Samstag, 14 Mai 2016 22:16

22.-23.04.2016 - Kings of Black Metal - Alsfeld + Primordial + Acherontas + Nargaroth + Desaster + Taake +++

geschrieben von Anna Apostata, Lars, Ghostwriter
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Das Kings Of Black Metal ist in diesem Jahr in der Hessenhalle Alsfeld zu finden, welche in Sachen Größe und Anbindung der Stadthalle in gleicher Örtlichkeit definitiv überlegen ist. Leider führen das gute Wetter, diverse Verkehrsprobleme und der frühe Start am Freitag zu wenig Publikum bei den ersten drei Bands und auch später am Abend und des Wochenendes konnte die Hessenhallenie ihre ganze Kapazität zur Schau stellen.

1. Tag: Stahlsarg – Drowned – Lychgate – Inferno – Arvas – Nazghor – Ketzer – Svartidauði - Acherontas – Primordial

StahlsargStahlsarg aus England hatten als Opener einen ziemlich schweren Start, da um Punkt 14 Uhr am frühen Freitag Nachmittag die Hessenhalle mit gerade einmal sechzig bis siebzig Leuten noch sehr dürftig gefüllt war. Trotz der Widrigkeiten in einer nahezu leeren Halle spielen zu müssen und eines distanzierten Publikums machten die vier einen guten Job. In 40 Minuten Spielzeit rockten sie fast ihr komplettes und einziges Album „Comrades in Death“ runter, ein Konzeptalbum über den U-Boot-Krieg im zweiten Weltkrieg, woher sich auch der Bandname ableitet, war Stahlsarg doch ein Synonym für ein untergehendes U-Boot. Mit fetten Blastbeats und tiefen, aber melodischen Gitarrenriffs lieferte die Band guten Blackened Death Metal und Eissturms Stimme konnte mich ebenfalls überzeugen. Ich bin gespannt, was man von den Briten noch zu hören bekommt.

 

 

 

 

 

 

 

DrownedNach einer kurzen Umbauphase und knackig durchgezogenem Soundcheck betraten die drei Jungs von Drowned die Bühne. Jungs? Naja, eigentlich sind die deutschen Deathmetaller alte Hasen im Geschäft, gelten sie doch als Vorläufer von Necros Christos und haben auch im Live-LineUp von The Ruins of Beverast die Finger mit im Spiel. Dementsprechend Death-Doomig ist auch der Sound, den die Berliner abliefern. Ein wahrer Ohrenschmaus am frühen Nachmittag! Wer bei ihrem Auftritt Priesterroben, Teufelsmasken oder sonstigen Firlefanz erwartete, so wie es in der Szene heutzutage Mode ist, wurde schnell eines Besseren belehrt. Alleine die Musik sprach schon für die okkulten Death-Doomer. In knapp 25 Jahren Bandgeschichte sammeln sich so einige Songs an, die meisten jedoch stammten vom einzigen Full Length Album „Idola Specus“, herausgebracht 2014 unter Sepulcral Voice Records. Wer Drowned noch nicht gesehen hat, dem sei diese Band wärmstens ans Herz gelegt.

 

 

 

 

 


Als nächstes schickten sich die ebenfalls aus England stammenden Lychgate an, die mittlerweile etwas angewachsene Menge in Alsfeld zu begeistern. In langen, schwarzen Kutschermänteln aus Baumwolle, wie es sie in einschlägig bekannten Online-Shops zu kaufen gibt, betraten die fünf Londoner die Bühne. Auf Corpsepaint oder ähnliches verzichteten sie und auch die Bühne wurde in ihrem Urzustand belassen. Musikalisch bietet Lychgate nichts, was es nicht schon geben würde: Eine Mischung aus atmosphärischem Black- und Deathmetal mit einer Portion Gothic. Auch auf der Bühne passierte nicht viel, abgesehen von den Headbangkünsten der Gitarristen. Nach dem zweiten Song bereits leerten sich die ersten Reihen und man begnügte sich damit das Bühnengeschehen von den Bierbänken gegenüber der Theke und des Cocktailstands aus zu beobachten. Nach etwa einer dreiviertel Stunde verließ die Band die Bühne und es wurde noch brav applaudiert.
Setlist: Tempest
           Contempt
           Dust
           Paradoxical
           Principal
           Self Ruin
           Sceptre
           Letter


