Mittwoch, 03 Mai 2017 16:17

Unter dem Radar: Violet Cold (Experimental Black Metal)

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Violet Cold Violet Cold Violet Cold

Black Metal im Untergrund zählt zum produktivsten, was die Metalwelt vorzuweisen hat. Kaum jemand verkörpert das so wie Emin Guliyev. Der Aserbaidschaner ist die Person hinter dem One-Man-Projekt Violet Cold und hat seit 2013 sage und schreibe 34 Outputs gehabt – mehrere Singles, EPs und vier Alben.

Dabei ist Black Metal nicht einmal unbedingt die korrekte Kategorisierung für Violet Cold – aber wer braucht schon Kategorisierungen. Violet Cold machen einfach Musik, sehr gute Musik sogar. Black Metal legt jedoch den beständigen Grundstein, auf den die verschiedensten Einflüsse gepackt werden: Ambient, noise, drum and bass, Jazz, Klassik, Folk, Shoegaze, Sludge, Post-Rock und was einem noch so einfallen mag. Was auf den ersten Blick nach unkontrollierter Überladung aussieht, ist riesengroßes Talent und Verständnis für Musik – alles vereint unter dem Konzept der Atmosphäre, welche Guliyev wie kaum ein zweiter versteht und ausreizt. Ein möglicher Vergleichspunkt wäre die Band Germ, die mit Tim Yatras ebenfalls von einem musikalischen Genie geführt wird.


Emin Guliyev

Aktuelle Besetzung
Emin Guliyev – alles


Diskographie

aufgrund der Übersichtlichkeit werden hier nur EPs und Alben aufgeführt (den Rest kann man hier einsehen)

2014 Sad.Devastated.Sleepless (EP)
2014 Faraway, So Close! (EP)
2014 Lilu (EP)
2015 Desperate Dreams (Album)
2016 Magic Night (Album)
2016 Neuronaut (Album)
2017 Anomie (Album)

Review zu „Magic Night“


Magic Night

Violet Cold zeigen eindrucksvoll, dass es keine Beschränkungen für gute Musik gibt – geographisch wie musikalisch. So sind sie die erste Band aus Aserbaidschan, die mir untergekommen ist. Gleichzeitig sind sie eine schmetternde Absage an all die, die bei fehlender Trueness am liebsten an die Decke gehen würden. Wie wundervoll das klingen kann, zeigt Emin Guliyev eindrucksvoll auf „Magic Night“.


Es ist schwierig, wenn nicht gar unmöglich, ein unermüdliches Genie auf ein Album zu begrenzen. Violet Cold verfolgen ihre Philosophie, jedoch in musikalischer Vielfalt, die sich von Output zu Output ändern kann. Daher möchte ich hier gleich feststellen, dass „Magic Night“ nur für „Magic Night“ steht. Soll heißen: Das ist durchaus Violet Cold, aber Violet Cold ist bei weitem nicht nur „Magic Night“.


Beim hier besprochenen Album vom Januar 2016 handelt es sich um das zweite Full Length-Release der Band, zumindest aus chronologischer Sicht - bei einem solch immensen Output kann es gut sein, dass an verschiedenen Projekten zeitgleich geschrieben wird. Neun Songs erstrecken sich auf eine Spielzeit von knapp 55 Minuten.


Dem Album gelingt es ab der ersten Minute durchgängig eine düstere, verlorene und bedrückende, gleichzeitig aber auch melancholisch-traurige Atmosphäre aufzubauen. Diese Stimmung breitet sich im Laufe der Songs immer weiter aus und entwickelt einen regelrechten Sog. Dabei zieht sich dieses Gefühl durch alle neun Lieder, Die Mittel zum Zweck sind dabei variabel – oft auch innerhalb eines einzigen Songs. Ruhige Klaviermusik mit leichter Orchestrierung, krachender, atmosphärischer Black Metal, getragen von Drums und Gitarren, dann angenehme elektronische Melodieführung fern ab von gedanken- und gefühllosem Technokrach, untermauert von entferntem Metal und manchmal auch die Kulmination mehrerer dieser Elemente (wie beispielsweise in den letzten, grandiosen Minuten des Titeltracks).


„Magic Night“ tendiert in die Richtung von Bands wie Midnight Odyssey oder Mesarthim, scheint die heraufbeschworene Atmosphäre doch einer großen, räumlichen Leere zu gleichen. Dabei ist die Herangehensweise von Violet Cold oftmals aber ruhiger, verzichtet durchgängig auf Vocals und setzt verstärkt auf eine traurigere Grundstimmung – so in etwa würde ich wohl meinen stümperhaften Versuch beschreiben, euch die musikalische Finesse Guliyevs nahe zu bringen. Im Endeffekt – und hier brauche ich das Review nicht unnötig in die Länge zu ziehen – ist es mir persönlich unmöglich, das Gehörte so zu Blatt zu bringen, das ich damit zufrieden wäre. Die Lösung ist ganz einfach: Nehmt euch Zeit, entspannt euch und lasst euch eine gute Stunde von Violet Cold entführen.


Tracklist

1. Everything You Can Imagine Is Real...
2. Magic Night
3. Warm Winter
4. For Amelie (Polish Lullaby)
5. Sea
6. Drowned in the Lights
7. Silver Moon (Part I)
8. Silver Moon (Part II)
9. Last Day on Earth

Weitere Informationen

  • Band: Violet Cold
  • Album Titel: Magic Night
  • Erscheinungsdatum: 31. Januar 2016
  • Fazit: Im Endeffekt – und hier brauche ich das Review nicht unnötig in die Länge zu ziehen – ist es mir persönlich unmöglich, das Gehörte so zu Blatt zu bringen, das ich damit zufrieden wäre. Die Lösung ist ganz einfach: Nehmt euch Zeit, entspannt euch und lasst euch eine gute Stunde von Violet Cold entführen.
Gelesen 554 mal Letzte Änderung am Montag, 08 Mai 2017 20:17
Asgrimur

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Magic Night Violet Cold

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