Samstag, 18 Oktober 2014 09:01

Unter dem Radar: Punish (Technical Death Metal)

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Bandlogo Bandlogo PUNISH

Das Ragnarock Open Air ist ja immer für eine Überraschung gut und so gab es auch in diesem Jahr eine Band, die mich überraschend, dafür aber umso gründlicher, aus den Socken gehauen hat. PUNISH aus der Schweiz waren kurzfristig für SPHERON eingesprungen. Seit 18 Jahren liefert diese Band feinsten Tech Death Metal, der auch live kein bisschen an messerscharfer Präzision einbüßt. Also definitiv eine Band, die man sich (endlich) mal einprägen sollte.

Seit der Gründung 1996 war die Bandgeschichte von einigen Besetzungswechseln geprägt. Dennoch besteht die aktuelle Besetzung aus drei Gründungsmitgliedern und der 2013 hinzugestoßenen Bassistin Monika Hagman. Mit vier teilweise in Eigenveröffentlichung herausgebrachten Alben, einer Demo, einer EP und zwei Europatouren hat die Band eine ordentliche Bilanz. Das PUNISH in Zukunft die Schlagzahl noch erhöht ist nicht ganz unwahrscheinlich, wenn man sich die Resonanz des letzten Albums „Sublunar Chaos" anschaut, das bei m aufstrebendem Label Apostasy Records erschien. Viele Reviewer reiben sich die Augen und fragen sich, wie diese Band bisher (durchaus erwähnt, aber dennoch eher unbemerkt) unter dem Radar abtauchen konnte. Insbesondere in Sachen Produktion und Gesang hat die Band einen gewissen Reifeprozess durchgemacht um den Sound zu erreichen, der sie nun von anderen Bands positiv abhebt. Als wichtige Einflussgrößen hierbei wurden an anderer Stelle genannt: DEATH, SLAYER, SODOM, DESTRUCTION

Derzeit ist die Band gerade dabei ihr neustes Album fertigzustellen.

 

 

punishliveroaPUNISH live beim Ragnarock 2014 | Photo von Dark and Sweet Things

 

 

Aktuelle Besetzung:

E-Gitarre, Gesang - André Mathieu

E-Gitarre - Ralph Huber

Schlagzeug - Reto Crola

E-Bass - Monika Hagmann

 

Diskographie:

2000 Punish

2004 Three Songs of Mental Disorder (Demo)

2005 Four Songs In Morbid Lust (EP)

2007 Dawn of the Martyr

2009 Raptus

2013 Sublunar Chaos

 

 

Review zu "Sublunar Chaos"



Sublunar Chaos cover

 

 

Mir ist absolut klar, dass Tech Death Metal nicht jedermanns Sache ist, dennoch würde ich PUNISH definitiv jedem Death Metal Fan nahe legen, der in der Lage ist ein Album wirklich mal anzuhören (und nicht nur nebenher laufen zu lassen). Wollt ihr Oldschool Death Metal gepaart mit der Opulenz durchkomponierter Neo-Klassik, filigrane fast schon jazzige Passagen durchbrochen von Thrash zusammen mit soliden Death Metal Vocals – dann zieht euch Punish rein, die aus diesen scheinbar kaum vereinbaren Stilelementen eine runde Sache machen. Wem das jetzt schon zu anstrengend war, der sollte vielleicht lieber auf den Hörgenuss verzichten (oder vorsichtshalber ein paar Kopfschmerztabletten einwerfen).


Mir war es ein Fest, dieses Album zu reviewen. Metal darf meiner Meinung nach auch gerne mal komplex sein und ein bisschen weh tun. Easy listening und Nebenbeihören ist hier nicht!


Das Cover ist absolut stimmig zum Albumtitel – dem irdischen Chaos – und passt sich grafisch sehr gut dem Sound der Band an.


Trotz allem – wohl dosierten – Gefrickel an den Instrumenten sind die zehn Songs dieses Albums vom Scheitel bis zur Sohle mit der hasserfüllten Brachialität früher Death Metal Werke erfüllt. „Sublunar Chaos" macht auch in der Produktion keine Gefangenen und überzeugt mich durch einen passend zur Live-Performance von Punish sauberen, satten (nicht fetten!), stellenweise industriellen Sound.


Statt eines Intros wird mit „Incipit Chaos" direkt losgeprügelt. „Say no to slow" – ist einer der Wahlsprüche der Band und das stellen sie in einigen Frickelpassagen direkt mal anschaulich dar. Es gibt kein Erbarmen „Sublunar Black" – einer der stärksten Songs des Albums – legt direkt nach und lässt dem Hörer keine Verschnaufpause. Im Gegensatz zu den Saitenhexerorgien bleibt der Gesang solide und schnörkellos - genau nach meinem Geschmack was Death Metal betrifft.