Inferno schlagen in die Richtung des rituellen Black Metal, der in letzter Zeit eine Art Renaissance durchläuft. In diesem Genre gehört die seit zwanzig Jahren bestehende Band definitiv zur früheren Generation. Die fünf Tschechen halten nicht sehr oft in Deutschland eines ihrer Live-Rituale ab, daher ist es nicht sehr verwunderlich, dass sie hierzulande eher als Geheimtipp gelten. - Fans von Inquisition oder Merrimack sollten sich diese Band unbedingt genauer anschauen!
Optisch sieht man Inferno ihre Genrezugehörigkeit deutlich an – Kutten schwarzer Priester, verdeckte Gesichter und Blut an den Händen waren bei ihrem Auftritt vorherrschende Mode. Unter Luzifers Siegel eröffneten sie ihr Ritual, bei welchem normalerweise folgendes Set gespielt worden wäre:

InfernoThe Firstborn from Murk
The Funeral of Existance
Altar of Perversity
Whisper of Hope in Tears of Blood
Eaten by Rats Forever
Ohnivé vize o upálení světa
Pohanské Meče
Peklo na Zemi
Holy Poison

Aufgrund der kurzen Spielzeit mussten sie dieses Set jedoch kürzen, durchliefen aber trotzdem eine gute Mischung ihrer bisherigen Diskographie, während besonders der zum Teil nicht von dieser Welt wirkende, charismatische Sänger herausstach.

 

Arvas war die nächste Band aus Skandinavien und konnte am frühen Abend schon auf ein gut angeheiztes Publikum einknüppeln. Sänger Coldbound, der wie ein größerer, kräftigerer und gesanglich stärkerer Dani Filth anmutete, peitschte seine Mannen zu Höhenflügen und war sich nicht, anders als andere ultra-elitäre Bands des Abends, zu Schade, dem Publikum überschwänglich für die Anwesenheit zu danken. Das Zusammenspiel aus Eiseskälte der großen Halle, dem Biergenuss der Zuschauer und die drückenden, kräftigen aber dennoch sehr melodischen Klänge der fünf Norweger ließ alle zusammenrücken und die Show genießen.
ArvasSetlist: 1.Summoning
2.Paths To The Fires Of Hell
3.Consumer Of Filth
4.Impaled Jehovah
5.At The Gallows End
6.Dark Lords And Wrath
7.In Solitude I Dwell
8.Fall Of Gods outr
9.Beholder Of Demons
10.Flames Of Black

 

 

 

 

 

 

 

Mit Nazghor wurde es nun um einiges hektischer auf der Bühne. Der ruhig ausströmende Hass und live-Ritus Charakter wurde durch Aggressivität sowohl in Bühnenpräsenz, als auch Outfits eingetauscht. - Dies scheint wohl typisch für den schwedischen Black Metal geworden zu sein. Die wesentlich offensiveren Klänge dürften Fans von Watain angesprochen haben. Nazghor machten innerhalb ihrer „Death Withered“ - Tour auf dem diesjährigen Kings Of Black Metal halt und brachten folgende Setlist mit:

Vocum Inferis
The Left Hand Of Baphomet
Requiem Black Mass
Craft Of The Nihilist
Of Deceitful Beauty
Road To Dead Meadows
Empire Of Graves
Upon The Darkest Season

