Freitag, 28 März 2014 13:19

01.03.2014 - Hell over Hammaburg Festival - Markthalle, Hamburg

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Bereits zum zweiten Mal fand am 1. März 2014 das Hell over Hammaburg in der Hamburger Markthalle statt. 13 Bands aus den Bereichen Doom, Black, Death, Stoner, garniert mit Ausflügen in epische Gefilde und den klassischen Heavy Metal, sorgten für acht Stunden musikalischen Hochgenuss.

Doch bevor wir uns eben jener Musik widmen wollen ist es nötig zunächst dem Veranstalter Wolf-Rüdiger Mühlmann von Sure Shot Worx ein großes Lob auszusprechen:

Im Vorfeld der Veranstaltung  wurde einem unserer Mitreisenden seine Geldbörse entwendet (Ja ja, auf der Reeperbahn nachts um halb eins...). In ihr die Tickets für ihn und seinen Bruder. Was nun? Freitags nachts respektive samstags morgens ist guter Rat teuer. Kurzentschlossen wurden die UG-Kontakte aktiviert, um den Veranstalter zu erreichen. Ein Anruf bei ihm reichte, um den beiden völlig unbürokratisch den Zugang zum Konzert zu ermöglichen – ohne weitere Kosten. Ein riesiges Danke von den beiden Delinquenten und ein richtig großes Lob von uns – das ist nicht selbstverständlich!

Doch genug von den Nebenkriegsschauplätzen, auf zur Musik!

Den Anfang machten um 16 Uhr das Schweizer Duo Bölzer. Der Spielort war die kleinere der beiden Hallen, das Marx, welche schon direkt zu Beginn der Veranstaltung ihre Schwächen offenbarte. Ist es generell problematisch, bei ca. 1000 Besuchern eine vielleicht 200 Personen fassende zweite Halle anzubieten, bot diese leider auch nur eine stark eingeschränkte Qualität. Angefangen bei einem unterirdischen, viel zu bassigen Sound, über eine nahezu nicht vorhandene Bühnensicht im hinteren Bereich durch Stufen und einige Säulen bis hin zur unerträglichen Luft bot das Marx all diese Nachteile, die einem das Konzerterlebnis gründlich verleiden können.

Das größte Problem war jedoch das eingangs erwähnte: Nur ein sehr geringer Bruchteil war über den Tag verteilt in der Lage, die Bands im Marx zu verfolgen. Für viele Gäste ein mehr als nur einfaches Ärgernis, wollten doch gerade die erste Band wesentlich mehr Gäste begutachten, als der Saal fassen kann. Kommen dann, wie im konkreten Fall, über den Tag auch noch Zeitverschiebungen und Überschneidungen hinzu, kann man froh sein, wenn man die Hälfte aller Bands hören und sehen durfte.

Auch wenn wir über den Tag leider großteilig verzichten mussten, so gelang es uns dennoch einen kleinen Eindruck zu erhaschen:

Nicht nur in Anbetracht der Tatsache, dass dort nur zwei Mann die Meute unterhielten, war das mehr als amtlich. Ein Bassist fehlte zu keinem Zeitpunkt, es wurde ordentlich Gas gegeben und der angeschwärzte Death Metal erhitzte schon zu früher Stunde die Gäste. Der momentane Hype hat also seine völlige Berechtigung.

Der musikalische Anteil beginnt nun aber eigentlich erst bei den nun folgenden Corsair in der eigentlichen Markthalle. Das Quartett aus den Vereinigten Staaten beeindruckte vom Fleck weg durch musikalische Brillianz. Doomiger Stonerrock, mal langsam und drückend, mal fast schon schnell, ein herrliches Wechselspiel in den Melodien der beiden Gitarren, progressive Anleihen bei der Rhytmusfraktion – wirklich großartig. Einzig der dreistimmige Gesang wäre verzichtbar gewesen. Man gibt sich hörbar Mühe, das instrumentale Niveau auch hier zu halten, schafft es aber leider nur bedingt. Schade, denn eigentlich wäre die Musik auch ohne Gesang interessant genug, um zu funktionieren.

Die große Halle spielte dabei ihre Trümpfe großzügig aus und versprach, für diesen Abend mehr als geeignet zu sein. Ein mehrere Stufen tieferliegender Innenraum sorgte für gute Sicht von jedem Platz aus, je ein Getränkestand an der linken und rechten Hallenseite für eine stressfreie Versorgung mit Kaltgetränken auch während der Shows. Dazu stimmungsvoll gestaltetes Licht und ein den ganzen Abend durchgängig guter Sound sorgten für den idealen Rahmen. So wundert es nicht,  dass bereits Corsair von einem fast vollen Haus empfangen wurden.

Dass Musik auch ohne Gesang ausreichend spannend und vielleicht sogar intensiver als solche mit Gesang sein kann bewiesen im Anschluss die instrumental-Doomer Omega Massif. Statisches, gedämpftes blaues Licht sorgte wie üblich für die gedämpfte Atmosphäre, in der ihre verhältnismäßig schwere Kost erst richtig wirken kann. Der langsame, dadurch aber besonders epische Doom inspiriert durch die Welt der Berge zog die restlos gefüllte Haupthalle von Beginn an in ihren Bann, sorge für fast schon vollständige Stille während der Songs und frenetische Beifallsstürme in den wenigen Pausen.

