Freitag, 28 Juli 2017 11:14

Corpus Christii - Delusion

geschrieben von Haimaxia
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Delusion Delusion Corpus Christii

Die portugiesische Black Metal-Hausnummer Corpus Christii hat zwei Jahre nach dem letzten Album „PaleMoon“ wieder mit einer neuen Platte zugeschlagen. Mit „Delusion“ führt der Kopf der Band, Nocturnus Horrendus (bürgerlich Alexandre Mota), seine Hörerschaft zielsicher und titelgetreu in den mentalen Kollaps.

Damit erscheint nun bereits das dritte Album der Kombo beim Berliner Label Folter-Records (u.a. Fin, Hagl, Narvik). Eröffnet das neue Werk noch mit dem bereits weit vorab veröffentlichten, recht klassischen und wenig überraschenden „The Curse Within Time“, bekommt man aber nichtsdestotrotz schon nach den ersten Minuten das Gefühl, immer tiefer herabzusinken - tief in das kaputte, öde Setting, welches der Frontmann, Bassist und Gitarrist J. Goat (ggf. bekannt von Theriomorphic und seit dem 2015er Opus im Trupp von Corpus Christii) und Drummer Andrecadente hier entwerfen. Bereits Song Nummer 2, „Chamber Soul“, untermauert aber, dass Nocturnus Horrendus ein bisschen mehr in petto hat, als Stücke zu schmieden, die in ihrer Schlagkraft überzeugen, aber wenig Neues mit sich bringen: Viel mehr wird es stellenweise richtig schön „thrashig“, Rock’n’Roll-Feeling kommt auf, es wird mehr mit dichter Atmosphäre gearbeitet. Fuck, „Become The Wolf“ könnte auch von Satyricon stammen, würde es nicht so verflucht dreckig klingen. Aber dieser halb-gesprochene und halb-gescreamte Vocal-Stil, an dem Corpus Christii hier Gefallen gefunden zu haben scheinen, verträgt sich gut mit dem sonst so halsbrecherischen Sound der Band.

 

Vor allem wird das bei Stücken wie „I See, I Become“ deutlich, welches nicht nur atmosphärisch und gar nicht so brachial wie andere CC-Songs daherkommt, sondern sogar noch mit einer ungewöhnlichen Drei-Sprachen-Kombi auftrumpft – Nocturnus Horrendus gibt hier einige englische Passagen zum Besten, welche von deutschen und portugiesischen „Refrains“ abgelöst werden, welche beständig heruntergebetet werden und in diesem Stil ziemlich beeindruckend wirken. Im Verglich mit früheren Platten muss man auch sagen, dass die Intensität der Stücke zugenommen hat. Mehr Agonie, mehr „soghafte Klebrigkeit“ in den Songs, dramatischer, mehr durch Mark und Bein fressend, vorrangig natürlich den einzigartigen Leistungen am Mikro zu verdanken. Auch für alle Liebhaber der dissonanten Riffs gibt es natürlich Futter: Bei „Seeker Of All“ zum Beispiel, oder „Near The End“ - genau dieses chromatische Spiel schenkt der Musik von Corpus Christii und generell dem Black Metal das typisch „kaputt-verrohte“ Element, welches natürlich als Brandzeichen nicht fehlen darf.

 

Fazit: „Delusion“ hebt sich vor allem durch seine Frische hervor, durch starke, eigenständige und vielseitige Songstrukturen und dadurch, gleichzeitig orthodox und doch unorthodox zu sein. Der teuflische Blastbeat-Sturm und die typisch-verrohte Ader des Gesamtwerks versprechen selbstredend weiterhin, bittere und intensive Klangerfahrungen zu werden, denn von richtiger Experimental-Avantgarde will Mota nichts wissen. Aber stürzt das Satanswort des Raw-Sound-Meisters aus dem Westen der Iberischen Halbinsel auch weiterhin so gekonnt ins Chaos wie auf den vergangenen Werken? Die Antwort lautet: Mehr denn je.

 

Trackliste:

01 The Curse Within Time

02 Chamber Soul

03 Become The Wolf

04 I See, I Become

05 Facing Concrete Mountains

06 Seeker of All

07 I Am The Night

08 Near The End

09 Carrier Of Black Holes


Bewertung:
9 von 10 Punkten

 

Corpus Christii - Delusion

Die portugiesische Black Metal-Hausnummer Corpus Christii hat zwei Jahre nach dem letzten Album „PaleMoon“ wieder mit einer neuen Platte zugeschlagen. Mit „Delusion“ führt der Kopf der Band, Nocturnus Horrendus (bürgerlich Alexandre Mota), seine Hörerschaft zielsicher und titelgetreu in den mentalen Kollaps. Damit erscheint nun bereits das dritte Album der Kombo beim Berliner Label Folter-Records (u.a. Fin, Hagl, Narvik).