Im Line-up gab es nun einen harten Genrewechsel hin zum Black/Thrash. Der Auftritt von Ketzer ist durchaus das, was man gemeinhin als 'gut' bezeichnen kann. Die fünf Westfalener wissen ganz genau um ihre Bühnenpräsenz und legten einen routinierten und professionellen Auftritt hin. Zu ihrem qualitativ hochwertigen Black-/Death wurde passenderweise sowohl der Sound, als auch die Lichtshow um einiges besser, sodass die nun zahlreicher gewordene Menge den Auftritt rundum genießen konnte.
Setlist: Intro (Lang)
            Milk
            Starless
            Fever
            Hunger
            White Eyes
            Godface
            Endzeit Intro
            Endzeit
            Bob Dylan Outro

Svartidauði – Der schwarze Tod aus Island trat auf die Bühne und übernahm innerhalb von Sekunden die Aufmerksamkeit des Publikums. Durch ihre Vermummung unterstrichen sie den rituellen Charakter ihrer Version des Black Metals und gaben ihrem Auftritt den mystischen Rahmen, der perfekt zu ihrer Setlist passte, in welcher „Flesh Cathedral“ und „Venus illegitima“ nicht fehlen durften. Die vier Isländer sind derzeit noch mit Primordial und Ketzer auf Tour und beehren auch noch das ein oder andere Festival in diesem Jahr.

Von Acherontas war bereits im Vorfeld bekannt, dass sie ein besonderes Set größtenteils mit Songs aus den Jahren 1997-2007 spielen werden. Man durfte also gespannt ihren Auftritt erwarten. - Und sie enttäuschten das Publikum nicht! Ihr Auftritt war sehr reduziert, verlor dennoch nicht an live-Ritus Charakter. - Dies wurde auch durch den Gesang unterstützt, der zwischen tragenden und klaren Zeremoniengesängen und Geschrei rasender Wut wechselte. Optisch reihten sie sich in die zuvor aufgetretenen Svartidauði ein. Auch sie verdeckten ihre Gesichter und anonymisierten sich somit, vielleicht um nicht von der Musik als Zentrum abzulenken.
AcherontasSetlist: Wampyric Metamorphosis
            Blood Current Illumination
            Horned Moon
            Ma Ion
            In The Field Of The Stars
            Legacy Of Tiamat
            Dragon The Great
            Ancient Visitors from Ur
            Drakonian Womb

Leider hatten auch Acherontas Zeitprobleme, sodass sie nicht ihr komplettes Set spielen konnten und ließen deshalb „In The Field Of The Stars“ und „Ancient Visitors From Ur“ aus.

 

Primordial„Germany! Are you with us?“ schreit uns der charismatische Primordial Frontmann Alan Averill Nemtheanga entgegen und die ersten Riffs setzen ein. In grau flatternde Fetzen gehüllt und die Kapuze tief ins bleich geschminkte Gesicht gezogen, performt der Sänger mit der melancholischen Reibeisen-Stimme zunächst „Gods to the Godless“ von der „Spirit the Earth aflame“ und die Menge rockt sofort mit. Mit über zwanzig Jahren Bühnenpräsenz haben sich Primordial in der Metalszene einen guten Ruf erarbeitet und so verwundert es kaum, dass ein Großteil des Publikums auch die Klassiker mitsingen kann. Weiter geht es mit „Where greater Man have fallen“ und „Babel´s Tower“ vom letzten Album. Zuckend, von einer Seite der Bühne zur anderen laufend und ins Publikum starrend, präsentiert Alan „Traitors Gate“ und „The Coffin Ships“. Bei „As Rome burns“ vom meiner Meinung nach stärksten Album „To the Nameless Dead“ singt das Publikum lautstark mit: „Sing sing sing to the Slaves – Sing to the Slaves – As Rome Burns!“ hallt es durch die leider nur halb gefüllte Hessenhalle. Trotzdem ist es immer wieder ein Highlight eines Primordial Konzerts. Als letztes bringen die Nordiren noch den Klassiker „Empire Falls“. Auf eine Zugabe haben wir leider vergeblich gewartet, dafür war der Sound nach den relativ schlecht abgemischten Sets von Svartidaudi und Acherontas wieder fett und laut.

