Donnerstag, 14 Juli 2016 12:00

14.-16.07.2016 - Dong Open Air + Amorphis + Equilibrium + Kryptos + Haggard + Testament +++

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Dong Open Air 2016 Dong Open Air 2016

Unter dem diesjährigen Motto „Into the Pott“ lud das Dong Open Air wieder einmal zum Ersteigen der Halde Norddeutschland aka Dongberg. Mit einem genretechnisch bunt durchmischten Line Up aus lokalen Größen und internationalen Bands lockte das Festival zu drei Tagen Bier, Stimmung und einer einmaligen Aussicht.

Bei schönstem Wetter und vergleichsweise angenehmen Temperaturen begann am frühen Donnerstagnachmittag der Anstieg. Zwar war auch dieses Jahr wieder ein Shuttlebus eingerichtet, doch gab es immer noch nicht mehr als zwei Kleinbusse und die Schlange war bei Einlassbeginn um 12 Uhr schon so lang, dass sich die Wartezeit nicht gelohnt hätte. Dass dieses Mobilitätsproblem, wenn man es so nennen will, immer noch nicht behoben ist, ist mehr als ärgerlich, da den Berg mit Gepäck in der Hand und auf dem Rücken zu erklimmen nicht gerade ein Zuckerschlecken ist. Doch nach mehreren Pausen und viel gegenseitigem Anfeuern war der Campground nach einiger Zeit erreicht, ein passender Platz für Zelte und Pavillon auserkoren und es konnte immerhin für kurze Zeit die jedes Mal aufs Neue begeisternde Aussicht genossen werden. Denn dem gemeinen Festivalbesucher stand vor dem ungeduldig erwarteten Eintritt in das Konzertgelände noch die Schlange an der Bändchen- und Wertmarkenkasse bevor. Und die hatte es dieses Jahr in sich. Quer über den vorderen Abschnitt des Zeltplatzes standen sich die Besucher bis zu zwei Stunden lang die Beine in den Bauch. Und auch wer sich im Backstage auf ein kühles Bier gefreut hatte wurde enttäuscht, denn auch hier wurden nur Wertmarken akzeptiert. Also erstmal das Gelände erkunden, bei befreundeten Camps vorbeischauen und im zweiten Anlauf mit eigens hochgeschlepptem Bier im Becher vom Vorjahr auf vor die Bühne.

 

Immerhin schafften es einige, bis 16.25 Uhr ihr Bändchen abzuholen, und so war das Zelt bei Harpyie schon recht gut gefüllt. Geradliniger Metal gemischt mit den Klängen von Violine und Drehleier versetzten die Meute innerhalb kürzester Zeit in Festival- und Feierlaune und kaum einer stand zu Ende des Intros „Freakshow“ noch still. Zwar war die Soundqualität anfangs noch nicht optimal und der Gesang leise und matschig, aber da das Publikum Sänger Aello in Sachen Textsicherheit in nichts nachstand, und die Soundqualität nach den ersten 10 Minuten merklich gestiegen war, tat das der Stimmung keinen Abbruch. Mit Fokus auf das aktuelle Album „Freakshow“ führte die Setlist einmal quer durch alle drei Alben, neben dem obligatorischen „Sturmvögel“ kamen besonders „Monster“ und „Dunkle Wissenschaft“ gut an. Besonders die Arbeit an Drehleier und Violine soll hier noch einmal betont werden, selten habe ich eine qualitativ so hochwertige Darbietung im Metal genießen dürfen.

 

Direkt im Anschluss gaben sich die Lokalhelden von Elvellon die Ehre. Nachdem die Moerser Symphonic Metaller letztes Jahr schon das Voting für den Opener Slot auf dem M’era Luna für sich entscheiden konnten, war es mehr als an der Zeit für ein Heimspiel. Die Stimmung im Zelt hatte sich gut gehalten und so brauchte es nicht viel, um die feierbereite Meute zum Mitsingen zu motivieren. Zwar was die Töne anging nicht immer so sicher wie Sängerin Nele, dafür mit umso mehr Begeisterung, wurde der Mitsingpart von dem später wahrscheinlich durchweg heiseren Publikum bravourös gemeistert. Neben den bereits bekannten Songs von der EP „Spellbound“ war auch ein erster Vorgeschmack des hoffentlich bald erscheinenden Albums zu erhaschen, und was hier zu hören war, wusste durchaus zu gefallen.

 

Schon ein paar mehr Auftritte haben SuidAkrA hinter sich - was möglicherweise auch an der längeren Bandgeschichte liegt. Doch keineswegs abgehoben wirkten die Düsseldorfer, als die ersten Töne über die Menge zogen, und innerhalb weniger Minuten bebte das Zelt. Die Celtic Metaller waren sowohl auf technischer Ebene als auch was Bühnenpräsenz anbelangt eine Wucht, gleichzeitig melodisch und brachial bot die Setlist eine abwechslungsreiche Mischung aus altem und neuem Material. Das klassische Metal Setting Drums-Gitarre-Bass-Growls gepaart mit weiblichem Gesang und orchestralen Arrangements war auch diesmal wieder ein Garant für beste Stimmung.

