug Potential, um bald auf den ersten größeren Festivals mitspielen zu können.


Tracklist

1. Einleitung

2. Der Krieg gegen das Kreuz

3. Rabenflug

4. Todgeweiht

5. Das Hühnengrab

6. Selbstmord

7. Inquisition

8. Herbstregen

9. Das Ende des Weges

10. Verwesung

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Der Krieg gegen das Kreuz - Todgeweiht Todgeweiht

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