Mittwoch, 22 März 2017 15:16

18.03.2017 – Drohende Schatten – Speyer War Mass, Halle 101 + Destroyer 666 + Urn + Bölzer +++

geschrieben von Ghostwriter(s)
Artikel bewerten
(6 Stimmen)

Nach einer frühlingshaften Woche, welche die ersten Blüten, warmen Tage und Sonne bescherten, kam der Kälteeinbruch zum War Mass wie bestellt. Grvm, cvld und regnerisch sollte der Tag werden, jedoch blieben die Fans von diesem Wetter unbeeindruckt. Nur wenige Monate nach dem Sinister Howling pilgerten die Menschen wieder zur Halle 101, denn mit DESTRÖYER 666 und URN hatten die „Drohende Schatten“ ein Billing zusammengestellt, das es in sich hatte.

Pünktlich, eine halbe Stunde nach Einlass, gaben die Franzosen von EINSICHT den Einstand. Obwohl die Band das harte Los des Openers gezogen hat, waren bei der ersten Show nicht gerade wenig Zuschauer vor der Bühne. Nichtsdestotrotz hatte die Truppe mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Sängerin Spleen schunkelte etwas mutlos über die Bühne, während Drummer, Gitarrist und Bassist schon mehr Power auf die Bühne brachten. Die Kost war gefühlt etwas eintönig, eine Mischung aus Black'n'Roll und Groove-Elementen. Ihre Musik wusste technisch zu überzeugen, jedoch blieb eine Regung im Publikum weitestgehend aus.

Gegen Ende wurde die Kombo wohl etwas wütend auf die schwerfällige Menge und sie brachen mit allen Klischees. So sollte ihre Version von PANTERAS „Fucking Hostile“ der Meute endlich eine Reaktion entlocken – dies dürfte wohl der erste funktionierende Song gewesen sein. Die letzte Nummer wurde dem „Hangover“ gewidmet und die Band damit ausgerufen. Alles in Allem jedoch ein guter Start, der noch etwas mäßig die Massen auflockerte.

IMG 4105einsicht  IMG 4178schrat

Beißender Dampf waberte schon während der Umbaupause durch die Halle und stimmte olfaktorisch darauf ein, was gleich auf die Bühne gekrochen kam. SCHRAT ist schon seit einigen Jahren ein immer heiß gehandelter Geheimtipp und auch heute zogen sie eine große Meute vor die Bühne. Obwohl sie in der Abfolge an zweiter Stelle standen, merkte man schon, wie sich die ersten Reihen verdichteten. Entsprechend hatten sich dann auch wesentlich mehr Headbangen und ähnliche Aktivitäten in der Menge beobachten lassen, welche der Stimmung merklich gut tat. Kraftvoll trugen Nastrond am Mikro, Blodspan und Skilnir an der Gitarre ihren Teil dazu bei, warum sie zu Recht gehyped werden. Das Programm war alles andere als monoton und so wurde z.B. aus der aktuellen „Artefakt“ EP der Song ‚Flutaktion‘ angespielt. Auch ‚Schwarze Brut‘ aus dem letzten Studioalbum „Schattenwahn“ wurde rigoros von der Masse gefeiert. Obgleich sich die Spielzeit bloß auf 35min beschränkte, wurde bis zum Schluss durchgeholzt. Eine absolut überzeugende Performance, von der ersten bis zur letzten Minute.


Den Preis für das bisher ausgefallenste Bühnenbild gewann auf jeden Fall MOSAIC. Kerzen, Banner, mit Getreide umwickelte Mikrofonständer und Schädel von Rehwild zierten die Stage, als die Band die Bühne betrat. Passend dazu erschien auch Sänger Inkantator Koura, der das Ganze Bild nochmals abrundete - Ein wie Faun golden glänzender Gott. Mal getragen, mal aus sich heraus explodierend, schüttelte sich Koura den (Gold)-Staub aus den Haaren. Diese Performance war alles andere als nur ein Konzert, war es vielmehr eine Zeremonie für die Sinne. Ein Output des Gigs wird bald auf unserem Youtubekanal erscheinen!

IMG 4276mosaic IMG 4486mosaic

Der Künstler nahm sich währenddessen auch die Zeit, um einige Besucher zu salben. Verzaubert davon ließ sich das Publikum von dem Bühnenspektakel treiben und während des gesamten Auftritts sah man auch einige Leute mit Tränen in den Augen, die von diesem Spektakel besonders ergriffen waren. Zur visuellen Unterstützung der Atmosphäre trugen immer wieder Nebel sowie Lichtspiele bei. Absolute Gänsehaut!


