Sonntag, 06 August 2017 15:50

30.06-02.07.2017 - Tuska Open Air, Suvilahti, Helsinki + Vorna + Baptism + Huora +++

geschrieben von Alexandra Krautz
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Sommer? In Finnland? Ja, Gerüchten zufolge soll es das geben, aber an diesem Wochenende war es besonders kalt und regnerisch. Dafür sorgte das Tuska Festival mit "Schmerz" der teuflischen Sorte. Mit dabei waren Demonztrator, Barathrum, Jimsonweed, Mind Riot und viele weitere Underground-Bands...

die sich neben den großen Bands wie HIM, Sabaton, Mastodon, Mayhem und weiteren abrackerten, um den Metalheads ordentlich Feuer unter dem Hintern zu machen. Und damit herzlich willkommen in Helsinki auf dem Tuska Open Air Metal Festival!

 

Freitag:

Müdigkeit suchte man vergebens und den Musikliebhabern vor den Toren brannte der Boden unter den Füßen weg, als um 13 Uhr endlich die Schleusen geöffnet wurden. Wir von Undergrounded mischten kräftig mit und warfen einen Blick auf das Gelände in Suvilahti. Wie im Jahr zuvor warteten die Veranstalter mit insgesamt 4 Bühnen auf – eine Hauptbühne (Radio Rock) draußen, die Zeltbühne (Väkevä), die Inferno-Bühne im Club und die ganz kleine Bühne im brutzelheißen Solmusali. Dazu gab es noch einige Futterstände, Merch, reichlich Anlaufstellen, um sich die Kehle zu befeuchten, und so weiter... wie man das auf einem ordentlichen Sommerfestival eben gewohnt ist. Nun aber zum wichtigsten Teil des Festivals: den Shows!

 

Während sich einige Besucher zur Bühne im Zelt verkrümelten, auf der schon bald die ersten musikalischen Nackenschellen verteilt wurden, schlenderten wir gemächlich in den Club. Dort wartete Finnlands größte Hure auf uns - wortwörtlich! Huora [finnisch für "Hure"] aus dem wunderschönen Städtchen Tampere versprachen ihren selbst benannten "Gagball-Kyrpämetal" (Wenn ich "kyprä" auch noch übersetze, könnten wir aus dem Metalmag bald eine Pornoseite machen ;).) Jedenfalls gab es mit der stark an Punk angelehnten Musik und finnischen Texten mächtig auf die Lauscher. Die Laune der Fans stieg rasant, noch bevor uns mit Kohti Tuhoa [finnisch für "in Richtung Zerstörung"] die nächste Hardcore- / Punk-Klatsche um die Ohren flog. Die kurzen aber prägnanten finnischen Songs sorgten für den ein oder anderen rasanten Wirbel im Publikum – nichts für Zartbesaitete.

Bei dem Tempo wäre uns ohne Umbaupausen schnell die Puste ausgegangen, aber so konnten wir ein wenig Energie in Form von Bier, Lonkero, Cider & Co. tanken, ehe ein Mix aus Hardcore, Punk, Thrash und einer Prise Heavy Metal ins Haus standen. Mit der heimischen Truppe Ratface wurden abermals die Köpfe wild durch die Gegend geschleudert und der Schweiß rann uns aus jeder Pore. Dafür wurde es anschließend bei Baptism ernster mit düster-schaurigem Black Metal made in Finland. Durch die von Satanismus, Anti-Christentum, Tod und Hass geprägten Songs und der eindrucksvollen Black Metal Stimme des Frontmanns Lord Sargofagian entstand eine höllisch feurige Atmosphäre mit einer gesunden Abwechslung von Melodie und purem "Auf-die-Schnauze", was keinen so schnell losließ. 1:0 für Baptism!

 

Natürlich haben wir ab und zu einen Blick auf die Bühnen draußen geworfen, alleine schon deshalb, um dem "Sauna-Wetter" in der kleinen Halle für einen kurzen Moment zu entfliehen. Zu einem solchen Zeitpunkt standen Brujeria aus Übersee auf der Zeltbühne und heizten den Metalheads mit einem ordentlichen Grindcore- / Death-Mix und spanischen Lyrics gewaltig ein. Im Anschluss nahmen wir noch 5 Minuten lang schmächliche Ohrfeigen von Suicidal Tendencies entgegen, ehe wir uns wieder in den Club zurückzogen, um uns bei Pekko Käppi & K:H:H:L mit gemütlichem Transblues und Rock ein wenig zurückzulehnen und zu chillen. Ein Liegestuhl wäre angenehm gewesen, während uns die ruhigen Songs durch die Gehörgänge krochen.


