Mittwoch, 22 Februar 2017 21:31

17.12.2016 +++Odyssey to Blasphemy II+++ Impaled Nazarene, Hetroertzen, Azarath, Illum Adora, Outre, Taran, Zwielicht, Funeral Procession+++ Resonanzwerk Oberhausen

geschrieben von Anna Apostata und Lars
Flyer Flyer OtBFestival

Am 17.12.2016 fand im Oberhausener Resonanzwerk die bereits zweite Ausgabe des „Odyssey To Blasphemy“ statt. Undergrounded war selbstverständlich vor Ort!

Das „Odyssey to Blasphemy II fand in den letzten Herbsttagen nach einer äußerst erfolgreichen Erstausgabe im März statt – der Erfolg blieb bei dieser zweiten Runde jedoch aus. Gründe dafür sind nicht ganz so leicht zu finden. Einerseits fanden zum selben Zeitpunkt das Eindhoven Metal Meeting und De Mortem et Diaboli in Berlin statt – doch dürften beide Veranstaltungen außerhalb des Oberhausener Einzugsgebiets liegen–, andererseits gab es keine derzeit gehypten Headliner zu verzeichnen, auch wenn mit Impaled Nazarene und Hetroertzen wahre Szenegrößen mit im Line-Up waren!
So bleibt uns nur, ratlos die Frage an den hiesigen Black Metal-Untergrund weiterzugeben: Wo wart ihr? Aus allen Richtungen wird geschimpft, es gebe keine guten Black Metal-Veranstaltungen mehr. Es wird ein tolles Line-Up in großartiger Location präsentiert und keiner geht hin.
Jeder weiß, dass Musik ohne Kunst nicht funktioniert, und so haben die Veranstalter auch für den passenden Rahmen gesorgt, indem sie die Künstlerin Ancient Hearts eingeladen haben. Sie stellte ihren okkulten bis dunkelromantischen Schmuck, kleine Kunstwerke und Kuriositäten sowie Räuchermischungen für den heimischen Altar aus – ein Besuch an ihrem Stand hat sich definitiv gelohnt!

Funeral ProcessionFB

Das Chapter NRW kam leider erst zur zweiten Band, Funeral Procession, an. Es war nicht einmal 15 Uhr und doch hatten sich schon einige Besucher im Resonanzwerk eingefunden, wenngleich es eine überschaubare Anzahl war. Noch trauten sich die Besucher nicht allzu nahe an die Bühne, der Pegel war wohl noch nicht hoch genug. Mit sicherem Abstand wurde der Auftritt der aus Niedersachsen stammenden Band beobachtet, die wiederum trotz des – noch – schüchternen Publikums sichtlich Spaß auf der Bühne hatten. Es durften natürlich einige Klischees nicht fehlen, sodass Gitarrist C:R:A: mit Blut spuckte und einige der Bandmitglieder Corpsepaint trugen. Ihr Auftritt wirkte nicht ganz homogen, klammerte sich der Sänger über die meiste Zeit des Auftritts am Mikrofon fest, während seine beiden saitenzupfenden Kollegen die Bühne für sich nutzten, doch darf dies keinesfalls als Kritikpunkt verstanden werden, vielmehr unterstrich dieses Bild seine durchdringenden Shouts. Wie gewohnt schnappte sich Count Gothmog für den letzten Song einen menschlichen Schädel, hielt ihn lange Zeit hoch und verließ vorzeitig die Bühne, sodass die Band noch einen Moment alleine mit dem Publikum hatte.