An nächster Stelle stand das polnische Trio von BESTIAL RAIDS auf dem Programm, die sich im krassen Kontrast zu Mosaic bühnentechnisch nur auf das nötigste beschränkten. Hier ist Minimalismus die Devise und auch die Musik wartete mit nicht weniger auf, als mit brutaler Oldschool Eintönigkeit.Während Sänger Sadist der einzige erkennbare „Charakter“ auf der Bühne war, konnte man Gitarrist Necron und Drummer Desolator hinter ihren Gasmasken nur schemenhaft erahnen, was der ganzen Performance nochmal Material für Albträume bescherte. Vielleicht genau das, auf was das Publikum gewartet hatte, denn die Menge verfiel in wilde Raserei und es flogen die Haare, während die Wellenbrecher beweisen mussten, wie widerstandsfähig sie wirklich sind.

Das Wort Pause schien für die Band ein Fremdwort zu sein und so zog sich ein Knüppelsong nach dem anderen durch die Setlist. Wer auf klassischem War Metal steht, wird mit dieser Band seine Freude haben. Die Parallelen zu HELLHAMMER sind unschwer zu erkennen, nicht zuletzt, weil der eigene Bandname an die Scheibe „Apocalyptic Raids“ angelehnt ist. Definitiv eine Show, die sich klar von den bisherigen abhebte.


Damit sind sie auch der perfekte Vorlauf für CRIMSON MOON, die nach 10 Jahren Abwesenheit wieder die Bühne betraten. Parallel zelebrierte die Truppe an dem Abend auch ihre Europapremiere und das sorgte dementsprechend für einen hohen Andrang vor der Bühne. Die aktuelle Scheibe „Oneironaut“, wurde durch die Bank weg positiv von der Fachpresse aufgenommen, jedoch haben es nur wenige Songs wie „Molding Of A Spell“ und „Urilian Worm“ in die Setlist geschafft. Letzteres wurde vom UG- Filmteam aufgezeichnet und wird bald auf unserem Youtubekanal erscheinen! Mit „De Arcanum Opus Noctum“, Kingdom Of Shadows und „Sender Of Nocturnal Visions“ wurde einmal quer Beet durch die über 20-jährige Schaffenszeit von Crimson Moon gepflügt, was den Besuchern eine Armee an emporgestreckten Hörnern abnötigte. Man darf wohl sagen, dass Crimson Moon wieder sind -und zwar stärker als je zuvor. Das lange Warten hatte sich definitiv gelohnt und im Übrigen kehrt das Quartett auf dem diesjährigen UTBS ein weiteres Mal nach Deutschland zurück.

IMG 4512bestialraids      IMG 4588crimsonmoon

BÖLZER gehört zu den Bands, an denen man in den letzten Jahren nur schwer vorbeikam. Insbesondere mit ihren EPs „Aura“ und „Soma“ war das Duo auf nahezu jedem Festival anzutreffen. Nichtsdestotrotz überzeugen die Herren mit ihrer Musik nach wie vor und sie sind immer ein Publikumsmagnet. Zu diesem Zeitpunkt war die Konzerthalle nahezu komplett gefüllt und die Schweizer lieferten eine infernale Show ab – obwohl sie einen zeitl. Verzug von einer halben Stunde zu verzeichnen hatten. Wie dem auch sei, die Performance der Band ist wieder ein gelungener Kontrast zu ihren Vorgängern. Bölzer boten, wie schon die Tracks vom „Hero Album zeigen, ihre einzigartige Mischung aus Death und Black dem Publikum an. Minimalistisch, aber keinesfalls weniger mitreißend ließ sich die volle Halle animieren, sodass die Wellenbrecher erneut auf eine harte Probe gestellt wurden. Allerdings stand ihnen die große Probe erst noch bevor.


Eigentlich hätte man den Totalabriss bei DESTRÖYER 666 erwarten können, allerdings kam dieser bereits bei URN. Innerhalb von drei Songs verschoben sich die Wellenbrecher durch das Gerangel und Gedrängel der Fans nach vorne und kamen dem Boxenturm gefährlich nahe. Durch beherztes Eingreifen der Secrurity wurde jedoch der Status Quo wiederher- und die Wellenbrecher zurückgestellt. Aber niemand stoppt die Party, wenn der Dämon erstmal aus dem Käfig ist. So wurde kurzerhand die Absperrung von einigen „wilden“ Damen gestürmt, die direkt vor der Bühne weiterfeierten. URN dirigierten die völlig entfesselte Menge zum kollektiven Wahn aus Haaren, Fäusten und einem ordentlichen Moshpit. Wer konnte es Ihnen verübeln? – trafen sie doch genau den Nerv des Moments mit einem Motörhead-Coversong und einigen anderen Geniestreichen, die jeden Metalhead zur Bewegung drängt. Wie es sich für waschechte Finnen gehört, blieben die Herren ziemlich wortkarg und ließen stattdessen ihre Musik für sich sprechen. Ihre Show glänzt vielleicht nicht mit phantasievollen Bühnenarrangements oder ausgefallenen Kostümen, aber dafür wissen sie genau, wie man die Meute in Ekstase versetzt.


