Mittwoch, 07 Juni 2017 21:47

02.06.2017 - Musikbunker Aachen + Rotting Christ

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Rotting Christ Rotting Christ Musikbunker Aachen

Als ROTTING CHRIST ihr erstes Sommer-Ritual am 02.06.2017 in der Kaiserstadt Aachen abhielten, stellte sich im Vorfeld die Frage, wie viele Besucher sich wohl einfinden würden: Normalerweise steuern große Bands die westlichste Stadt Deutschlands nicht an, sondern treten in Köln oder dem Ruhrgebiet auf, und außerdem fanden parallel zwei große Festivals in der Umgebung statt. Doch der Abend hat sich gelohnt!

Tatsächlich hatten sich mehr Leute eingefunden als erwartet - auch wenn der Konzertraum des Musikbunkers nicht komplett gefüllt war, war es den Umständen entsprechend okay. Wer die Kölner Verkehrsverhältnisse kennt, weiß, dass man nicht zu früh losfahren sollte, daher wurde die lokale Vorband SCOR größtenteils verpasst. Was auch nicht weiter tragisch war, denn das, was man dann noch mitbekommen hat, war leider nichts weiter als pubertärer 08/15-Black Metal.


ROTTING CHRIST legten schließlich um 22 Uhr mit dem getragenen „Ne Zigmar“ vom aktuellen Album „Rituals“ los, das die perfekte Einstimmung auf die von Archaik, Mythologien und fernen Kulturen geprägte Show war. Mit „Kata Ton Daimona Eaytoy“ wurde das Tempo anschließend angezogen, was dem Publikum sichtlich gefiel. „Athanatoi Este“ aus dem Jahr 2004 blieb in dieser Manier, doch die Rhythmen wurden nun zunehmend ritueller. „Elthe Kurie“ heizte die Stimmung weiter ordentlich an, wobei der Song - so gut wie er auch ist – live anfangs etwas gewöhnungsbedürftig rüberkommt, da die Vocals von Danai Katsameni logischerweise nur vom Band kommen. Aber das Lied grenzt so sehr an Raserei und Ekstase, dass es nicht fehlen darf. Die Stimmung kochte inzwischen – immer wieder erstaunlich, wie viel Begeisterung ein vergleichsweise kleines Publikum manchmal versprühen kann. Die Griechen taten aber auch wirklich alles dafür! Umso schöner, dass eine so große Band sich auch in kleinen Clubs noch derart ins Zeug legt, während man bei anderen in der Größenordnung oftmals eher den Eindruck hat, als hätten sie das gar nicht mehr nötig. ROTTING CHRIST hingegen hatten auch selbst sichtbar Spaß am Gig: Ihr Auftreten vermittelte eine Mischung aus tierischer Spielfreude und spartanischer Männlichkeit – passend zur Musik. Zu den Höhepunkten zählte sicherlich auch das beschwörende „Apage Satana“, bevor mit „Sign Of Evil Existence“ und „Transform All Suffering To Plague“ vom ersten Album „Thy Mighty Contract“ (1993) etwas für die Fans der ersten Stunde geboten wurde. Stilistisch gab es an dieser Stelle einen kleinen, jedoch begrüßenswerten Bruch - es ist immer vorteilhaft, wenn Bands nicht nur neuere Sachen spielen, sondern aus verschiedenen Phasen ihres Schaffens. Mit „Forest Of N’Gai“ ging es sogar bis ins Jahr 1991 zurück. Zum rotzigen THOU ART LORD-Cover „Societas Satanas“ animierte Sänger Sakis das Publikum zum Pogo und ab ging die Post. Der Pit löste sich anschließend aber wieder auf, denn nun kam eine weitere mythologische Hymne: „In Yumen - Xibalba“. Crowdsurfer gab es aber weiterhin und die Stimmung hätte wirklich nicht besser sein können. Auch am Sound gab es zu keiner Zeit etwas zu meckern. Nach dem eingängigen „Grandis Spiritus Diavolos“ beendete die Kriegshymne „Noctis Era“ das Set. Doch wie zu erwarten war, forderte das euphorisierte Publikum Zugaben und bekam sie auch: „666“ und den Klassiker „Non Serviam“.


Wenn man diesen fantastischen Auftritt mit wenigen Worten beschreiben sollte, wären es die folgenden: Stampfende Rhythmen und exotische Klänge gepaart mit Black Metal und eine bombige testosterongeschwängerte Stimmung. Wenn die Vorband besser gepasst hätte und etwas mehr Zuschauer da gewesen wären, hätte dieser Abend keine Wünsche offen gelassen. Davon abgesehen: Super Auftritt von ROTTING CHRIST in außergewöhnlicher Bunker-Location!

 

Setlist:

1. זה נגמר (Ze Nigmar)

2. Κατά τον δαίμονα του εαυτού (Kata Ton Daimona Eaytoy)

3. Athanatoi Este

4. Ἐλθὲ κύριε (Elthe Kyrie)

5. Ἄπαγε Σατανά (Apage Satana)

6. Sign Of Evil Existence

7. Transform All Suffering To Plague

8. Forest Of N'Gai

9. Societas Satanas

10. In Yumen - Xibalba

11. Grandis Spiritus Diavolos

12. Noctis Era

13. Χ Ξ Σ (666)

14. Non Serviam


Weitere Informationen

  • Band(s): Rotting Christ, Scor
  • Wann: 02.06.2016
  • Wo: Musikbunker Aachen
Gelesen 412 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 08 Juni 2017 12:16

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