Nach einer halbstündigen Pause stand das nächste Massaker an: Barathrum aus HELLsinki. Mit ihrer neuesten Scheibe "Fanatiko" (2017) in der Tasche bewiesen Demonos Sova sowie die schon häufiger ausgewechselten Bandmitglieder, dass sie über die Jahre nichts von ihrem düsteren, doomigen Black Metal Charme verloren haben. Das übertrug sich auch rasch auf die Fans vor der Bühne, die im Laufe der Show immer weiter in den Abgrund [latein: Barathrum] gezogen wurden. Eine Pause stand uns noch bevor, ehe der Tag dem Ende zuging. Noch einmal kantaperten wir zurück in die Sauna - der Club war gesteckt voll. Das war wohl kaum das Resultat mangelnden Talents seitens des musikalischen Genies Devin Townsend, sondern vielmehr die Vorfreude auf den heutigen Hauptact in der kleinen Halle. Trap Them aus dem "verschlafenen" Seattle waren am Zug, die Metalheads mit Extreme Metal, Punk und Core noch weiter zu verdreschen. Dieses Vorhaben ging auf und im Club ging es 45 Minuten lang rund - im wahrsten Sinne des Wortes.

 

Einigermaßen verschwitzt aber glücklich und gut durchgerüttelt krochen wir aus dem Club zur nächsten Schüttelparty. Die Oldschool Truppe Mayhem drückte im Zelt ordentlich auf das Pedal. Für uns hieß das so nahe wie möglich an die Frontlinie. Nicht zuletzt durch Varg Vikernes’ (a.k.a. Count Grishnackh, Greven) Mord an dem ehemaligen Gitarristen Øystein "Euronymous" Aarseth in 1993 war die Band weltweit bekannt geworden. Die Truppe um Attila Csihar ließ sich nicht davon abhalten, ihren Black Metal angehauchten Extreme Metal hemmungslos in die Zuschauermenge zu hämmern. Wir beteiligten uns bereitwillig an dem Chaos, bis uns der Kopf schwindelig wurde und die Schattenspielshow der Norweger endete. Für uns war es anschließend an der Zeit, den Tag auf dem Gelände zu beenden. Und während den Fans vor der Hauptbühne von den Posern Sabaton der verlängerte Rücken gekrault wurde, verzogen wir uns ins Virgin Oil, in dem es an diesem späten Abend 3x gute Laune abzuholen gab.


Und voller hätte der Club nicht sein können. Schon beim Betreten musste man sich an allen Ecken und Enden durch die Menge zwängen, um ein Stückchen näher an die Bühne zu kommen, auf der Mørket [norwegisch für "die Dunkelheit"] ihr Bestes gaben. Mit finnischen Texten und deftigem Black Metal / Punk Rock sowie Prog sorgten sie von Anfang an für eine ausgelassene Stimmung und extrem gutes Nackentraining. Eine weitere finnische Schelle gab es von dem nachfolgenden Trupp Vorna. Die nach einem Folklorehelden aus Karelien benannte Band überzeugte mit etwas düsterem Melodic Metal, gemischt mit klassischen, melancholischen Elementen und einer Black Metal Stimme, die einem im Handumdrehen eine Gänsehaut auf den ganzen Körper zauberte.

Zum Schluss gab es von den Herzensbrechern von Barren Earth ordentlich auf die Löffel. Diesmal mussten die Fans auf Sami Yli-Sirniö verzichten, der sich zu der Zeit mit Kreator in Schweden herumtrieb, was aber durch den Ersatzgitarristen nicht allzu sehr auffiel. Jón Aldará & Co. traten mächtig aufs Pedal, was sich in einer riesigen Manie vor der Bühne lautstark äußerte. Bis zum allerletzten Ton feierten die Fans, obwohl sie laut dem Frontmann "fucking tired" sein müssten. So falsch lag er damit gar nicht, denn wir waren nicht die einzigen, die nach der Party auf allen Vieren aus dem Club wankten, dafür aber überglücklich in unsere Kissen fielen.

