Dienstag, 25 April 2017 08:48

The Sade - Grave

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Grave Grave The Sade

Würde ich es nicht besser wissen, würde ich „The Sade“ eher im Westen der USA verorten. Ein bisschen Rock, ein bisschen Tex Mex und ‘ne Menge Groove dazu und fertig ist der Lack. Aber ganz so einfach ist es dann doch wieder nicht und irgendwie fesselt mich „Grave“ grade ziemlich an die Kopfhörer.

Das Italo-Trio um Frontschwein Andre Pozzy schafft mit dem schlichten Albumtitel „Grave“ ein teilweise sehr melancholisches Stück Rock, das direkt ins Herz trifft. Stimmlich erinnert mich Andre dabei an einen stimmgewaltigen Mix aus Thorsten Schramm von Sober Truth und Pepper Keenan von Corrosion of Conformity, was eine ganz spezielle Stimmung in den meist sehr düsteren Tracks wie z.B. „The Raven“ oder „Nyctophilia“ schafft.


Dies bedeutet nicht, dass man es auf dem inzwischen dritten Longplayer nicht auch rockiger und/oder punkiger hinbringt: „Seek Seek Seek“ ist da z.B. ein feines Stück energetischer, das nicht nur zum Mitsingen animiert, sondern auch die perfektionierte Gitarrenarbeit bewundern lässt – Dies wird in diesem Song besonders offenbar, da das sehr punkige Intro von einem im letzten Drittel verortetem Solo wunderbar ergänzt wird. Das lädt direkt zum Einsteigen in ein Muscle Car ein, um damit in einer lauen Sommernacht (in Ermangelung der Route 66) durch das Piemont zu heizen und dabei den einen oder anderen Muskato in den Kopf zu löten, während Francesca oder Sofia das Gelöte bearbeitet (um ein kleines Bild für den textmüden Leser zu zeichnen). Ein weiterer Titel der heraussticht ist „Graveyard“, der (zumindest zu Beginn) eines der schnelleren Stücke der Scheibe ist. Man gibt sich erst in schlichter 3-Akkorde-Riffmanier, also eher simpel gestrickt und überlässt das Tragen des Songs wiederum Sänger Andre. Der schafft es irgendwie, im Gegensatz zum flotten Takt des Songs, der zur Mitte wieder mit einem weitaus facettenreicheren Gitarrensolo aufwartet, mit seiner Stimme eine ambivalente Ruhe in den Song zu bringen. Man kommt aber im letzten Drittel dann zu einem abrupten Full Stop, um zwar das Thema wieder aufzugreifen, aber mit Samples von Geschrei, düsterem Gelächter und Glockengeläut eine gespenstische Atmosphäre zu erzeugen um den Song fulminant auslaufen zu lassen.


„Coachman“ ist dann eine der anfangs erwähnten absoluten Tex-Mex-Country Granaten mit einem Mix aus E-und Akustikgitarren und Bottleneck Flair, während der Track „Burnt“ mit Live-Aufnahmen und Fan-Chor (The Angry Choir Of Saint Lawrence’s Bridge) gemixt den Hymnenpart der Scheibe darstellt. „Charlie Charlie“, als kürzestes Stück und Outro, wurde als einziges echtes „Solo“ mit Akustikgitarre und spanischem Flair von Andre verewigt.


Trackliste:

1. Prayer

2. The Raven

3. Seek Seek Seek

4. Afterdeath

5. Black Leather

6. Graveyard

7. Coachman

8. Burnt

9. Nyctophilia

10. Charlie Charlie


Bewertung:

8,5 von 10 Punkten

Weitere Informationen

  • Band: The Sade
  • Album Titel: Grave
  • Erscheinungsdatum: 04.04.2017
  • Fazit: Vielleicht ist die Scheibe nicht 100% im Metal zu verorten, aber sie ist doch rockig und abwechslungsreich genug, um die alten "Gründer" zu ehren und nicht zu langweilig daherzukommen. Das hat das Trio von „The Sade“ mit „Grave“ und einigen Gästen sauber hinbekommen. Absolutes Ohrwurm Potential mit Kurzweil!
Gelesen 477 mal Letzte Änderung am Dienstag, 25 April 2017 08:56

Medien

Promo Video - Trailer for "Grave" album The Sade

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