ZwielichtFB

Die Lokalmatadore von Zwielicht, deren Mitglieder zum Teil selbst in die Organisation des Festivals involviert waren, ließen es sich nicht nehmen, ihr Debutalbum „With love from Sinister“ zum Besten zu geben. Und wenn hier steht „zum Bestendann ist das auch so gemeint, war doch der Auftritt von Zwielicht neben Hetroertzen der intensivste des Tages. Nach einem ausgiebigen Intro rotzte Sänger LCF´s Saw dem immer noch kargen Publikum seine Lyrics von „Through Blood and Ashes“ in die Fresse. Genauso stark ging es den kompletten Gig hindurch. Melodisch, trotzdem roh und unverhohlen ging der Sound der vier Musiker ins Ohr, in die Beine und natürlich in den Nacken: Erste heftige Kopfnicker konnten beobachtet werden. Nach einigen personellen Veränderungen in der Band wurden Bassist Schmerz und J.P. von Attic an den Drums akquiriert, welche für einen durchgängigen Drive an ihren Instrumenten sorgen und sich absolut in das Bandgefüge einbringen. Wer Zwielicht noch nicht auf dem Schirm hat, sollte sich auf jeden Fall das Album und einen der raren Live-Auftritte gönnen!

TaranFB


Taran aus Polen standen als nächstes auf der Bühne. Ihr Name bedeutet so viel wie „Ramme“ und so könnte man auch ihren Auftritt bezeichnen. Ihre Version des Black Metals ist roh und kompromisslos, die Bühnenperformance leidenschaftlich, auch wenn ihnen hier und da mehr Selbstsicherheit gut zu Gesicht stehen würde – Sie haben absolut keinen Grund, sich hinter irgendwem zu verstecken.
Auch wenn sie nun schon auf eine 14-jährige Bandgeschichte zurückblicken, haben sie erst im letzten Jahr ihr erstes Full-Length veröffentlicht, welches ihren Bandnamen trägt. Auf diesem lag der Fokus ihrer Setlist, auch wenn sie ihre bisherigen Veröffentlichungen dabei nicht ignorierten.

Setlist: 1. Reign Of Hellfire
2. March Of Shadows
3. Culus Regio, Eius Religo
4. Popioly
5. The Black Mark
6. Krwia Zbryzgany Nazarenski Bekart

OutreFB

Weiter ging es mit den ebenfalls aus Polen stammenden Outre. Bis es soweit war, verging aber eine Menge Zeit, die für kleinere Umbauten und Linecheck auf der Bühne und am Bierausschank vor der Bühne genutzt wurde. Doch wurde die lange Wartezeit mit einem grandiosen Auftritt der Krakauer um den charismatischen Sänger Tymek, der wie ein Derwisch über die Bühne fegte, belohnt. Großartige Dissonanzen an den Saiten und ein hervorragendes Drumming mit einem Mix aus Blastbeats und langsamen Passagen unterstützten die Songs „Shadow“ oder auch „Vengeance“ vom bei Essential Purifications erschienenen Album „Ghost Chants“. Gegen Ende der Show fand man Sänger Tymek mehr über den Bühnenboden kreuchend als aufrecht haaredrehend, was weniger der Erschöpfung als mehr der intensiven Hingebung an die dunklen Mächte geschuldet war, denn kurz danach fand man ihn im Publikum mindestens genauso hart haareschüttelnd wieder.

Illum AdoraFB

Illum Adora aus Koblenz haben noch nicht allzu viel auf ihrem Kerbholz, wenn es um Veröffentlichungen geht, doch sind ihre Mitglieder durch andere Projekte mehr als live-erprobt – und das merkt man ihnen auch an. Sänger Hurricane Hellfukker sollte durch Zarathustra bekannt sein, doch dieses Projekt ist seit längerer Zeit auf Eis gelegt. An dieser Stelle sei auch erwähnt, dass Hurricane Hellfukker seinem Namen alle Ehre machte und wie aufgestachelt über die Bühne fegte, keine Sekunde stillstand und dabei wie der Teufel selbst ins Mikro growlte. Und dann verstand man plötzlich die Aufforderung, welche hinter ihrem Bandnamen, Illum Adora, steckt – Bete jenen an!