Und mit diesem energetischen Auftritt Primordials, der nochmal sämtliche Restkräfte des Publikums mobilisierte, ging ein grandioser erster Tag des Kings Of Black Metal 2016 dem Ende entgegen.

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2. Tag: Total Occultic Mechanical Blasphemy – Saturnian Mist – Nawaharjan – Yellow Eyes – The Ruins Of Beverast – Valkyrja – Archgoat – Misthyrming – Nargaroth – Taake – Desaster

Pünktlich um 13 Uhr öffnete sich die Hessenhalle und hieß die Besucher zum zweiten Festivaltag im – passenderweise – fröstelnden Hessen willkommen.

Total OcculticDen Finaltag eröffnet haben Total Occultic Mechanical Blasphemy, kurz TOMB, deren Show am besten mit Ritual Dark Ambient beschrieben werden kann. Die Dreier-Kombo erzeugte mithilfe von einer Trommel, Gitarre und Samplern interessante Töne. Der fast schon hypnotische Auftritt versetzte die frühen Besucher in die richtige Stimmung für den restlichen Tag und mit einem heftigen Paukenschlag, der den Drumstick zum Bersten brachte, beendeten sie ihren Auftritt und verließen die Bühne so wortlos, wie sie diese betraten. Fans von Shibalba werden auch an dieser Band Gefallen finden.

 

 

 

 

 

SaturnianMistSaturnian Mist aus Finnland wirken auf mich wie eine Mischung aus Acherontas bzw. Shibalba und einem tollwütigen Affen auf Speed. Als zweite Band so eine Energie an den Tag zu legen, kann nur von genug Schlaf oder von viel zu wenig kommen. Nicht nur Sänger Zetek gab während seiner Performance alles, auch die zwei Perkussionisten, die zwei Gitarristen und der Drummer gaben dem Zuschauer das erste Mal das Gefühl, die Bühne komplett auszufüllen. Ohne Pause machten die Finnen einen einzigen okkulten Hexenkessel aus der Stage und endlich waren auch die Besucher in Stimmung, die Performance sowie die dargebotenen Songs (hauptsächlich vom neuen Album „Chaos Magick“) gebührend zu Würdigen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

NawaharjanNawaharjan sind noch nicht so bekannt, haben die Berliner doch gerade erst eine EP mit vier Songs zu verzeichnen, und fuhren das komplette Kontrastprogramm zum Saturnian Mist Gig. Komplett vermummt in einer Art Ringgeister-Dress und mit einer Dynamik von Salzsäulen, schrubbte die Band ihr Repertoire runter, ohne eine Regung im Publikum hervorzurufen. Musikalisch ist die EP „Into the Void“ (2011) wirklich feiner Black Metal, doch leider tat sich auf der Bühne einfach nichts und dementsprechend gelangweilt war auch das Publikum, welches sich nun lieber Speis und Trank widmete.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Yellow EyesYellow Eyes legten einen dynamischen, jedoch reduzierten Auftritt hin, der den Zuschauer nur begeistert zurücklassen konnte. Erfährt man von der Vorgeschichte – Yellow Eyes sind nur wenige Minuten vor ihrem Slot an der Hessenhalle angekommen, da ihr Tourbus auf der Autobahn verreckte und der Motor schlicht explodierte – fragt man sich woher die fünf New Yorker noch die nötige Motivation und Leidenschaft für diesen Auftritt nahmen?!

Kennt man aber das bisher erschienene Material fragte man sich, ob man dieselbe Band vor sich stehen sieht. - Eventuell war dies jedoch dem bescheidenen Sound zu verschulden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

