Dienstag, 16 Juli 2013 18:28

11.-13.07.2013 - Dong Open Air

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Alle Jahre wieder wird es laut auf der Halde Norddeutschland in Neukirchen-Vluyn am Niederrhein, vielen besser bekannt als Dongberg. Anno 2013 begrüßte das gleichnamige Dong Open Air bereits zum 13. Mal an die 2000 Metaller zum Familientreffen in einer der wohl schönsten Locations Deutschlands. Bei herrlichstem Festivalwetter buhlten 29 Bands von klein bis etwas größer um die Gunst der Besucher...

... dieses Jahr jedoch mit einem kleinen Novum: zum ersten Mal seit Jahren war das Festival nicht ausverkauft. Auf die möglichen Gründe möchte ich später in einem anderen Bericht eingehen, widmen wir uns an dieser Stelle zunächst einmal den konkreten Ereignissen.


Wurde die erste Band des Festivals, Aeons Confer aus Hamburg, durch den frühen Beginn und die späte Möglichkeit, den Berg zu betreten, noch mit der Errichtung der Undergrounded-Basis und der Herbeiführung leiblichen Wohlbefindens in Form des Konsums kühler Hopfenkaltschalen und warmer Speisen verbracht, stand jedoch zur zweiten Kapelle ein erster Pflichtbesuch des Festivalgeländes auf dem Programm. Die Chemnitzer J.T. Ripper waren nun an der Reihe, das bisher wenig gefüllte Zelt zu unterhalten und legten musikalisch gesehen auch gleich heftig los. Ihr Black/Thrash mit Einschlägen von Sodom, Destruction und Venom wusste jedoch aus verschiedenen Gründen leider wenig zu überzeugen. Wenig Stageacting, ein etwas lustloses Auftreten und ein gerade so eben und mit viel gutem Willen noch als durchwachsen zu bezeichnender Sound hinterließen leider kein wirklich gutes Bild. Schade, denn musikalisches Potential ist durchaus zu attestieren.


Mehrere Klassen besser machten es kurze Zeit später die Mannen von Crossplane. Die Rock'n'Roller aus Essen zeigen, was Attitüde heißt und schaffen es damit nicht nur, das Zelt zusehends immer mehr zu füllen, sondern auch die erste wirklich erwähnenswerte Party des Festivals zu initiieren. Stagediving, Headbanging seitens des Publikums und pure Energie seitens der Band rund um Frontmann Celli ließen keinen der anwesenden Besucher unbewegt. Wenn das bald zu veröffentlichende erste Album nur ansatzweise an ihre Livequalitäten heranreicht, darf hier großes erhofft werden! Von der so aufgeheizten Stimmung profitierten klar die nachfolgenden Kölner von Fyrnreich. Vor gut gefülltem Haus präsentierten sie ihren Pagan Metal der Marke Equilibrium. Damit ist sicherlich kein Innovationspreis mehr zu gewinnen, ihren Job machten die Jungs jedoch trotzdem keinesfalls schlecht – zumindest soweit das bei diesem, gefühlt, immer schlechter werdenden Sound zu beurteilen war. Die Leadgitarren klangen jedenfalls ziemlich cool, die Screams vermochten sich jedoch nicht wirklich durchzusetzen und das Keyboard war bestenfalls zu erraten. Sehr schade, dem Publikum scheint es jedoch trotzdem gefallen zu haben.


In eine gänzlich andere Kerbe schlugen anschließend die aus Schweden stammenden Truckfighters. Zum ersten Mal verirrte sich eine Stoner-Rock Band in das Billing des Dong Open Air und rückblickend darf man fragen: Warum nicht schon viel früher? Die Jungs lieferten eine Show vom allerfeinsten, ihre sehr instrumentallastige Musik lies die Zeit wie im Flug vergehen. Einzig die etwas zu helle Stimme des Sängers vermochte sich nicht ganz in den Kontext der durchaus schweren Musik einzufügen. Da aber die Gesangsanteile ohnehin eher gering waren, ist dies als nicht so tragisch zu bewerten. Insgesamt etwas wirklich Besonderes und ein frühes Highlight dieses Festivals. Sodom sollten schließlich den ersten Abend beschließen. In gewohnter Art und Weise feuerten sie eine Rakete nach der anderen ab und präsentierten einen perfekten Mix aus älteren und neueren Werken inklusive ungeschlagenen Krachern wie „Outbreak of Evil“ und „Blasphemer“. Dass das Zelt völlig zu Recht Kopf stand, muss an dieser Stelle nicht extra erwähnt werden. Nach einer sehr intensiven Show inklusive einer Zugabe leiteten sie in die altbekannte Aftershow Party über, bei der bis in die frühen Morgenstunden bei allerlei alkoholischen Kaltgetränken kräftig gefeiert wurde.


