Samstag, 25 Februar 2017 15:03

Unter dem Radar: Mesarthim (Atmospheric Black Metal)

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Die Musik für sich sprechen lassen - das australische Black Metal-Duo Mesarthim hat sich das vorgenommen. Die beiden Musiker hinter dem Projekt nennen sich in den Booklets der Alben schlicht „.“ und „.“. Viel lässt sich also nicht über die sagen, die dem Projekt Mesarthim 2015 Leben einhauchten. Eines ist aber deutlich: Die beiden sind äußerst fleißig. Seit der Gründung erblickten mittlerweile zwei Alben, eine Single sowie vier EPs die Lautsprecher der Welt.

Der atmosphärische Black Metal erfreut sich in den letzten Jahren einer immer größeren Hörerschaft. Bei einer riesigen Dichte an Bands ist es nur verständlich, dass sich so selbst in eigentlichen Subgenres weitere Untergliederungen bilden – ja, Schubladendenken und Genre-Kategorien sind meistens Müll, im Falle Mesarthims macht die Verortung in einem bestimmten Bereich des atmosphärischen Black Metals aber durchaus Sinn. Die Band beschreibt sich selbst als „Cosmic Atmospheric Black Metal“ und so bescheuert das im ersten Moment klingen mag: es passt. Mesarthim gehören mit dieser selbstzugeschriebenen Verortung einer Reihe von Bands an, die sich immer größerer Beliebtheit erfreuen: Midnight to Odyssey, Mare Cognitum und Astral Silence, um nur einige zu nennen. Dabei ist der Topos des Weltalls, des Kosmos, allgegenwärtig. Beginnend mit dem Namen (Mesarthim, auch Gamma Arietis genannt, ist der Name eines blauen, schwachleuchtenden Sterns in der Aries-Konstellation) bis hin zur die Atmosphäre der Musik hat man sich hier der schieren Endlosigkeit verschrieben. Und das funktioniert erstaunlich gut: Nicht nur, dass sich der atmosphärische Black Metal dafür nahezu perfekt anbietet, auch aus lyrischer Sicht bietet der Topos des Weltraums viel Material. Und damit meine ich keine Alien-Geschichten á la Hypocrisy, sondern Themen wie Isolation, Einsamkeit, das Denken über Endlichkeit/Unendlichkeit, das Klarwerden der eigenen Stellung in einem solchen Gebilde.


Aktuelle Besetzung
. - Vocals

. - Other


Discography:
2015 Isolate (Album)

2016 Suffocate (Single)
2016 Pillars (EP)
2016 Spire (EP)
2016 .- -... ... . -. -.-. . (Album)
2016 The Great Filter (EP)
2016 Type III (EP)


Review zu „Isolate“



„Isolate“ war 2015 der erste Output Mesarthims. Wer eines der spärlichen Interviews mit dem Duo liest, kann erfahren, dass große Teile des Albums sogar geschrieben wurden, bevor die Band als solche überhaupt feststand. „Leicht naiv“ nennt die Band ihren Ausblick auf Dinge rückblickend - fesselnd und tiefgehend hingegen sind Attribute, die ich mit diesem grandiosen Debütalbum verbinde.


Sieben Tracks, über 53 Minuten, das ist für einen Erstling mehr als nur ordentlich und zeigt gleichzeitig auf, dass sich die Songs Zeit zum Entfalten nehmen. Das Booklet ist sehr schlicht gehalten, neben der CD findet man nur noch eine Auflistung der Songtitel sowie die spärlichen Kommentare zur Besetzung. Das Cover allerdings ist unheimlich passend: Benutzt wurde eine echte NASA-Aufnahme, die den Pferdekopfnebel zeigt – ein Teil einer Dunkelwolke im Sternenbild Orion, der in Rot- und Blautönen eine Gaswolke zeigt, die mehr einem Berg gleicht. Die Stimmung ist gesetzt.


Mesarthim haben einen Sound, dem durch Beschreibungen schwerlich genüge getan werden kann. Das liegt einerseits daran, dass Synthesizer keine kleine Rolle spielen. Aber Halt: An alle, die jetzt bereits Darkthrone angeschmissen und den Bildschirm angezündet haben! Synthesizer haben zu Recht einen schlechten Ruf im Metal, weil die meisten Bands einfach keine Ahnung haben, wie sie damit umgehen sollen. Was Mesarthim machen, passt jedoch besser, als ich es hier aufs Blatt bringen könnte! Sie arbeiten in ihrer Musik mehrschichtig: Für ruhige Passagen wird ein Piano benutzt, ansonsten bilden verschwommene Gitarren zusammen mit den Synthesizern den Ton. Das wiederum löst Verzerrungs- und Verfremdungseffekte aus, die sowohl die Leere und Kälte, aber auch die Größe des Weltalls atmosphärisch treffend widerspiegeln. Die normalerweise nicht unbedingt miteinander harmonierenden Musikquellen treffen aufeinander und eröffnen Raum für Atmosphäre und Emotionen, eröffnen einen weiten Sog. Zudem geben sie den Riffs mehr Kraft, wenn sie es doch schaffen, nach vorne durchzubrechen – beispielsweise im siebten Song, dem Bonustrack „Suffocate“. Die ein oder andere Note Prog- und Post-Rock findet zudem ihren Weg in das Klanggebilde.  


Die Musik transportiert dabei sowohl Kälte und Taubheit hinsichtlich der Größe und der Mytik des Weltalls und damit unserer nahen Nichtigkeit, gleichzeitig aber auch eine Spur Bewunderung ob der Pracht der Zufälligkeit. Eine Suche nach Emotionen in der großen Leere.


Interessant an Mesarthims Musik ist die konstante Weiterentwicklung. Keine Veröffentlichung gleicht der anderen, sondern baut entweder auf Vorherigem auf oder versucht etwas Neues.
Im Fall von „Isolate“ lohnt es sich, das gesamte Album am Stück anzuhören (u.a. auf Youtube oder Bandcamp). So entsteht ein fesselnder Sog, der nachdenklich macht. Wie fesselnd? Nun, es hat mich zwei Monate gebraucht, um festzustellen, dass es überhaupt einen Bonus Song gibt, wirkt das gesamte Album doch so stimmig, eben wie ein großes Ganzes.


Ich würde Mesarthim nicht mit dem Vermerk „speziell“ versehen, bin mir aber durchaus bewusst, dass die Art der Musik nicht jedermanns Sache ist. Zweifellos empfehle ich jedem aber, sich die Zeit zu nehmen und der Musik eine Chance zu geben – insbesondere, da es eben Musik gibt, die sich einfach nicht in Worte fassen lässt. Und genau dazu gehört Mesarthim.
Wertung: 9,5 / 10 Punkten


Tracklist
1. Osteopenia

2. Declaration
3. Interstellar
4. Abyss
5. Floating
6.Isolate

7. Suffocate (Bonus Track)

Weitere Informationen

  • Band: Mesarthim
  • Album Titel: Isolate
  • Erscheinungsdatum: 26. Juli 2015
  • Fazit: Ich würde Mesarthim nicht mit dem Vermerk „speziell“ versehen, bin mir aber durchaus bewusst, dass die Art der Musik nicht jedermanns Sache ist. Zweifellos empfehle ich jedem aber, sich die Zeit zu nehmen und der Musik eine Chance zu geben – insbesondere, da es eben Musik gibt, die sich einfach nicht in Worte fassen lässt. Und genau dazu gehört Mesarthim.
Gelesen 821 mal Letzte Änderung am Montag, 27 Februar 2017 19:17
Asgrimur

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Mesarthim - Isolate (Full Album) Mesarthim

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