Das erste Kontrastprogramm boten die Dortmunder von Sulphur Aeon. Death Metal ganz eigener Prägung, jedoch zu jeder Sekunde Oldschool wie man nur sein kann. Das war sicherlich eine der größeren Shows für das Quartett, man merkte eine gewisse Grundnervosität, welche sich jedoch eher positiv denn negativ bemerkbar machte.

Merkte man es nicht bei den zahlreichen Unterhaltungen und an den vielen bekannten Gesichtern wurde spätestens an dieser Stelle deutlich, wie viele Gäste aus dem gut 350km entfernten Ruhrgebiet angereist waren. Immer wieder brandeten laute „Ruhrpott!“ Sprechchöre auf. Der Musikbeauftragte der späteren Aftershowparty und ehemalige Undergrounded-Redakteur DJ Krugi war sicherlich nicht ganz unschuldig an diesem Umstand, zeichnete er sich doch bis vor kurzem unter anderem Verantwortlich für die musikalische Gestaltung zahlreicher Abende in den Clubs und Kneipen des Kohlenpottes.

In ruhigeres Fahrwasser begaben sich The Ruins of Beverast aus Aachen. Der Beginn der Show verzögerte sich aufgrund von technischen Problemen, die wartenden Besucher in der restlos vollen Markthalle wurden jedoch durch ein Konzert der Extraklasse belohnt, welches schnell zum Highlight des diesjährigen Hell over Hammaburg avanciert ist. Ähnlich schwere Kost wie die von Omega Massif, ging es auch hier drückend, treibend und atmosphärisch unglaublich dicht zu Werke. Gesprochenes Intro, turbotiefe Growls, dröhnende Amps zum Ende der Show – eine eindrucksvolle Vorstellung!

War der Sound bisher schon über jeden Zweifel erhaben, legte der mitgereiste Tonkünstler Daniel (ebenfalls ein Import aus dem Ruhrgebiet) noch eine ganze Schippe oben auf und rundete so eine ohnehin tiefe musikalische Erfahrung zusätzlich ab. 

Einen ähnlichen Punktsieg, allerdings inklusive Stilbruch zu den vorher gehörten Ruins of Beverast, landeten die neuen Stars am Himmel des epischen Heavy Metals, die „Chartstürmer“ Atlantean Kodex. Vor rappelvollem Haus gaben die fünf ihre epischen Doubelbass-Hymnen und ihre ausgefuchsten Melodien zum Besten. Schade, dass Sänger Markus stimmlich nicht ganz auf der Höhe und offenbar gesundheitlich angeschlagen war. Er wurde jedoch von den zahlreichen Fans entweder lautstark unterstützt oder durch „Atlantean Kodex“-Sprechchöre schlicht übertönt. Phänomenale Atmosphäre, der exzellenten Leistung der Band angemessen.

Den Abschluss dieses in musikalischer Hinsicht mehr gelungenen Hell over Hammaburgs sollten die NWOBHM-Legenden Satan bilden. Frisch wieder zusammengefunden, mit dem ersten Studioalbum seit 16 Jahren im Gepäck, enterten sie die Bühne und machten keine Gefangenen. Gleich zu Beginn jagte ein Highlight das nächste. Und die Zuschauer feierten ausgelassen zu Songs wie Time to die und Twenty twenty five. Ein grandioser Gig der Engländer, vor allem die gewaltige Stimme von Frontmann Brian Ross begeisterte über alle Maßen!

Bei der anschließenden Aftershowparty im Raucherbereich mit dem oben erwähnten DJ Krugi als Musikverantwortlichen wurde bis in die frühen morgenstunden bei reichlich Bier und anderen Alkoholika der Abend gefeiert. 

Was bleibt hängen? Musikalisch ein absolutes Highlight des diesjährigen Konzertkalenders. Die Bandauswahl war abwechslungsreich, stimmig und konnte auf jeder Ebene durch Exzellenz glänzen.

Was die Organisation angeht, muss allerdings noch einiges dazugelernt werden. Die Ansätze sind gut, aber im Feintuning müssen noch einige Schrauben gedreht werden, um das Hell over Hammaburg auf allen Ebenen zu den ganz großen Highlights gehören zu lassen. Dazu gehört vor allem die Verteilung der Bands auf die beiden Hallen.

Große Teile der Besucherschaft könnten sich sicherlich darauf einlassen, zwei Bands weniger zu sehen, eine Stunde früher anzufangen und dafür jede Band in der Markthalle spielen zu lassen. Ins Marx könnte man z.B. die Merchandise-Stände ausquartieren und so für Entzerrung am größten Engpass, den Weg vom Einlass zur Garderobe sorgen. Oder aber eine Lounge mit weiteren Sitzmöbeln außerhalb des Raucherbereiches - für etliche nicht rauchende Gäste sicherlich ein weiterer erstrebenswerter Ansatz. Man kann nicht immer alles haben, aber man zumindest darauf hinarbeiten.

Denn ansonsten ist die Markthalle eine ideale Location. Die Lage direkt am Hauptbahnhof, für Hamburger Verhältnisse durchschnittliche Preise für Getränke und kleine Snacks und die gehobene technische Ausstattung tragen sicherlich ihr Übriges dazu bei, das Hell over Hammaburg so erfolgreich zu gestalten. 

 

Weitere Informationen

  • Band(s): Satan, Atlantean Kodex, The Ruins of Beverast u.v.m.
  • Wann: 01.03.2014
  • Wo: Markthalle, Hamburg
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