 

Samstag

Oh, geheiligtes Insomnia! Wie haben wir dich vermisst. Mit einem Blick in die Gesichter vieler Besucher und Pressekollegen war klar, dass wir einmal mehr nicht die einzigen waren. Der bewölkte Himmel mit zeitweiligen Regenschauern trug auch nicht gerade dazu bei, wach zu werden. Auf dem Weg in den Club folgten uns ein paar Death Metal Töne von Lik aus Stockholm, welche an diesem Tag das Tuska auf der Hauptbühne eröffnen durften. Immerhin ein kleiner Wachmacher, bevor wir den Club betraten.

 

Der war auch bitter nötig. An der Leistung der Band Alabama Kush aus Helsinki mit ihrer "space-stoner-instrumental" Musik gab es nichts zu meckern, für uns wäre die Truppe jedoch eher etwas für einen späteren Abend mit ausgeschlafenem Gemüt besser gewesen, anstatt nach dem vorherigen ultralangen, mit literweise leicht alkoholhaltiger Flüssigkeit gefüllten Tag. Darum verkrümelten wir uns in eine Ecke und warteten auf die lokale Black Metal Gruppe Paara. Als diese die Bühne betraten, war mit einem Schlag alle Müdigkeit vergessen, denn der zum größten Teil recht melodische Black Metal kroch uns durch Mark und Bein - auf eine sehr angenehme Weise. Mit finnischen Texten verwöhnte uns der Fünfer nach Strich und Faden, und es wurde auch nicht auf Songs mit weiblicher Begleitung verzichtet. Respekt!


Während Mokoma im Zelt die Menge zum Schwitzen brachte, gönnten wir uns nach dem Black Metal Wirbel eine kleine Auszeit, ehe es schon wieder zurück zur Inferno-Stage ging. Dort erwartete uns mit Throes Of Dawn progressiver Dark Metal, der allerdings mehr an Pink Floyd erinnerte, als an ohrfeigende Metalmucke. Es war ein wenig Erholung für die Nacken aller Metalheads und eine gelungene Abwechslung, die sich draußen auf der Radio Rock Bühne mit Timo Rautiainen & Trio Niskalaukaus [finnisch für "Trio Genickschuss"] als eine der kommerziell erfolgreichsten finnischen Metalbands auf angenehmste Art und Weise fortsetzte. Die in 2006 aufgelöste Band formierte sich erneut und bescherte uns allen eine melodische Ganzkörpermassage. Leider stand dann aber schon die nächste musikalische Kräutermischung im Club an. Ein Mix aus Post Punk, Occult Rock, Proto Metal sowie psychedelischen Klängen versprach die lokale Combo Sleep Of Monsters. Was sich so exotisch anhört, hat sich gewaltig gewaschen: Eingängige Melodien und gelungene Tempowechsel von einer doch recht gut gelaunten Band.

 

Da uns direkt im Anschluss schon der nächste Anschlag bevorstand, verabschiedeten wir uns hastig und verkrümelten uns an die Zeltbühne, um uns eine deftige Thrash Metal Klatsche abzuholen. Die Youngsters von Lost Society sind mittlerweile von finnischen Bühnen nicht mehr wegzudenken. Diese Band war und ist eine der vielversprechendsten Nachwuchsbands und wurde bereits zweimal auf das Tuska gebucht - zu Recht, denn selbst die ein oder andere Thrash Größe kann sich bei diesen sympathischen Jungs eine dicke Scheibe abschneiden. Zu ihrem ohnehin erstklassigen Sound stand Spaß sowohl für Band als auch Fans dicke im Vordergrund. Top Leistung! Wieder zurück im Club hatte Gitarrist und Sänger Tuomo Saikkonen (Mokoma) mit der Alternative Metal Band Mind Riot seine zweite Show an diesem Tag. Und was soll man sagen? Der finnische Vierer ging ab wie ein Zäpfchen mit Vaseline. Abwechselnd ruppige Riffs, teils sanfte Elemente mit anschließenden Backpfeifen klingelten bis lange nach der Show in unseren Ohren, und die Band hatte nicht nur uns an diesem Tag als Fans gewonnen. Und während draußen Soilwork den Fans vor der Hauptbühne in den Hintern trat, bereiteten wir uns seelisch auf "Shock Industrial Metal" aus dem Hause Fear Of Domination aus Nurmijärvi vor. Die seit über zehn Jahren bestehende Band erinnerte stark an die Symphonic Death Metal Band Shade Empire mit einer kleinen Prise mehr Industrial, was aber nichts Schlechtes heißen muss. Die Metalheads in der Halle waren begeistert - wir ebenfalls.