IMG 4696bölzer   IMG 4923urn

 

Der Auftritt der Kultband DESTRÖYER 666 stand bereits im Vorfeld unter einem dunklen Omen. Halbwahrheiten und aus dem Kontext gerissene Kritik von politisch-extremen Gruppierungen und der Klatschpresse kursierten erneut im Netz um der Veranstaltung und dem Genre im Vorfeld zu schaden. Doch trotz aller Versuche ließen sich die Australier davon nicht abschrecken und lieferten stattdessen eine Show, die es in sich hatte. Insbesondere Bandchef und Mastermind K.K. Warslut gab Vollgas und übernahm klar die Herrschaft auf der Bühne. Sein Wort war Gesetz und die Anhänger folgten willig seinen Anweisungen. Für die Performance fokussierte man sich überwiegend auf das aktuelle Studioalbum „Wildfire“ und so durften in der Setlist selbstverständlich der Titeltrack oder der Opener Traitor nicht fehlen. Wie es sich für ein DESTRÖYER 666 Auftritt gehört, wurden auch Klassiker aus den Scheiben „Phoenix Rising“ und „Cold Steel…For An iron Age“ angespielt, wie z.B. „I Am The Wargod“, „Lone Wolf Winter“ oder „Sons of Perdition“. Zurecht werden die Herren aus dem „Down Under“ als Pioniere des War Metals, gefeiert und erfreuten an diesem Abend insbesondere die Fans der alten Schule. Der Tag war schon so gut wie vorbei und während der ein oder andere bereits dem Alkohol zum Opfer fiel, standen bis zum bitteren Ende etliche Leute vor der Bühne, die ihre restlichen Reserven mobilisierten und ein letztes Mal hart abgingen.


IMG 5039destroyer666

 

 

Das niederländische-norwegische Duo ASAGRAUM hatte für heute die traditionelle Aufgabe des letzten Acts zugeteilt bekommen. Langjährige Besucher wissen, dass der Veranstalter von Drohende Schatten immer nach dem Headliner des Abends gerne eine unbekannte Truppe als letzten Programmpunkt anführt -In der Regel nochmals ein besonderes Highlight auf das wir besonders gespannt waren. Nichtsdestotrotz leerte sich der Veranstaltungsort binnen weniger Minuten rapide und nur noch ein kleiner Rest blieb übrig. Aus unserer Sicht hatte sich der längere Aufenthalt jedoch gelohnt. Denn diejenigen, die noch die Kraft für eine weitere Band hatten, bekamen nochmals eine Black-Metal-Show serviert, die genauso viel Begeisterung in den Zuschauern ausgelöst hätte, wie bei den anderen zuvor. An dieser Stelle nochmals ein großer Respekt an die Fans, die die Performance von ASAGRAUM zu würdigen wussten. Musikalisch gesehen, sind die Damen vielleicht auch nicht sonderlich innovativ, aber ihr Stil ist solide und sie setzen die klassischen Elemente des Black Metals in einer authentischen Atmosphäre gezielt um.

 

Fazit: An diesem Abend waren einige Bands am Start, die man nur selten zu sehen bekommt und auf Anhieb eine überzeugende Leistung ablieferten. Eine Menge neuer Eindrücke und viele intensive Auftritte – also wieder alles, was eine gute „Drohende Schatten“ -Veranstaltung ausmacht. Wer noch visuelle Eindrücke haben möchte, schaut sich unser Videoreview (unten) an.


Weitere Informationen

  • Band(s): Destroyer 666, Urn, Crimson Moon, Mosaic, Bölzer, Schrat, Asagraum, Einsicht, Bestial Raids
  • Wann: 18.03.2017
  • Wo: Halle 101 Speyer
Gelesen 2687 mal Letzte Änderung am Samstag, 25 März 2017 03:37

Medien

Video-Review Undergrounded

 Undergrounded 2017 -  ImpressumDatenschutzerklärung