 

Rage sind nicht mehr die Jüngsten, aber wie mancher Wein werden auch Bands oft besser nach einigen Jahren des Reifens. Sogar neues Material hatten die Power Metaller in Petto, welches stärker an den Grundlagen des Genres orientiert war, jedoch eindeutig der Band zuordenbar war. Dem Publikum schien es jedenfalls zu gefallen, das Zelt war so gut wie voll und die Spannung deutlich spürbar und nach einer Stunde Spielzeit dürften den ein oder anderen am nächsten Tag der Nacken verdammt weh tun.

 

Aus dem hohen Norden waren die Headliner des Donnerstags angereist. Nach ein paar Anlaufschwierigkeiten betraten Amorphis mit leichter Verspätung die Bühne, um den Tag zu einem würdigen Abschluss zu bringen. Die Wartezeit war schnell vergessen, als bei den ersten Tönen des Intros eine Welle von Gänsehaut durch das Zelt rollte. Bis auf einen guten Meter am hinteren Rand war Publikum dicht an dicht gepackt und ließ sich von den treibenden Gitarren und dem kraftvollen Gesang mitreißen. Zwar nicht die ersten ihres Genres an diesem Tag, doch die Finnen schafften es, auch noch den letzten Tropfen Energie aus dem Publikum herauszuholen und nutzten die Möglichkeiten des Open End Slots großzügig aus.

 

Freitag

Bei dem Land Indien denkt man wohl nicht im ersten Moment an Old School Thrash Metal. Kryptos widerlegen dieses Denken jedoch von Grund auf. Zu festivalzeitlich früher Stunde zog es doch einige in Richtung Zelt und so durften die [Zahl] vor einem respektabel großen Publikum den Freitag eröffnen. Obwohl ich mich nicht unbedingt zu den größten Fans dieses Genres zähle, muss ich doch sagen, Hut ab. Technisch einwandfreie Gitarrenarbeit, abwechslungsreiche „Melodien“ und Tempi, genau das richtige um beim ersten Bier vollends wach zu werden. Die Herren hatten auch sichtlich Spaß auf der Bühne, und so konnten sowohl Band als auch Publikum zufrieden in den Tag starten.

 

Nachdem letztes Jahr Fiddler’s Green sich als Garant für gute Laune und Partystimmung bewiesen hatten, wurden dieses Jahr die Folkmusiker von The Pokes verpflichtet, das Zelt zum Beben zu bringen. Zu Fiddle und Akkordeon wurde gesprungen, geschunkelt und getanzt, dass der ein oder andere Zuschauer nach diesem Auftritt keine Stimme mehr hatte, lässt sich auch nicht ganz ausschließen. Die Veranstalter dürfte dies auch gefreut haben, denn der Sturm auf den Bierstand nach Ende der Show kam einer Büffelherde gleich, die zielstrebig durch die Savanne trabt.

 

Ähnlich melodisch, jedoch um einiges düsterer und Death Metall astiger ging es später mit Fleshgod Apocalypse weiter. Wer deren Show zum ersten Mal sah, war wohl irritiert ob der Tatsache, dass sie ähnlich eines Opernkonzerts oder Theaterstücks aufgebaut war und die Musiker nach jedem Song die Bühne verließen. Dies tat jedoch der Stimmung keinen Abbruch, die Kunstfertigkeit der Arrangements und die brachiale Härte der Drums und Gitarren setzte sich unweigerlich in den Gehörgängen fest. Wer diesen Auftritt verpasst hat, sollte sich wirklich ärgern, und dies so schnell wie möglich nachholen.

 

Seit 6 Jahren inzwischen hatte ich auf eine Gelegenheit gewartet, die Pagan Metaller Equilibrium auf einem Festival zu sehen, dieses Jahr sollte es endlich einmal klappen. Und die Erwartungen wurden eindeutig nicht enttäuscht, während von einigen Seiten die Setlist bemängelt wurde, war es für Konzertneulinge wie mich eine perfekte Mischung aus neuen und alten Songs, besonders das abschließende „Blut im Auge“ brachte noch einmal Gänsehaut pur. Soundtechnisch gab es auch keine Mängel, sauber abgemischt und die Herren wissen schon, wie sie aus ihren Instrumenten das meiste rausholen können.