 

Ein Sixpack von Herzensbrechern erwartete uns, kurz nachdem wir aus dem Club gestolpert waren. Mit Amorphis aus der finnischen Hauptstadt war die Grillsaison abermals eröffnet worden: Mit feuriger Pyrotechnik wurden die Fans in den ersten paar Reihen flambiert und die Reihen dahinter gut geräuchert. Nachdem auch der alte und neue Bassist Olli-Pekka Laine nach der gestrigen, sehr späten Show von Barren Earth aus dem Koma erwacht war, ging es auf der Bühne rund wie in einem Mixer. Vor der Bühne stapelten sich die Fans wie Frauen vor einem großen Schuhausverkauf, und das aus mehr als einem Grund. Auch wenn Amorphis in der Hauptstadtregion fast so oft live zu sehen ist, wie Sterne in einer wolkenlosen Nacht, so kann man doch nie genug von ihnen bekommen!!!

Sich loszureißen war daher nahezu ein Ding der Unmöglichkeit, aber wir waren ja nicht nur zum Spaß auf dem Tuska ;) Eine recht frische Thrash Metal Band hatte uns am Vortag eingeladen, ihrer Show beizuwohnen, und dieser Bitte kamen wir natürlich nach. Gegründet in 2016 mussten Demonztrator beweisen, dass sie zu Recht als Club-Headliner an diesem Tag gebucht wurden. Ihrem Motto, finnischen Metal Songs aus den 1980ern neues Leben einzuhauchen, folgten sie wie Küken ihrer Entenmutter. Dabei machten sie eine alles andere als schlechte Figur und waren mehr als nur billiger Abklatsch längst vergangener Tage, und das mit ordentlich Druck. "Speed doesn’t kill… thrash is the proof!" (*Demonztrator). Nach der einstündigen Show ging es zum letzten Mal an diesem Tag nach draußen. Auf dem Weg, die Luft aus unseren Trinkbechern zu lassen, liefen uns düstere Klänge aus dem Zelt nach. Triptykon aus dem wunderschönen Zürich hämmerten ihren Sound à la "Darkness And Diversity" in die Gehörgänge der Besucher. Da für uns der Tag bis Mitternacht noch lange genug dauern sollte, entschlossen wir uns dazu, vor dem heutigen Headliner unsere Kehlen zu befeuchten und zu entspannen.

 

Um kurz nach zehn Uhr abends war der Platz vor der Hauptbühne gesteckt voll und alle warteten gespannt auf HIM, die ihren Abschied vor nicht allzu langer Zeit angekündigt hatten. Bis Ende 2017 kann man die Band noch auf einigen Bühnen sehen, bevor sie – wohl zum 31.12.2017 in Helsinki – endgültig die Bretter verlassen. Ob sie wohl wiederkommen? Hm. Dass zumindest eine Pause vonnöten ist, sah man schon kurze Zeit nach Beginn der Show, als "His Infernal Majesty" Ville Valo himself auftauchte. Eine wahnsinnig rasante Show war man von ihm ohnehin nicht gewohnt, doch zum Leidwesen der Besucher vor der Bühne, die nicht dem HIM Wahn verfallen waren, stand er zumeist wie angewurzelt auf den Brettern mit einem angestrengten Blick auf die Songtexte vor ihm auf dem Boden. Seine Stimme selbst war ebenfalls stark angeschlagen, was den ein oder anderen nicht ganz so korrekt getroffenen Ton hervorrief.