The Ruins of Beverast ist das Projekt Alexander von Meilenwalds, welcher auch bei Verdunkeln und Truppensturm seine Finger mit im Spiel hat. Für seine Live Performances holt er sich Musiker wie G.ST. von Drowned/Essenz ins Boot um seine Musik unters Volk zu bringen. Mit nun vier Alben und einer Hand voll Demos und Splits ist er damit auch sehr erfolgreich und so wundert es nicht, dass die Reihen vor der Bühne gut gefüllt sind. Nach dem gutturalen Intro der „Blood Vaults – The Blazing Gospel of Heinrich Kramer“ geht es mit „Daemon“ richtig schön Death-Doomig los und das Publikum ist mindestens so begeistert wie ich. Der Sound ist perfekt und fast könnte man meinen, die Musik direkt vom Album zu hören. Die Chöre und Soundeinspieler kommen vom mitgebrachten Synthesizer und verbreiten zusammen mit Meilenwalds Stimme und den tiefen Gitarrenriffs eine drückende Stimmung. Neben „A Failed Exorcism“ werden auch ältere Stücke wie „Between Bronze Walls“ vom Erstling „Unlock the Shrine“ zum Besten gegeben. Ein toller Gig, den die fünf Musiker da zusammengestellt haben. Ich freue mich auf das nächste Mal beim Acherontic Arts Festival von Ván Records in Oberhausen!

Nun enterten die schwedischen Valkyrja die Bühne und nach einem kurzen Intro mit dem Rücken zum Publikum, griff die Band dann in die Saiten und stürmte nach vorne um den Opener ihres letzten Albums „Betrayal Incarnate“ zum Besten zu geben. Und wie die Band nach vorne stürmte! Schade, dass der Bühnenrand und der Graben, in dem wir Fotografen herumschwirrten, dazwischen lag. Die fünf Musiker (unterstützt durch den Live-Gitarristen D.G) infizierten die ersten Reihen mit einem Virus, der schnell um sich griff, sah man doch einen nach dem anderen headbangen und moshen. RSDX, der den vormaligen Sänger A.L. vor kurzem ablöste, machte einen guten Job, spielte ein wenig mit dem Publikum und sah in seiner abgewetzten Lederweste, bleich, dreckig, blutbesudelt und mit okkulten Symbolen auf den Armen aus, als wäre er frisch dem Grabe entstiegen. Weiter ging es mit weiteren Songs des 2013er Albums „The Antagonist´s Fire“. Nach „Madness Redeemer“, „Eulogy (Poisoned, Ill and Wounded)“ und „Treading the Path of the Predator“ war „The Womb of Desease“ vom 2010er Longplayer „Contamination“ der einzig ältere Song, den ich zuordnen konnte. Valkyrja sind derzeit weiter auf Tour und ein nächster Zwischenstopp wird das belgische Thronefest sein. Guckt´s euch an und lasst die Fetzen fliegen!
ValkyrjaSetlist: Oceans To Dust
            The Cremating Fire
            Madness Redeemer
            Laments Of The Destroyed
            Yearn To Burn
            Frostland
            Eulogy

 

 

 

 



ArchgoatArchgoat! - Eigentlich müsste man nichts weiter über das finnische Dreiergespann sagen. Die mit einer Unterbrechung seit 1989 existierende Band betraten die Bühne mit einer relativ klischeehaften Optik: Corpsepaint, Ketten, Patronengurte und blutverschmierte Gesichter und Arme waren auch hier vorherrschend. Trotzdem wirken sie so authentisch, wie sonst kaum eine andere Band. Mit ihrer Bühnenpräsenz und Ausstrahlung vermögen sie wirklich jede noch so große Konzerthalle auszufüllen.
Die Setlist dieses Auftritts war ein Querschnitt ihrer bisherigen Diskographie. Auch die 2015 erschienene „The Apocalyptic Triumphator“ kam nicht zu kurz. Archgoat gingen nur mit Horns up von der Bühne – Überflüssige Abschiedsworte brauchte es für diesen grandiosen Auftritt nicht!

 

 

 

 

 

 

 

 



Während sich Svartidauði nur über Mund und Nase vermummten gingen die ebenfalls aus Island stammenden Misþyrming auf Nummer sicher und tauchten ihre Gesichter in schwarze Farbe.