"Selfimposed Neurotic-Corroded Ad Infinitum" ist einer dieser Songs, die einen mit gefälligen Passagen locken, um dann mit unvorhergesehenen Breaks und Stimmungswechseln anstrengend zu werden. Ich feiere diesen Mut und die Schaffenslust der Band, deren Songs man deutlich anhört, dass sie hier nichts Halbgares oder Blutleeres abliefern.


Diese verspielten, fast schon leichtfüßigen Passagen durchziehen auch den nächsten Song „Notorious Deathdealer", werden hier aber noch durch episch anmutende, tiefer getönte Riffs (fast schon auf Doomtempo) aufgewertet, um sich dann gleich wieder in den nächsten Geschwindigkeitsrausch zu stürzen.


Eigentlich hätte jeder Song sein eigens Review verdient. Um den Rahmen nicht zu sprengen, weitere Schlag- und Glanzlichter:

„Rise from the Ambush" stampfend, energiegeladen und durch wiederkehrende Motive sehr klassisch wirkend. Der mutige Headbanger könnte hier sogar mal den Kopf wackeln lassen. „Kliffoth" und „Future Repeats" sind hervorragende Beispiele, wie die Band sich in Gefrickel ergeht ohne sich zu verlieren. Der Faden wird immer wieder an der exakt richtigen Stelle neu aufgenommen. Dies setzt sich auch in „Denial Means War" fort. Hier sitzt wirklich alles an der richtigen Stelle. In einigen Reviews wurden schon Schweizer Präzisionsuhrwerke zum Vergleich herangezogen – ein Vergleich, der meiner Meinung nach hinkt. Ersetzen wir Uhrwerk durch Panzer mit dreckigem Kettenantrieb und allerhand technischen Schikanen, der sich unaufhaltsam seinen Weg bahnt, kommen wir der Sachen schon näher.


PUNISH demonstriert für mich sehr gut das Prinzip „Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers". Das Album „Sublunar Chaos" hat einige Anklänge todesmetallischer Urgesteine, ohne sich in nostalgischer Rückwendung zu verlieren. Die Essenz des Death Metals brennt hier lichterloh und wird durch technisch sauber ausgeführte und mit musikalischem Gespür für das Gesamtwerk eingeflochtenen Elementen ergänzt und aufgewertet. So zum Beispiel im vorletzten Instrumentalstück, das schlicht „M2" betitelt wurde. Ein wahres Feuerwerk! Getragen von melodischen Gitarrenparts wird es hier noch einmal richtig episch.


Zum Abschluss werden nochmal einige Schüppen Thrash nachgeladen und auch die Flitzefinger am Sechssaiter kommen noch einmal zum Einsatz für ein grandioses Finale im Song „Under Despotic Flag".


Die progressiven und technischen Elemente durchziehen das gesamte Album und dennoch gelingt PUNISH ein Spagat, der ihre Songs dennoch eingängig macht. Okay man hat hier und da das Gefühl es würde einem nachdrücklich mit einem Schlagbohrer mit überdimensionierten Korkenzieheraufsatz in den Gehörkanal gebohrt – aber dennoch (oder auch gerade deshalb) einprägsam und für den Liebhaber von komplexer Musik nicht unangenehm. Andere Kritiker bemängelten „fehlende Dynamik" im Klanggewand – Ohren auf und hingehört kann ich da nur raten!


Ein großartiges Album, eingängiger und verdaulicher, als es der Begriff „Tech Death" zunächst vermuten lässt. Ich empfehle, sich an einem kühlen Bier festzuhalten, während man sich ausschließlich mit dem Hören dieses Albums beschäftigt.

Glatte 10 von 10 Punkten.


Tracklist:

1. Incipit Chaos

2. Sublunar Black

3. Selfimposed Neurotic – Corroded Ad Infinitum Notorious Deathdealer

4. Kliffoth

5. Arise From The Ambush

6. Future Repeats

7. Denial Means War

8. M2 (Instrumental)

9. Under Despotic Flag

 

PS: Sympathisches Gimmick auf der Bandhomepage: Wer seine eigenen Saitenhexerqualitäten einmal an den Songs von Punish testen möchte, bekommt von der Band in ziemlich hervorragender Qualität die Tabulaturen gestellt. -> Guitar Tab's als Download von Punish

PSS: Zu kaufen gibt es die Scheibe übrigens abgesehen von den üblichen Verdächtigen auch direkt bei Apostasy Records. 

Weitere Informationen

  • Fazit: Punish spielen technisch präzisen hoch komplexen und dennoch eingängigen Tech Death mit Thrash und Progressive Elementen.
Gelesen 2843 mal Letzte Änderung am Sonntag, 19 Oktober 2014 12:14
Vanessa

Manche sagen, ich sei bekloppt - Ich finde mich Verhaltensorginell

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"Under Despotic Flag" PUNISH

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