 

Samstag

Als Opener des letzten Tages wurden dieses Jahr KadavriK verpflichtet. Immerhin halb voll war das Zelt am Mittag, doch das Publikum wirkte eher ruhig. Das änderte sich aber nach den ersten Takten, ein paar Köpfe nickten, das ein oder andere schwingende Haupthaar war auch auszumachen, obwohl die Stimmung auf der Bühne eher noch etwas schlaftrunken wirkte. Melodic Death jenseits von Genregrenzen und ohne Kompromisse hatte das im Übrigen durchaus hübsche Programmheft versprochen, und immerhin die negierten Genregrenzen hörte man. Leider wirkte alles in sich nicht ganz so stimmig wie erhofft, das Keybord klang deplatziert, die Tempowechsel wahllos verstreut. Die Stimme von Sänger Niklas Pietsch und die Chris Bosmanns Gitarrenarbeit müssen jedoch gelobt werden - brettharte Growls und flinke Finger, die sich eindeutig nicht verstecken müssen.

 

Geschickt nach dem Mittagsloch platziert traten Raven Woods vor einer wohlgestärkten Besuchermenge auf die Bühne. Und wer bis dahin noch nicht wach gewesen war, wurde es spätestens zu Ende des ersten Songs, denn die türkische Formation lieferte brettharten Death Metal. Darauf sprang das Publikum direkt an und neben einem kleinen aber lebhaften Moshpit flogen die Haare zu keineswegs stumpfen, sondern technisch anspruchsvollem Geballer. Sowohl die Setlist als auch die einzelnen Songs konnten sich sehen lassen, abwechslungsreich und mit bewusst gesetzten Tempo- und Melodiewechseln ging die Dreiviertelstunde schneller herum, als es manch einem Besucher lieb war.

 

Doch eine Verschnaufpause blieb kaum, denn apRon aus München enterten im Anschluss die Bühne. Punchrock nennen sie ihren Stil, was durchaus zu der verrückten und abgedrehten Zirkus-Bühnenshow passt - ob Band oder Publikum die Freakshow darstellt blieb unbeantwortet, denn Feierlaune war auf beiden Seiten mehr als vorhanden. Brachiale Riffs trafen auf Sänger Tills wandelbare Stimme, mal mit hypnotischem Cleargesang, mal mit kafkaesk verzerrten Schreien zog er das Publikum vollends in seinen Bann. Drummer Medusa gab einen Takt vor, der ihm den rechtmäßigen Titel Rattenfänger einbringen könnte. Dass das Zelt nach dieser schweißtreibend begeisternden Show noch stand grenzt fast an ein Wunder.

 

Folkig-melodisch ging es etwas später mit Skyclad weiter, ein oder genau genommen das Urgestein des Folk Metal. Ob es daran lag, dass die Bühnenroutine nach dem konzertarmen letzten Jahr fehlte, oder das Publikum langsam erschöpft war, dass der berühmte Funke einfach nicht überspringen wollte? Möglicherweise war auch die extrem schief klingende Violine Schuld daran, dass ich mich nach den ersten Songs aus dem Zelt getrieben fühlte.

 

Mit noch mehr Saiteninstrumenten ausgestattet, jedoch wohl auch mit ein paar funktionierenden Stimmgeräten, nahmen Haggard im Anschluss die Bühne für sich ein. Die Ansprüche an die Mittelalter Death Metaller waren hoch, und es lässt sich mit Bestimmtheit sagen, dass sie diesen gerecht wurden. Eingängige, verspielte Melodien trafen auf härtesten Death Metal, untermalt von kratzigen Growls und engelsgleichem Soprangesang.

 

Zum Ende hatte sich noch einmal die gesamte Zuschauerschar mobilisiert und so war das Zelt proppevoll, als Testament sich die Ehre gaben, den Dongberg in seinen Grundfesten zu erschüttern. Bei stimmungsvoller Beleuchtung und Räucherstäbchen sprang Sänger Chuck Billy aufgedreht über die Bühne, und auch an der Instrumentalfront war die Spielfreude der Thrash Metaller deutlich zu spüren. Kein Wunder, dass das Publikum noch einmal alles gab und das Zelt wackeln ließen. Ein durchweg würdiger Abschluss eines wie jedes Jahr grandiosen Festivals.

 

Das Dong Open Air war wieder einmal ein Highlight der diesjährigen Festivalsaison, man hätte sich keine schönere Stimmung oder besseres Wetter wünschen können. Für nächstes Jahr fände ich noch etwas mehr Black Metal angebracht, doch auch so war genug für jeden Geschmack dabei. Neben dem obligatorischen Dongburger war die Essensauswahl noch einmal gestiegen und so fand sich mit Wraps, veganen Burgern, (Süßkartoffel-)Pommes, Döner und Asiatischem für jeden Hungrigen etwas. Mit Eis und handtellergroßen Keksen waren auch die Leckermäuler bedient. Für mich war es das grandioseste Dong das ich in den vier Jahren, die es mich nun schon dorthin zieht, erleben durfte, und freue mich auf eine würdige halbrunde Fortsetzung nächstes Jahr.

Weitere Informationen

  • Band(s): Testament, Kryptos, Amorphis, Haggard, Equilibrium
  • Wann: 14.07.2016
  • Wo: Halde Norddeutschland
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Mondenkind

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