Sie waren die zweite isländische Band des Festivals und mit ihren abgewetzten Hosen, den nicht mehr ganz weißen Hemden und jeder Menge Dreck im Gesicht, bot das Vierergespann ein abwechslungsreiches Motiv zum Normbild mit Bandshirt, Leder, Nieten etc. Insgesamt war der Auftritt recht dunkel gehalten, sodass man auch kaum die Gesichter der jungen Musiker erkennen konnte, was unseren Fotografen zusätzliche Kopfschmerzen bereitete. Dafür bestätigten sie musikalisch warum die Isländer im LineUp nach Größen wie Valkyrja und Archgoat standen, verzeichnet die Band doch erst ein einziges Album von 2015 „Söngvar Elds Og Óreiðu“. - Großartiger Black Metal mit einem gewissen melancholischen Touch, der vielen isländischen Bands zu eigen ist.

Auch vor diesem Auftritt Nargaroths blieben Diskussionen um den diesjährigen Headlinerslot nicht aus. Große Hasstiraden wurden auf die Band geschwungen und die Antifa-Fraktion war sowieso ganz schnell dabei. Aber alles Meckern half nichts – Nargaroth traten auf und lieferten ab! Und plötzlich war auch zu sehen, dass da nicht nur Gegner, sondern noch mehr Fürsprecher sind.
Die Show war zweigeteilt. Der Auftritt wurde von „Whither Goest Thou“, einem neuen Stück eröffnet und neu waren auch sowohl Ashs Optik, als auch Bühnenpräsenz. Durch eine corpsepaintähnlich angemalte Maske verhüllt konnte man nun die sonst ausgeprägte Mimik nicht mehr ausmachen, die Gesten waren tragender als sonst, ja fast schon marionettenartig. Der zweite Teil des Auftritts wurde dann durch „Black Metal ist Krieg“ eröffnet. In diesem Abschnitt sah man Ash wie gewohnt ohne Maske und nun prangten auf seiner Brust die vier großen Worte: „I Hate You All“ - Ein Statement? Und auch in die Bühnenshow kam mehr Bewegung. Außer dem ersten Song zeigte er noch ein weiteres neues Stück: „The Agony Of a Dying Phoenix“. Unter brennenden Petruskreuzen wurde das Konzert beendet.
NargarothSetlist: Wither Goest Thou
            Manchmal Wenn Sie Schläft
            Sommer
            7 Tears Are Flowing To The River
            Black Metal Ist Krieg
            The Agony Of A Dying Phoenix
            Phantasien
            The Day Burzum Killed Mayhem
            Abschiedsbrief des Prometheus
            Semper Fi
            

 

 

 

 

 

 



Taake„Allahu Akbar!“ (Allah ist groß!) machte sich Sänger Hoest über die momentanen Zustände im Nahen Osten und den feigen Überfall auf das Bataclan in Paris im November letzten Jahres lustig. Mit „Nordbundet“ vom vorletzten Album „Noregs Vaapen“ begann der Gig der norwegischen Black Metaller Taake, gefolgt von „De Ville Ville Vestland“ und „Myr“ desselben Albums. Weiter ging es mit „Orm“ vom aktuellen Longgplayer „Stridens Hus“. Sänger Hoest selbst verbreitete eine Rage auf der Bühne, die man nur selten sieht, warf den Mikroständer von einer Ecke der Bühne in die andere, schrie in die Menge, die das Gebaren des charismatischen Frontmanns mit Begeisterung aufnahm, und donnerte das Mikrofon selbst mehrfach auf den Bühnenboden. Ein Wunder, dass da überhaupt noch Töne rauskommen! Neben dem neuen Material gab es natürlich auch die Klassiker „Nattestid ser Porten Vid I“, „Over Bjoergvin Graater Himmerik IV“, Hordalands Doedskvad I & III“ sowie „Umenneske“ von der selbstbetitelten Scheibe „Taake“ zu hören. Nach etwa einer Stunde Spielzeit verließ die Band die Stage und hinterließ ein aufgewühltes Publikum nebst einem ziemlich marodierten Mikroständer.