Tag Zwei begann nicht nur erwartungsgemäß mit einem bösen Kater, sondern auch mit einer Überraschung: Man hatte wohl schon zu früher Zeit am Sound geschraubt und so klang das, was Scornage aus Aachen zu früher Stunde zu hören boten, gar nicht mal schlecht. Quasi im Nachrückverfahren für Orphan Hate eingesprungen, wussten sie ihre Chance zu nutzen und boten dem überraschend gut gefüllten Auditorium ansprechenden Thrash Metal der Marke Bay-Area. Dem Publikum gefiel es, offenbar ein guter Muntermacher.


Musste die nächste Band für den Schreiber dieser Zeilen leider zu Gunsten von Schlaf und koffeinhaltigen Heißgetränken entfallen, war es zu Elvenpath, einer unserer Hausbands, wieder Zeit, sich vor die Bühne zu begeben und den Klängen zu lauschen, die dort folgen sollten. Diesen Entschluss hatten leider außer mir nicht allzu viele gefasst. Persönliches Pech, denn sie verpassten eine durchaus gelungene Darbietung zwar wenig innovativen, aber musikalisch exzellenten Power Metals. Sind zweistimmige Leadgitarren zwar ein fast schon nerviges Klischee, kamen sie aber gerade in Kombination mit Dragutins kräftiger und sicherer Stimme richtig super rüber. Leider können die Zweitstimmen von Basser Cris nicht mit Dragutins mithalten und auch insgesamt wirkten Elvenpath etwas zu ideenlos. So hatten Elvenpath zwar auf der Bühne sichtlich Spaß, das Publikum jedoch weniger.


Ungleich härter ging es wenig später bei Kadavrik zur Sache. Melodischer Death Metal, glücklicherweise eher älterer als neuerer Schule, mit reichlich Atmosphäre traf auf heftige Ballerparts. Vor gut gefülltem Haus zerlegten die Weseler nach Strich und Faden die Bühne. Auf mich sprang der Funken jedoch nicht wirklich über, das ganze Konstrukt wirkt einfach zu Glattgebügelt, zu poliert, zu wenig organisch. Handwerklich aber durchaus großes Kino. Mit über einer halben Stunde Verspätung enterten schließlich Hatred die Bühne, die durch einen Brand lahmgelegten Autobahnen des Ruhrgebiets verhinderten eine planmäßige Anreise. Zehn Minuten länger als geplant durften sie dennoch spielen, so kam immerhin noch eine gute halbe Stunde herum.


Offenbar wollten sie gerne die Zeit zurückdrehen, denn diese halbe Stunde lang gaben sie mehr als nur doppelt Gas. Trotz der langen Wartezeit hielten viele Gäste ihre Plätze und feierten genauso hart mit, als Hatred endlich ihren Oldschool Thrash der Marke Kreator auf die Meute losließen. Ein Knallerriff jagte das nächste und es wurde gemosht bis der Nacken barst. Schade um die Verspätung, davon hätte man gerne mehr gesehen. Auf Oldschool folgt, fast schon gesetzmäßig, wieder Moderne, dieses Mal in Form der Band Words of Farewell. Melodischer Death Metal, dieses Mal der modernen Schule folgend. Nicht nur das Shirt des Sängers zeigte sich der Musik von Insomnium verbunden, auch die Songs der Kapelle zitierten die Finnen an jeder nur erdenklichen Stelle. Zu mehr als nur einem Zitat hat es jedoch nicht gereicht, abgesehen von der Modernisierung fehlte schlicht die Originalität und Spritzigkeit. Das sah auch das Publikum so. Die Band gab sich zwar alle Mühe zu begeistern, das Zelt leerte sich jedoch zusehends.


Man hätte es kaum erahnen können, Finntroll füllten das Zelt im Gegensatz dazu bis auf den letzten Platz. Auch die prä- und postpubertierenden „Hey hey hey“-Gröler sollten nun auf ihre Kosten kommen. In biergeschwängerter Atmosphäre wurde zu belangloser Musik geschunkelt und gegrölt, was die letzten Hirnzellen hergaben. Öfter mal Masse statt Klasse, auch ein untergründiges Festival braucht eben seine Partyschlager. Abseits dieser quasi unverzichtbaren und immens wichtigen „Hey hey hey“- und „La di da“-Grölerei sorgten die anwesenden Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr für großes Aufsehen. Die hohen Temperaturen sorgten offenbar für Mitleid mit den feiernden Gästen und so wurden kurzerhand Löschmittel zweckentfremdet und ein Schaumteppich in die Pavillionburg der örtlichen Partytruppe gelegt – eine spontane Schaumparty war das Resultat, welche sicherlich in die Geschichte des Dongs eingehen wird.