AzarathFB
Azarath durchbrachen mit ihrem oldschooligen Blackened Deathmetal zum ersten Mal des Tages die düstere Black Metal-Wand. Die bereits seit Ende der Neunziger aktiven Polen konnten mit ordentlichem Black-Death à la älteren Behemoth überzeugen. Vielleicht ein Einfluss den Drummer Inferno auf die Band ausübt? Auch Sänger und Gitarrist Necrosodom ist kein unbekanntes Licht in der Szene, sieht man ihn doch unter anderem mit Deus Mortem oder Plaga auf der Bühne. Nichtsdestotrotz folgte eine wiederum lange Umbauphase...

HetroertzenFB
Zugegebenermaßen wirkten Hetroertzen zunächst etwas grotesk, teilweise Androgyn. Fakt ist: Hetroertzen lieferten die – bei weitem – intensivste Show des Tages.
Unverständlicherweise haben sich viele Besucher noch vor Beginn ihres Auftritts aus dem Resonanzwerk verabschiedet. Ob das etwas mit der 35-minütigen Verzögerung zu tun hatte? Sehr gut möglich ist es in jedem Fall!
Sechs Gasflammen trennten die Bühne vom Zuschauerraum, legten jedoch einiges an Atmosphäre dazu. Ein ritueller Charakter entstand, endlich verlor das Publikum auch die restlichen Hemmungen, sodass sie direkt vor die Bühne traten. Jeder Song wurde von Sänger Anubis bedeutungsträchtig eingeleitet, wobei er seine eindrucksvolle Stimme gekonnt pointiert einsetzte. Mit „The Rose And The Cross“ war – subjektiv gesehen – der stimmungstechnische Klimax erreicht. Einfach fantastisch, was die Schweden da auf die Bühne gebracht haben!

ImpaledFB

Zu Impaled Nazarene wurde es nochmal voll und heiß vor der Bühne. Die verbliebenen etwa einhundert Gäste feierten die Finnen, welche sich in ihrer Landessprache ankündigten. Auch bei weiteren Ankündigungen merkte man schnell: Englisch oder gar Deutsch sprechen möchte Shouter Slutti666 nicht. In der letzten Stunde des Odyssey feuerte die Band etwa 15 ihrer Drei-Minuten-Songs durch, immer wieder unterbrochen von kurzen Ansagen. Schnell, unbarmherzig und rigoros laut zogen die Black Metal-Veteranen ihr Programm durch. Natürlich auf Finnisch. Was denn sonst? Mit dem ersten und Satan sei Dank auch einzigen Pogo vor der Bühne verabschiedete sich das Festival von seinen Besuchern.

 

Fazit: Nach der äußerst erfolgreichen Erstausgabe des „Odyssey To Blasphemy“ im März war eine zweite Runde die nötige Konsequenz – ob diese so kurz vor Weihnachten und an einem Wochenende, an welchem noch zwei weitere Großveranstaltungen, die dasselbe Publikum bedienten, gut platziert war, bezweifelt die Undergrounded-Redaktion. Sehr schade, denn das Line-Up war, wie auch schon im März, überragend und diese Veranstaltung hätte mehr Publikum wirklich verdient gehabt.
Positiv zu bewerten ist, dass die Veranstalter dem Oberhausener Resonanzwerk treu geblieben sind. Eine bessere Konzert-Location, gerade auch für dieses Genre, ist wohl weit und breit nicht zu finden und bietet neben der perfekten Größe auch einen überragenden Sound, lässt man erstmal die richtigen Leute ans Mischpult.
Ein weiterer großer Pluspunkt war auch der Stand von Künstlerin Ancient Hearts, der thematisch mehr als passend zu dieser Veranstaltung passte und eine schöne Ergänzung zum musikalischen Programm lieferte.

Weitere Informationen

  • Band(s): Impaled Nazarene, Hetroertzen, Azarath, Illum Adora, Outre, Taran, Zwielicht, Funeral Procession
  • Wann: 17.12.2016
  • Wo: Resonanzwerk Oberhausen
Gelesen 837 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 22 Februar 2017 22:48

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