HIM Fans störte das herzlich wenig. Ihr Held bekam zum 20-jährigen Tuska-Jubiläum die längste Showzeit zugeschrieben, und das feierten sie mit Applaus und lautem Getöse. Zeitweilig übernahmen die Fans den Gesang, der oftmals lauter als die Musik über das Gelände rauschte. Und dies muss man neidlos anerkennen, ob man HIM mag oder nicht. Im Laufe der Show taute Ville etwas auf und wurde einigermaßen locker, ehe es zum Abschluss des Gigs ein nettes kleines Feuerwerk auf Kosten der Veranstalter für alle Tuska-Besucher gab. Alles in allem ein gelungener Abschluss des zweiten Festivaltages.

 

Zur After Show Party mit Blind Channel, Tryer und Delta Enigma kamen wir aber leider nicht mehr. Die Müdigkeit übermannte uns und wir waren teuflisch froh darüber, einigermaßen unfallfrei nach Hause gekommen zu sein, bevor uns der letzte Tag schon bald einholte.

 

Sonntag

Der Sonntag war eher ein kurzer Tag, dafür hatte er es aber in sich - und zur Abwechslung schien auch mal die Sonne. Mit ein wenig mehr Schlaf hinter uns kamen wir nicht ganz so bucklig daher wie am Tag zuvor. Dafür gab es "am frühen Morgen" von einem Newcomer mit dem für Metalheads unheimlichen Namen Where’s My Bible schon ordentlich auf die Backen. Ein gesunder Mischmasch aus Death’n’Roll, Metal Rock und Hardcore sorgte bei Frühaufstehern für gute Laune und ließ uns förmlich in den Club auf der anderen Seite des Areals schweben.

 

Zehn Jahre sind seit der Gründung der Band Amendfoil bereits vergangen und ihr progressiver Metal, gepaart mit alternativem Rock, hat sich im Laufe der Zeit mächtig weiterentwickelt. Umso verwunderlicher und trauriger war es, gerade diese Band sonntagmorgens auf der kleinen Clubbühne zu sehen. Mit ihrem noch recht frischen zweiten Full length Album hatten wir auf ein wenig mehr gehofft; ganz abgesehen von der Tatsache, dass sie vor Jahren schon eine "bessere Stellung" auf dem Tuska innehatten. Der sympathische Dreier selbst machte sich darum keinen Kopf und die Jungs hauten mächtig rein, was sich rasend schnell auf die viel zu wenigen Clubbesucher übertrug. Sei es drum, Amendfoil haben WIR nicht zum letzten Mal gesehen - so viel steht fest. Nach einer kurzen Pause und ein paar Power Metal Nackenschellen von Battle Beast auf der Zeltbühne, ging es für uns in der Halle weiter. Erst kürzlich von ihrer Sommer Tour zurückgekehrt, standen The Raven Age von der großen britischen Insel auf der kleinen Bühne. Einige Zehntausend Klicks auf ihren YouTube Videos sowie die Auszeichnung "Best New Band 2017" der Planet Rock Awards waren zwei vielversprechende Gründe, sich die Band genauer anzusehen. Klassisch melodischer Metal mit reichlich Abwechslung und einer Gänsehautstimme zogen nicht nur uns in ihren Bann, wofür sie mehr als verdient lauten Applaus aus den Zuschauerreihen ernteten.

 

Um für den nächsten Act ein paar Meter Luft zu schnappen, schlichen wir uns aus der doch recht warm gewordenen Halle nach draußen, wo uns eine vertraute Stimme in die Gehörgänge kroch. Ex-Accept und U.D.O.-Sänger Udo Dirkschneider gab mit seinem Soloprojekt Dirkschneider auf der Radio Rock-Bühne gewaltig Gas - und das in seinem Alter. Ein witziger Anblick war es schon, dennoch muss man sich eingestehen, dass er trotz Schnee auf dem Gipfel gesanglich sehr vielen Heavy Metal Sängern mit seiner Reibeisenstimme nach wie vor um Längen voraus ist. Viel Zeit hatten wir leider nicht übrig, denn es stand ein Gig der Extraklasse an. Auch ohne sich erst einen reinzuziehen, waren die wiedervereinigten Musiker von Jimsonweed für eine Menge Festivalgänger DIE Anlaufstelle an diesem Tag. In erster Linie durch ihr Aushängeschild Sami Yli-Sirniö (Kreator, Barren Earth, Waltari, etc.) und dem neulich hinzugekommenen Santeri Kallio (Amorphis, Verenpisara), war schon kurz nach Beginn der Show die Halle gesteckt voll. Göttlich abgestimmte Rock’n’Roll Mucke und die unverkennbare Stimme von Sänger Suho Superstar trugen zu einem rundum-sorglos-Paket inklusive Entspannungskur bei. Ein wirklich erstklassiger Gig der Superlative! Schade, dass die Show nach knapp 45 Minuten schon vorbei war und wir in das Zelt zu Baroness mit anschließendem 5-minütigen Sonnenbaden vor der Hauptbühne geschickt wurden. Mehr Zeit für die finnischen (fast schon National-) Helden Apocalyptica, die derzeit mit ihrem Metallica-Cover-Programm auf den Bühnen der Welt unterwegs sind, hatten wir leider nicht. Dafür begleitete uns der Gesang der Metalheads bis in das hinterste, dunkelste Eck des Clubs.