Powerwolf konnten das musikalische Niveau im Anschluss zwar nicht mehr retten, zeigten aber trotzdem, warum sie momentan eine der gefragtesten und meist gefeierten Bands aus Deutschland sind. Erstaunlich, dass noch mehr Leute in das Zelt passten, als bei Finntroll, aber irgendwo fanden sich wohl noch ausreichend Lücken. Vom ersten Ton an hat Prediger Attila Dorn die Menge fest in der Hand, jedes Wort und jede Geste wird verfolgt und abgefeiert.
Die Setlist war herrlich gemixt, ein Kracher folgte auf den nächsten und spätestens bei „Resurrection by Erection“ war die Masse lauter als die Band selber. Gänsehaut, wirklich erstklassig! Die Kostümierungen und die exzellent ausgeleuchtete und dekorierte Bühne, die fast schon etwas klein wirkte, sorgten für ihr übriges. Eine Vorstellung, die erst mal jemand nachmachen muss!


Doch zu früh gestaunt, schon am frühen Morgen des dritten Tages zeigten Act of Worship aus Köln bzw. Düsseldorf – eine durchaus merkwürdige Kombination – dass sie auf dem besten Wege sind, genau das nachzumachen. Nicht nur, dass es für einen Opener morgens um zwölf Uhr quasi brechend voll war, die Jungs zeigten auch direkt, wie man anständig Musik macht. Schwedischer Death Metal alter Schule auf technisch höchstem Niveau, perfekt in der Mitte zwischen Komplexität und Eingängigkeit gehalten. Die Gitarrenarbeit technisch perfekt mit herrlichen Soli, Sänger Henning Aspirant auf den Sympathiepreis des Festivals. Diese Mischung kam so gut an, dass schon beim Opener Rufe nach Zugaben laut wurden. So laut, dass sie auch erfüllt wurden, leider jedoch mit einer Wiederholung, auf so viel Resonanz war man wohl einfach nicht vorbereitet. Klares Festivalhighlight im Undergroundbereich! Diesen Jungs hätte auch eine spätere Spielzeit gut zu Gesicht gestanden.


Nicht weniger Oldschool, aber in diesem Falle im Bereich des Thrash, gab es anschließend bei den Saarbrückern von Godslave auf die Nase. Mit kräftigem Slayereinschlag, viel Spielfreude und noch mehr „Fuck You“-Attitüde gingen die Jungs recht brachial zu Werke und bereitetem dem noch von Act of Worship gut angeheizten Publikum ein wahres Moshfest. Die Haare flogen, auch erste Moshpits kristallisierten sich heraus. Zu dieser frühen Uhrzeit durchaus bemerkenswert. Auch diese Jungs kamen nicht um eine Zugabe herum. So darf ein Morgen gerne beginnen!


Nach einer kurzen Frühstückspause während der Ethno-Metal Band Acyl sollten nun die Lokalmatadore Ravian aus Moers ihr Können unter Beweis stellen. Groß angekündigt als Gewinner des „Underground Band Contests (UnBaCo)“ hingen die Erwartungen hoch. So war es wenig verwunderlich, dass sich schon weit vor der Show eine durchaus beachtliche Fanzahl vor der Bühne versammelte. Doch was war nur mit Ravian los? Musikalisch sind die Jungs definitiv eine Macht. Die Songs sind mit viel Liebe zum Detail und viel Fachwissen auskomponiert, da passt wirklich alles. Epischer Powermetal höchster Güte und mit noch mehr Potential nach oben. Endlich mal eine Band, die von den Fans völlig zu Recht abgefeiert wird. Doch was ist mit dem Gesang passiert? Sind Sänger Jan und Keyboarder Gilbert eigentlich bekannt für ihre tollen Stimmen und ihre tonale Treffsicherheit, passte dieses Mal so gar nichts zusammen. Kein Ton saß da, wo er hinsollte, weder im Kontext der Musik noch im Zusammenspiel beider Stimmen. Der Grund: Probleme mit dem In-Ear Monitoring. Was mich erneut zu einer grundsätzlichen Sache bringt: Bitte liebe Bands, bitte liebe Musiker von Ravian, benutzt kein Equipment, dessen Bedienung Euch Probleme macht oder Probleme machen könnte! Gerade nicht bei solch wichtigen Auftritten, ihr werdet etliche Shows benötigen, um dies wieder auszubügeln! Habt ihr keinen eigenen Monitor-Mischer, lasst es besser zu Hause. Es ist keine Schande, verdammt viele Bands kommen mit den vorhandenen Boxen wunderbar aus, warum nicht auch Ihr? Unter Garantie hättet Ihr weniger Probleme gehabt. Aber naja, ich schweife ab. Dankt Euren Fans dafür, dass sie Euch trotzdem kompromisslos bis zum letzten angefeuert und abgefeiert haben!


