Freitag, 19 Mai 2017 21:02

Unter dem Radar: Sorts (Black Metal)

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Es gibt nur ganz wenige Beispiele von erfolgreichen Metalbands, die es aus Estland in die weite Welt geschafft haben und das ist einerseits das große „kreative" Glück und andererseits natürlich schade. Aber wir wären nicht bei „Unter dem Radar", wenn wir euch nicht „Sorts", ein Juwel aus dem Baltikum, ans Herz legen würden.

Während die Band aus „nur" zwei permanenten Membern, namentlich Mantas (Bass) und Gates (alles andere) besteht, ist in der Live Besetzung auch die „Elite" der estnischen Szene vertreten. Insgesamt kann man sowieso sagen, dass sich in Sorts die Schaffenskraft von allen wichtigen estnischen Black- und Death Metal-Bands kulmuliert - Manatark, Tharaphita, Must Missa, Aghor, Dawn Of Gehenna und Loits, nur um ein paar zu nennen.


Der Sound von Sorts ist schwer zu beschreiben, mischen sich doch besagte Einflüsse über fast 20 Jahre und haben sich innerhalb dieses Zeitraumes auch weiter entwickelt. Dabei ist allerdings zu beachten, dass nach der ersten Single „Demons Of The Ride" (2000) erst in den letzten sieben Jahren relevante Schaffenskraft, mit regelmäßigen Releases, an den Tag gelegt wurde. Die Erklärung für die „große Lücke" zwischen der ersten Single und den ersten EP's Made In Nightonia" (2010) und „Sorts" (2011) dürften wohl die anderen Kombos sein, in denen die Member aktiv sind und waren.


Mit „Product of Decadence" und „Schwarze Estnische Schweinerei" wurden die aktuellen Glanzstücke der Band geschaffen, die sich in nur zwei Jahren Abstand manifestierten.


Grundsätzlich ist Sorts sehr dem klassischen Black Metal verpflichtet und verknüpft treibende Rhythmen oft mit einfachen Riffs und Galeeren-Schlag-Drumming, während der Gesang rülpsend, kotzend und räudig sehr an Darkmoon Warrior und vom Sound an Satyricon erinnern mag. Trotzdem finden sich vor allem auf „Schwarze Estnische Schweinerei" Songs wie „I Hate You", die sich gänzlich in dieses Schema-F kategorisieren lassen – und dann aber in einem 180 Grad-Turn in sehr dedizierte Melodien mittels feiner, fast schon verträumt-jazziger Gitarrenarbeit verlieren. Gerade diese Wandlungsfähigkeit macht Sorts zu einem absoluten Hinhörer und zu einem Juwel der estnischen Szene.


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Aktuelle Besetzung

Gates  Instrumente, Vocals

Mantas – Bass


Diskographie

2000 Demons on the Ride (Single)

2010 Made in Nightonia (EP)

2011 Sorts (EP)

2011 Half a Person (Single)

2012 Onset of Twilight - A Tribute to Bathory (Split)

2012 Sorts / The Necroscopes (Split)

2013 Product of Decadence (LP)

2015 Schwarze Estnische Schweinerei (LP)


Review zu „Schwarze Estnische Schweinerei"


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Die Geschichte der „Schwarze(n) Estnische(n) Schweinerei" ist um einiges älter als das CD-Release 2015 unter Offense Records. Schon 2011 wurde die Scheibe als Kassette unter Drakkar Records herausgebracht und fristete aus meiner Sicht zu Unrecht ein Schattendasein (zumindest außerhalb Estlands).


Allein der Titel ist schon ungewöhnlich genug und die Musik ist es (fast) nicht minder. Aber um Sorts zu verstehen, muss man die estnische Szene verstehen. Das Land hat eine Einwohnerzahl von etwas weniger als München und daher eine überschaubare Größe, während sich die aktive Bandszene sehr auf die Hauptstadt Tallinn konzentriert. Durch die geringe Anzahl an aktiven Bandmitgliedern werden fröhlich die Member getauscht, was sich natürlich stilistisch auf die Bandprojekte auswirkt. So spielen und spielten in Sorts im Wechsel Bandmember von Manatark, Loits, Tharaphita und diversen anderen Kombos und drückten dem Album seinen Stempel auf. Den Sound von „Schwarze Estnische Schweinerei" zu beschreiben ist daher ziemlich einfach. Man nehme jede Menge Einflüsse aus Skandinavien (Immortal, Satyricon und Darkthrone) und mische sie mit einer ordentlichen Prise oben genannter Bands und estnischer bzw. baltischer „Lebensfreude".


Der Mix, der dabei entsteht, ist nicht neu, aber denoch extrem ohrengängig und auf seine eigene Weise absolut einzigartig. Bei jedem Song bekommt man ein wirres Puzzle gezeigt, in dem einige Teile fehlen, das nur grob einem Schema folgt und trotzdem Assoziationen mit bereits „gehörtem" weckt. Song „Harsh" erinnert über Strecken an Satyricons K.I.N.G, Song Amok erinnert mich stark an Gassenhauer der deutschen Deather von Crack UP, I Hate You an Darkmoon Warrior und deren Song Satanification.


Gekocht wird dabei grundsätzlich mit treibenden Gitarren, eingängigen und einfachen Melodien sowie schön räudigen Growls -wobei es gefühlt immer mit einem Augenzwinkern und noch genug Wechsel im Tempo und Thema zugeht ohne zu eintönig zu wirken. Die diversen Soli und ab und an eingestreuten Sampler tun dem Werk gut und steigern die Qualität des Werkes noch.


Live ist die Band durch die (in der Regel) hochkarätige und wechselnde Besetzung nochmal ein absoluter Geheimtipp und man wird auf der Bühne die eine oder andere (estnische) Überraschung bzw. „Schweinerei" finden.


Tracklist

1. Gentes Aestorum

2. Heading North

3. Harsh

4. Cronocide

5. Amok

6. Both Hands, Middle Finger

7. I Hate You

8. Ye Olde Kurrath

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Gelesen 509 mal Letzte Änderung am Sonntag, 21 Mai 2017 17:35

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