 

Das hielt allerdings nicht allzu lange an, denn uns sollten mit Oranssi Pazuzu schon bald die Ohren weggeblasen werden. Nicht zum ersten Mal stand diese Combo auf einer der Tuska Bühnen, aber diesmal erstmalig als Club Sonntags-Headliner. Ihr charakteristischer Crossover Gewürzmix aus Black Metal, Space Rock, psychedelischen sowie experimentellen Einflüssen und finnischen Songtexten machen die Band zu einem sensationellen Erlebnis. Für jeden Geschmack war etwas dabei und auf der Bühne gab es reichlich Bewegung. Somit wurde es über die gesamte Showzeit von einer Stunde nicht für eine einzige Sekunde langweilig. Der tosende Applaus und die lauten Zurufe waren mehr als verdient. Damit war im Club für dieses Jahr Schluss, nicht jedoch für diesen Tag. Kaum der Halle entkommen, sorgten Sonata Arctica auf der Zeltbühne für gute Laune. Zur Abwechslung einmal ohne Holzfällerhemd zeigte sich Sänger Tony Kakko äußerst publikumsfreundlich und lud die Fans zum Mitsingen ein, was diese lautstark annahmen und fast schon lauter waren als Kakko selbst. Respekt an die Band und die Fans!


Wie alles ein Ende hat, so ging auch der dritte Tag des Tuska Festivals seinem Ende entgegen. Den letzten Knüller wollten wir uns aber nicht vorenthalten und klammerten uns mit letzter Kraft an die Radio Rock Stage. Nachdem sie über den großen Teich gesegelt waren, erschienen Mastodon sogleich auf der Bühne. Bei strahlendem Sonnenschein entfesselten die Amerikaner ihre Rüsseltiere in Form von progressivem Metal mit gut portioniertem Sludge. Die Metalheads vor der Bühne ließen sich nach ein paar Songs anstecken, und die Band bekam ein Meer aus rockenden Armen zu Gesicht. Nach knapp eineinhalb Stunden gab es von den sympathischen Jungs ein "And we love you" mit anschließender musikalischer Extraeinlage, bevor die Schotten des diesjährigen Tuska Metal Festivals bis zum nächsten Jahr geschlossen wurden.

 

Leider gab es keine After Show an diesem Abend, aber wir waren ohnehin reif für die Insel... wahlweise auch für die Klapse :D Zum Abschluss hätten wir gerne noch ein detaillierteres Résumé gezogen, allerdings waren die Shows der meisten Bands so hervorragend, dass wir an dieser Stelle gar keine einzelnen Namen mehr aufführen möchten. Ein letztes Wort soll jedoch an die Veranstalter gerichtet sein, die es zum 20. Mal geschafft hatten, ein irrsinnig spaßiges Event auf die Beine zu stellen, und dafür sind wir dankbar. Nicht zuletzt aus diesem Grund würden wir uns wahnsinnig freuen, in 2018 ebenfalls wieder dabei sein zu dürfen. Und das allerletzte Wort gilt dir... ja, genau DIR: Vielen Dank fürs Lesen!

 

Bilder: prkl-pics.com

Weitere Informationen

  • Band(s): Vorna + Baptism + Huora + Mastodon + Brujeria + Barathrum + Mayhem +++
  • Wann: 30.06.2017
  • Wo: Suvilahti, Helsinki
Gelesen 196 mal Letzte Änderung am Sonntag, 06 August 2017 16:08

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