Während die nachfolgenden Bands eher damit glänzten, musikalisch uninteressant zu sein, schwang sich wie schon tags zuvor die Freiwillige Feuerwehr dazu auf, die Massen zu unterhalten und bei den hohen Temperaturen für Abkühlungen zu sorgen. Während in der Nähe des Bühnenzeltes eigens ein Käfig für die abendliche zweite Ausgabe der Schaumparty bereitet wurde, wurde auf dem abschüssigen Hauptweg aus Folie, Seife und reichlich Wasser eine Rutschbahn improvisiert, welche in kürzester Zeit mehr Schaulustige und Darsteller auf den Plan rief, als die aktuell spielenden Bands. Ein großer Spaß für alle Beteiligten, erneut ein riesen Lob an den Einsatz der freiwilligen Helfer. Hoffentlich hat es Euch genauso viel Spaß gemacht!


Als Co-Headliner des dritten Tages waren Skyclad auf den Plan getreten. Fast schon eine Tradition, die Briten finden sich alle paar Jahre auf dem Dong ein und unterhalten die Besucher zielsicher mit trinkfreudigem Metal, gepaart mit kräftigen Einschlägen britischem Folks. Auch wenn sie sich dieses Jahr auf dem 10. Jubiläum des Dynamo Open Air wähnten statt auf dem Dong. Ach ja, wäre es doch nur noch einmal 1996. Die Konstellation aus elektrischer und akustischer Gitarre, Bass, Geige und Schlagzeug machte durchaus Laune, sofern man schon einen im Tee und eine grundsätzliche Affinität zu britischem Folk hat. Für alle anderen könnte die Musik etwas zu belanglos gewesen sein. Der ganz großen Mehrheit hat es jedoch gefallen.


Alles andere als belanglos wurde es anschließend mit Soulfly, der Band rund um den legendären Max Cavalera. Das brechend volle Zelt verwandelte sich in einen einzigen Moshpit; pure Anarchie ist wohl der Begriff, mit dem sich das Geschehene am besten beschreiben lässt. Max versprühte eine wahnsinnige Energie, und spätestens zum ersten Sepultura-Song des Abends in Form von „Refuse/Resist“ tropfte der erste Schweiß von der Zeltdecke. Generell  war es ein starkes Stück, fast ein halbes Set mit Sepultura-Songs zu füllen. Eine absolute Entschädigung für die schwache Sepultura-Coverband, die letztes Jahr um diese Zeit als Headliner verkauft wurde! Kniet nieder, ihr seid unwürdig! Dieser Atmosphäre konnte auch der wirklich grottenschlechte Sound keinen Abbruch tun, ein gelungener Abschluss.


Abschluss? Nicht ganz! Die Kamikaze Kings sollten die anschließende Aftershowparty mit Musik versorgen und sorgten dabei vor allem für eins: Mächtiges Fremdschämen auf der einen Seite, mächtige Party auf der anderen. Einfallslose Musik, geschmacklose Outfits und, zugegeben, ganz belustigende Ansagen trieben eine unerwartet hohe Anzahl von Menschen zu Polonäsen und anderen Späßen an. Guter Abschluss, so lässt es sich feiern.


So enden also drei Tage Festival, wie jedes Jahr. Rückblickend war es wieder ein verdammt geiles Dingen. Leider mit einem sehr durchwachsenen Billing, einigen Enttäuschungen und vielen Ecken und Kanten in der Organisation, aber durchweg friedlich und mit einer tollen Stimmung auf dem ganzen Platz. Dong, du siehst mich garantiert nächstes Jahr wieder!

Weitere Informationen

  • Band(s): Dark Tranqulity, Sodom, Finntroll, Powerwolf, Skylclad, Soulfly, uvm
  • Wann: 11.-13.07.2013
  • Wo: Halde Norddeutschland, Neukirchen-Vluyn
Gelesen 1882 mal Letzte Änderung am Dienstag, 16 Juli 2013 18:54

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