 


DesasterDesaster hatten wir noch zwei Wochen zuvor in der Co-Headliner Position auf dem Black´n´Thrash Inferno in Essen gesehen, wo sie eine tolle Show ablieferten. Leider hatte sich zu Beginn ihrer Show gegen halb eins die Halle schon weitestgehend geleert. Dennoch gaben die vier Koblenzer alles (naja, fast alles) um die Halle zu befeuern. Angefangen mit „Sacrilege“, über „The Splendour of Idols“ und „Devil´s Sword“, wurden wieder die neuen Tracks „Damnatio Ad Bestias“ und „Proclamation in Shadows“ zum Besten gegeben. Zwischendurch begnügte sich die Band einfach damit ein paar Flapsigkeiten auszutauschen und das ein oder andere Bier vor der Drumbarrikade zu zischen. Ein Prost ins Publikum, und es ging mit „Satan´s Soldiers Syndicate“ weiter. Gitarrist Infernal hatte seinen Spaß daran seinen Sechssaiter ins Publikum zu reichen und Sänger Sataniac reichte zwischenzeitlich das ein oder andere Backstage-Bier von der Bühne. Ich für meinen Teil fand, dass der Gig ein großartiges Finale des diesjährigen Kings of Black Metal in Alsfeld war. Bis zum nächsten Mal!

 

 

 

 

 

 

 

 

Fazit: Die Bandauswahl in diesem Jahr war fantastisch und wurde dem Titel des Festivals absolut gerecht. Nahezu die gesamte Bandbreite an Spielarten des Black Metals war vertreten, sodass für jeden Anhänger dieses Genres etwas dabei gewesen sein dürfte. - Da ist es nochmal mehr unverständlich, warum das Festival in diesem Jahr relativ schlecht besucht war, wobei das schlechte Wetter besonders am zweiten Tag noch ein paar Kurzentschlossene anlockte. - Jedoch machte das schlechte Wetter nicht vor den Türen der Alsfelder Hessenhalle Halt, sodass die Kälte hineinkroch und das Publikum im Foyer einer Eiseskälte ausgesetzt war.
Der Sound war an beiden Tagen recht durchwachsen. Streckenweise gab es richtig guten Sound, leider hatten einige Bands massive Probleme mit der Tontechnik. Dasselbe gilt für die Lichtshow. Die meiste Zeit war die Bühne relativ schlecht ausgeleuchtet, dem durchschnittlichen Besucher dürfte dies allerdings nicht mal aufgefallen sein. Bands wie Taake oder Primordial hingegen hatten eine bombastische Lichtshow.
Positiv ist ebenfalls zu erwähnen, dass das Merchangebot riesig war. Die Besucher konnten sich sowohl in der Konzerthalle bei guter Musik, als auch im Foyer in etwas ruhigerer Atmosphäre mit Tonträgern und sämtlichem anderen Bandmerchandise eindecken.

Das Essensangebot war super, solange man sich weder Vegetarier noch Veganer nennt. Die Preise waren sowohl für feste als auch alle Formen der Flüssignahrung mehr als im Rahmen. Neu war in diesem Jahr, dass es die Möglichkeit gab zu campen. Generell wurde diese Möglichkeit positiv und dankend angenommen, der eine oder andere hätte sich jedoch gewünscht schon am Donnerstag dort campen zu können.
Nicht zuletzt hat die kompetente und freundliche Security zu der guten Stimmung beigetragen. - Es waren rundum zwei wundervolle Festivaltage mit noch besserer Musik. Und in dieser kalten Vollmondnacht geht eine weitere, geniale Ausgabe des Kings Of Black Metal zu Ende!

Weitere Informationen

  • Band(s): Primordial, Acherontas, Nargaroth, Desaster, Taake
  • Wann: 22.-23.04.16
  • Wo: Hessenhalle, Alsfeld
Gelesen 1895 mal Letzte Änderung am Sonntag, 15 Mai 2016 19:49

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