Samstag, 31 Dezember 2016 14:43

Unter dem Radar: Cauchemar (Heavy/Doom Metal)

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Bei der Vielzahl an Heavy Metal Bands, die ihre Musik mit Einflüssen aus dem Doom Metal versehen, bedarf es eines besonderen Merkmals, um sich vom Rest abzuheben. Ein solches wären französische Lyrics, wie sie bei Cauchemar zu finden sind.

Cauchemar wurde 2007 in Montreal gegründet. Die erste EP „La Vierge Noire" erschien 2010, drei Jahre später folgte das erste Album „Tenebrario". Beide Tonträger erschienen beim Label Nuclear War Now!, ebenso auch das zweite Album „Chapelle ardente", welches in diesem Jahr erschien.


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Aktuelle Besetzung

Annick Giroux – Vocals

François Patry – Guitar

Andres Arango – Bass

Xavier Berthiaume – Drums


Diskographie

2010 La Vierge Noire (EP)

2013 Tenebrario

2016 Chapelle ardente


Review zu „Chapelle ardente"


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Manchmal fällt es einem schwer, in Worte zu fassen, was eine Sache (oder in diesem Fall ein Album) so besonders für einen macht. Erst mit etwas Abstand und einer daraus resultierenden nüchterneren Betrachtungsweise schafft man es zu einem späteren Zeitpunkt, das Ganze zu greifen und seiner Begeisterung Ausdruck zu verleihen.


So ging es mir mit "Chapelle ardente", dem zweiten Album von Cauchemar. Lange lief es bei mir in Heavy Rotation und faszinierte mich über viele Durchgänge hinweg. Doch als ich mehrmals (vergebens) versuchte, für "Unter dem Radar" aufzuschreiben, was mir so an diesem Album gefällt, merkte ich, dass ich das Besondere nicht bezeichnen konnte. Doch nachdem ich dem Album etwas Ruhe gönnte und mich mit anderen Sachen beschäftigte, merkte ich mit der Zeit, welche drei Punkte mir an "Chapelle ardente" so sehr gefallen haben.


Einer dieser Punkte ist die Geschlossenheit des Albums, mit der es auftritt. Vom Opener an bis zum letzten Song ist die Anordnung in sich geschlossen. Der Start mit "Nécromancie" beschwört das gesamte Album und bringt Leben in die "tote" CD und auch ins Album an sich. Denn mit "Sepolta viva", "Main de gloire" oder dem starken "Voyage au bout de la nuit" zeigen Cauchemar, dass sie sich im Heavy Metal Sektor sehr wohl fühlen. Doch auch die nachfolgenden Songs bleiben im Niveau genauso hoch wie die erste Hälfte des Albums, denn die Kanadier legen mit "Étoile d'argent" oder dem abschließenden "La nuit des âmes" noch mal ordentlich nach. Aber eigentlich ist es egal, welchen Song man sich rauspickt, keiner fällt im Leistungsniveau nach unten ab. Alle neun Songs sind bockstarke Nummern und zeigen, wie guter Heavy Metal mit Doomeinflüssen klingen muss.


Was auch am zweiten Punkt liegt - der Art, wie die Musiker ihre Instrumente spielen. Gerade die Rhythmusfraktion um Arango und Berthiaume weiß mit einer dynamischen Spielweise zu glänzen, die den Songs Schwung mitgibt und sie mal majestätisch, mal schwungvoll vorwärts trägt. Aber auch die Gitarre steht den Drums und dem Bass in nichts nach. Saustarke Riffs, die durch eine leichte Verzerrung eine Prise dreckigen Hard Rock mit einbringen, und viele feine Soli zeugen von der Klasse und dem Können von François Patry an den Saiten. Doch die wahre Stärke von Cauchemar liegt im Zusammenspiel aller Instrumente, denn erst durch die Dynamik der Rhythmusfraktion kommt die Gitarre richtig zur Geltung und andersherum.


Doch erst recht kommt durch die instrumentale Leistung der Gesang zur Geltung, womit wir beim offensichtlichsten Punkt sind, der mich an Cauchemar so fasziniert. Das liegt aber nicht an der Tatsache, dass französisch gesungen wird, sondern viel mehr an der Art und Weise, wie Annick Giroux mit den Vocals den Songs die passende Stimmung verleiht. Egal ob kraftvoll und beschwörend oder gefühlvoll und zerbrechlich, Giroux verpasst den Songs mit ihrer Glanzleistung am Mikrofon einen mystischen Schliff und lässt sie angenehm und unaufdringlich ins Okkulte gleiten.


Die Mischung aus den genannten Punkten ist es also, die für mich die Faszination von "Chapelle ardente" und von Cauchemar insgesamt ausmacht. Das zweite Album der Kanadier ist durch die Bank weg eine Meisterleistung, die einen fesselt und in ihren Bann zieht, ohne dass man viel dagegen tun kann.


Tracklist

1. Nécromancie

2. Sepolta viva

3. Funérailles célestes

4. Main de gloire

5. Voyage au bout de la nuit

6. La vallée de rois

7. L'oiseau de feu

8. Étoile d'argent

9. La nuit des âmes

Weitere Informationen

Gelesen 819 mal
eviloli

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Étoile d'argent - Cauchemar Cauchemar

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