 

Eröffnet das neue Werk noch mit dem bereits weit vorab veröffentlichten, recht klassischen und wenig überraschenden „The Curse Within Time“, bekommt man aber nichtsdestotrotz schon nach den ersten Minuten das Gefühl, immer tiefer herabzusinken - tief in das kaputte, öde Setting, welches der Frontmann, Bassist und Gitarrist J. Goat (ggf. bekannt von Theriomorphic und seit dem 2015er Opus im Trupp von Corpus Christii) und Drummer Andrecadente hier entwerfen. Bereits Song Nummer 2, „Chamber Soul“, untermauert aber, dass Nocturnus Horrendus ein bisschen mehr in petto hat, als Stücke zu schmieden, die in ihrer Schlagkraft überzeugen, aber wenig Neues mit sich bringen: Viel mehr wird es stellenweise richtig schön „thrashig“, Rock’n’Roll-Feeling kommt auf, es wird mehr mit dichter Atmosphäre gearbeitet. Fuck, „Become The Wolf“ könnte auch von Satyricon stammen, würde es nicht so verflucht dreckig klingen. Aber dieser halb-gesprochene und halb-gescreamte Vocal-Stil, an dem Corpus Christii hier Gefallen gefunden zu haben scheinen, verträgt sich gut mit dem sonst so halsbrecherischen Sound der Band.

 

Vor allem wird das bei Stücken wie „I See, I Become“ deutlich, welches nicht nur atmosphärisch und gar nicht so brachial wie andere CC-Songs daherkommt, sondern sogar noch mit einer ungewöhnlichen Drei-Sprachen-Kombi auftrumpft – Nocturnus Horrendus gibt hier einige englische Passagen zum Besten, welche von deutschen und portugiesischen „Refrains“ abgelöst werden, welche beständig heruntergebetet werden und in diesem Stil ziemlich beeindruckend wirken. Im Verglich mit früheren Platten muss man auch sagen, dass die Intensität der Stücke zugenommen hat. Mehr Agonie, mehr „soghafte Klebrigkeit“ in den Songs, dramatischer, mehr durch Mark und Bein fressend, vorrangig natürlich den einzigartigen Leistungen am Mikro zu verdanken. Auch für alle Liebhaber der dissonanten Riffs gibt es natürlich Futter: Bei „Seeker Of All“ zum Beispiel, oder „Near The End“ - genau dieses chromatische Spiel schenkt der Musik von Corpus Christii und generell dem Black Metal das typisch „kaputt-verrohte“ Element, welches natürlich als Brandzeichen nicht fehlen darf.

 

Fazit: „Delusion“ hebt sich vor allem durch seine Frische hervor, durch starke, eigenständige und vielseitige Songstrukturen und dadurch, gleichzeitig orthodox und doch unorthodox zu sein. Der teuflische Blastbeat-Sturm und die typisch-verrohte Ader des Gesamtwerks versprechen selbstredend weiterhin, bittere und intensive Klangerfahrungen zu werden, denn von richtiger Experimental-Avantgarde will Mota nichts wissen. Aber stürzt das Satanswort des Raw-Sound-Meisters aus dem Westen der Iberischen Halbinsel auch weiterhin so gekonnt ins Chaos wie auf den vergangenen Werken? Die Antwort lautet: Mehr denn je.

Trackliste:

1

- The curse within time

2

- Chamber soul

3

- Become the wolf

4

- I see, I become

5

- Facing concrete mountains

6

- Seeker of all

7

- I am the night

8

- Near the end

9

- Carrier of black holes

Bewertung:

9 von 10 Punkten

Weitere Informationen

  • Band: Corpus Christii
  • Album Titel: Delusion
  • Erscheinungsdatum: 28.04.2017
  • Fazit: „Delusion“ hebt sich vor allem durch seine Frische hervor, durch starke, eigenständige und vielseitige Songstrukturen und dadurch, gleichzeitig orthodox und doch unorthodox zu sein.
Gelesen 222 mal Letzte Änderung am Freitag, 28 Juli 2017 11:27

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The Curse Within Time Corpus Christii

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