Samstag, 22 April 2017 15:54

Unter dem Radar: Ad Cinerem (Doom/Black Metal)

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Man wird heutzutage fast schon überrannt von einem Überangebot guter Black und Doom Metal Bands. Ad Cinerem dürfen sich aber als ein absolut herausstechendes Duo bezeichnen, welches bisher noch als absoluter Geheimtipp gehandelt wird. Anspruchsvoller „Progressive Doom Black Metal", wie die Band ihr Genre selbst benennt, beschreibt nur ansatzweiße, was man erwarten kann. Diese Formation aus Dresden sollte man sich eindeutig vormerken!

Die Musiker hinter Ad Cinerem sind keine unbeschriebenen Blätter mehr. Val Atra Niteris ist manch einem schon bekannt als das Mastermind hinter dem Doom Projekt „Frowning" und auch Hekjal's Vocal konnte man schon bei Bands wie Hatul vernehmen. 2014 entschlossen sich nun beide ein gemeinsames Projekt zu starten, welches ihre Erfahrungen bündelt und das feinste aus beiden Welten entfesselt. Nach der 2015 erschienenen Demo „Once Mourned...Now Forgotten" erschien im Januar diesen Jahres ihr Debutalbum „Shadows of Doubt", welches den ersten Meilenstein der Band darstellt.


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Aktuelle Besetzung

Val Atra Niteris - Guitars, Bass, Drums

Hekjal - Vocals, Guitars


Diskographie

2015 Once Mourned... Never Forgotten

2017 Shadows of Doubt


Review zu „Shadows Of Doubt"


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Dieses Werk ist das ideale Beispiel um zu zeigen, dass bei einem Zusammenschluss von zwei einzigartigen Charakteren nur etwas ebenfalls Herausragendes entstehen kann. Alle Doom und Black Metal Freunde aufgepasst – hier kommen Ad Cinerem und setzten die Messlatte für neue Releases dieses Genres ein Stück höher.


Wie so oft hörte ich von dieser Band das erste Mal auf einem Konzert, obwohl ich die beiden Musiker einzeln schon eine Weile verfolgte, aber seltsamerweise noch nicht von deren gemeinsamen Laufbahn erfahren hatte. Umso besser – vollkommen unvoreingenommen fesselte die Musik alle im Saal und ließ atmosphärisch düster alles im Schatten stehen. Der Eindruck des Konzerts setzt sich auch auf dem Album fort.


Philosophische Texte, die zum Nachdenken anregen, gepaart mit drückender Stimmung, die klanglich perfekt inszeniert wird, machen dieses Album äußerst hörenswert. Hekjal's besondere, tiefe Art der Vocals tragen einen großen Teil zur teils depressiven Darstellung bei, welche sich stets fast hämmernd einprägen und die Lyrics perfekt hervorheben. Durch die Länge der einzelnen Tracks spielen die langen, rein instrumentalen Parts eine große Rolle zum Aufbau der Atmosphäre. Hier versteckt sich oft die ein oder andere Idee, die man schon von Val's „Frowning" kennt – keine falsche Entscheidung anhand der nahtlos ineinandergreifenden Doom Parts zu mehr schwarzmetallisch geprägten Teilen. Der Titeltrack „Shadows of Doubt" spielt praktisch Seilspringen mit diesen Genregrenzen und liebäugelt auch mit Gitarrenriffs, die den düsteren Track immer weiter voranbringen und den Hörer aus diesem Konstrukt nicht loslassen wollen. „Signature of Present" manifestiert weiter die hohen Doom-Künste, die Gänsehaut auf elf Minuten verursachen, textlich wie musikalisch kaum zu überbieten – so gut können nur wenige Bands Kälte transportieren. Es braucht oft nicht viel um gute Musik zu produzieren, die Seele ist jedoch ganz entscheidend. Und genau das spürt man in jeder Note des Werkes, sei es bei „Coldness Went Beyond A Heart", das noch einen Hauch mehr Emotionen als die anderen Songs auf gut acht Minutes transportiert, die nur annährend mit Worten wie melanchlisch oder klagend beschreibbar sind. Taubheit wird transportiert, etwas Kälte, ein Hauch Verzweiflung ... Val's Arbeit an seinen Instrumenten ist meisterhaft und wirkt stimmig wie eh und je. Zerbrochen schiebt sich „Only Fragments Through The Twilight" als instrumentales Zwischenstück hinein, um die Spannung für den „Pulse of the End" hoch zu halten. Kraftvolle Riffs, wie sie Ad Cinerem charakterisieren, immer wieder kurze ruhige Parts und energiegeladene Vocals, die diese Band noch aus hunderten herausstechen lassen. Dieser Track wirkt etwas weiterentwickelt als noch die ersten Songs, fesselt er doch noch mehr durch das treibende Tempo und den diabolischen Screams in der Songmitte. Das ist auch vielleicht der einzige Titel der einzeln funktionert, alle anderen Songs funktionieren nur im Gesamtbild so gut, was weniger als Kritikpunkt zu sehen ist – mehr als Einschätzung der Gesamtatmosphäre und deren Aufrechterhaltung.


„Possession" schließt das Album würdevoll mit einer wieder eher ruhigeren Gangart ab, welches im Stile der Band gewohnt melancholisch auf etwas über sieben Minuten den letzten von insgesamt sieben atemberaubenden Titeln darstellt.


Nach den nun fast fünfzig Minuten des Albums fällt es wirklich schwer negative Punkte zu finden. Die Musik verbindet meisterhaft Doom und Black Metal inklusive durchdachter Lyrik und gekonnter Vertonung. Zudem transportiert es auf geniale Art und Weise dieses Gefühl von Kälte und Leere, die mich wirklich trifft und beim gesamten Review gefangennimmt, selbst noch beim gefühlt hundertsten Durchlauf. Es mag nicht jedem so ergehen, aber für dieses Gesamtbild kann es nur Lob auf ganzer Linie von mir geben.


Open Minded zu sein und ein Gespür für die Kälte in unserer Gesellschaft mitzubringe, hilft durchaus die Musik von Ad Cinerem aufzusaugen. Hier wird auf beeindruckende Weise Doom geboten, der textlich tief blicken lässt und auch zwischen den Zeilen etwas bietet und auch instrumental nicht weniger anspruchsvoll ist. Einflüsse aus dem Black Metal sind fein eingewoben und bieten Abwechslung auf allen Ebenen. Mit Gänsehaut ist definitiv zu rechnen, ein großartiges Stück Musik aus dem Osten der Republik.


Tracklist

1. Into The Dark Realms Of Soul

2. Shadows Of Doubt

3. Signature Of Present

4. Coldness Went Beyond A Heart

5. Only Fragments Through the Twilight

6. Pulse Of An End

7. Possession

Weitere Informationen

Gelesen 764 mal Letzte Änderung am Samstag, 22 April 2017 16:15

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Shadows Of Doubt - Ad Cinerem Ad Cinerem

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